Die Kurzgeschichte stammt aus dem Jahr 1841, wo sie erstmals in „The Gift: A Christmas and New Year´s Present for 1842“ veröffentlicht wurde. Nach der Erstveröffentlichung fügte Poe der Kurzgeschichte ein Motto hinzu. Die Kurzgeschichte wurde dann 1845 erneut unter Einbeziehung verschiedener Änderungen seitens des Autors veröffentlicht. In der vorliegenden Arbeit wird die Kurzgeschichte „Eleonora“ interpretiert, die aufgrund ihrer romantischen Merkmale eine Sonderstellung im Gesamtwerk des amerikanischen Schriftstellers und Dichters Edgar Allen Poe einnimmt. Grundlage für die Interpretation sollen eigene Interpretationsansätze unter Einbeziehung bereits bestehender Ansätze sein. Die Arbeit wird zunächst auf bestimmte, für die Interpretation relevante Abschnitte der Biographie des Autors eingehen. Ferner soll ein Schwerpunkt auf dem von Poe gewählten Motto und dem Titel liegen. Weiterhin wird eine Unterteilung der Kurzgeschichte stattfinden, die die einzelnen Sinnabschnitte der Arbeit augenscheinlich machen soll. Abschließend soll die Kurzgeschichte in einzelnen Abschnitten interpretiert werden, um eine kohärente Interpretation des gesamten Textes zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entstehungsgeschichte
3 Biographische Hintergründe mit Relevanz zum Thema
4 Strukturelle Auffälligkeiten
4.1 Der Titel als ein dem Haupttext vorausgestelltes Signal
4.2 Motto
4.3 Einteilung
5 Eleonora
5.1 Autobiographisch
5.2 Analyse und Interpretation
5.2.1 Ich -Erzähler
5.2.2 Landschaftsbeschreibungen und Fiktivität
5.2.3 Die Beziehung zwischen Eleonora und dem Erzähler
5.2.4 Ermengarde
5.3 Verbindung zu Coleridge
5.4 Tuberkulose – Krankheit als Metapher
5.5 Der Ich-Erzähler bei Poe
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit interpretiert Edgar Allan Poes Kurzgeschichte „Eleonora“, wobei die romantischen Merkmale des Werkes sowie der Einfluss biographischer Hintergründe auf die Erzählstruktur und Symbolik im Fokus stehen.
- Analyse der narrativen Struktur und der Funktion des Ich-Erzählers.
- Untersuchung von Landschaftsbeschreibungen als metaphorische Ausdrucksmittel.
- Erörterung der biographischen Parallelen zwischen Poe und der Erzählhandlung.
- Interpretation der Krankheit Tuberkulose als literarische Metapher.
- Vergleich mit literarischen Einflüssen wie dem Werk von Coleridge.
Auszug aus dem Buch
5.2.3 Die Beziehung zwischen Eleonora und dem Erzähler
Nach fünfzehn Jahren des Zusammenlebens in dem Tal entbrennt die Liebe zwischen Eleonora und dem Erzähler („…enkindled within us the fiery souls of our forefathers“ (Zeilen 64, 65). Dies könnte auch als Hinweis darauf gesehen werden, dass dieses Ereignis unweigerlich eintreffen musste, da Leidenschaft in der Familie vererbt wird. Der „Fluss des Schweigens“ eröffnet ihnen ohne Worte, dass sich etwas zwischen ihnen ändert und sie nehmen es schweigend hin. Aus der freundschaftlichen Beziehung wird eine Liebesbeziehung. Auffällig ist, dass Poe hier den Anfang des Hauptteils wiederholt. So schreibt er: „the passion which had for centuries distinguished our race, cane thronging with the fancies for which they had been equally noted, and together breathed a delirious bliss over the Valley of the Many-Colored Grass“. Hier spannt sich ein Rahmen, der die Jugend der Beiden abschließt und den Eintritt in die Erwachsenenwelt darstellt.
Aus der kindlichen Zuneigung entbrennt plötzlich Leidenschaft. Doch dieser Eindruck wird schnell relativiert, indem dem Leser offenbart wird, dass diese leidenschaftliche Beziehung, aufgrund der tödliche Krankheit Eleonoras, keine Zukunft haben kann. Dies äußert sich in der Beschreibung der Wolke, die einerseits Licht und Glanz spendet, andererseits dürften auch die Berge unter ihr verschwunden sein. Diese Wolke hält das Paar im Tal gefangen und könnte als erster Vorbote von etwas Schlechtem gesehen werden. Gefangenheit bedeutet auch Freiheitsverlust. Ferner könnte man sagen, dass die Wolke den Blick auf die Außenwelt und somit auf die Realität versperrt. Demnach würden die Liebe des Paares nur solange dauern, bis die Wolke ihre Dichte verliert und den Blick auf die reale Welt freigibt. Diese Ansicht wird dadurch unterstützt, dass der Erzähler direkt im Anschluss an die Schilderung der Wolke den frühen Tod seiner Gefährtin erneut erwähnt: „…innocent as the brief life she had led among the flowers“ (Zeile 82). Bei der Welt Eleonoras handelt es sich zusammenfassend um eine Welt, die durch ihre Abgeschlossenheit und Schönheit gekennzeichnet ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsabsicht, Poes Kurzgeschichte "Eleonora" hinsichtlich ihrer romantischen Merkmale und biographischen Einflüsse zu interpretieren.
2 Entstehungsgeschichte: Darstellung der Erstveröffentlichung der Erzählung im Jahr 1841 und der späteren Überarbeitung durch den Autor.
3 Biographische Hintergründe mit Relevanz zum Thema: Erörterung von Poes familiärer Situation und der chronischen Krankheit seiner Frau als potenzieller Einfluss auf sein Werk.
4 Strukturelle Auffälligkeiten: Analyse der Bedeutung des Titels, des Mottos und der formalen Einteilung der Kurzgeschichte.
5 Eleonora: Umfassende Untersuchung der Erzählstruktur, der Charakterisierung und der symbolischen Landschaftsbeschreibungen sowie der Bezüge zu anderen Autoren.
6 Schlussbetrachtung: Fazit zur untypischen Natur der Kurzgeschichte für Poes Gesamtwerk und Zusammenfassung der zentralen Deutungsergebnisse.
Schlüsselwörter
Edgar Allan Poe, Eleonora, Romantik, Kurzgeschichte, Ich-Erzähler, Tuberkulose, Metapher, Fiktivität, Wahnsinn, Leidenschaft, Symbolik, Biografie, Literaturinterpretation, Gothic Novel, Coleridge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Kurzgeschichte „Eleonora“ von Edgar Allan Poe unter Berücksichtigung ihrer romantischen Merkmale und der Verbindung zu den Lebensumständen des Autors.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die autobiographische Verarbeitung, die Symbolik von Natur und Landschaft, die Rolle des Ich-Erzählers sowie die metaphorische Darstellung von Krankheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine kohärente Interpretation der Kurzgeschichte, insbesondere die Untersuchung, inwiefern biographische Ereignisse und romantische Vorbilder die Erzählung beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine werkimmanente Interpretation in Kombination mit biografischen Ansätzen und dem Vergleich zu anderen literarischen Texten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehungsgeschichte, strukturelle Auffälligkeiten des Textes, eine detaillierte Analyse der Charaktere und Landschaftsbilder sowie Vergleiche zu zeitgenössischen Einflüssen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen neben dem Titel „Eleonora“ vor allem „Romantik“, „Ich-Erzähler“, „Tuberkulose-Metaphorik“ und „Fiktivität“.
Inwiefern spielt der Wahnsinn des Erzählers eine Rolle?
Die Arbeit beleuchtet, wie der Erzähler den Leser durch die Offenlegung seiner potenziellen psychischen Instabilität dazu anregt, die Realitätsnähe der gesamten Geschichte zu hinterfragen.
Warum ist die Wahl des Titels „Eleonora“ so bedeutsam?
Der Name wird analysiert als klangvolles Signal, das eine Assoziationskette zu einer idealisierten, träumerischen Phantasiewelt auslöst, was im Kontrast zu den eher bodenständigen Namen realer Personen steht.
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- Anica Petrovic-Wriedt (Author), 2006, Eine Interpretation der Kurzgeschichte "Eleonora" von Edgar Allan Poe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150138