Der Zusammenhang von Patriotismus/Nationalismus und Staatsräson bei Machiavelli und Fichte


Seminararbeit, 2009

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Fragestellung

2. Begriffsklärungen

3. Einführung Machiavelli
3.1. geschichtlicher Hintergrund
3.2. Leben & Werk
3.3. Bedeutung von Patriotismus/Staatsräson

4. Fichte
4.1. geschichtlicher Hintergrund
4.2. Leben & Werk
4.3. Bedeutung von Nationalismus/Staatsräson

5. Schlussbemerkung

Literatur

1. Fragestellung

Niccolò Machiavelli und Johann Gottlieb Fichte trennen drei Jahrhunderte. Dennoch haben sie viel gemeinsam, wie zum Beispiel ihren schlechten Ruf. Reginald Pole bezeichnet Machiavelli als einen „Feind der Menschheit“1, dessen Werk vom Fürsten die Gesellschaft in den Ruin treiben würde.

„I had scarely begun to read the book, when I recognized the hand of Satan, even through it bore the name of a human author and was written in a discernibly human style.” 2

Der Begriff des Machiavellismus wurde in einer langen Rezeptionsgeschichte vielfach negativ aufgeladen und steht bis heute für ein skrupelloses, politisches Machtkalkül. So gilt machiavellistisches Handeln gemeinhin als unsittlich, ohne die tiefere Absicht des Autors überhaupt zu erwägen.

„Er [Henry Kissinger] und ein Machiavellist? `Nein, ganz und gar nicht.´ Ob er nicht bis zu einem gewissen grade von Machiavelli beeinflusst sei? `Nicht im Geringsten.´“ 3

Fichte dagegen wird oft als Wegbereiter des deutschen Nationalsozialismus und Faschismus genannt, da besonders in seinen „Reden an die deutsche Nation“ der nationale Zusammenhalt der deutschen Gesellschaft bekräftigt werden sollte.

„Von ihnen [den „Reden an die deutsche Nation“] geht die Stärkung eines nationalen Selbstbewusstseins der Deutschen zu Anfang des 19. Jahrhunderts aus. Als einer der geistigen Anstöße für die innere Umgestaltung Deutschlands und der Befreiung von der napoleonischen Herrschaft prägen sie die neuere deutsche Geschichte.“ 4

Doch auch hier reicht eine oberflächliche Betrachtung des Werkes nicht aus, um den eigentlichen Inhalt zu erschließen.

„Fast alle politischen Richtungen (…) haben versucht, die Reden Fichtes für sich zu vereinnahmen. Dabei werden die aus dem Gesamtzusammenhang gerissenen Texte Fichtes der ideologischen Verzerrung und Entstellung (…) wehrlos ausgeliefert.“ 5

Wie verwenden die beiden Autoren die Konzepte der Staatsräson und des Nationalismus nun wirklich? Wie konstituieren sich die Vorstellungen von Vaterland, Heimat und Freiheit in ihrer theoretischen Philosophie und ihrem praktischen Handeln? Zur Klärung dieser Fragen werde ich einerseits die Werke „Il Principe“ und „Discorsi“ sowie Briefe der persönlichen Korrespondenz Machiavellis heranziehen. Um einen Bezug zwischen den Autoren herzustellen, werde ich auf der anderen Seite Fichtes Machiavelli-Rezeption („Ueber Machiavel, als Schriftsteller, und Stellen aus seinen Schriften“) verwenden. Die Interpretation dieser Primärquellen werde ich durch Sekundärliteratur vertiefen.

2. Begriffsklärungen

Um Unklarheiten zu vermeiden, sollen zunächst die zentralen Begriffe dieser Arbeit, Staatsräson, Patriotismus und Nationalismus, genau definiert werden.

Staatsräson, oder Staatsnotwendigkeit, umfasst alle Handlungen von Inhabern staatlicher Macht, die dem Wohl, Fortbestand oder der Vergrößerung des Staates dienen. Diese Maßnahmen sind nicht universal zu beschreiben, sondern müssen sich ganz nach den Anforderungen der Zeit richten.

„Es gibt für jeden Staat in jedem Augenblicke eine ideale Linie des Handelns, eine ideale Staatsräson. Sie zu erkennen ist das heiße Bemühen des handelnden Staatsmannes (…).“ 6

Im Handeln nach der Staatsräson steht das Ziel im Vordergrund. Um den Schutz und Wohlstand des Staates und seiner Bevölkerung zu gewährleisten, sind dem ausführenden Herrscher alle Mittel legitim. In diesem Sinn überwindet die Staatsräson moralische und normative Wegweiser im staatlichen Handeln und basiert auf der Prämisse: Das Ziel heiligt die Mittel.

„Wenn man denn Unrecht tun muß, so ist es schön, es zu tun um der Herrschaft willen; sonst aber muß man sittlich handeln“ 7

Während die Staatsräson im anarchischen internationalen System das Verhalten der Staaten im Außenverhältnis regelt, gelten im Inneren „Recht und Sitte“8.

„In dem Verhältnisse zu seinem friedlichen Volke ist er [der Fürst] an das Gesetz und an das Recht gebunden (…); in seinem Verhältnisse zu andern Staaten giebt es weder Gesetz noch Recht, ausser dem Rechte des Stärkeren (…).“ 9

Gerade durch die Konfrontation mit universalen christlichen Moralansprüchen gerät die Praktik der Staatsräson immer wieder in die Missgunst von Gelehrten oder Predigern. Das Christentum beansprucht eine umfassende Vormachtstellung seiner Werte, das Prinzip der Staatsräson geht aber davon aus, dass sich eben diese Werte wie Frieden, Nächstenliebe oder Vergebung nur in einem starken und schützenden Staat entfalten können.

„Staatsräson hat damit eine doppelte Funktion: Zum einen ermächtigt sie den Staatsmann zu Entscheidungen, die rechtliche und moralische Normen überschreiten, zum anderen unterwirft sie diese Entscheidungen einem objektivierbaren Staatsinteresse.“ 10

Der Begriff des Patriotismus bezeichnet eine positive und emotionale Identifikation mit dem „Heimatland“. Neben der Wertschätzung von z.B. der Natur, Bräuchen oder der Geschichte des Vaterlandes tritt das Gemeinschaftsgefühl mit den dort lebenden Menschen. Der Begriff muss sich nicht auf ein abgegrenztes Staatsgebiet beziehen, sondern kann auch die Bindung an eine Region oder einen Kulturraum bedeuten.

Der Nationalismus dagegen setzt eine Nation voraus und kann auch als Nationalstolz begriffen werden. Ich möchte es vermeiden, Nationalismus mit Nationalsozialismus oder Rassismus zu verbinden, dennoch schwingt in diesem Konzept ein national-wertender Hintergedanke mit. Nationalismus definiert sich über klare Grenzziehungen, während der Patriotismus durch weiche Grenzen einen kosmopolitischen Umgang mit Fremden ermöglicht.

„The wider concept of patriotism is based upon the love of God, King and Country by subjects of the state, whereas the idea of nationalism is based upon ideas about a “Volksgemeinschaft (…)” 11

Kultur und Identität werden im Nationalismus zu Kampfbegriffen, da die eigene nationale Identität gegenüber den anderen Nationen höher bewertet wird. Schließlich ist der Patriotismus freiwillig insofern jeder seine Heimat selbst bestimmen kann, wogegen der Nationalismus von einer ethnischen Blutsgemeinschaft ausgeht, in die man hineingeboren wird.

3. Einführung Machiavelli

3.1. geschichtlicher Hintergrund

Das Italien der Frühen Neuzeit war weit von dem entfernt, was wir heute einen Nationalstaat nennen würden. Mitte des 15. Jahrhunderts herrschte ein sensibles Machtgleichgewicht zwischen den verschiedenen, zersplitterten Herrschaftsgebieten, das aber mit einer französischen Invasion zusammenbrach.

“1494 marschierte Karl VIII. von Frankreich in Italien ein. Diese Invasion zerstörte die labile inneritalienische Balance und deckte das geringe Eigengewicht der italienischen Mächte auf.” 12

[...]


1 Vgl.: Pole 1538, S. 275

2 Pole 1538, S. 275

3 Skinner 1990, S. 12

4 Oesterreich/Traub2006, S. 330f

5 Oesterreich/Traub2006, S. 331

6 Meinecke 1925, S. 2

7 Meinecke 1925, S. 31

8 Meinecke 1925, S. 17

9 Fichte 1807, S. 244

10 www.staatswissenschaft.de am 05.08.09 um 15.20 Uhr

11 Löfgren 1989, S. 7

12 www.staatswissenschaft.de am 05.08.09 um 15.55 Uhr

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang von Patriotismus/Nationalismus und Staatsräson bei Machiavelli und Fichte
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister-Scholl-Institut für politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Machiavellirezeption und Machiavellibilder im Wandel der Zeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V150043
ISBN (eBook)
9783640610846
ISBN (Buch)
9783640611126
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Patriotismus, Nationalismus, Staatsräson, Machiavelli, Fichte, Proseminar, Politische Theorie
Arbeit zitieren
Katharina Heinz (Autor), 2009, Der Zusammenhang von Patriotismus/Nationalismus und Staatsräson bei Machiavelli und Fichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150043

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