Die Sage Philosophy ist eine der vier Richtungen in der afrikanischen Philosophie, die sich herausgebildet haben, um die durch die Folgen und Überbleibsel des Kolonialismus entstandenen Herausforderungen für Afrika und speziell für die afrikanische Philosophie zu bewältigen. Die Gemeinsamkeit dieser verschiedenen Strömungen ist die Aufgabe, den an die afrikanische Philosophie gestellten Herausforderungen gerecht zu werden und vor allem die noch immer notwendige Dekolonisation des Denkens fortzuführen.
Gegenstand dieser Hausarbeit ist das Konzept der Sage Philosophy nach Odera Oruka, als eine der vier Strömungen afrikanischer Philosophie. Dabei steht besonders im Fokus, inwiefern die Sage Philosophy die Dekolonisation des Denkens voranbringen kann.
Ziel dieser Arbeit ist eine kritische Untersuchung des Konzepts der Sage Philosophy, durch einen Vergleich mit einem anderen Ansatz von Wiredu, der mithilfe von Sprichworten und Symbolen den Zugriff auf traditionelles Wissen versucht. Dadurch soll die folgende Forschungsfrage beantwortet werden: Welchen Beitrag kann die Sage Philosophy zur Dekolonisation des Denkens leisten?
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in 4 Teile. Nach einer Einleitung wird zunächst die Methode der Sage Philosophy, sowie die damit einher gehenden Ziele und Voraussetzungen vorgestellt. Mithilfe eines Vergleichs der Sage Philosophy und einer Methode Wiredus zum Zugriff auf traditionelles Wissen, werden anschließend die Stärken und Grenzen des Ansatzes Orukas kritisch herausgearbeitet. So dass der Beitrag der Sage Philosophy zur Dekolonisation des Denkens im letzten Teil konkret reflektiert werden kann. Die Hausarbeit endet mit einem Fazit und einem Ausblick auf zukünftige Anwendungsmöglichkeiten der Sage Philosophy.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.0 Vorstellung der Sage Philosophy
2.1 Vergleich der Sage Philosophy mit einem Ansatz Wiredus
2.2 Kritische Diskussion der Sage Philosophy
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der "Sage Philosophy" nach Odera Oruka und dessen Potenzial für die Dekolonisation des afrikanischen Denkens. Ziel ist es, durch einen kritischen Vergleich mit Kwasi Wiredus Ansatz der "conceptual decolonization" den spezifischen Beitrag und die methodischen Grenzen dieses Konzepts im Kontext einer eigenständigen afrikanischen Philosophie herauszuarbeiten.
- Grundlagen und Definition der Sage Philosophy nach Oruka
- Vergleich der Sage Philosophy mit Wiredus "cultural reconstructionism"
- Die Rolle der Mündlichkeit (Oralität) für afrikanische Philosophie
- Methodische Stärken und Herausforderungen im Dekolonisierungsdiskurs
Auszug aus dem Buch
2.0 Vorstellung der Sage Philosophy
Die Sage Philosophy ist einer der vier Trends der afrikanischen Philosophie die Odera Oruka 1990 identifizierte. Während der Kolonialisierung Afrikas trafen zwei unterschiedliche Weltverständnisse aufeinander, die westliche Weltsicht und die afrikanische. Dabei forderte dieses Aufeinandertreffen ein Hinterfragen klassischer Ansichten und Glaubenssätze des afrikanischen Weltverständnisses. Die vier Trends der afrikanischen Philosophie können als Resultate dieser Herausforderung an das afrikanische Weltverständnis gesehen werden (Bodunrin, 1981).
Zu den vier Trends zählen die Ethnophilosophie, die National Ideologische Philosophie, die professionelle Philosophie, sowie die Sage Philosophy (auch „philosophic sagacity“ genannt). Sage Philosophy setzt sich zusammen aus den Gedanken weiser Männer und Frauen einer Gemeinschaft (Oruka, 1990). Diese Gedanken sind „reflective evaluation[s] of thought by an individual African elder who is a repository of wisdom, knowledge and rigorous critical thinking“ (Azenabor, 2009). Es geht bei der Sage Philosophie also darum, afrikanische Weise zu identifizieren, die bestehenden Glaubenssätze, Traditionen und Ansichten kritisch hinterfragen und überdenken. Außerdem geht es darum, das Wissen dieser Weisen durch Interviews, Dialoge und Dokumentation zu erschließen um es als neues philosophisches Material nutzen zu können (Dübgen, 2015).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik einer eurozentristisch geprägten Philosophie ein und definiert die Sage Philosophy als Instrument zur Dekolonisation des afrikanischen Denkens mittels der Identifizierung individueller philosophischer Weisen.
2.0 Vorstellung der Sage Philosophy: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Sage Philosophy nach Oruka, grenzt den "philosophischen Weisen" vom "kulturellen Weisen" ab und definiert die Ziele dieses Ansatzes in Abgrenzung zu anderen afrikanischen philosophischen Trends.
2.1 Vergleich der Sage Philosophy mit einem Ansatz Wiredus: Das Kapitel stellt die Methode Wiredus der "conceptual decolonization" vor und zeigt Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Herangehensweise an traditionelles Wissen auf, wobei beide Ansätze die Bedeutung der Oralität betonen.
2.2 Kritische Diskussion der Sage Philosophy: In dieser Diskussion werden die Stärken und Grenzen der Methode kritisch bewertet, insbesondere im Hinblick auf die Unabhängigkeit der befragten Weisen und den Fokus auf Individuen statt auf Ideen.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Sage Philosophy trotz methodischer Herausforderungen einen wesentlichen Beitrag zur Widerlegung kolonialer Vorurteile geleistet hat und ein legitimer Teil afrikanischer Philosophie bleibt.
Schlüsselwörter
Sage Philosophy, Odera Oruka, afrikanische Philosophie, Dekolonisation, Kwasi Wiredu, Oralität, philosophische Weise, Tradition, Kritische Reflexion, ethnophilosophische Strömung, Wissensdokumentation, Wissensdekolonisierung
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht kritisch das Konzept der Sage Philosophy und bewertet, inwieweit es zur Dekolonisation des Denkens in Afrika beitragen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Das Hauptthema ist der Vergleich zwischen Orukas Sage Philosophy und Wiredus Konzept der konzeptuellen Dekolonisation, wobei insbesondere die Methoden des Zugriffs auf afrikanisches Wissen beleuchtet werden.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Forschungsfrage lautet: Welchen Beitrag kann die Sage Philosophy zur Dekolonisation des Denkens leisten?
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Die Autorin verwendet eine vergleichende Analyse sowie eine kritische Literaturdiskussion von Ansätzen der afrikanischen Philosophie.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Begriffsbestimmung der Sage Philosophy, deren methodischen Vergleich mit dem Ansatz Wiredus sowie eine kritische Diskussion der Stärken und Grenzen dieser Methode.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch für diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben der Sage Philosophy und Dekolonisation insbesondere die philosophische Sagazität, das Spannungsfeld zwischen Oralität und Schriftlichkeit sowie die kulturelle Rekonstruktion.
Wie unterscheidet sich laut dieser Arbeit ein „philosophischer Weiser“ von einem „kulturellen Weisen“?
Der kulturelle Weise gibt überliefertes Wissen ohne kritische Distanz wieder ("folk-sage"), während der philosophische Weise bestehende Traditionen und Glaubenssätze seines Umfelds kritisch und unabhängig hinterfragt.
Warum ist die „joint-venture“-Natur der Interviews in der Sage Philosophy kritisch zu sehen?
Die kritische Diskussion hinterfragt, ob der professionelle Philosoph durch seine Fragen die Antworten der Weisen beeinflusst und somit die "Echtheit" des traditionellen afrikanischen Gedankenguts gefährden könnte.
Inwiefern kann die Sage Philosophy als Antwort auf Spivaks Postulat für die "Subalternen" gewertet werden?
Die Arbeit argumentiert, dass die Sage Philosophy durch das aktive Zuhören und Dokumentieren bisher ungehörter Stimmen einen möglichen Weg aus der Sprachlosigkeit der Marginalisierten aufzeigt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Eine kritische Untersuchung des Konzepts der Sage Philosophy, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1500948