Die Bettelorden in Franken


Seminararbeit, 2007

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Urbanisierung als Voraussetzung für das Entstehen der Bettelorden

3 Die Entstehung des Franziskanerordens

4 Die Entstehung des Dominikanerordens

5 Die Franziskaner und Dominikaner in Franken
5.1 Die Ausbreitung der Franziskaner in Franken bis zum 14. Jahrhundert
5.2 Die Ausbreitung der Dominikaner in Franken bis zum 14. Jahrhundert
5.3 Die Etablierung der beiden Mendikantenorden in die Urbane Gesellschaft in Franken

6 Resümee

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die tiefgreifenden sozio-ökonomischen Veränderungen im 12. Jahrhundert, die mit einer starken Bevölkerungsvermehrung einhergingen, führten dazu, dass neue religiöse Strömungen entstehen konnten.[1] Die aus der Armutsbewegung entstan­denen Bettelorden waren ein Ergebnis dieser Umbruchphase. Dieser neue Ordens­typ zeichnete sich in erster Linie durch eine gemeinschaftliche Armut aus, die nicht nur den einzelnen Mönch, sondern auch das jeweilige Kloster umfasste. Die Existenzsicherung sollte nur durch Bettel und seelsorgerische Tätigkeit gewähr­leistet werden.[2]

Die zentrale Frage in dieser Arbeit ist es, inwieweit die Bettelorden auch im fränkischen Gebiet vertreten waren und wie sie sich in die dortigen Städte inte­griert haben. Hierbei sollen ausschließlich die beiden größten und wichtigsten Or­den eine Rolle spielen, nämlich der Orden der Franziskaner und der Dominikaner. Hier erfolgt ebenfalls noch eine Einschränkung, denn der „Zweite Orden" der Kla­rissen, der „Dritte Orden" und der Orden der Dominikanerinnen bleiben unberück­sichtigt, da für diese jeweils eigene Regeln gelten und sie sich teilweise wesentlich von den „Ersten Orden" der Franziskaner und Dominikaner unterscheiden.[3]

Zu Beginn der Arbeit soll die Urbanisierung als Voraussetzung für das Entste­hen der Bettelorden genauer betrachtet werden. Danach werde ich kurz auf die Entstehung der beiden Orden eingehen und ihre wesentlichen Merkmale aufzei­gen. Auf eine ausführliche Biografie der beider Ordensstifter wird hierbei verzich­tet und nur das erwähnt, was für die Entstehung des jeweiligen Ordens von Bedeu­tung ist.[4] Im folgenden Teil der Arbeit geht es schließlich darum, wie die beiden Orden nach Franken gekommen sind, in welchen Städten sie sich niedergelassen haben und wie sie sich dort integrieren konnten. Dabei ist anzumerken, dass es eine Fülle von Literatur gibt, die sich mit dem Verhältnis Bettelorden und Stadt generell beschäftigt,[5] aber nur wenig speziell für den fränkischen beziehungsweise bayrischen Raum.[6] Ich habe bei meiner Darstellung also allgemeine Tendenzen herausgearbeitet und versucht, jeweils Beispiele aus der fränkischen Region zu finden.

2 Urbanisierung als Voraussetzung für das Entstehen der Bettelorden

Im 12. und 13. Jahrhundert setzte in Mitteleuropa eine erste Städtegründungswelle ein, die bedeutende soziale, wirtschaftliche und religiöse Veränderungen nach sich zog.[7] Isnard Frank stellt dazu folgende These auf: „bei den Bettelorden [handelt es sich] um eine Verstädterung des Mönchtums. [...] Hätte es im 13. Jahrhundert keine europäische Städtelandschaft gegeben, wären auch keine Bettelorden ent­standen."[8]

Die Stadtbevölkerung, mit ihren Händlern, Handwerkern und Tagelöhnern ließ sich nicht mehr in das Modell der Dreiständeordnung einordnen, was dazu führte, dass die bestehende Gesellschaftsordnung zunehmend in Frage gestellt wurde.[9] Zu dieser Zeit entwickelte sich der Wunsch nach aktiver Teilhabe an der christlichen Lehre. Die oftmals schlecht ausgebildeten Pfarrer in den Städten konnten die stei­genden Ansprüche der Gemeindemitglieder nur noch schwer befriedigen. Neue Formen der Zuwendung waren nötig, die die Bettelorden gewährleisten sollten. Dazu gehörten die Predigt in der Landessprache, die sich von der alten liturgisch geprägten Messe wegbewegte und eine intensivierte Seelsorge.[10] Auch die Mendi- kanten brauchten die Städte, denn sie lebten schließlich von der städtischen Wirt­schaft. Nur dort gab es einen reichhaltigen Produktionsüberschuss der eine besitz­lose Lebensweise ermöglichen konnte."[11]

Im 12. Jahrhundert entwickelte sich ebenfalls ein neues Lebensideal, dass dar­in besteht, ein Leben in der Nachfolge Christi, in freiwilliger Armut zu fuhren. Religiöse Gruppen wie die Katharer in Südfrankreich und Oberitalien lehnten alle kirchlichen und weltlichen Institutionen ab.[12] Die Kirche verurteilte und verfolgte diese Gruppierungen als Ketzer. Insgesamt konnte sich die Kirche nur schwer mit den neuen Lebensbedingungen in den Städten zurechtfinden. Die Mönche der al­ten Orden, wie die Benediktiner, verurteilten die Unmoral der Städter, die sich zu­weilen auch gegen die Autorität eines Bischofs aufzulehnen wagten und die be­sonders in den „Städten des Languedoc"[13] mit den Katharem und Waldensem sympathisierten.[14] Die Bettelorden, insbesondere der Dominikanerorden, machten es sich zur Aufgabe, diese Territorien für die Kirche zurückzugewinnen.[15]

3 Die Entstehung des Franziskanerordens

In Italien, wo die Urbanisierung schon weiter fortgeschritten war als in Mitteleuro­pa[16] entstand als erster Bettelorden der Orden der Minderen Brüder (ordo fratrum Minorum). Gegründet wurde er von dem reichen Kaufmannssohn Franziskus von Assisi[17], der seinen gesamten Besitz aufgab und beschloss, ein Leben in der Nach­folge Christi zu führen. Armut bedeutete für Franziskus aber nicht nur die Aufga­be von sämtlichem Eigentum, sondern auch allgemeiner Verzicht und eine geisti­ge Armut, im Sinne des Evangeliums.[18] Er entwarf 1209 eine eigene Lebensregel, die aus einer Zusammenstellung aus Bibelzitaten bestand und sandte sie zu Papst Innozenz III. Der Papst billigte diese und gab Franziskus die Erlaubnis zu einfacher Bußpredigt.[19] Schon bald hatte er viele Anhänger die ihm folgten. Anfangs hatte er nicht vor, einen Orden zu gründen, sondern wollte in einer Gemeinschaft unter Gleichgesinnten, frei von gesellschaftlichen Bindungen leben.[20] Franziskus nahm sowohl Laien, als auch Kleriker unterschiedslos auf. 1212 schloss sich Clara von Assisi als erste Frau den selbsternannten „minderen Brüdern" an. Nach ihr wurde der weibliche Zweig des Ordens Klarissen genannt.[21] Die Bewegung wurde 1221 offiziell zu einem Orden, hauptsächlich deshalb, weil die Kurie darauf bestand. Ab diesem Zeitpunkt wurden Aufnahmebedingungen eingeführt, es sollte Ordensobere geben und feste städtische Konvente. Die berufstätigen Laien wurden in einen Dritten Orden abgesondert. Aber trotz alledem erhielten die Minderbrüder, als erster Orden überhaupt, die Erlaubnis, auf Wanderpredigt zu gehen.[22]

Die rasante Ausbreitung des Ordens in ganz Europa verlangte organisatorische und strukturelle Maßnahmen. Es wurde eine regionale Einteilung in Provinzen vorgenommen. Ein Teilgebiet der Provinz nannte man Kustodie. Die jeweiligen Vorsteher wurden auf Zeit gewählt. Die wichtigen Entscheidungen, die den ge­samten Orden betrafen, wurden auf den regelmäßig zusammenkommenden Kapi­telversammlungen gefällt.[23]

1221 legte Franziskus die Leitung des Ordens nieder und zog sich in die Ein­samkeit zurück. Dort soll er die Stigmatisation empfangen haben. Er starb 1226 und wurde bereits zwei Jahre später heilig gesprochen.[24]

[...]


[1] Vgl. Frank, Isnard: Bettelorden. In: Kasper, Walter (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 2. Bd. Freiburg / Basel u.a.31994. S. 342.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. Borst, Arno: Religiöse und geistige Bewegungen im Hochmittelalter. In: Mann, Golo / Nitschke, August (Hrsg.): Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte. Bd. 5. Berlin / Frankfurt am Main. Sonderausgabe 1963. S. 489-561. Hier: S. 540f. und Gieba, Gudrun: Klös­ter und Orden im Mittelalter (Geschichte kompakt Mittelalter). Darmstadt 2002. S. 115.

[4] Es gibt eine Fülle von Literatur, die das Leben von Franziskus und Dominikus zum Inhalt hat. Es soll hier nur exemplarisch auf die Monografien von Helmut Feld und Meinolf Lohrum ver­wiesen werden. Vgl. Feld, Helmut: Franziskus von Assisi und seine Bewegung. Darmstadt 1994 und Lohrum, Meinolf: Dominikus. Leipzig 21992.

[5] Vgl. insbesondere Hecker, Norbert: Bettelorden und Bürgertum: Konflikt und Kooperation in deutschen Städten des Spätmittelalters (Europäische Hochschulschriften: Reihe 23, Theologie 146). Frankfurt am Main 1981, sowie Vauchez, Andre / Bagliani, Agostino Paravicini: Die Bet­telorden und ihr Wirken in der städtischen Gesellschaft. In: Brox, Norbert / Engels, Odilo u.a. (Hrsg.): Die Geschichte des Christentums. Religion. Politik. Kultur. Bd. 5. Freiburg / Basel u.a. 1993. S. 833-859.

[6] Einen ausführlichen Überblick hierzu bietet Frank, Isnard: Mendikantenorden. In: Brandmüller, Walter (Hrsg.): Handbuch der Bayerischen Kirchengeschichte. Von den Anfängen bis zur Schwelle der Neuzeit. Das kirchliche Leben. Bd. 1. St. Ottilien 1999. S. 557-599.

[7] Vgl. Gieba: Klöster und Orden. S. 98-100.

[8] Frank: Mendikantenorden. S. 557f.

[9] Vgl. Gieba: Klöster und Orden. S. 101.

[10] Vgl. Militzer, Klaus: Bruderschaften als Ausdruck der Volksfrömmigkeit und des Wegs zu Gott und in das Paradies. E-Journal fiir Geschichte der Antike und des Mittelalters. 12/2002. URL: http://www.revistamirabilia.com/Numeros/Num2/fraternidades.html [01.09.2007],

[11] Vgl. Rasmussen, Jargen Nybo: Die Bedeutung der nordischen Franziskaner für die Städte im Mittelalter. In: Berg, Dieter (Hrsg.): Bettelorden und Stadt (Beiträge zur Geschichte der Sächsi­schen Franziskanerprovinz 1). Werl 1992. S. 3-18. Hier: S. 8, sowie Sickert, Ramona: Wenn Klosterbruder zu Jahrmarktsbrüdern werden. Studien zur Wahrnehmung der Franziskaner und Dominikaner im 13. Jahrhundert (Vita regularis. Ordnungen und Deutungen religiösen Lebens im Mittelalter 28). Münster / Berlin u.a. 2006. S. 203.

[12] Vgl. Gieba: Klöster und Orden. S. 102 u. 113.

[13] Vauchez / Bagliani: Bettelorden. S. 853.

[14] Vgl. ebd. S. 852f.

[15] Vgl. ebd. S. 853.

[16] Vgl. Gieba: Klöster und Orden. S. 100.

[17] Franziskus (1181/82-1226) hieß mit bürgerlichem Namen Giovanni Beraadone. Vgl. ebd. S. 104.

[18] Vgl. Feld: Franziskus von Assisi. S. 197, sowie: Hecker: Bettelorden und Bürgertum. S. 20f. u. 26.

[19] Vgl. Gieba: Klöster und Orden. S. 105.

[20] Vgl. Borst: Religiöse und geistige Bewegungen. S. 540.

[21] Vgl. ebd.

[22] Vgl. ebd. S. 540f.

[23] Vgl. Frank, Karl Suso: Franziskaner, Minoriten, Kapuziner, Klarissen. In: Schwaiger, Georg (Hrsg.): Mönchtum, Orden, Klöster. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Ein Lexikon. Mün­chen 1993. S. 188-218. Hier: S. 191f.

[24] Vgl. Gieba: Klöster und Orden. S. 105. Der Armutsstreit, der nach Franziskus' Tod ausbrach und die darauf folgende Spaltung des „Ersten Ordens" bleiben in dieser Arbeit unberücksich­tigt.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Bettelorden in Franken
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Geschichte)
Veranstaltung
PS Franken im späten Mittelalter
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V150047
ISBN (eBook)
9783640610860
ISBN (Buch)
9783640611140
Dateigröße
2789 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bettelorden, Franken, Bayern, Mittelalter, Franziskaner, Dominikaner, Mendikantenorden, Stadt, Minoriten, Armutsbewegung
Arbeit zitieren
Maja Hetmank (Autor:in), 2007, Die Bettelorden in Franken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150047

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