Honneths Anerkennungsmodell vs. Frasers Statusmodell

Ansatzpunkte zur Verknüpfung der Modelle


Seminararbeit, 2009

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorgehensweise

2. Umverteilung und Anerkennung
2.1 Die Verknüpfung von Umverteilung und Anerkennung nach Fraser

3. Das Statusmodell von Nancy Fraser

4. Das Anerkennungsmodell von Axel Honneth

5. Auseinandersetzung mit den Modellen von Fraser und Honneth

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der politisch-philosophischen Kontroverse „Umverteilung oder Anerkennung?“ von Nancy Fraser und Axel Honneth[1] wird von denselbigen Autoren ihr Gerechtigkeitsmodell vorgestellt und im Anschluss auf wissenschaftlicher Basis von dem jeweils anderen Autor kritisiert. Aufgrund dieser Publikation stellt sich die Frage, ob das Statusmodell von Fraser und das Anerkennungsmodell von Honneth wirklich stark konträr sind oder ob es zumindest Ansatzpunkte zur Verknüpfung dieser Modelle gibt.

Ziel dieser Arbeit ist es daher, anhand einer Gegenüberstellung der Modelle und einer anschließenden Diskussion Denkanstösse zu vermitteln, die zur Beantwortung der Frage beitragen.

1.1 Vorgehensweise

Die Arbeit leitet mit dem Punkt Umverteilung und Anerkennung ein, indem die Herkunft dieser Termini geklärt wird, um darauf folgend mit der Verknüpfung von Umverteilung und Anerkennung nach Nancy Fraser fortzusetzen, die für das Grundverständnis von Frasers Statusmodell beitragen sollen. Im Anschluss folgt eine präzise Darstellung von Frasers Statusmodell. Daraufhin wird das Anerkennungsmodell von Axel Honneth thematisiert, um sich anschließend mit den beiden Modellen in einer Diskussion, in der ein praktisches Beispiel herangezogen wird, auseinanderzusetzen. Zuletzt werden im Fazit die essentiellen Thesen zusammengefasst und die Fragestellung aufgegriffen und beantwortet.

2. Umverteilung und Anerkennung

Die Termini Umverteilung und Anerkennung haben einen philosophischen sowie politischen Hintergrund. Auf philosophischer Ebene beziehen sich die Umverteilung und Anerkennung auf grundlegende Paradigmen, die in der politischen Theorie und in der Moralphilosophie weiter ausgereift wurden. Aus dem politischen Blickwinkel betrachtet beziehen sie sich auf etliche Ansprüche, die im öffentlichen Leben von politischen Akteuren und sozialen Bewegungen verfolgt wurden.[2]

Der Ursprung von Umverteilung liegt in der liberalen Tradition, wobei hingegen die Anerkennung auf Hegels Philosophie zurückzuführen ist. In dieser Philosophie, präziser gesagt in der Phänomenologie des Geistes, ist die Anerkennung eine ausgereifte wechselseitige Beziehung zwischen Subjekten, „[…] in der jeder den anderen als seinesgleichen und zugleich als von sich getrennt sieht.“[3] Des Weiteren ist hervorzuheben, dass die Anerkennung eher der „Ethik“ anstatt der „Moral“ zugeordnet wird, so dass im Gegensatz zur Gerechtigkeit die Perspektive nach Selbstverwirklichung und einem gutem Leben verfolgt wird.[4]

2.1 Die Verknüpfung von Umverteilung und Anerkennung nach Fraser

Nancy Fraser versucht die Umverteilung und Anerkennung trotz ihrer Differenzen zu verknüpfen, da für die Gerechtigkeit in der heutigen Zeit Umverteilung und Anerkennung – laut Fraser - von Nöten ist. Sie betont, dass keine von beiden außer Acht gelassen werden darf und versucht dementsprechend diese beiden Aspekte zu verbinden. Allerdings bezieht sich Fraser eher auf gemeinverständliche bzw. populäre und gegenwärtige Auffassungen der Gerechtigkeit, als auf philosophische Beispiele.[5]

Aufgrund von klassenspezifischer Politik und Identitätspolitik stellt Fraser die Umverteilung und Anerkennung als eigenständigen Aspekt von sozialer Gerechtigkeit dar und ist demgemäß der Auffassung, dass jede soziale Bewegung berücksichtigt werden muss. Somit bezieht sich die Umverteilung nicht nur auf einzelne Klassen der Gesellschaft, sondern auch auf Feminismus oder Antirassismus, die sich gegen Ungerechtigkeit stark machen. Durch die Beachtung von Aspekten wie Feminismus etc. ist dies Paradigma erheblich umfangreicher als die klassenbezogene Politik im herkömmlichen Sinne.[6]

Die populäre Auffassung von Anerkennung und Umverteilung sind von starken Kontrasten geprägt, wobei an diesem Punkt die vier wichtigsten Aspekte, nach Fraser, hervorgehoben werden.

Die Umverteilung konzentriert sich aus populärer Sicht auf sozioökonomische Missstände, die mit der wirtschaftlichen Gesellschaftsstruktur verflochten sind. Ein Beispiel hierfür wäre z.B. Ausbeutung. Die populäre Auffassung der Anerkennung setzt sich hingegen mit kulturellen Ungerechtigkeiten auseinander, die mutmaßlich mit gesellschaftlichen Mustern verstrickt sind, wie z.B. verweigerte Anerkennung oder kulturbedingte Herrschaft.[7]

Ebenfalls ist eine Differenz der populären Auffassungen im Hinblick auf dem Umgang mit Ungerechtigkeit zu registrieren. Die Umverteilung versucht durch ökumenische Umstrukturierung Missstände zu beseitigen (= z.B. Umverteilung des Einkommens; Neuorganisation der Arbeitsteilung), wobei im Falle der Anerkennung eine kulturelle bzw. symbolische Änderung die Ungerechtigkeit bekämpfen soll. In diesem Fall sollen Gruppen, die nicht respektvoll behandelt werden, neu beurteilt werden, so dass ein Wandel auf kultureller Ebene dafür sorgt, dass diese Gruppen anerkannt und positiv betrachtet werden. Anders formuliert: Das stereotypische Denken der Gesellschaft und das von Einzelpersonen muss abgelegt werden, um Anerkennung zu fördern.

Drittens werden die ungerecht behandelten Gruppen von den zwei populären Auffassungen unterschiedlich begutachtet. Die Umverteilung sieht die Subjekte, denen Ungerechtigkeit widerfährt, als eine Klasse bzw. klassenartige Gruppe an, die sich über eine besondere wirtschaftliche Stellung zum Markt und zu den Produktmitteln definiert. Neben dem Marxschen Modell der ausgenutzten Arbeiterklasse bezieht sich dies ebenso auf andere Gruppierungen, wie z.B. ethnische Minderheiten, die sich ökonomisch definieren lassen. Bei der populären Auffassung der Anerkennung hingegen werden die ungerecht behandelten Subjekte vor allem durch die Anerkennungsbeziehung definiert und daher unterschieden, indem ihnen weniger Respekt entgegengebracht wird.

Daraus resultiert, dass die beiden populären Auffassungen auf der Basis eines heterogenen Verhältnisses von Gruppendifferenzierung beruhen. Diese Differenzen werden im Falle der Umverteilung zu einem Konstrukt eines Verhältnisses von ungerechter politischer Ökonomie, in der Gruppendifferenzen nicht toleriert und akzeptiert, sondern einfach aufgelöst werden. Bei der populären Auffassung der Anerkennung wird die Differenz zum einen als ausdruckslose kulturelle Eigenart angesehen, „[…] die ein ungerechtes Interpretationsschema vorsätzlich in eine Welthierarchie übersetzt hat.“[8] Zum anderen fördert die Gruppendifferenz nicht die Welthierarchie, sondern konstituiert sie.[9]

Wichtig ist vor allem die Kernaussage, dass Umverteilung und Anerkennung als unvereinbar betrachtet werden, von Fraser abgelehnt werden, und sie das Ziel verfolgt, ein integratives Verfahren zu entwickeln, um diese Dimensionen sozialer Gerechtigkeit zu thematisieren und in Einklang zu bringen.[10]

3. Das Statusmodell von Nancy Fraser

Das Ziel die Umverteilung und Anerkennung in einem einzigen komplexen Modell zu verknüpfen ist laut Nancy Fraser äußerst kompliziert und führt zu tiefgründigen wissenschaftlichen Problemen in der Moralphilosophie, Gesellschaftstheorie, politischen Theorie und politischen Praxis. Im letzten Fall muss demzufolge die Aufgabe bewältigt werden, alle Barrieren zu beseitigen und demokratisches Engagement zu fördern, um eine zielgerichtete Neuorientierung auf einem großen Fundament zu gestatten, die das Ziel verfolgt, die vollkommene Politik der Umverteilung mit der vollkommenen Politik der Anerkennung zu vereinigen.[11]

Wird diese Politik der Anerkennung bzw. die Anerkennung selbst als Obliegenheit der Gerechtigkeit aufgefasst, wird zugleich das Statusproblem aufgegriffen und somit „[…] institutionalisierte kulturelle Bewertungsschemata anhand ihrer Auswirkung auf den relativen Rang der sozialen Akteure untersucht.“[12] Werden die Akteure als gleichgestellte Subjekte klassifiziert, die zusammen in paritätischer Weise am Leben innerhalb der Gesellschaft teilnehmen, ist eine Wechselwirkung von Anerkennung und Gleichheit des Status gegeben. Wird allerdings ein Akteur bzw. eine Gruppierung durch institutionalisierte kulturelle Weltschemata als untergeordnet eingestuft, also ihnen wird ein minderwertiges Dasein zugeschrieben, so werden sie ggf. aus der sozialen Interaktion verdrängt, da sie benachteiligt und nicht anerkannt sind.[13]

[...]


[1] Fraser, Nancy/Honneth, Axel: Umverteilung oder Anerkennung?. Eine politisch-philosophische Kontroverse, Frankfurt a. M. 2003.

[2] Fraser, Nancy: Soziale Gerechtigkeit im Zeitalter der Identitätspolitik. Umverteilung, Anerkennung und Beteiligung, in: Dies./Honneth, Axel: Umverteilung oder Anerkennung?. Eine politisch-philosophische Kontroverse, Frankfurt a. M. 2003, S. 18.

[3] Ebd., S. 19

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. ebd., S. 17, 20.

[6] Vgl. ebd., S. 22.

[7] Vgl. ebd., S. 22f.

[8] Ebd., S. 26

[9] Vgl. ebd., S. 23-26

[10] Vgl. ebd., S. 42.

[11] S. 42.

[12] Ebd., S. 45

[13] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Honneths Anerkennungsmodell vs. Frasers Statusmodell
Untertitel
Ansatzpunkte zur Verknüpfung der Modelle
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Theorien sozialer Gerechtigkeit: Gründe für Gleichheit und Ungleichheit
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V150195
ISBN (eBook)
9783640613441
ISBN (Buch)
9783640613328
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Axel Honneth, Nancy Fraser, Anerkennung, Umverteilung, Gerechtigkeit, Gerechtigkeitstheorie, Statusmodell, Anerkennungsmodell, politisch-philosophische Kontroverse, Hegel
Arbeit zitieren
Tobias Neuhaus (Autor), 2009, Honneths Anerkennungsmodell vs. Frasers Statusmodell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150195

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Honneths Anerkennungsmodell  vs.  Frasers Statusmodell



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden