Nach einer kurzen Darstellung zur Entstehung der Xenien, ihrer motivationalen Hintergründe sowie ihrer intentionalen Ausrichtung, wird es darum gehen, den Gebrauch kriegerischen Vokabulars innerhalb des Briefwechsels und die damit verbundenen kriegsähnlichen Strategien genauer zu betrachten.
Im Anschluss an die Analyse einiger ausgewählter Xenien gegen den Musiker Johann Friedrich Reichardt, soll zum Schluss noch ein kurzer Blick auf die Rezeption der Xenien und die durch jene „Kriegsgeschosse“ ausgelösten sog. „Anti-Xenien“ gerichtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Die Xenien – Entstehungshintergrund, Motive und Intentionen
3. Der Xenienstreit - Ein literaturpolitischer Kleinkrieg?
4. Die Xenien – Literarische Geschosse im Kampf gegen Johann Friedrich Reichardt
5. „Die Gegner schießen zurück“ – Zur Wirkung der Anti-Xenien
6. Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gemeinschaftsprojekt der "Xenien" von Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe vor dem Hintergrund eines literaturpolitischen Kleinkrieges, wobei insbesondere der Gebrauch kriegerischer Metaphorik und Strategien analysiert wird.
- Historischer Entstehungskontext und Intentionen der Xenien
- Analyse der Xenien als literarische Waffen ("Kriegsgeschosse")
- Konfliktdynamik zwischen Schiller/Goethe und Johann Friedrich Reichardt
- Rezeption der Xenien und das Phänomen der "Anti-Xenien"
- Die Xenien als Ausdruck ästhetischer Opposition und Ausdruck der Autorenfreundschaft
Auszug aus dem Buch
Die Xenien – Entstehungshintergrund, Motive und Intentionen
Bevor es darum gehen soll, den Entstehungshintergrund der Schiller-Goethischen Xenien zu betrachten sowie die mit der Xenienarbeit verbundenen Motive und Intentionen herauszuarbeiten, ist es lohnenswert zunächst einen kurzen Blick auf den Begriff „Xenie“ zu richten.
Der Begriff Xenie wurzelt etymologisch im griechischen Wort „to xenion“, was so viel bedeutet wie Gastgeschenk oder gastliche Bewirtung. Beim alt-griechischen Wort Xenion handelt es sich grammatisch um ein sog. Pluraletantum, das heißt es existiert ausschließlich im Plural. Wenn wir in der Literaturwissenschaft von der Xenie oder den Xenien sprechen, benutzen wir dem Lateinischen Wort Xenium entlehnte Bezeichnungen und beschreiben damit zweizeilige Verseinheiten, die sich aus einem Hexameter und einem Pentameter zusammensetzen, sog. Distichen.
Eine der ersten Formen literarischer Xenien finden sich im 13. Buch der Epigrammensammlung des römischen Dichters Martials aus dem 1. Jh. n. Chr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die Thematik durch den Bezug zu einer Laudatio von Andrei Plensu, wobei die Xenien als Medium eines literaturpolitischen Kleinkrieges eingeführt werden.
2. Die Xenien – Entstehungshintergrund, Motive und Intentionen: Erläuterung des Begriffs "Xenie" sowie Darstellung der Beweggründe von Schiller und Goethe, die durch den sogenannten "Wolfischen Ausfall" gegen die Horen motiviert wurden.
3. Der Xenienstreit - Ein literaturpolitischer Kleinkrieg?: Analyse der kriegerischen Metaphorik im Briefwechsel der Dichter und Untersuchung der Strategien zur Konstitution von Feindbildern.
4. Die Xenien – Literarische Geschosse im Kampf gegen Johann Friedrich Reichardt: Exemplarische Analyse der Xenien als Waffen gegen den Musiker Johann Friedrich Reichardt und dessen konfliktreiche Beziehung zu Goethe.
5. „Die Gegner schießen zurück“ – Zur Wirkung der Anti-Xenien: Betrachtung der durch den Skandal hervorgerufenen Reaktionen in Form von Anti-Xenien und der Haltung der Autoren dazu.
6. Nachwort: Fazit über die Bedeutung der Xenien als Instrument ästhetischer Opposition und deren Rolle für die Festigung der Freundschaft zwischen Schiller und Goethe.
Schlüsselwörter
Xenien, Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Friedrich Reichardt, Literaturpolitik, Kleinkrieg, Distichen, Kriegsmetaphorik, Briefwechsel, Horen, Musenalmanach, literarischer Skandal, Anti-Xenien, Ästhetik, Satire.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die von Schiller und Goethe verfassten "Xenien" als ein bewusst initiiertes literarisches Projekt, das als "literaturpolitischer Kleinkrieg" verstanden werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen der Entstehungshintergrund der Xenien, die Verwendung kriegerischer Sprache, das Verhältnis zu literarischen Widersachern wie Reichardt sowie die öffentliche Wirkung in Form von Skandalen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schiller und Goethe literarische Formen, konkret die Distichen, nutzten, um ihre ästhetischen Vorstellungen gegen zeitgenössische Kritiker durchzusetzen und zu verteidigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse von Primärquellen, insbesondere des umfangreichen Briefwechsels zwischen Schiller und Goethe, ergänzt durch Fachliteratur zur Klassik-Forschung.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des kriegerischen Vokabulars, eine detaillierte Analyse der Polemik gegen den Komponisten Johann Friedrich Reichardt und die Betrachtung der literarischen Gegenreaktionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Titelbegriff "Xenien" sind Begriffe wie "literarischer Kleinkrieg", "Kriegsmetaphorik", "Distichen", "Anonymität" und "Rezeptionsgeschichte" maßgeblich.
Warum wurde Johann Friedrich Reichardt als konkretes Fallbeispiel gewählt?
Reichardt dient als prominentes Beispiel für einen ehemaligen Vertrauten und Mentor Goethes, der durch seine pro-revolutionäre Haltung und seine Tätigkeit als Verleger in den Fokus der scharfen Xenien-Kritik geriet.
Welche Rolle spielt die Anonymität in diesem literarischen Konflikt?
Die Anonymität fungierte laut Analyse als Selbstschutzinstrument und Strategie, um als geschlossenes "Autorkollektiv" gegen als minderwertig empfundene Literatur und Kritiker aufzutreten.
Wurden die Xenien als reines "Spiel" aufgefasst?
Obwohl die Xenien einen spielerischen Charakter aufweisen, betont die Arbeit, dass sie keineswegs als bloßer Zeitvertreib, sondern als ernsthafte ästhetische und literaturpolitische Intervention geplant waren.
Wie reagierten die angegriffenen "Gegner" auf die Xenien?
Viele der Angegriffenen reagierten mit eigenen "Anti-Xenien", wobei sie teilweise die satirischen Methoden der Autoren kopierten, um den Dichtern den Skandal "epigrammatisch heimzuzahlen".
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- Vera Fischer (Author), 2006, Ein literaturpolitscher Kleinkrieg: Die Xenien von Schiller und Goethe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150249