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J. M. R. Lenz "Die Soldaten". Darstellungen des Militärs und dessen Wirken auf eine bürgerliche Gesellschaft

Der ehelose Stand als Quell aller Sittenlosigkeit

Title: J. M. R. Lenz "Die Soldaten". Darstellungen des Militärs und dessen Wirken auf eine bürgerliche Gesellschaft

Term Paper (Advanced seminar) , 2021 , 33 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Philipp Schönherr (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

In dieser Untersuchung zu Lenz' "Die Soldaten" wird der Fokus auf die Darstellungen des Soldatenthemas gelegt. Einleitend wird kurz die Handlung, sowie der autobiografische Hintergrund des Werks skizziert, da die präsentierte Handlung sich, zumindest dem Rahmen nach, an konkreten Erfahrungen Lenz' orientiert.
Daran anknüpfend und in zweigeteilter Form, werden die Darstellungen der Figuren des Soldatenkollektivs, sowie deren Einfluss auf die mit ihnen in Kontakt tretenden bürgerlichen Elemente und die daraus resultierenden Folgen, genauer betrachtet. Hierbei werden zum einen die Figuren Desportes und Rammler und zum anderen der Obrist Graf von Spannheim sowie der Feldprediger Eisenhardt, deren Rollen im Text und deren Darstellung im Handlungsgefüge genauer betrachtet werden. Daraufhin wird auf die eigentlichen Opfer der Tragikomödie eingegangen, also die Familie Wesener und Stolzius. Es soll gezeigt werden, dass es in der lenzschen Bearbeitung dieses Themas – die weder Adelsmann, noch Soldat oder Bürger frei von Kritik lässt – besonders die menschlichen Triebe, der ehelose Stand der Soldaten und eine allzu restriktive bürgerliche Sexualmoral und eine zu freizügige Libertinage der Soldaten, sind, die zur Katastrophe führen.
Dem folgend wird das Schlusstableau, als potenzielle Lösung dieser Problematik analysiert, um abschließend Lenzens Reformschrift Über die Soldatenehen, als eine weitere Option mit sozialintegrativen Charakter heranzuziehen.

"Ich sehe die Soldaten an wie das Ungeheuer, dem schon von Zeit zu Zeit ein unglückliches Frauenzimmer freiwillig aufgeopfert werden muß, damit die übrigen Gattinnen und Töchter verschont bleiben."
Mit diesen Worten der letzten Szene aus J.R.M. Lenz' Die Soldaten charakterisiert der Obrist von Spannheim seine ihm untergebenen Soldaten einer Söldnergarnison. Das vernichtende Urteil [...] wiegt umso schwerer, da der Obrist wissen muss wovon er spricht; er ist schließlich selbst Soldat. Die vorangegangene Katastrophe dieses Stückes umfasst zwei Tote, eine finanziell ruinierte Familie und eine, zumindest auf der sozialen Ebene, vollständig entehrte, weibliche Hauptfigur, die, um es mit den Worten Friedrich Hebbels zu sagen, nur noch „zur Hure“ taugt.
Dargestellt wird eine Handlung, in der sich eine zivile, bürgerliche Sphäre mit der des soldatischen überkreuzt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Soldaten - Entstehungsgeschichte und Diskursplattform

3. Darstellung der Soldaten/Söldner in Die Soldaten

3.1 Desportes und Rammler – Manifestationen der zügellosen Libertinage

3.2 Obrist von Spannheim und Feldprediger Eisenhart - Offiziere als Garanten der Ordnung?

3.3 Familie Wesener und Stolzius - Opfer der bürgerlichen Gesellschaft und des eigenen Opportunismus?

3.4 Das staatliche Bordell als Garant einer ständeübergreifenden Glückseligkeit

4. Über die Soldatenehen - Soldatenfamilien als 'neue' Alternative

5. Endergebnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Darstellung von Militär und Söldnerwesen in J.M.R. Lenz’ Stück "Die Soldaten" und analysiert, wie deren ehelose Lebensweise in die bürgerliche Gesellschaft eingreift und dort destruktive Konflikte auslöst. Dabei wird unter anderem die Forschungsfrage verfolgt, inwiefern Lenz die gesellschaftlichen Missstände durch die restriktiven Strukturen des Militärs und die zeitgenössische Sexualmoral begründet sieht und welche Lösungsansätze er im Drama sowie in seiner Reformschrift "Über die Soldatenehen" entwirft.

  • Kontextualisierung des Sturm und Drang in Lenz’ Werk
  • Analyse der Figurenkonstellation (Offiziere, Söldner, Bürgertum)
  • Die Rolle des ehelosen Soldatenstandes als zerstörerisches Element
  • Kritik an bürgerlicher Moral und ständischen Hierarchien
  • Untersuchung des Schlusstableaus (staatliches Bordell) und sozialintegrativer Reformalternativen

Auszug aus dem Buch

3.1 Desportes und Rammler – Manifestationen der zügellosen Libertinage

Das im Drama transportierte Nebeneinander des erzwungenen ehelosen Standes und der moralischen Freizügigkeit der Soldaten auf der einen und der bürgerlichen Triebunterdrückung außerhalb der Ehe auf der anderen Seite, sind die Fundamente eines zeitgenössischen Sexualdiskurses, die ihn überdies textimmanent mit dem des Standesdiskurses verbinden.45 Es sind adlige Offiziere, die durch ihre Triebe, die sie im Krieg möglicherweise auf andere – wenn auch nicht minder moralisch fragwürdige Art und Weise – hätten ausleben könnten, die Katastrophe herbeiführen. Da die Handlung aber in Zeiten des Friedens spielt, fällt diese Option raus und es sind logischerweise die erreichbaren Bürger und Bürgerinnen, die als Substitut für die soldatische Konkupiszenz herhalten müssen. Die Figuren Desportes und Rammler erweisen sich in dieser Hinsicht als besonders interessant. Diese Charaktere verfolgen dieselben Ziele, das Ausleben ihrer Sexualität, allerdings übernehmen sie unterschiedliche Funktionen im Text und könnten in ihrem Vorgehen zum Erreichen ihrer Ziele nicht unterschiedlicher sein.

Baron Desportes wird in der dritten Szene des ersten Aktes als ein charmantes Subjekt eingeführt, welches Marianne als Gegenstand seiner Begierde von Beginn an schöne Augen macht und sie mit Komplimenten überhäuft, die sie zunächst noch als das erkennt, was sie sind:

Marie. O Herr Baron, hören Sie auf, ich weiß doch, daß das alles nur Komplimenten sein.

Desportes (kniend). Ich schwöre Ihnen, daß ich noch in meinem Leben nichts Vollkommeners gesehen habe, als Sie sind. (DS: I, 3)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Handlung von Lenz' Tragikomödie im Kontext des ehelosen Soldatenstandes und dessen Einfluss auf die bürgerliche Ordnung, eingebettet in den literaturhistorischen Rahmen des Sturm und Drang.

2. Die Soldaten - Entstehungsgeschichte und Diskursplattform: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsbedingungen des Dramas und den autobiografischen Bezug zur Liaison zwischen Cleophe Fiebich und dem Baron von Kleist.

3. Darstellung der Soldaten/Söldner in Die Soldaten: Es folgt eine Analyse des Militärwesens und der Söldnercharaktere, die primär als negativ belegte Akteure innerhalb der bürgerlichen Sphäre gezeichnet werden.

3.1 Desportes und Rammler – Manifestationen der zügellosen Libertinage: Hier wird das gezielte, verführerische beziehungsweise gewaltsame Wirken dieser beiden Offiziere als Ausdruck ihrer Libertinage untersucht.

3.2 Obrist von Spannheim und Feldprediger Eisenhart - Offiziere als Garanten der Ordnung?: Das Kapitel analysiert das defizitäre Verhalten der Führungspersonen, die trotz ihrer moralischen Predigten untätig bleiben und die Ordnung nicht schützen.

3.3 Familie Wesener und Stolzius - Opfer der bürgerlichen Gesellschaft und des eigenen Opportunismus?: Hier liegt der Fokus auf der Familie Wesener und Stolzius, die sowohl als Leidtragende soldatischer Willkür als auch als Gefangene eigener sozialer Aufstiegsphantasien dargestellt werden.

3.4 Das staatliche Bordell als Garant einer ständeübergreifenden Glückseligkeit: Diese Passage beleuchtet die groteske Lösung des Bordellsystems am Ende des Dramas als bloße Maskierung gesellschaftlicher Probleme.

4. Über die Soldatenehen - Soldatenfamilien als 'neue' Alternative: Der Autor erläutert Lenz' Reformschrift, die eine soziale Integration der Soldaten durch Ehen als konstruktives Gegenmodell zum Söldnerstand vorschlägt.

5. Endergebnis: Das Fazit fasst die Kritik an den soldatischen und gesellschaftlichen Strukturen zusammen und ordnet Lenz’ Werk als scharfe Beobachtung zeitgenössischer Missstände ein.

Schlüsselwörter

J.M.R. Lenz, Die Soldaten, Soldatenehen, Sturm und Drang, Libertinage, Militär, Ehe, bürgerliche Gesellschaft, soziale Mobilität, Tragikomödie, Söldnerwesen, Moral, Sexualdiskurs, Gesellschaftskritik, Aufklärung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert J.M.R. Lenz’ Tragikomödie "Die Soldaten" unter dem Fokus, wie das Militär und seine Akteure in die bürgerliche Gesellschaft hineinwirken und dort Zerstörung anrichten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind der Einfluss des ehelosen Stands der Soldaten, die Auswirkungen auf die bürgerliche Moral, die Ständediskurse des 18. Jahrhunderts und die Möglichkeiten der sozialen Integration der Truppen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Katastrophe im Stück nicht nur den Soldaten zuzuschreiben ist, sondern aus dem Zusammenspiel von rigider Moral, ständischen Hierarchien und dem faktischen Zwang zur Ehelosigkeit innerhalb der Söldnerheere resultiert.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine textimmanente Analyse der Dramenfiguren in Verbindung mit einer literaturhistorischen und sozialgeschichtlichen Kontextualisierung, gestützt auf zeitgenössische Diskurse und Forschungsbeiträge.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die einzelnen Figurengruppen – Offiziere, der Soldatentypus, die Familie Wesener und als Ordnungsinstitutionen fungierende Figuren – detailliert auf ihr Handeln und die zugrunde liegenden gesellschaftlichen Missstände hin untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem J.M.R. Lenz, Die Soldaten, Libertinage, bürgerliche Moral, Soldatenehen und Sturm und Drang.

Wie bewertet der Autor das "staatliche Bordell" am Ende des Dramas?

Der Autor ordnet das Bordellkonzept als eine groteske und ineffektive Idee eines adligen Offiziers ein, die lediglich dazu dient, die gegebene, unflexible Gesellschaftsordnung aufrechtzuerhalten, statt sie grundlegend zu reformieren.

Welche alternative Lösung schlägt Lenz in seiner Schrift "Über die Soldatenehen" vor?

Lenz schlägt ein sozialintegratives Konzept vor, bei dem Söldner durch die Heirat mit Einheimischen als Bürger in die Gesellschaft integriert werden, um so das Söldnerwesen zu überwinden und ein sittlich fundiertes Verteidigungsheer zu schaffen.

Warum erscheint Lenz’ Reformkonzept laut dem Autor als "kaum praktikabel"?

Dies begründet der Autor unter anderem mit den eklatanten Denkfehlern bei der Umsetzung, der Reduktion der Frau auf die reine Funktion der Triebkanalisierung sowie den Sicherheitsbedenken der damaligen Monarchen gegenüber einer bewaffneten Landbevölkerung.

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Details

Title
J. M. R. Lenz "Die Soldaten". Darstellungen des Militärs und dessen Wirken auf eine bürgerliche Gesellschaft
Subtitle
Der ehelose Stand als Quell aller Sittenlosigkeit
College
University of Stuttgart  (Institut der Literaturwissenschaft)
Course
Lenz' Sturm und Drang-Dramen
Grade
1,3
Author
Philipp Schönherr (Author)
Publication Year
2021
Pages
33
Catalog Number
V1503627
ISBN (PDF)
9783389066775
ISBN (Book)
9783389066782
Language
German
Tags
Jakob Michael Reinold Lenz J.R.M. Lenz Lenz Die Soldaten 1776 Friedrich Maximilian Klinger Gottfried Herder Soldatenthema Soldaten Offiziere Militär Söldner Söldnertum Sittenlosigkeit soziale Probleme Adel Bürger Soldat Religion Gesellschaft bürgerliche Gesellschaft zivile Sphäre Ehe eheloser Stand Ehelosigkeit Ehre Entehrung Sexualmoral Sexualdiskurs Moraldiskurs Libertinage Ständediskurs Stand Fremdbestimmtheit Gesellschaftskritik Parodie Groteske autobiographisch Juwelierstochter Cleophe Fiebich Cleophe Fiebich Straßburg Friedrich Georg Baron von Kleist Kurland promesse de mariage Ständebeziehung Opportunismus sozialer Aufstieg soziale Mobilität Triebauslebung Diffamierung Rufmord Gerede Tratschkultur alternative Warheiten Stigmatisierung Gesellschaft als Täter kollektive Täterschaft Soldatenhure Opfer Semantiken Missverständnisse Rationalismus Realismus Rolle der Frau Antisemitismus Gesetzlosigkeit Selbstjustiz bürgerliches Selbstbild bürgerliche Ideale bürgerliche Identität Identität Soldatenweiber Pflanzschulen Bordell Puff staatliche Bordelle staatlicher Puff Prostitution Prostituierten mit Staatsauftrag Marianne Wesener Marie Wesener Familie Wesener Desportes Rammler Graf von Spannheim Eisenhardt Stolzius Gräfin La Roche Mary Aaron Haudy Madame Bischof der junge Graf Über die Soldatenehen 1913 sozialintegrativ Soldatenehen Bürgerheer Militärreformierung Militärreform Söldnerheer Integration von Söldnern Einbürgerung durch Ehe Soldatenfamilien Militärökonomie Neuere Deutsche Literatur Germanistik Literaturwissenschaft 18. Jahrhundert Drama Tragödie Komödie Tragikomödie Sturm und Drang Aufklärung Binnenkomödie lenzscher Realismus Komödienkritik Empfindsamkeitspathos
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Quote paper
Philipp Schönherr (Author), 2021, J. M. R. Lenz "Die Soldaten". Darstellungen des Militärs und dessen Wirken auf eine bürgerliche Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1503627
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