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Go to shop › Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)

„Individuum est ineffabile“

Verallgemeinerung und Konkretisierung in der Philosophie

Title: „Individuum est ineffabile“

Seminar Paper , 2010 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nicole Borchert (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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Eines der Grundprobleme der Philosophie stellt seit je her das Verhältnis zum konkreten Leben dar. Die Schwierigkeit besteht zunächst im Bestreben der philosophischen Disziplin, die menschliche Existenz zu erfassen. Um dies zu ermöglichen, müsste sich der Philosoph allerdings gemäß Fichte aus der „Befangenheit des Lebens“ lösen.

Die subjektive Befangenheit verhindert eine wirkliche, objektive Erkenntnis. Die einzige annehmbare Möglichkeit für dieses Problem ist demnach, sich durch Reflexion ein Stück weit aus dieser natur-gemäßen Befangenheit zu lösen, um Abstand zum Gegenstand der Erkenntnis zu gewinnen. Da man sich jedoch niemals völlig distanzierten kann und auch als Philosoph selbst in der eigenen Existenz verhaften bleibt, ist das Resultat solcher Bemühungen im besten Falle Spekulation.

Im Anschluss daran stellt sich die Frage, wie die Philosophie überhaupt das Leben und die menschliche Existenz erfassen kann. Der Bezug zwischen Philosophie und Leben gilt als eines der bedeutendsten Themen philosophischer Diskurse im 19. und 20. Jahrhundert. Im Zuge dessen gewann die subjektive Existenz an Bedeutung und wurde zum wichtigsten Gegenstand der Philosophie. Im Gegensatz zum „Wesen“ der Menschen ging es vermehrt um den praktischen Lebensvollzug als Quelle der Erkenntnis, da sich nur darin seine Existenz äußere. So legte bereits Martin Heidegger den Fokus auf das konkrete „In der Welt-Sein“ der Menschen.

Die subjektive Wende in den Wissenschaften verstärkte allerdings das bereits bestehende basale Problem der Philosophie. Denken ist grundsätzlich immer abstrakt und kann niemals einen konkreten Gegenstand gänzlich erfassen. Auch Begriffe und theoretische Über-legungen sind notwendigerweise vom Ausgangspunkt abstrahiert. So gesehen kann die Philosophie nicht erfassen, worum es ihr eigentlich geht: Die konkrete menschliche Existenz. Da das Subjekt ständigen Veränderungen unterworfen ist, kann auf der gedanklichen Ebene eine Abstraktion nur unter Berücksichtigung der unveränderlichen Parameter erfolgen.

Die konkrete Einzelexistenz kann eben nicht „gedacht“ werden, nur das dieser Existenz Zugrundeliegende kann gedanklich erfasst werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Die Abstraktheit begrifflichen Denkens

1.2 Zielsetzung und Herangehensweise

2. Der Status von Allgemeinbegriffen

2.1 Der Universalienstreit

2.2 Universalien und Individuen

3. Verallgemeinerung und Konkretisierung in der Philosophie

3.1 Das Subjekt aus philosophischer Sicht

3.2 Deduktion und Induktion

3.3 „Individuum est ineffabile“

4. Schlussbemerkungen

4.1 Resümee und Stellungnahme

4.2 Ausblick

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das philosophische Grundproblem der Erfassbarkeit des menschlichen Individuums durch abstraktes, begriffliches Denken. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob das Individuum in der Philosophie überhaupt „fassbar“ ist, welche Rolle dabei die Universalien spielen und unter welchen Bedingungen eine wissenschaftliche Betrachtung des Einzelnen theoretisch möglich bleibt.

  • Das Spannungsfeld zwischen philosophischer Abstraktion und konkreter Lebenswirklichkeit
  • Die historische und systematische Analyse des sogenannten „Universalienstreits“
  • Die ontologische Hierarchie und die aristotelische Einteilung der Aussagemöglichkeiten
  • Methoden des Rückschlusses: Deduktion versus Induktion im Kontext der Begriffsbildung
  • Die erkenntnistheoretische These „Individuum est ineffabile“ (Das Individuum ist nicht zu fassen)

Auszug aus dem Buch

3.3 „Individuum est ineffabile“

Wie bereits angesprochen besteht allgemein wissenschaftlicher beziehungsweise philosophischer Konsens darüber, dass Abstraktion ein sozusagen „notwendiges Übel“ darstellt, das nicht vermieden werden kann.

Nur auf der Grundlage von Verallgemeinerungen können Individuen überhaupt thematisiert und reflektiert werden. Abstraktion ist dementsprechend die Basis für Erkenntnis.

Aristoteles begründet die Undefinierbarkeit des Einzelnen aufgrund der „Eigenschaft ihrer Vergänglichkeit“. Da Einzelsubstanzen aus Form und Materie zusammengesetzt sind, bestimmt der Charakter dieser Materie über Sein oder Nicht-Sein. Es können dementsprechend keine Aussagen über Einzelsubstanzen getroffen werden, da diese dem „Prozess von Entstehen und Vergehen“ unterworfen sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beleuchtet das basale Problem der Philosophie, die konkrete menschliche Existenz durch notwendigerweise abstrakte Begriffe erfassen zu wollen.

2. Der Status von Allgemeinbegriffen: Analysiert den Universalienstreit, die Frage nach der realen Existenz von Allgemeinbegriffen und deren Verhältnis zu Einzeldingen.

3. Verallgemeinerung und Konkretisierung in der Philosophie: Untersucht die Rolle des Subjekts, die logischen Verfahren von Deduktion und Induktion sowie die philosophische These der Unfassbarkeit des Individuums.

4. Schlussbemerkungen: Fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die bleibende Spannung zwischen allgemeiner Begrifflichkeit und der Einzigartigkeit menschlicher Existenz.

Schlüsselwörter

Philosophie, Individuum, Universalienstreit, Abstraktion, Aristoteles, Erkenntnistheorie, Ontologie, Existenz, Begriffsbildung, Deduktion, Induktion, Subjektivität, Essenz, Kategorienlehre, Ineffabile.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit thematisiert das klassische philosophische Problem der Unzulänglichkeit von Sprache und Begriffen bei dem Versuch, das einzigartige, konkrete menschliche Individuum wissenschaftlich zu erfassen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Ontologie, die Logik (insbesondere Syllogismen), die Erkenntnistheorie sowie die historische Entwicklung des Universalienstreits.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Argumente für und gegen die Erfassbarkeit des Individuums abzuwägen und zu hinterfragen, ob und unter welchen Bedingungen das Einzelne philosophisch „fassbar“ gemacht werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine systematische philosophische Analyse, die zentrale Texte der Philosophiegeschichte (insbesondere von Aristoteles) sowie fachwissenschaftliche Kommentare zur Begriffs- und Erkenntnistheorie heranzieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Status von Allgemeinbegriffen, die Analyse der Beziehung zwischen Subjekt und Philosophie sowie die Erörterung logischer Rückschlussverfahren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Universalien, Abstraktion, ontologische Hierarchie, Existenz sowie die lateinische Sentenz „Individuum est ineffabile“.

Wie begründet Aristoteles die Unfassbarkeit des Individuums?

Aristoteles sieht das Individuum aufgrund seiner „Vergänglichkeit“ und der Zusammensetzung aus Materie und Form als Teil eines ständigen Prozesses von Entstehen und Vergehen, was es für allgemeine, wissenschaftliche Aussagen entzieht.

Welche Rolle spielen Deduktion und Induktion in diesem Kontext?

Diese Methoden dienen als notwendige Instrumente, um vom Allgemeinen auf das Einzelne zu schließen oder umgekehrt, wenngleich sie dabei immer auf der Ebene der Abstraktion verbleiben und das Individuum nur begrenzt greifen können.

Was entgegnet Leibniz der aristotelischen Sichtweise?

Leibniz ergänzt, dass das Seiende „unendlich determinierbar“ ist, was dazu führt, dass der menschliche Verstand als endliche Instanz gar nicht in der Lage sein kann, eine vollständige Definition eines individuellen Wesens (substance individuelle) zu erreichen.

Warum bleibt das Problem laut der Autorin aktuell?

Das Problem bleibt bestehen, da jede Form der Kommunikation und Reflexion zwingend auf abstrakte Begriffe angewiesen ist, während die menschliche Existenz durch soziale Faktoren und subjektive Einzigartigkeit geprägt bleibt.

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Details

Title
„Individuum est ineffabile“
Subtitle
Verallgemeinerung und Konkretisierung in der Philosophie
College
Technical University of Darmstadt  (Institut für Philosophie)
Course
Aristoteles: Die Kategorienschrift
Grade
1,3
Author
Nicole Borchert (Author)
Publication Year
2010
Pages
17
Catalog Number
V150279
ISBN (eBook)
9783640971091
ISBN (Book)
9783640970667
Language
German
Tags
"Individuum est ineffabile" Aristoteles Philosophie Konkretisierung Verallgemeinerung Kategorienschrift Universalien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Borchert (Author), 2010, „Individuum est ineffabile“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150279
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