Kompakte Darlegung der Entstehung und des Sinns des modernen Staates, unter Berücksichtigung der Werke klassischer wie moderner Autoren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung und Begriffsklärung Staat
2. Thomas Hobbes: Der absolutistische Leviathan
3. Emmanuel Joseph Sieyes: Der liberale Staat und die Freiheit
4. Eugen Paschukanis: Staatskritik aus marxistischer Perspektive
5. Gerhard Scheit: Souveränität und die Gefahr der Krise
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen theoretischen Ansätze zum Wesen und zur Legitimation des Staates. Anhand von vier ausgewählten Texten klassischer und moderner Staatstheoretiker wird erörtert, welche Funktionen dem Staat zugeschrieben werden und in welchem Spannungsverhältnis Sicherheit, Freiheit und Macht zueinanderstehen.
- Staatstheorie nach Thomas Hobbes (Absolutismus)
- Die liberale Sichtweise von Emmanuel Joseph Sieyes
- Marxistische Staatskritik durch Eugen Paschukanis
- Gefahren der Souveränität und Machtkonzentration bei Gerhard Scheit
- Vergleichende Analyse von Menschenbild und Staatszweck
Auszug aus dem Buch
Thomas Hobbes: Der absolutistische Leviathan
Einen klassischen Text zu diesem Thema stellt die Schrift „Leviathan“ des absolutistisch eingestellten Thomas Hobbes dar. In deutlicher Hochachtung vor dem Staat beschreibt er zunächst die wilde, ungeordnete Zeit ohne die strenge, aber gerechte Hand eines Souveräns. Laut Hobbes führen die natürlichen Leidenschaften des Menschen, wie die Liebe zu Freiheit und Herrschaft, dazu, dass Gerechtigkeit, Dankbarkeit und Bescheidenheit nichts gelten, dass das berühmte Recht des Stärkeren regiert sowie, dass letztlich ein dauerhafter Zustand von Krieg und Gesetzlosigkeit einkehrt.
Da dadurch also den Mitmenschen rechtmäßig Schaden zugefügt werden darf, können sich weder Einzelpersonen bzw kleine Gruppen von Gleichgesinnten, welche gegen eine große Anzahl von Menschen vollkommen wehrlos sind, noch größere Mengen, welche mit dem Risiko der Zersplitterung umgehen müssen, sicher fühlen. Jene Sicherheit und damit auch Zufriedenheit kann solange nicht erreicht werden, wie jeder Einzelne die gleichen Rechte besitzt und sie, da der Mensch naturgemäß nach Außerordentlichem strebt und das Privatwohl über das Gemeinwohl stellt, mit aller Kraft durchzusetzen versucht.
Wenn aber alle Macht auf eine Person oder eine Gruppe von Menschen übertragen wird, wenn die Taten jenes „Souveräns“ von jedermann gleich akzeptiert und gerechtfertigt werden, wenn seine Handlungen sogar als die eigenen angesehen werden, dann entsteht Einheit in der heterogenen Masse von Männern und Frauen, es entsteht ein starker Staat. In diesem kann kaum noch Uneinigkeit entstehen. Das „Recht auf alles“, welches zu Konkurrenz und Krieg führte, wird dadurch getilgt, dass der Souverän die Verteilung von Sachgütern und Grund, kurz: von Eigentum, regelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung und Begriffsklärung Staat: Einleitende Reflexion über die zeitgenössische Relevanz des Staatsbegriffs angesichts globaler gesellschaftlicher Durchmischungsprozesse.
2. Thomas Hobbes: Der absolutistische Leviathan: Darstellung der Hobbes'schen Theorie, in der ein absolutistischer Souverän als notwendiges Mittel gegen den menschlichen Egoismus und den Naturzustand von Krieg und Gesetzlosigkeit fungiert.
3. Emmanuel Joseph Sieyes: Der liberale Staat und die Freiheit: Analyse von Sieyes' Staatstheorie, die den Schutz der Bürger, ihre Freiheit und ihre Mitbestimmung in den Mittelpunkt stellt, anstatt die Allmacht eines Souveräns zu legitimieren.
4. Eugen Paschukanis: Staatskritik aus marxistischer Perspektive: Untersuchung der marxistischen These, dass der bürgerliche Staat den Menschen zum juristischen Subjekt reduziert und die Grundlage für Ungleichheit und Klassenherrschaft bildet.
5. Gerhard Scheit: Souveränität und die Gefahr der Krise: Kritische Betrachtung der Gefahren extremer Machtkonzentration und des Souveränitätsbegriffs unter Bezugnahme auf historische Ereignisse des 20. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Staat, Souveränität, Leviathan, Freiheit, Absolutismus, Marxismus, Bürgerrechte, Machtkonzentration, Gesellschaftsvertrag, Politische Philosophie, Rechtsstaat, Eigentum, Faschismus, Identifikation, Gemeinwohl
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition und der Funktion des Staates durch den Vergleich von vier unterschiedlichen theoretischen Positionen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit behandelt Themen wie die Legitimation staatlicher Macht, die Rolle des Individuums im Staat, das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit sowie die Kritik am staatlichen Souveränitätsanspruch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine erörternde Gegenüberstellung der verschiedenen Ansätze von Hobbes, Sieyes, Paschukanis und Scheit, um die unterschiedlichen Staatskonzepte sichtbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der vergleichenden Textanalyse, um die zentralen Argumente der jeweiligen Autoren herauszuarbeiten und ihre Staatsmodelle in einen Diskurs zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden nacheinander die Theorien der vier genannten Autoren im Detail analysiert, wobei besonders die jeweiligen Menschenbilder und Zielsetzungen für den Staat hervorgehoben werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Staat, Souveränität, Freiheit, Absolutismus, Marxismus und die kritische Auseinandersetzung mit staatlicher Macht.
Worin unterscheiden sich die Menschenbilder von Hobbes und Sieyes maßgeblich?
Hobbes betrachtet den Menschen als egoistisch und triebgesteuert, was eine absolute Herrschaft rechtfertigt, während Sieyes die Menschen als vernunftbegabte Wesen sieht, die sich freiwillig für Sicherheit und Freiheit zu einer Gesellschaft zusammenschließen.
Warum sieht Paschukanis den Staat kritisch?
Paschukanis sieht im Staat kein Instrument für das Gemeinwohl, sondern ein Konstrukt des kapitalistischen Marktes, das den Menschen auf ein juristisches Subjekt reduziert und so Klassenspaltung und Leid fördert.
Wie bewertet Scheit das Konzept des souveränen Staates?
Scheit warnt vor der Gefahr einer zu großen Machtkonzentration beim Souverän und betont, dass auch moderne liberale Rechtsstaaten den Hang zu Krisen und faschistischen Strukturen in sich tragen können.
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- Claudia Liebeswar (Author), 2009, Wozu Staat? Erörterung anhand mehrerer Texte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150346