Kurz und knapp zeigt diese Hausarbeit anhand eines Fallbeispiels was die Objektive Hermeneutik ist und wo und wie sie angewendet wird: Was soll geglaubt werden? Welche Berichterstattungen sind denn nun „echt“? Wer berichtet die Wahrheit und woran kann man das erkennen?
Sogenannte "Fake-News" sind ein großes Thema, bei dem die Objektive Hermeneutik hilfreich sein kann. Mithilfe der Objektiven Hermeneutik, die nicht nur Theorie sondern ebenso Methodologie und Methode ist, soll die Entschlüsselung der Bedeutung von (Gesellschafts- und Handlungs-) Phänomenen erfolgen. Dabei liegt ihr Fokus allerdings nicht auf der von subjektivem Sinn oder Neigungen, sondern auf den objektiven Sinnstrukturen (Fischer,2020).
Wenn die Krise der Ort der Entstehung von Neuem ist (Fischer, 2020), dann prägt folglich dessen die Krise die Entwicklung der Gesellschaft. Da erscheint es nur sinnvoll, sich mit den einflussnehmenden Faktoren innerhalb der Krise auf die gesellschaftliche Entwicklung auseinanderzusetzen. Wenn diese Faktoren z. B. Fakenews sind, könnten demnach gezielte Desinformationen die Entstehung von Neuem beeinflussen. Oder aber sie erzwingen die Entstehung von Neuem, in dem Fakenews Krisen künstlich erzeugen. Dass dies kein abwegiger Gedanke ist, belegen zum Beispiel die Präsidentschaftswahlen in den USA 2016, bei denen nicht nur einer der Kandidaten mit „falschen Zahlen und unwahren Behauptungen“ (Bader et al. 2020) Wähler*innen (oder deren Stimmen) für sich gewinnen konnte, sondern auch eine große Anzahl gefälschter Informationen im Internet kursierten (Bader et al. 2020).
Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Fake-News“ betrifft allerdings nicht nur die USA, sondern ist auch bei uns in Deutschland zu finden. So löste beispielsweise ein Amateurvideo von einem in Chemnitz stattgefundenen Verbrechen, in das Menschen mit Migrationshintergrund verwickelt waren, eine Kettenreaktion von vielerlei Spekulationen, Mutmaßungen und Gerüchte aus (Bader et al. 2020).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Methodik der Objektiven Hermeneutik
2.1. Prinzip der Kontextfreiheit
2.2. Prinzip der Wörtlichkeit
2.3. Prinzip der Sequenzialität
2.4. Prinzip der Extensivität
2.5. Prinzip der Sparsamkeit
3. Einblick in die Artikel-Analyse
3.1. Logo
3.2. Bild
3.3. Beispiel des Dreischritts anhand der Überschrift und Bildung der Fallstrukturanalyse
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die methodische Anwendung der Objektiven Hermeneutik nach Ulrich Oevermann zur qualitativen Textanalyse und illustriert diese Technik beispielhaft anhand eines Presseartikels über die Frauenquote. Ziel ist es, verborgene Sinnstrukturen in einer medialen Berichterstattung aufzudecken und die Einhaltung journalistischer Qualitätskriterien zu bewerten.
- Grundlagen und Prinzipien der Objektiven Hermeneutik
- Strukturen medialer Desinformation und Fake-News
- Methodische Durchführung der Fallstrukturanalyse
- Analyse von Symbolik (Logo/Bild) in journalistischen Beiträgen
- Überprüfung journalistischer Güte nach dem Pressekodex
Auszug aus der Artikel-Analyse
3.1 Logo
Das Logo von „tagesschau“ besteht aus dem Schriftzug und dem Logo des TV-Sender „das Erste“. Der Schriftzug gestaltet sich in einer weißen Schrift vor blauem Hintergrund. Dabei ist das „schau“ von „tagesschau“ fett gedruckt. Die Schriftart wirkt neutral. Das Logo ist blau und zeigt eine 1 vor einer minimalistisch stilisierten Erde. Der blaue Hintergrund wirkt eher beruhigend und könnte mit Himmel und/oder Wasser und einer daraus resultierenden Unendlichkeit assoziert werden. Zudem resultiert aus der Verknüpfung zu Himmel und Wasser, dass diese Hauptbestandteile der Erde (des Lebens) sind und lässt vermuten, dass auf Themen abgezielt wird, die den Globus, also die ganze Erde/die Welt betreffen. Dies lässt sich auch im Logo, dessen Form als Globus dargestellt wird, wiedererkennen. Die neutral, rein und friedlich wirkende weiße Schrift scheint nicht provozieren zu wollen, sondern wirkt eher klar, als wolle hier Klarheit geschaffen werden.
Statt Blau hätte man auch Gelb als Farbe zur Untermalung des „Tages“ in „tagesschau“ auswählen können, assoziiert die zugrundeliegende Verknüpfung zu „Sonne“ mit „Tag“. Gelb könnte durch die Assoziation mit Sonne, Wärme und Sommer eher fröhlicher wahrgenommen und mit positiven Berichten assoziiert werden.
Die Farbenkombination weiße Schrift auf blauem Grund hätte man auch im Logo eines Schwimmbades oder eines Reiseveranstalters finden können, was mit Spaß, Freizeit, Ruhe und Entspannung verbunden wäre. Das Weiß der Schrift verbindet man mit Frieden, Klarheit, Neutralität und Weisheit. Des Weiteren betrachtet man die Farbe Blau nicht nur im politischen Kontext konservativ, was eine Sensationsberichterstattung oder einen Bericht in der Sparte „Klatsch und Tratsch“ nicht vermuten lässt, sondern eine sachlich-fokussierte, ruhige Berichterstattung erwarten lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel verortet die Relevanz interdisziplinärer Forschung zur Bekämpfung von Desinformation und Fake-News im gesellschaftlichen Kontext.
2. Zur Methodik der Objektiven Hermeneutik: Hier werden die fünf zentralen Grundprinzipien erläutert, die als theoretisches Fundament zur objektiven Entschlüsselung von Sinnstrukturen dienen.
3. Einblick in die Artikel-Analyse: Dieser Abschnitt zeigt anhand konkreter Beispiele – wie Logos, Bildern und dem „Dreischritt“ der Textanalyse – die praktische Anwendung der Methode.
4. Fazit: Das Fazit resümiert den Nutzen der Objektiven Hermeneutik für die Sozialarbeit und unterstreicht die Rolle eines qualitativ hochwertigen Journalismus für die demokratische Meinungsbildung.
Schlüsselwörter
Objektive Hermeneutik, Ulrich Oevermann, qualitative Sozialforschung, Journalismus, Medienethik, Pressekodex, Desinformation, Fake-News, Fallstrukturanalyse, Dreischritt, Sinnstrukturrekonstruktion, Politische Bildung, Medienkompetenz, Soziale Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der Objektiven Hermeneutik als qualitatives Analyseverfahren, um journalistische Texte und mediale Darstellungen kritisch zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Medientheorie, die professionelle Analyse von Desinformation sowie die methodische Rekonstruktion latenter Sinnstrukturen in Medienbeiträgen.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die beispielhafte methodische Entschlüsselung eines Presseartikels, um dessen journalistische Qualität und die zugrunde liegenden Botschaften objektiv greifbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Verwendet wird die Objektive Hermeneutik nach Ulrich Oevermann mit ihrem spezifischen Regelwerk, insbesondere dem „Dreischritt“ der Interpretationstechnik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben der theoretischen Erläuterung der fünf Grundprinzipien der Objektiven Hermeneutik enthält der Hauptteil eine praktische Analyse eines Artikels über die Frauenquote inklusive einer Auswertung der verwendeten visuellen Symbole.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Objektive Hermeneutik, Fallstrukturanalyse, Pressekodex, Journalismusqualität und Sinnstrukturrekonstruktion.
Wie unterscheidet sich die Analyse des „Streits“ von einer einfachen Interpretation?
Der „Dreischritt“ zwingt zur Bildung alternativer Kontexte, um die subjektive Voreingenommenheit des Interpreten zu minimieren und eine fallunspezifische, methodisch überprüfbare Interpretation zu generieren.
Warum spielt das Bildmaterial in der Analyse eine Rolle?
Bilder werden als Teil der sozialen Realität verstanden, die durch eine professionelle Inszenierung (wie im analysierten Beispiel durch die Positionierung der abgebildeten Personen) bestimmte gesellschaftliche Normen und Hierarchien transportieren.
- Arbeit zitieren
- Katja Reinsch (Autor:in), 2022, "Objektive Hermeneutik" nach Ulrich Oevermann. Methodik und Auszüge einer Artikelanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1503412