Was benötigen Einelternfamilien wirklich, um ihre Lebenssituation gut zu bewältigen? Reichen Steuerreformen und finanzielle Unterstützungsleistungen aus? Mit dem Inkrafttreten des „Starke-Familien-Gesetzes“ zum 01.07.2019 hat sich auch die Lebenslage für Familien mit kleinem Einkommen verbessert. Durch die Öffnung des Kinderzuschlags (KiZ) für Alleinerziehende und Familien mit mittlerem Einkommen, erhalten Einelternfamilien nun unabhängig von Unterhalt oder Unterhaltsvorschuss mehr finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite. Zum 01.01.2020 fiel zusätzlich die bisher geltende obere Einkommensgrenze weg und das Einkommen, welches über den Bedarf der Eltern hinausgeht, wird nur noch zu 45% statt bisher 50% angerechnet.
Die bisherige Familienforschung in Deutschland ist vorwiegend als Mutter-Kind-Forschung zu sehen. Zu alleinerziehenden Vätern gibt es bislang wenig Studien mit repräsentativen Daten zur Beschreibung ihrer Lebenslage. Bisherige Untersuchungen weisen eine meist sehr niedrige Probandenzahl auf oder beschränken sich vorwiegend auf sozioökonomische Daten.
Die unzureichende Forschungslage im deutschsprachigen Raum kann zu einer Fehleinschätzung von Vaterfamilien beitragen, sodass diese häufig immer noch als neues Phänomen eingestuft werden. Zur Schließung dieser Forschungslücke soll die vorliegende Arbeit beitragen. Um dies zu erreichen, wurden alleinerziehende Väter über ihre Bedürfnislage und die Gestaltung ihrer Vater-Kind-Beziehung befragt. Ausgangspunkt der Untersuchung ist deshalb die Charakterisierung der Lebensform Alleinerziehend, ihre Beschreibung und die Erarbeitung möglicher Herausforderungen. Der Schwerpunkt der Studie liegt insbesondere auf der Gestaltung der Beziehungen innerhalb der Vaterfamilien und die Zusammenhänge zwischen Bildungsstand, Alter des Vaters und Erziehungsschwierigkeiten. Hierfür wurde ein Fragebogen konzipiert und die Daten zunächst deskriptiv ausgewertet, um anschließend die Zusammenhänge zwischen Erziehungszielen und Unterstützungsbedarf zu untersuchen, sowie dem höchsten Bildungsabschluss und dem familiären Umgang.
1. Alleinerziehende Väter- ein neues Phänomen?
2. Allein erziehen - Charakteristika und Lebensform
2.1 Definitionen von „Familie“ und Begriffsbestimmung
2.2 Historische Entwicklung der Einelternfamilien und aktueller Forschungsstand
2.3 Entwicklung der Vaterfamilie
2.3.1 Das Sorgerecht
2.3.2 Die Wohnsituation
2.3.3 Finanzielle Situation
2.3.4 Soziale Probleme
2.4 Kinder alleinerziehender Väter
2.4.1 Vater-Kind- Beziehung
2.4.2 Erziehungsschwierigkeiten
2.5 Zusammenfassung der Literaturrecherche
2.6 Eingrenzung der Fragestellung und Hypothesen
3. Untersuchung alleinerziehender Väter und ihrer Kinder
3.1 Fragebogenentwicklung
3.2 Stichprobe und Durchführung der Befragung
3.3 Kategorien
3.4 Auswertung und Interpretation
4. Diskussion
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Lebenssituation alleinerziehender Väter in Deutschland mit einem besonderen Fokus auf ihre Bedürfnislage und die Gestaltung der Vater-Kind-Beziehung. Angesichts der bisherigen Forschungslage, die sich überwiegend auf alleinerziehende Mütter konzentriert, zielt die Arbeit darauf ab, durch eine deskriptive Untersuchung eine Forschungslücke zu schließen und individuelle Herausforderungen sowie Unterstützungsbedarfe von Vaterfamilien zu identifizieren.
- Charakterisierung der Lebensform Alleinerziehend aus der Perspektive von Vätern
- Analyse der Gestaltung von Vater-Kind-Beziehungen
- Untersuchung von Zusammenhängen zwischen sozioökonomischen Faktoren und Erziehungsschwierigkeiten
- Identifikation spezifischer Unterstützungsbedarfe und Problemlagen im Alltag von alleinerziehenden Vätern
Auszug aus dem Buch
2.3 Entwicklung der Vaterfamilie
Erkenntnisse aus der englischsprachigen Alleinerziehenden-Forschung zeigen, dass der Übergang in diese Lebensform durch vielfältige Probleme und Belastungen geprägt ist. Väter gelangen zu dieser Familienform zumeist durch Trennung, Scheidung oder Verwitwung, also durch ein kritisches Lebensereignis, welches mit zahlreichen weiterführenden Problemen und Herausforderungen einhergeht. Das Ausmaß dieser Erlebnisse ist höchst individuell und müssen in Bezug auf ihre Vorhersagbarkeit, Kontrollierbarkeit, Freiwilligkeit, aber auch den soziokulturellen Kontext gesehen werden. Die eigene Biografie sowie bisherige Bewältigungsmethoden kritischer Lebensereignisse spielen eine große Rolle in der Verarbeitung des Übergangs zur Einelternschaft (vgl. Stiehler, 2000, S. 91).
Stiehler (2000) fasst den universellen Ablauf der Bewältigungsprozesse in drei Phasen zusammen: Die erste Phase des „Nichtwahrhabenwollen, Schock, Isolation, Lähmung, stumme Phase“, die zweite Phase der „aufbrechende[n] Emotionen, Depression, Regression, Sich-Suchen, Sich-Trennen, Klagen“ und die dritte Phase der „Neuorientierung, Annahme, Anpassung, Adaption, Solidarität, Veränderung, Internalisierung der Bewältigungserfahrung“ (S. 94).
Die Hauptprobleme dieser Väter sind insbesondere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und weiterbestehende Konflikte mit der Kindsmutter (vgl. Matzner, 2002, S. 233).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Alleinerziehende Väter- ein neues Phänomen?: Einleitende Darstellung der Lebenslage von Einelternfamilien sowie die Diskussion der bisher eher mutterzentrierten Familienforschung und der Notwendigkeit einer spezifischen Vaterforschung.
2. Allein erziehen - Charakteristika und Lebensform: Umfassende theoretische Fundierung über Definitionen, historische Entwicklungen und die spezielle Situation von Vaterfamilien hinsichtlich Recht, Wohnen, Finanzen und sozialer Probleme sowie einer Literaturzusammenfassung.
3. Untersuchung alleinerziehender Väter und ihrer Kinder: Methodische Beschreibung der explorativen Untersuchung, der Entwicklung des Fragebogens sowie der Durchführung und deskriptiven Auswertung der Befragung.
4. Diskussion: Interpretation der empirischen Befunde unter Einbeziehung der theoretischen Grundlagen und kritische Reflexion des Forschungsdesigns.
5. Fazit: Resümierende Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und Ausblick auf zukünftige Bedarfe in der Forschung zu Vaterfamilien.
Schlüsselwörter
Alleinerziehende Väter, Vater-Kind-Beziehung, Einelternfamilie, Sorgerecht, Lebenssituation, Erziehungsziele, Bedürfnisanalyse, Sozioökonomischer Status, Familienpädagogik, Vaterschaft, Vaterforschung, Familienform, Unterstützungsbedarf, Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Lebenssituation alleinerziehender Väter in Deutschland, wobei insbesondere die Gestaltung ihrer Vater-Kind-Beziehungen und ihre spezifischen Bedürfnislagen im Alltag analysiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Kernpunkte sind die Entwicklung der Vaterfamilie, Aspekte wie Sorgerecht, Wohnsituation und finanzielle Lage, sowie die psychologischen Bindungsaspekte und Erziehungsschwierigkeiten alleinerziehender Männer.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die bestehende Forschungslücke im deutschsprachigen Raum zu schließen, indem die Alltagssituation und Herausforderungen alleinerziehender Väter empirisch deskriptiv erfasst werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein schriftlicher Fragebogen konzipiert und eingesetzt, dessen Daten deskriptiv ausgewertet wurden, ergänzt um Korrelationsanalysen zur Untersuchung von Zusammenhängen zwischen verschiedenen Variablen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen ausführlichen theoretischen Teil zur Definition und Entwicklung der Einelternfamilie sowie eine empirische Untersuchung, die unter anderem Erziehungsvorstellungen und Belastungsempfinden analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Alleinerziehende Väter, Vater-Kind-Beziehung, Sorgerecht, Lebenssituation und Unterstützungsbedarf gekennzeichnet.
Warum ist die Forschungslage zu alleinerziehenden Vätern bisher so dünn?
Die Familienforschung im deutschsprachigen Raum war jahrzehntelang fast ausschließlich als Mutter-Kind-Forschung konzipiert, wobei Väter meist nur under pathologischen Gesichtspunkten oder als Täter in den Fokus rückten.
Welche Rolle spielt der sozioökonomische Status dieser Väter laut Arbeit?
Die Untersuchung zeigt, dass der sozioökonomische Status eine signifikante Rolle bei der Bewältigung des Alltags spielt und eng mit der Gesundheit sowie dem Belastungsempfinden der Väter korreliert.
Zu welchem Ergebnis kommt die Arbeit bezüglich des Kontakts zur Kindesmutter?
Die Untersuchung zeigt ein breites Spektrum, wobei ein beachtlicher Teil der Kinder auch in Vaterfamilien weiterhin regelmäßigen Kontakt zur Mutter pflegt, was für das Wohlbefinden förderlich eingestuft wird.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Alleinerziehende Väter. Gestaltung der Vater-Kind-Beziehungen und Bedürfnislage von Vaterfamilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1501744