Die Stufentheorien von Oser/Gmünder und Fowler zur Entwicklung des religiösen Urteils, die auf Piagets Stufenmodell der kognitiven Entwicklung aufbauen, sind für alle Religionslehrenden interessant. Nützlich ist das Wissen um sie gerade dann, wenn man ihre Aussagen nicht getrennt voneinander betrachtet, sondern in Übereinstimmung miteinander bringt.
Die Arbeit analysiert, welche Stufen in welchem Alter bei den Lernenden zu erwarten sind und welche didaktischen Folgen dieses Wissen für den Lehrenden haben sollte. Es wird reflektiert, inwiefern das Wissen um die Stufen bei der Unterrichtsplanung und -evaluation einbezogen gewinnbringend werden kann.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Jean-Piagets Forschung zur kognitiv-strukturellen Entwicklung
2. Konstruktivistische Theorien über die religiöse Entwicklung
2.1 James Fowler – Die Untersuchungen zur Entwicklung des Glaubens
2.2 Fritz Oser und Paul Gmünder – Die Untersuchungen zur Entwicklung des religiösen Urteils
2.3 Untersuchungsergebnisse von Fowler und Oser/Gmünder
2.3.1 Allgemeine Aussagen
2.3.2 Zu erwartende Stufen bei Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen
a) Vorschulalter
b) Grundschulalter
c) Jugendalter
d) Erwachsenenalter
2.4 Kritik der Untersuchungen
2.4.1 Kritik des Ansatzes „Stufentheorie“
2.4.2 Kritik an den Untersuchungen von Fowler und Oser/Gmünder
3. Schlussfolgerungen für das Handeln der Religionslehrenden
Mit Blick auf die Stufenmodelle zur Entwicklung der Kinder beitragen
Maxime 1: Sich auf die bei Schüler/innen erwartbaren Stufen einstellen
Maxime 2: Die Methodik anhand des Wissens über Entwicklungsstufen ausrichten
Maxime 3: Bei unterrichtlichen Fehlschlägen eine Analyse der Stufensituation in der Klasse in die Evaluation einbeziehen
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den praktischen Nutzen der Stufentheorien zur religiösen Entwicklung von James Fowler sowie Fritz Oser und Paul Gmünder für Religionslehrkräfte. Das Ziel ist es, aus diesen kognitivistischen Modellen konkrete Handlungsmaximen für den Religionsunterricht abzuleiten, um den Lernenden als ganzheitliche Wesen gerecht zu werden und die religiöse Bildung gezielt zu fördern.
- Kognitiv-strukturelle Grundlagen der religiösen Entwicklung nach Piaget, Fowler und Oser/Gmünder
- Detaillierte Analyse der Glaubens- und Urteilsstufen über die Lebensspanne hinweg
- Kritische Reflexion der Stufentheorien hinsichtlich Universalität und Anwendbarkeit
- Entwicklung pädagogischer Maximen für den Umgang mit heterogenen Lerngruppen
- Binnendifferenzierung und methodische Gestaltung des Religionsunterrichts
Auszug aus dem Buch
Beispiel I: Zum Gottesbild in der Grundschule
Zwischen dem unperspektivischen unklaren Gottesbild der 1. Stufe nach Fowler in der frühen Kindheit und dem adoleszenten transzendenten Gott meist mit Beginn des synthetisch-konventionellen Glaubens liegt, wie Fowler herausfand, die Phase des anthropomorphen Gottesbildes während des mythisch-wörtlichen Glaubens, also hauptsächlich der Grundschulzeit. Die/Der Lehrende muss offen sein für diese Gottesbilder und sie nicht als unreif abtun. Ein transzendentes, nicht-menschliches Gottesbild wird von den Kindern noch nicht verstanden.
Stattdessen ist es angebracht, Geschichten zu erzählen, „wie Gott ist“, wobei es meiner Meinung nach nicht schadet, ihn als väterliches oder mütterliches Wesen darzustellen. Ich möchte mich klar für die Akzeptanz menschlicher Gottesbilder in der Grundschule anstelle eines Unterlegenheitsgefühls gegenüber einem transzendenten Gott aussprechen. Ein Kind auf der mythisch-wörtlichen Stufe verlöre einen Großteil seiner religiösen Sicherheit, würde es für seine Gottesbilder belächelt. Übersteigen die Kinder später diese Stufe des Glaubens, wird das anthropomorphe Gottesbild von selbst wieder zurücktreten, wie Fowlers Untersuchungen zeigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Jean-Piagets Forschung zur kognitiv-strukturellen Entwicklung: Einführung in die Grundlagen der kognitiven Entwicklung, auf die sich die betrachteten Stufentheorien stützen.
2. Konstruktivistische Theorien über die religiöse Entwicklung: Darstellung der Modelle von Fowler sowie Oser und Gmünder, ihrer Forschungsmethoden und der beschriebenen Entwicklungsstufen.
3. Schlussfolgerungen für das Handeln der Religionslehrenden: Herleitung von drei pädagogischen Maximen, die auf dem Wissen über Entwicklungsstufen basieren und den Religionsunterricht praktisch optimieren sollen.
4. Resümee: Zusammenfassende Einschätzung des Wertes der Stufentheorien als unentbehrliches Handwerkszeug für Lehrkräfte.
Schlüsselwörter
Religiöse Entwicklung, Stufentheorie, James Fowler, Oser/Gmünder, Religionsunterricht, Kognitiver Strukturalismus, Glaubensentwicklung, Religiöses Urteil, Binnendifferenzierung, Handlungsmaximen, Pädagogik, Piaget, Heterogenität, Didaktik, Kontingenzbewältigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Stufentheorien von Fowler sowie Oser/Gmünder, um deren Nutzen für die religiöse Bildung in der Schule zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des religiösen Glaubens und Urteilsvermögens, die Kritik an diesen Modellen sowie die pädagogische Umsetzung durch den Lehrer.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Ableitung von drei praxisnahen Handlungsmaximen, die Religionslehrkräften helfen, ihren Unterricht besser an den Entwicklungsstand ihrer Schüler anzupassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin führt eine strukturierte Analyse der vorliegenden Theorien durch, vergleicht sie kritisch und überträgt die Erkenntnisse in pädagogische Handlungsempfehlungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Theorien, deren kritische Würdigung und die daraus resultierenden didaktischen Schlussfolgerungen für den Schulalltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind religiöse Entwicklung, Stufentheorien, pädagogische Handlungsmaximen, Didaktik im Religionsunterricht und die Reflexion über kognitive Entwicklungsschritte.
Wie gehen die Autoren mit dem Problem der Heterogenität in Schulklassen um?
Die Arbeit schlägt Strategien wie die Binnendifferenzierung vor und sieht in der Vielfalt der religiösen Vorstellungen innerhalb einer Klasse eine Chance für fruchtbare Diskussionen.
Welche Bedeutung kommt dem Lehrer selbst in diesem Kontext zu?
Die Arbeit wirft die kritische Frage auf, wie sehr das eigene religiöse Entwicklungsstadium des Lehrers dessen Fähigkeit beeinflusst, bestimmte Themen angemessen im Unterricht zu vermitteln.
- Quote paper
- Theresia Schreiber (Author), 2009, Stufen des Glaubens. Die Stufentheorien von Fowler und Oser/Gmünder , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150358