Das Deutsche Historische Museum Berlin und der Einfluss der Regierung am Beispiel der Dauerausstellung und der Ausstellung „Fremde? Bilder von den ,Anderen‘ in Deutschland und Frankreich seit 1871“.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Ausstellung „Fremde“
2. Der Eingriff durch den Staat
3. Das Deutsche Historische Museum
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Untersuchung analysiert die enge Verflechtung von staatlicher Einflussnahme und musealer Darstellung am Beispiel der Ausstellung „Fremde“ im Deutschen Historischen Museum Berlin. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie staatliche Zensur und die Konstruktion eines „narrativen Fetischismus“ den kritischen Zugang zu gesellschaftspolitischen Themen behindern und Machtverhältnisse in der Geschichtsschreibung zementieren.
- Staatliche Einflussnahme auf museale Inhalte
- Methodik des „narrativen Fetischismus“ in Ausstellungen
- Spannungsfeld zwischen politischer Vorgabe und authentischer Geschichtsvermittlung
- Demokratietheoretische Implikationen der staatlichen Museumslenkung
Auszug aus dem Buch
Der Eingriff durch den Staat
Um die Ausstellung hat sich eine Diskussion entwickelt, die im November 2009 von der Zeit erstmals in die Öffentlichkeit gebracht wurde. In den Text der einer jener Tafeln wurde von Seiten der Regierung eingegriffen. Dem Sprecher des DHMs zufolge wurde diese Texttafel „auf ausdrücklichen Wunsch des im Kanzleramt angesiedelten Kulturstaatsministers ausgetauscht“. In der ursprünglichen Version des Textes, wie er von den Kuratoren geschrieben wurde, war zu lesen:
„Neue Gesetze über Staatsangehörigkeit und Zuwanderung schufen erst seit der Jahrtausendwende die neuen Rechtsgrundlagen. Während innerhalb Europas die Grenzen verschwinden, schottet sich die Gemeinschaft der EU zunehmend nach außen ab. Die ,Festung Europa soll Flüchtlingen verschlossen bleiben.“
In der Fassung, die nun dem Publikum zugänglich ist, heißt es stattdessen:
„Neue Gesetze über Staatsangehörigkeit und Zuwanderung schufen erst seit der Jahrtausendwende die neuen Rechtsgrundlagen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert seitdem staatlicherseits die Integration von Zuwanderern in Deutschland.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Ausstellung „Fremde“: Das Kapitel beschreibt den kuratorischen Ansatz der Ausstellung, die durch eine chronologische Anordnung der Exponate den Betrachter für Mechanismen der Fremdheitskonstruktion sensibilisieren wollte.
2. Der Eingriff durch den Staat: Dieser Abschnitt dokumentiert den direkten Zensurfall, bei dem das Kulturstaatsministerium kritische Begleittexte durch staatstragende Formulierungen austauschen ließ und die Ausstellung öffentlich kritisierte.
3. Das Deutsche Historische Museum: Das Kapitel reflektiert die strukturelle Abhängigkeit des Museums vom Staat und warnt davor, dass eine ausschließlich von oben gelenkte Geschichtsdarstellung den mündigen Zugang zu gesellschaftlichen Problemen blockiert.
Schlüsselwörter
Deutsches Historisches Museum, Fremdheit, Zensur, Narrativer Fetischismus, Kulturstaatsministerium, Geschichtsvermittlung, Politische Einflussnahme, Demokratie, Migration, Identitätskonstruktion, Machtverhältnisse, Ausstellungspraxis, Erinnerungskultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Untersuchung grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Spannungsfeld zwischen musealer Freiheit und staatlicher Einflussnahme am Beispiel des Deutschen Historischen Museums.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf das Verhältnis von Politik und Museumsinhalten, staatliche Zensurmechanismen sowie die Instrumentalisierung von Geschichte zur Legitimation politischer Macht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu hinterfragen, inwiefern staatliche Eingriffe in Ausstellungen die demokratische Debattenkultur einschränken und den kritischen Blick des Bürgers auf aktuelle politische Herausforderungen verstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer diskursanalytischen und kulturwissenschaftlichen Herangehensweise, wobei insbesondere die Konzepte von Tony Bennett („Exhibitionary Complex“) und Eric Sandner („narrativer Fetischismus“) angewandt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird der konkrete Zensurvorfall der Ausstellung „Fremde“ detailliert analysiert und auf die generelle Rolle des DHM als staatliche Institution übertragen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben der staatlichen Zensur vor allem der „narrative Fetischismus“, die „Konstruktion von Fremdheit“ und die strukturelle Abhängigkeit des Museums vom Staat.
Wie bewertet der Autor den Eingriff des Kulturstaatsministeriums?
Der Autor bewertet diesen Eingriff kritisch als Verletzung der inhaltlichen Freiheit und als Versuch, ein negatives Bild der staatlichen Integrationspolitik zu vermeiden.
Welche Konsequenzen sieht der Autor in der staatlichen Museumslenkung?
Der Autor sieht die Gefahr, dass eine staatlich gelenkte Geschichtsschreibung das Individuum zur Unterordnung anhält und kritische Auseinandersetzungen mit der Gegenwart unterdrückt.
- Quote paper
- B.A. Christoph Mayr (Author), 2010, Das Deutsche Historische Museum Berlin und der Einfluss der Regierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150300