Zu Emile Durkheims Dissertation "Über die Teilung der sozialen Arbeit"

Eine kurze Darstellung des Gedankenpanoramas


Seminararbeit, 2008
13 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Emile Durkheims Grundlagen der Soziologie

3. Gesellschaftsanalytik des Emile Durkheim
3.1 Segmentäre Gesellschaften
3.2 Arbeitsteilige Gesellschaften
3.3. Die anomische Arbeitsteilung

4. Conclusio

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahre 1893 erschien Emile Durkheims Dissertation mit dem Titel „Über die Teilung der sozialen Arbeit“. Inhaltlich stellt Durkheim darin fest, dass eine arbeitsteilige Gesellschaft eines veränderten gesellschaftlichen Zusammenhaltes bedarf bzw. aus sich heraus produziert.

Folgen der Arbeitsteilung sind nach Durkheim, die Errichtung einer neuen Sozial- bzw. Moralordnung, die Individuen aneinander bindet. Ohne die Arbeitsteilung wären die Individuen weit gehend unabhängig voneinander. Aus dem Bemühen die Produktivkraft zu erhöhen, entspringt Solidarität. Diese Ausarbeitung zum Referat, das im Rahmen des Seminars „Durkheim und seine Schule“ gehalten wurde; möchte ein kurzes Gedankenpanorama Durkheims skizzieren, welches er in seiner Dissertation „Über die Teilung der sozialen Arbeit“ behandelt.

2. Emile Durkheims Grundlagen der Soziologie

Jede Darstellung eines Gedankenpanoramas ist gebunden an die historischen Geschehnisse, daher kann man die Grundlagen Emile Durkheims Soziologie, nur im historischen Kontext betrachten.

In den Jahren 1789 bis 1871 befindet sich Frankreich in einer sozialen Krise; deren Natur Durkheim „epochal und national“ nennt.[1]

Das Frankreich des 18.- und 19.Jahrhunderts, die Schwingungen der französischen Revolution und die damit einhergehende soziale Diskrepanz auf der nationalen, gesellschaftlichen Ebene konnte „(...) den Werten von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit keine stabile politische Heimat bieten.“[2] Den Einfluss der katholischen Kirche mit ihrer konservativ-dogmatischen Ausrichtung der Moral in einer immer komplexer werden Umwelt, behindert laut Durkheim den „(...) Aufbau eines demokratischen Bewusstseins, die Schaffung eines solidarischen Zusammenhalts und die Entwicklung einer säkularen, individualistischen Moral.“[3] Für die differenzierte Analyse der Gesellschaftszustände muss sich die Soziologie als „Real- und Moralwissenschaft“[4] verstehen.[5]

Durkheim bezieht sich in den „Regeln der soziologischen Methode“[6] auf die Erkenntnisse Montesquieus und definiert die Soziologie als „Wissenschaft von Institutionen, deren Entstehung und Wirkungsart.“[7] Emile Durkheim grenzt sich gegen Montesquieu ab, indem er in der Soziologie alle sozialen Tatbestände zusammen, die dem Individuum einerseits äußerlich und unabhängig sind

und andererseits mit zwingender Gewalt ausgestattet, Kraft derer sie sich ihm aufdrängen. Soziale Tatbestände seien nichts genuin menschliches, sondern lediglich in dem Sinne genuin menschlich, als das sie anerzogen seien. Soziale Tatbestände haben zwanghaften Charakter, da Druck auf den Willen des Einzelnen ausgeübt wird. Sie sind allgemein, da sie nicht mit der Natur des Menschen a priori verbunden sind. Ferner sind sie unabhängig von Verhalten und Praxis des Individuums.[8]

Die sozialen Tatbestände beschreibt Emile Durkheim anhand dreier Institutionen:

„Der Sprache, die Verständigung ermöglicht. Dem Geld, das zum Austausch dient und den Produktionsmethoden, die zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbs-fähigkeit notwendig sind.“[9]

Zentrales Anliegen Emile Durkheims ist die Erfassung und Klärung des gesellschaftlichen Einflusses, den die zuvor beschriebenen sozialen Tatbestände auf das Handeln der Individuen haben. Für Durkheim stellt das Soziale einen eigenen Wirklichkeitsbereich in der Realität dar. Das Soziale definiert also die Realität mit. Daraus folgert er, dass sich „Soziales nur durch Soziales“ erklären lasse.[10] „(...) denn, die bestimmt Ursache eines soziologischen Tatbestandes muss in den sozialen Phänomenen, die ihm zeitlich vorangehen, und nicht in den Zuständen des individuellen Bewusstseins gesucht werden.“[11] Durkheim vertritt einen positivistischen Standpunkt und verwirft eine individualistische Sicht des Dinges.[12] Eine Verdeutlichung des positivistischen Standpunktes ergibt sich bereits im Vorwort „Über die Teilung der sozialen Arbeit“: „Dieses Buch ist vor Allem ein Versuch, Tatsachen des moralischen Lebens nach der Methode der positiven Wissenschaft zu behandeln.“[13] Nachfolgend präzisiert er: „Um zu wissen, warum die Arbeitsteilung objektiv ist, genügt es nicht, die Idee, die wir uns von ihr machen, weiter zu entwickeln; sondern man muss sie wie eine objektive Tatsache behandeln, beobachten und vergleichen, dann werden wir feststellen, dass sich das Ergebnis dieser Beobachtungen oft sehr von dem unterscheidet, was uns das Gefühl suggeriert.“[14]

3. Gesellschaftsanalytik des Emile Durkheim

Die Fragestellungen in Durkheims Dissertation „Über die Teilung der sozialen Arbeit“ haben gesellschaftsanalytischen Charakter.

„Wie geht es zu, dass das Individuum, während es immer autonomer wird, immer mehr von der Gesellschaft abhängt? Wie kann es zu gleicher Zeit persönlicher und solidarischer sein?“[15]

Welche Parameter sind für individuelle Autonomie vorausgesetzt und in welcher Korrelation steht sie zum gesellschaftlichen Zwang? Die Arbeitsteilung liefert nach Durkheim eine befriedigende Beantwortung und zugleich Lösung: sie errichtet eine Sozial- und Moralordnung, indem sie Individuen, durch aufeinander folgende Arbeitsabläufe aneinander bindet, die sonst unabhängig voneinander agiert hätten. Statt einer getrennten Entwicklung sind sie nun solidarischer, durch die Vereinigung ihrer Anstrengungen.[16] Diese Solidarität und wechselseitige Bedingung drücke sich nicht nur im Prozess der Arbeit aus, sondern umfasse weite Teile des sozialen, gesellschaftlichen Lebens. Daraus folgt, dass die Arbeitsteilung über ihre ökonomische Nützlichkeit hinaus geht, indem sie eine neue Quelle des gesellschaftlichen Zusammenhalts darstellt.[17]

[...]


[1] MÜLLER; H.-P.: Gesellschaft, Moral und Individualismus. Emile Durkheims Moraltheorie.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Ebd.

[6] Ebd.

[7] Ebd., S.157f. Vgl. Heisterberg 1980, S.75f.

[8] Vgl. Müller 2000, S.154. Vgl. May 1980, S.72.

[9] Müller 2000, S.154.

[10] May 1985, S.72.

[11] Ebd.

[12] Vgl. Ebd.

[13] Durkheim 1977, S.72.

[14] Ebd. S.78

[15] Durkheim 1977, S.78.

[16] Vgl. May 1985, S.75.

[17] Vgl. Durkheim 1977, S.78.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Zu Emile Durkheims Dissertation "Über die Teilung der sozialen Arbeit"
Untertitel
Eine kurze Darstellung des Gedankenpanoramas
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Veranstaltung
Durkheim und seine Schule
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V150194
ISBN (eBook)
9783640613052
ISBN (Buch)
9783640612932
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emile Durkheim, Über die Teilung der sozialen Arbeit, Emile Durkheims Dissertation
Arbeit zitieren
Dennis Scholze (Autor), 2008, Zu Emile Durkheims Dissertation "Über die Teilung der sozialen Arbeit", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150194

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