Nancy Fraser versucht die Umverteilung und Anerkennung trotz ihrer Differenzen zu verknüpfen, da für die Gerechtigkeit in der heutigen Zeit Umverteilung und Anerkennung – laut Fraser - von Nöten ist. Sie betont, dass keine von beiden außer Acht gelassen werden darf und versucht dementsprechend diese beiden Aspekte zu verbinden. Allerdings bezieht sich Fraser eher auf gemeinverständliche bzw. populäre und gegenwärtige Auffassungen der Gerechtigkeit, als auf philosophische Beispiele.
Aufgrund von klassenspezifischer Politik und Identitätspolitik stellt Fraser die Umverteilung und Anerkennung als eigenständigen Aspekt von sozialer Gerechtigkeit dar und ist demgemäß der Auffassung, dass jede soziale Bewegung berücksichtigt werden muss. Somit bezieht sich die Umverteilung nicht nur auf einzelne Klassen der Gesellschaft, sondern auch auf Feminismus oder Antirassismus, die sich gegen Ungerechtigkeit stark machen. Durch die Beachtung von Aspekten wie Feminismus etc. ist dies Paradigma erheblich umfangreicher als die klassenbezogene Politik im herkömmlichen Sinne.
Die populäre Auffassung von Anerkennung und Umverteilung sind von starken Kontrasten geprägt, wobei an diesem Punkt die vier wichtigsten Aspekte, nach Fraser, hervorgehoben werden.
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Axel Honneth versucht in seiner Publikation „Kampf um Anerkennung“ aus dem Hegelschen Denkmodell des „Kampfes um Anerkennung“ eine grundlegende und bedeutende Gesellschaftstheorie zu entwickeln.
Sein entwickeltes Anerkennungsmodell differenziert er in drei Ebenen. Die Anerkennung wird durch Liebe, Recht und Solidarität zugesprochen, oder im negativen Fall durch Vergewaltigung, Entrechtung und Entwürdigung verweigert oder entzogen.
Nach Honneth wird in jeder Ebene, also durch Liebe, Recht und Solidarität, die Persönlichkeit gefördert.
Im Fall der Ebene Liebe sollte zunächst darauf hingewiesen werden, dass Honneth sich auf einer relativ neutralen Begriffsverwendung stützt und Liebesverhältnisse als Primärbeziehungen ansieht. Diese reichen von erotischen Zweierbeziehungen bis hinüber zu Freundschaften und Eltern-Kind-Beziehungen, wichtig ist für diese Beziehungen nur, dass sie aus ausgeprägten Gefühlsbindungen zwischen einer geringen Anzahl von Personen bestehen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Vorgehensweise
2. Umverteilung und Anerkennung
2.1 Die Verknüpfung von Umverteilung und Anerkennung nach Fraser
3. Das Statusmodell von Nancy Fraser
4. Das Anerkennungsmodell von Axel Honneth
5. Auseinandersetzung mit den Modellen von Fraser und Honneth
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht darin, das Statusmodell von Nancy Fraser und das Anerkennungsmodell von Axel Honneth gegenüberzustellen, um zu untersuchen, ob diese Modelle als konträr zu betrachten sind oder ob Ansatzpunkte für eine Verknüpfung existieren, die zur Lösung sozialer Gerechtigkeitsprobleme beitragen können.
- Grundlagen der Begriffe Umverteilung und Anerkennung
- Analyse und Darstellung des Statusmodells von Nancy Fraser
- Detaillierte Untersuchung des dreistufigen Anerkennungsmodells von Axel Honneth
- Vergleichende Diskussion anhand eines Praxisbeispiels
- Evaluation von Möglichkeiten einer modellübergreifenden Synthese
Auszug aus dem Buch
4. Das Anerkennungsmodell von Axel Honneth
Axel Honneth versucht in seiner Publikation „Kampf um Anerkennung“ aus dem Hegelschen Denkmodell des „Kampfes um Anerkennung“ eine grundlegende und bedeutende Gesellschaftstheorie zu entwickeln.
Sein entwickeltes Anerkennungsmodell differenziert er in drei Ebenen. Die Anerkennung wird durch Liebe, Recht und Solidarität zugesprochen, oder im negativen Fall durch Vergewaltigung, Entrechtung und Entwürdigung verweigert oder entzogen. Nach Honneth wird in jeder Ebene, also durch Liebe, Recht und Solidarität, die Persönlichkeit gefördert.
Im Fall der Ebene Liebe sollte zunächst darauf hingewiesen werden, dass Honneth sich auf einer relativ neutralen Begriffsverwendung stützt und Liebesverhältnisse als Primärbeziehungen ansieht. Diese reichen von erotischen Zweierbeziehungen bis hinüber zu Freundschaften und Eltern-Kind-Beziehungen, wichtig ist für diese Beziehungen nur, dass sie aus ausgeprägten Gefühlsbindungen zwischen einer geringen Anzahl von Personen bestehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Kontroverse zwischen Fraser und Honneth sowie Darlegung der Forschungsfrage bezüglich einer möglichen Verknüpfung ihrer Modelle.
2. Umverteilung und Anerkennung: Erörterung der philosophischen und politischen Hintergründe der beiden Termini sowie deren Einordnung in die politische Theorie.
2.1 Die Verknüpfung von Umverteilung und Anerkennung nach Fraser: Erläuterung der Ansätze Frasers, wie sie populäre Auffassungen von Umverteilung und Anerkennung trotz ihrer Differenzen integrieren möchte.
3. Das Statusmodell von Nancy Fraser: Präzise Darstellung des Statusmodells als Versuch, institutionelle Unterordnung durch die Befreiung von kulturellen Werteschemata abzubauen.
4. Das Anerkennungsmodell von Axel Honneth: Detaillierte Analyse des dreistufigen Modells bestehend aus den Ebenen Liebe, Recht und Solidarität.
5. Auseinandersetzung mit den Modellen von Fraser und Honneth: Kritische Gegenüberstellung der Modelle anhand des Beispiels von Menschen mit Handicap.
6. Fazit: Zusammenfassung der Thesen und Beantwortung der Frage nach der Verknüpfbarkeit der Ansätze zu einem integrativen Modell.
Schlüsselwörter
Umverteilung, Anerkennung, Statusmodell, Anerkennungsmodell, Nancy Fraser, Axel Honneth, soziale Gerechtigkeit, Identitätspolitik, Liebe, Recht, Solidarität, Institutionen, kulturelle Werteschemata, Selbstvertrauen, Selbstachtung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der politisch-philosophischen Kontroverse zwischen Nancy Fraser und Axel Honneth hinsichtlich ihrer Gerechtigkeitsmodelle und prüft, inwieweit diese sinnvoll verknüpft werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Statusmodell von Fraser, das Anerkennungsmodell von Honneth sowie die Konzepte von Umverteilung und Anerkennung als Dimensionen sozialer Gerechtigkeit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, durch eine Gegenüberstellung und Diskussion der Modelle Denkanstöße zu liefern, um die Frage zu beantworten, ob die Modelle tatsächlich unvereinbar sind oder eine Synthese möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie eine komparative Diskussion, illustriert durch ein praktisches Anwendungsbeispiel.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Modelle beider Autoren und eine anschließende diskursive Auseinandersetzung anhand von Beispielen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Anerkennung, Umverteilung, soziale Gerechtigkeit sowie die spezifischen Kategoriensysteme von Fraser und Honneth charakterisiert.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Rechts in Frasers Modell?
Die Arbeit kritisiert, dass Fraser in ihrem Statusmodell rechtliche Grundlagen teils vernachlässigt, was insbesondere bei der Inklusion von Menschen mit Handicap zu Defiziten führen kann.
Warum stößt Honneths Modell laut der Arbeit bei manchen Gruppen an Grenzen?
Honneths Modell koppelt Anerkennung stark an die Leistung für gesellschaftliche Ziele; dies führt dazu, dass Menschen, die diese Leistungen nicht erbringen können, unter Umständen keine ausreichende Anerkennung erfahren.
- Quote paper
- Tobias Neuhaus (Author), 2009, Honneths Anerkennungsmodell vs. Frasers Statusmodell, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150195