Interkulturelle Kompetenzen sind ein dauerhaft aktuelles Thema. Der Mensch sieht sich der stetigen und steigenden Konfrontation mit Fremdheitserfahrungen ausgesetzt, diese gilt es zu bewältigen, sodass es nicht zu „enormen gesellschaftlichen Spannungen, psychologischen Belastungen des Individuums monetären Verlusten beim Scheitern von internationalen Projekten oder im Falle des Soldaten zu Gefahr für Leib und Leben kommt“ . Auch heute ist dieses Thema mehr als allgegenwärtig aufgrund des Krieges zwischen Russland und der Ukraine. Wir stehen erneut vor der Frage, wie wir den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine bestmöglich helfen können. Viele Menschen möchten unterstützen, doch fehlt hier manchmal vielleicht ein gewisses Verständnis für sein Gegenüber, das durchaus kulturell bedingt sein kann. Auch hier kann interkulturelles Wissen die nötige Grundlage für ein noch besseres gegenseitiges Verstehen sein. Aber nicht nur im eigenen Land können interkulturelle Kompetenzen bedeutsam werden, auf Geschäftsreisen oder auch privaten Reisen, wenn wir Gast in einem fremden Land werden, sind diese essenziell. Um anderen Kulturen respektvoll begegnen zu können, braucht es in anderen Ländern oft andere Höflichkeitsformen als im eigenen Land. Ist nun der Wunsch präsent, tiefer in eine Kultur einzutauchen, anstatt sich nur als ein Tourist im Urlaub zu fühlen, wird sich vermutlich auf die Suche nach Informationen über die interessierende Kultur gemacht.
Nun ist jedoch die Frage, welche Form geeignet ist, um die Merkmale verschiedener Kulturen herauszuarbeiten und diese letztendlich auch angemessen zu vermitteln und erlernen zu können, damit das interkulturelle Verständnis erlangt und erweitert werden kann. Einen kulturrelationalen Ansatz bildet das Kulturstandardkonzept, dieses geht auf Alexander Thomas zurück, der dieses in den 1990er-Jahren etablierte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsdefinitionen
2.1.1 Kultur
2.1.2 Interkulturalität
2.1.3 Interkulturelle Kommunikation
2.2 Das Kulturstandardmodell von Alexander Thomas
2.2.1 Der Kulturbegriff bei Thomas
2.2.2 Thomas' Ansatz der Kulturstandards
3 Relevanz des Kulturstandardmodells
3.1 Interkulturelle (Handlungs-)kompetenz und interkulturelle Kooperation
3.2 Interkulturelles Training
4 Grenzen des Kulturstandardmodells
4.1 Gefahr von Stereotypen und Vorurteilen
4.2 Weitere Kritikpunkte
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Kulturstandardmodell nach Alexander Thomas, um dessen Relevanz sowie bestehende Grenzen für die interkulturelle Kommunikation kritisch zu beleuchten und zu bewerten.
- Definition zentraler Begriffe der interkulturellen Kommunikation
- Detaillierte Analyse des Kulturstandardmodells nach Alexander Thomas
- Bedeutung von Kulturstandards für interkulturelle Handlungskompetenz
- Kritische Auseinandersetzung mit der Gefahr von Stereotypisierung
- Evaluation von interkulturellen Trainings und Methoden wie dem Cultural Assimilator
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Thomas‘ Ansatz der Kulturstandards
Alexander Thomas‘ kulturrelationaler Ansatz ist charakteristisch für die Annahme, dass eine objektive Beschreibung von Kulturen nicht möglich ist, sondern dass „jede Charakterisierung einer Kultur (…) von den verfügbaren Unterscheidungsmöglichkeiten abhängt, von der Perspektive, aus der heraus diese Unterscheidung getroffen werden“ (Straub 2007: S.13f), das heißt, dass eine kulturelle Gruppe aus der Sicht einer anderen beschrieben wird (vgl. Utler 2021: 41). Demnach nehmen Kulturstandards keinen Kulturvergleich vor, sondern setzen an interkulturellen Situationen an. Thomas hat mit seinem Kulturstandardmodell einen emischen Ansatz verfolgt. Dies bedeutet, dass er die Kulturen aus der Sicht eines Teilnehmers und nicht als beobachtender Außenstehender betrachtet hat, zudem betrachtet er jede Kultur für sich, ohne diese dabei in einen direkten Vergleich zu stellen.
Die Grundannahme des Kulturstandardkonzepts ist, dass sich kulturelle Orientierungssysteme durch bestimmte, zentrale Merkmale auszeichnen, die sich in interkulturellen Situationen besonders gravierend zeigen und sich deshalb zur Beschreibung kultureller Unterschiede eignen. Damit bilden interkulturelle Begegnungssituationen den Ausgangspunkt für die Ermittlung von Kulturstandards (vgl. Utler 2021: 41). Alexander Thomas bezeichnet diese zentralen Merkmale als „Kulturstandards“ und bezeichnet damit ein „für die Angehörigen einer Kultur gültiges und sinnstiftendes Orientierungssystem (vgl. Lüsebrink 2016: 24).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz interkultureller Kompetenz in einer globalisierten Welt ein und leitet die Fragestellung zur Untersuchung des Kulturstandardmodells von Alexander Thomas her.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert essenzielle Fachbegriffe wie Kultur, Interkulturalität und interkulturelle Kommunikation und erläutert das Kulturstandardmodell sowie den Kulturbegriff nach Alexander Thomas.
3 Relevanz des Kulturstandardmodells: Der Abschnitt analysiert, inwieweit Kulturstandards als Orientierungshilfe zur Förderung interkultureller Handlungskompetenz und Kooperation dienen sowie die Rolle kultureller Trainings.
4 Grenzen des Kulturstandardmodells: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit Vorwürfen der Stereotypisierung, des Entstehens von Vorurteilen und weiteren methodischen Kritikpunkten auseinander.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Kulturstandards bei entsprechender kontextueller Anwendung eine wertvolle Unterstützung darstellen.
Schlüsselwörter
Kulturstandards, Alexander Thomas, Interkulturelle Kommunikation, Interkulturelle Kompetenz, Kultur, Orientierungssystem, Cultural Assimilator, Interkulturelles Training, Stereotypisierung, Vorurteile, Interaktionssituationen, Handlungswirksamkeit, Emischer Ansatz, Sozialisation, Enkulturation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Relevanz und die Grenzen des Kulturstandardmodells von Alexander Thomas im Kontext der interkulturellen Kommunikation.
Welche zentralen Themenfelder weist die Arbeit auf?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Kultur, das Konzept der Kulturstandards, Möglichkeiten der interkulturellen Kooperation sowie eine kritische Reflektion über Stereotype und Methoden des interkulturellen Lernens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob das Kulturstandardmodell signifikant zur interkulturellen Kommunikation beitragen kann oder ob es das Risiko birgt, Vorurteile zu verfestigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Untersuchung der wissenschaftlichen Fundierung des kulturrelationalen Ansatzes von Alexander Thomas.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Analyse der Relevanz des Modells für die interkulturelle Kompetenz sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dessen Grenzen, insbesondere hinsichtlich Stereotypisierung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Kulturstandards, Alexander Thomas, Interkulturelle Kompetenz, Handlungswirksamkeit und kulturelle Orientierungssysteme.
Wie unterscheidet Alexander Thomas zwischen verschiedenen Arten von Kulturstandards?
Thomas unterteilt in "zentrale" (bereichsübergreifende), "domän- bzw. bereichsspezifische" und "kontextuelle" Kulturstandards, die sich in ihrer Reichweite und Situationsgebundenheit unterscheiden.
Warum ist das Thema der "Korrespondenzneigung" relevant für diese Analyse?
Die Korrespondenzneigung beschreibt die Tendenz, Verhalten von Personen primär auf Charaktereigenschaften statt auf situative Einflüsse zurückzuführen, was in interkulturellen Begegnungen zu Fehlurteilen führen kann, gegen die Kulturstandards als Orientierungshilfe wirken sollen.
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- Emily Glück (Author), 2023, Kulturstandards nach Alexander Thomas. Relevanz und Grenzen für die interkulturelle Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1501603