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Sollten Menschen mit Behinderung auch von Schauspielern mit Behinderung gespielt werden?

Title: Sollten Menschen mit Behinderung auch von Schauspielern mit Behinderung gespielt werden?

Essay , 2015 , 5 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Miro Fischer (Author)

Pedagogy - Inclusion
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Mittlerweile besteht der Münsteraner Tatort schon seit über zehn Jahren, in denen sich auch die Besetzung der (Haupt-)Rollen nicht geändert hat. Anfänglich stach mir jedoch direkt Frau Haller, die Assistentin von Prof. Dr. Boerne, aufgrund ihrer Körpergröße ins Auge, welche sich von diesem in jeder Folge die obligatorischen Sprüche diesbezüglich anhören muss. Diese Konstellation ist in meinen Augen im deutschen Fernsehen noch eher selten vorzufinden, denn meist spielen Schauspieler mit einer Behinderung nur dann mit, wenn sie im Film auch eine Hauptrolle spielen, in der ihre Behinderung thematisiert wird.

Hätte man mich somit zu Beginn meiner Recherche gefragt, ob ich die Meinung teile, dass Menschen mit Behinderung auch von Schauspielern mit Behinderung gespielt werden sollten, so hätte ich ohne zu zögern mit einem klaren „Ja“ geantwortet. Im Zuge der Inklusionsdebatte wäre dies ja nur eine logische Konsequenz und ein Schritt in die richtige Richtung - sollte man meinen! Auf den zweiten Blick, im Rahmen meiner Recherche zu diesem Thema, stellte sich mir die Situation jedoch ganz anders dar. Mittlerweile würde ich sogar behaupten, dass diese Forderung inklusionsschädlich ist/sein kann. Warum das so ist, und wie ich insgesamt zu dieser Frage stehe, versuche ich im Folgenden darzustellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Forderung nach authentischer Besetzung und ihre Folgen

3. Die Rolle des Drehbuchs und der Produktion

4. Normalisierung durch mediale Präsenz

5. Fazit und internationaler Vergleich

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Debatte, ob Rollen von Menschen mit Behinderung in Film und Fernsehen ausschließlich mit Schauspielern besetzt werden sollten, die selbst eine Behinderung haben. Dabei wird analysiert, inwiefern diese Forderung im Kontext der Inklusion zielführend ist oder ob sie unbeabsichtigt zu einer Stigmatisierung und einer Einschränkung des schauspielerischen Berufsbildes führen kann.

  • Kritische Analyse der Forderung nach „authentischer“ Rollenbesetzung.
  • Untersuchung der professionellen Anforderungen und der Definition von Schauspielkunst.
  • Bedeutung von Drehbuchqualität und fachgerechter Anleitung am Set.
  • Die Notwendigkeit der Normalisierung von Behinderung in „alltäglichen“ Rollen.
  • Vergleich der deutschen Situation mit internationalen Best-Practice-Beispielen.

Auszug aus dem Buch

Die Problematik der Forderung nach authentischer Besetzung

Würde man tatsächlich die Forderung erfüllen, dass jede Rolle, die einen Menschen mit Behinderung darstellt auch von einem Schauspieler mit Behinderung besetzt wird, so würde dies schnell zu einer Vorhersehbarkeit und Sättigung führen, denn: Wie viele Schauspieler mit Down-Syndrom gibt es in Deutschland? Wie viele Schauspieler haben Autismus, sind blind, gehörlos oder sitzen im Rollstuhl? Leider kenne ich die Antwort nicht und habe hierzu auch keine konkreten Zahlen gefunden. Ich schätze jedoch, dass die Auswahl, mit der zum Beispiel die Rolle eines Menschen, der im Rollstuhl sitzt, besetzt werden kann, so gering ist, dass die Rolle stets von den selben wenigen Schauspielern gespielt werden würde. Und ganz ehrlich: Wer will denn schon immer die selben Schauspieler in der Rolle des Rollstuhlfahrers erleben?

Es möchte doch auch niemand Christopher Lee immer nur als Bösewicht sehen oder Jason Statham als Actionhelden. Aber diese beiden genannten Schauspieler sind mittlerweile durch ihre hauptsächlich verkörperten Rollen stigmatisiert. Genau diesen Effekt hätte es meiner Meinung nach auch, wenn die Rolle eines Menschen mit Behinderung stets nur von einem Schauspieler mit Behinderung gespielt werden würde. Es träte genau das ein, was eigentlich mit der Intention gefordert wurde, die Inklusion voranzutreiben: Sie würde Schaden nehmen. Durch die „authentische“ Besetzung der Rolle des Menschen mit Behinderung würden die Schauspieler wieder nur auf ihre Behinderung reduziert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einstieg in die Thematik durch persönliche Beobachtungen am Beispiel des Münsteraner Tatorts und Formulierung der grundlegenden Fragestellung zur Besetzungspraxis.

2. Die Forderung nach authentischer Besetzung und ihre Folgen: Kritische Reflexion der "Authentizitäts"-Forderung, die aufzeigt, dass diese zu einer Reduzierung von Schauspielern auf ihre Behinderung führen und den eigentlichen Inklusionsgedanken gefährden kann.

3. Die Rolle des Drehbuchs und der Produktion: Analyse der Faktoren, die eine authentische Darstellung im Film beeinflussen, wie etwa die Qualität des Drehbuchs, die Regiearbeit und die Ausstattung.

4. Normalisierung durch mediale Präsenz: Diskussion der Notwendigkeit, Behinderung als Teil der Normalität in Film und Fernsehen zu etablieren, anstatt sie ausschließlich über die Behinderung selbst zu thematisieren.

5. Fazit und internationaler Vergleich: Zusammenfassendes Plädoyer für ein gesamtgesellschaftliches Umdenken und ein Ausblick auf internationale TV-Produktionen, die Schauspieler mit Behinderung erfolgreich in nicht-behinderungsexklusiven Rollen zeigen.

Schlüsselwörter

Inklusion, Schauspiel, Behinderung, Fernsehen, Tatort, Authentic Casting, Stereotypen, Normalisierung, Repräsentation, Filmproduktion, Rollenbesetzung, Diversität, Medienethik, Drehbuch, Behindertenbilder

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kontroversen Debatte, ob Rollen für Menschen mit Behinderung grundsätzlich nur durch Schauspieler mit Behinderung besetzt werden sollten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die Inklusionsdebatte in deutschen Medien, die künstlerische Definition von Schauspiel und die Frage nach der Repräsentationsweise von Beeinträchtigungen im Film.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob die Forderung nach "authentischer" Besetzung Inklusion fördert oder ob sie, im Gegenteil, zu einer Stigmatisierung und Exklusion führen kann.

Welche wissenschaftliche Perspektive wird eingenommen?

Die Arbeit basiert auf einer medienkritischen Perspektive, die sowohl aktuelle Casting-Praktiken als auch die Verantwortung von Produzenten, Regisseuren und Drehbuchautoren hinterfragt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Risiken einer "authentischen" Besetzung, die Bedeutung der Produktionsqualität sowie die Notwendigkeit, behinderte Schauspieler in alltägliche, "normale" Rollen zu integrieren.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Inklusion, Authentizität, Stereotypen, Medienrepräsentation und künstlerische Freiheit definiert.

Wie bewertet der Autor das Beispiel des Münsteraner Tatorts?

Der Autor sieht den Münsteraner Tatort als positives Beispiel für Normalisierung, da die Rollenfigur zwar durch ihre Kleinwüchsigkeit auffällt, diese jedoch nicht den einzigen Fokus ihrer beruflichen Identität darstellt.

Warum wird die US-amerikanische Serienlandschaft am Ende erwähnt?

Sie dient als Referenz dafür, dass eine Inklusion, bei der die Behinderung einer Figur nicht der einzige Handlungsträger ist, im internationalen Fernsehen bereits erfolgreich praktiziert wird.

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Details

Title
Sollten Menschen mit Behinderung auch von Schauspielern mit Behinderung gespielt werden?
College
University of Education Heidelberg
Grade
1,5
Author
Miro Fischer (Author)
Publication Year
2015
Pages
5
Catalog Number
V1500984
ISBN (PDF)
9783389067765
Language
German
Tags
Schauspiel Behinderung Soziologie Sonderpädagogik Inklusion TV
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Miro Fischer (Author), 2015, Sollten Menschen mit Behinderung auch von Schauspielern mit Behinderung gespielt werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1500984
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