Jonas befindet sich seit Beginn der fünften Klasse an einem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation und ist seit diesem Schuljahr bei Frau B., seiner Klassenlehrerin, im Unterricht. Nach deren Aussagen besäße Jonas einen sehr geringen Wortschatz. Außerdem fehlten oftmals beim Schreiben und teilweise auch beim Sprechen die Wortendungen. Er sei gut in die Klasse integriert und verstünde sich vor allem mit fast allen Jungen. Besonders mit F. arbeite er auch gerne in Partnerarbeiten zusammen. In Einzelarbeitssituationen verstünde er oft die Aufgabe nicht, selbst nach mehrmaligem Lesen. Darüber hinaus sei er sehr unsicher und frage jede Kleinigkeit genaustens nach. Ihm falle es schwer, etwas eigenständig zu tun, wenn er nicht direkt danach bzw. bereits zuvor die Bestätigung für die Richtigkeit seines Tuns bekäme. Dieses Phänomen zeige sich in allen Fächern, welche Frau B. in der Klasse unterrichtet (Deutsch, Englisch, Gesellschaftslehre, Medienbildung und Naturwissenschaften). Besonders in Hinblick auf seine Beschulung an einer Montessori Grundschule sei ihr dies nicht begreiflich. Jonas sei kein fauler Schüler.
Er lese gern vor, obwohl er nicht sehr gut lese, verstehe aber das selbst Vorgelesene meist nicht. Seine Rechtschreibung sei nach Aussage von Frau B. in Ordnung und er habe eine schöne und ordentliche Schrift. Aufgrund der genannten Schwierigkeiten frage sich Frau B. seit geraumer Zeit, auf welchem Leistungsniveau sich Jonas befände. Um dieser Fragestellung nachgehen zu können, wünsche sie sich in erster Linie eine umfassende Diagnostik in den Kernfächern Mathematik und Deutsch sowie seines IQs, um einen Überblick über seinen aktuellen schulischen Leistungsstand gewinnen und Förderschwerpunkte exakt benennen und diese fördern zu können.
Auf Grundlage der beschriebenen Ausgangssituation dient dieses Gutachten der Beantwortung folgender zentraler Fragestellung:
Wie ist Jonas' schulischer Leistungsstand einzuschätzen?
Welche Fördermöglichkeiten ergeben sich daraus?
Inhaltsverzeichnis
1. Persönliche Daten
2. Untersuchungsanlass und Fragestellung
3. Vorgehensweise
4. Ergebnisse
4.1 Anamnese
4.2 Hörstatus und technische Versorgung
4.3 LSL
4.4 Geschlossene Unterrichtsbeobachtung
4.5 K-ABC II
4.6 SLRT-II
4.7 ELFE 1-6
4.8 BASIS-MATH 4-8
5. Interpretation
6. Förderung
Zielsetzung und Forschungsfragen
Ziel dieses diagnostischen Gutachtens ist die umfassende Einschätzung des aktuellen schulischen Leistungsstandes von Jonas in den Kernfächern Mathematik und Deutsch sowie die Untersuchung seiner kognitiven und sozial-emotionalen Fähigkeiten, um daraus gezielte Fördermöglichkeiten abzuleiten.
- Einschätzung der kognitiven Fähigkeiten
- Analyse der Kompetenzen im Lesen und Rechtschreiben
- Ermittlung der mathematischen Basiskompetenzen
- Beurteilung der sozial-emotionalen Fähigkeiten (Sozial- und Lernverhalten)
Auszug aus dem Buch
4.4 Geschlossene Unterrichtsbeobachtung
Im folgenden Teil werden die Ergebnisse der beiden durchgeführten geschlossenen Verhaltensbeobachtungen in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch anhand von fünf Kategorien dargestellt. Dafür wurde in beiden Fächern jeweils 45 Minuten hospitiert. Hierbei wurden die fünf Kategorien in fünf Minuten Intervallen beobachtet und mittels einer Strichliste erfasst. Die detaillierten Protokolltabellen sind im Anhang zu finden (s. Anhang ab S. 10).
In der beobachteten Mathematikstunde wurde das Thema „Schriftliche Multiplikation“ wiederholt. Bei genauer Betrachtung der Protokolltabelle fällt auf, dass Jonas Interesse am Mathematikunterricht bzw. häufig unterrichtsbezogenes Verhalten zeigte. Gerade wenn es darum geht, einen Text bzw. eine Aufgabe vorzulesen, meldete er sich häufig. Auch wenn er sich immer wieder, sowohl grob als auch fein, selbststimulierte, arbeitete er während der Arbeitsphase konzentriert an den Aufgaben. Dies ist auch daran erkennbar, dass er während der gesamten Stunde lediglich drei Mal störendes Sozialverhalten zeigte und sich nur ein einziges Mal ablenken ließ.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Persönliche Daten: Erfassung der personenbezogenen Daten, schulischer Hintergrund und Rahmenbedingungen der Untersuchung.
2. Untersuchungsanlass und Fragestellung: Darstellung der Ausgangssituation, der Motivation für das Gutachten durch die Klassenlehrkraft sowie der zentralen Untersuchungsfragen.
3. Vorgehensweise: Darstellung des zeitlichen Ablaufs der diagnostischen Erhebung und der methodischen Schritte zur Informationsgewinnung.
4. Ergebnisse: Ausführliche Darstellung der Untersuchungsergebnisse aus Anamnese, Medizintechnik, Verhaltensbeobachtung und den durchgeführten standardisierten Tests.
5. Interpretation: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen auf Basis der erhobenen Testergebnisse.
6. Förderung: Ableitung konkreter pädagogischer Empfehlungen und Förderstrategien für die identifizierten Entwicklungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Diagnostik, Hörschädigung, Inklusion, K-ABC II, Mathematik, Leseverständnis, Rechtschreiben, Förderbedarf, Verhaltensbeobachtung, Schulleistung, Operationsverständnis, Basis-Math, SLRT-II, ELFE 1-6, LSL.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Gutachten primär?
Das Gutachten dient der Erstellung einer sonderpädagogischen Leistungsdiagnose für einen Schüler mit Hörschädigung in den Fächern Deutsch und Mathematik.
Welche zentralen Themenfelder werden untersucht?
Die Untersuchung umfasst die Bereiche kognitive Leistungsfähigkeit, schulische Basiskompetenzen (Lesen, Schreiben, Rechnen) sowie das Sozial- und Lernverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, wie der aktuelle schulische Leistungsstand einzuschätzen ist und welche individuellen Fördermöglichkeiten sich daraus ergeben.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es werden methodisch verschiedene Ansätze kombiniert: Anamnese, standardisierte Testverfahren (z.B. K-ABC II, SLRT-II, ELFE, BASIS-MATH) und geschlossene Verhaltensbeobachtungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erhebung und detaillierte Auswertung der Testergebnisse sowie deren Interpretation im Kontext der pädagogischen Fragestellung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Leistungsdiagnostik, Hörgeschädigtenpädagogik, Förderplanung und evidenzbasierte Kompetenzmessung.
Welche Rolle spielt die Hörschädigung des Schülers?
Die Hörschädigung dient als zentraler Kontext für die Interpretation von Lese- und Rechtschreibleistungen sowie für die technischen Rahmenbedingungen des Unterrichts.
Warum wird im Bereich Mathematik die Förderung des Operationsverständnisses empfohlen?
Die Diagnostik zeigt, dass Jonas Schwierigkeiten beim Transfer zwischen Handlung, Bild und Symbol hat, was eine gezielte Förderung dieses Verständnisses notwendig macht.
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- Miro Fischer (Autor), 2018, Sonderpädagogisches Gutachten eines hörgeschädigten Kindes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1500986