Diese Hausarbeit im Hauptseminar untersucht die kulturelle Dimension des Dolmetschens und beleuchtet die Herausforderungen, die sich bei der Übertragung kultureller Konstellationen ergeben können. Ausgehend von einer Diskussion verschiedener Kulturbegriffe wird die Relevanz von Kulturkenntnissen für Dolmetscher analysiert, insbesondere in Bezug auf die Frage, ob und wie Kultur in Dolmetschsituationen übertragen werden muss. Die Arbeit bezieht sich auf theoretische Ansätze und diskutiert praxisnahe Beispiele, um zu zeigen, wie kulturelle Unterschiede in der Arbeit von Dolmetschern berücksichtigt werden können. Ziel ist es, das Bewusstsein für die kulturelle Verantwortung im Dolmetschprozess zu schärfen und aufzuzeigen, dass Kulturkenntnisse für eine adäquate Verdolmetschung unerlässlich sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kultur
2.1 Kultur im Allgemeinen und der Translation
2.2 Kultur als Kultursystem (Mundersbach)
3. Dolmetschen
3.1 Was ist Dolmetschen?
4. Kulturelle Dimensionen des Dolmetschens
4.1 Dolmetschsituationen und Kulturkompetenz
4.2 Realia
5. Dolmetschwissenschaftlicher Diskurs
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kulturelle Dimension des Dolmetschens und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob und inwiefern Kultur im Dolmetschprozess übertragen werden kann bzw. muss. Dabei wird analysiert, welche Schwierigkeiten sich für den Dolmetscher ergeben und inwieweit Kulturkenntnisse und spezifische Strategien zur Bewältigung kultureller Konstellationen notwendig sind.
- Darstellung verschiedener Kulturbegriffe und deren Relevanz für die Translationswissenschaft
- Definition des Dolmetschens im Abgleich mit dem Übersetzen unter Berücksichtigung der Mündlichkeit
- Untersuchung von kulturgeprägten Dolmetschsituationen
- Analyse der Rolle von sogenannten Realia beim Dolmetschen
- Diskussion aktueller dolmetschwissenschaftlicher Ansätze zum Umgang mit kulturellen Aspekten
Auszug aus dem Buch
4.2 Realia
Die so genannten Realia spielen eine bedeutende Rolle zur Erfassung kulturspezifischer Phänomene beim Dolmetschen. Die meisten Autoren, die sich mit der Thematik im Rahmen translationswissenschaftlicher Arbeiten beschäftigten, haben bereits ihre eigene Begrifflichkeit entwickelt, wie hier darzustellen sein wird.
Bei Realia handelt es sich primär um solche Elemente und Konzepte, die in der Ausgangssprache vorhanden sind, für die in der Zielsprache keine Entsprechungen zur Verfügung stehen. Diese Konzepte vermitteln einen Ausschnitt der Lebenswirklichkeit, zu der nur die Angehörigen der Ausgangssprache und –kultur Zugang haben. Meistens ist dies der Fall bei „Ausdrücken und Namen für Sachverhalte politischer, institutioneller, sozio-kultureller [sic], geographischer Art, die spezifisch sind für bestimmte Länder“ (Koller, S. 232). Hier soll man sich vom Begriff „Land“ distanzieren und nicht eine Kultur mit einem Land sofort gleichsetzen, denn wie oben ausgeführt besteht die Gefahr, unzutreffende Verallgemeinerung anzustellen, wenn einem Land eine Kultur pauschal zugeordnet wird. Statt von Ländern zu reden, sollte man eher den Begriff Kultur und den in ihm enthaltenen Begriff des Kultursystems betonen. (vgl. Abschnitt 2)
Hönig und Kußmaul nennen solche kulturellen Erscheinungen „Unika“. Bereits die Etymologie des Wortes verrät, worum es sich handelt: Es sind eben die Begriffe, die ausschließlich als einziges Exemplar in einer bestimmten Kultur bzw. in einem bestimmten Lebensbereich einer Gemeinschaft vorkommen. Dementsprechend definieren sie Unika als „Einrichtungen, Objekte und Institutionen, die es nur im Bereich einer Soziokultur gibt“. (S. 53) Sie behaupten, dass eine gelungene Übertragung solcher kultureller Erscheinungen in die Zielsprache sehr komplex sei und spielen auf die Unausführbarkeit solcher Übersetzungen an. (S. 53)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, der Bedeutung des Kulturbegriffs für das Dolmetschen und der Zielsetzung der Arbeit.
2. Kultur: Darstellung verschiedener Kulturbegriffe, wobei der Fokus auf einem für die Translation geeigneten, systemorientierten Kulturbegriff liegt.
3. Dolmetschen: Abgrenzung des Dolmetschens vom Übersetzen unter besonderer Berücksichtigung der Kriterien Mündlichkeit, Kontrollierbarkeit und Korrigierbarkeit.
4. Kulturelle Dimensionen des Dolmetschens: Untersuchung von Dolmetschsituationen hinsichtlich ihrer Kulturgeprägtheit sowie Analyse der Realiaproblematik.
5. Dolmetschwissenschaftlicher Diskurs: Überblick über theoretische Ansätze verschiedener Autoren zum Verhältnis von Kultur und Dolmetschen sowie daraus abgeleitete Strategien.
6. Schluss: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage und kritische Würdigung der diskutierten Ansätze.
Schlüsselwörter
Kultur, Dolmetschen, Translation, Realia, Kulturkompetenz, Dolmetschwissenschaft, Sprachmittlung, Kulturtransfer, Soziokultur, Dolmetschstrategien, interkulturelle Kommunikation, Kultursystem, Translationstheorie, Simultandolmetschen, Konsekutivdolmetschen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Untersuchung der kulturellen Dimensionen im Dolmetschprozess und beleuchtet die Schwierigkeiten, die sich aus dem Umgang mit kulturell geprägten Elementen für den Dolmetscher ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die Definitionen von Kultur und Dolmetschen, die Analyse verschiedener Dolmetschsituationen hinsichtlich ihres Bedarfs an Kulturkompetenz sowie die Rolle von Realia als kulturspezifische Phänomene.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu erörtern, ob und inwieweit Kultur im Dolmetschprozess überhaupt gedolmetscht werden kann bzw. muss und welche Strategien Dolmetschern dabei helfen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der verschiedene theoretische Ansätze zur Kulturdefinition und zum Dolmetschen gegenübergestellt, kritisch diskutiert und miteinander verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Kultur (Kultursystem nach Mundersbach), die Definition des Dolmetschens, die Analyse von Dolmetschsituationen und die Realiaproblematik sowie einen abschließenden wissenschaftlichen Diskurs über Strategien im Dolmetschprozess.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Kultur, Dolmetschen, Realia, Kulturkompetenz und Dolmetschwissenschaft charakterisiert.
Warum ist der Begriff des „Einheimischen“ laut Autor problematisch?
Der Autor argumentiert, dass in modernen, multikulturellen Gesellschaften die Abgrenzung, wer als „Einheimischer“ gilt, äußerst schwierig und kaum zu begründen ist.
Welchen Stellenwert nimmt die Intuition des Dolmetschers in den untersuchten Ansätzen ein?
Die untersuchten Ansätze verweisen häufig auf die Intuition und das Geschick des Dolmetschers, was der Autor kritisch sieht, da dies keine logisch ausführbare, bewusste Strategie für den Umgang mit Kulturspezifika darstellt.
- Arbeit zitieren
- Héder de Oliveira Machado (Autor:in), 2007, Kultur im Dolmetschen. Kann oder muss sie übersetzt werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1500781