Erstellung eines Bewegungsprogramms (Krafttrainingsprogramms) für Fußballer zur Verletzungsprophylaxe der unteren Extremitäten und Rumpfkraftstabilisierung


Bachelorarbeit, 2010

60 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung
1.1 Einleitung
1.2 Problemstellung

2 Zielstellung

3 Gegenwartiger Kenntnisstand
3.1 Verletzungshaufigkeit im Fufiball
3.2 Verletzungsarten im Fufiball
3.3 Das Knie als verletzungsanfalligster Bereich des Fufiballers
3.4 Spezielle Verletzungsursachen im Fufiball
3.4.1 Ursachen der Kreuzbandverletzungen
3.4.2 Wirbelsaulenverletzungen im FuBball
3.5 Krafttraining in Fufiballvereinen
3.5.1 Krafttrainingsbetreuung der Profivereine
3.5.2 Krafttrainingsbetreuung bei Amateurvereinen
3.6 Kraftdiagnostik im Fufiball

4 Methodik.
4.1 Aufbau des Fragebogens zur Krafttrainingsbetreuung der Amateurvereine
4.2 Vorgehen bei der Stereotyperstellung
4.2.1 Kraftdiagnostik der Maximalkraft
4.2.2 Kraftdiagnostik der Kraftausdauer
4.3 Erstellung der Periodisierung und Darstellung beispielhafter Ubungen

5 Ergebnisse
5.1 Darstellung der Ergebnisse des Fragebogens
5.2 Darstellung der anthropometrischen Daten
5.3 Darstellung der Dr. Wolff Back- check Werte der Probanden
5.4 Darstellung der Ergebnisse des Kraftausdauertests
5.5 Darstellung des Bewegungsprogramms
5.5.1 Periodisierung in der Vorbereitungsphase
5.5.2 Periodisierung in den Wettkampfphasen I und II
5.5.3 Periodisierung in der Ubergangsphase
5.5.4 Darstellung beispielhafter Ubungen zur Verbesserung der Testergebnisse

6 Diskussion
6.1 Interpretation der Krafttrainingsbetreuung der Amateurvereine
6.2 Interpretation der Diagnostik zur Ermittlung des Stereotyps
6.3 Interpretation der Periodisierung
6.4 Interpretation der beispielhaften Ubungen

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

10 Anlagen

1 Einleitung und Problemstellung

1.1 Einleitung

„Schock fur den HSV! Kreuzbandriss bei Guerrero

Schlimmer Ruckschlag fur den Hamburger SV und seinen Trainer Bruno Labbadia. Nach dem Kreuzbandriss von Defensiv - Allrounder Collin Benjamin schlug dasselbe Schicksal (...) auch bei Toptorjager Paolo Guerrero zu. Der Peruaner riss sich ein Kreuzband, das andere ist beschadigt. Der Angreifer wird monatelang ausfallen.“ (www.kicker.de, 10.09.2009)

Diese und ahnliche Meldungen liest man fast taglich in den Tickern verschiedener Sportseiten im Internet oder in der Presse. Noch in den 60er und 70er Jahren bedeutete solch eine Verletzung in der Regel das Karriereende, doch heute konnen die ProfifuBballer nach etwa sechs Monaten wieder in das Mannschaftstraining einsteigen. Bei Amateuren sieht das allerdings anders aus, da sie nicht die Moglichkeit einer professionellen Rehabilitationsbetreuung haben wie Profivereine. Diesen Verletzungen kann jedoch vorgebeugt werden durch regelmaBiges Krafttraining zur Starkung des Rumpfes und der unteren Extremitaten.

Zuvor sollen die verschiedenen Bewegungsmuster eines FuBballers erst einmal beschrieben werden. Der FuBballer sollte alle sportmotorischen Fahigkeiten vereinigen. Er braucht eine gut ausgebildete Grundlagenausdauer, da der FuBballsport eine konditionell gepragte Spielsportart ist, einen schnellen Antritt, um vor dem Gegner am Ball zu sein und damit einhergehend eine schnelle Reaktionszeit bzw. Explosivkraft. Wichtig ist vor allem die Stabilitat der knie- und sprunggelenkumgebenden Muskulatur um bei den vielen Richtungswechseln und Kurzzeitaktionen die Scher- und Rotationskrafte auszugleichen.

FuBball ist auBerdem eine hochintensive und korperbetonte Mannschaftssportart, bei der es in vielen Spielsituationen zu direktem Korperkontakt zwischen den Spielern kommt. Daher sollte der Spieler uber eine gute Rumpfkraft verfugen um in diesen Zweikampfsituationen robuster zu sein. Vor allem in den Vorbereitungszeiten auf die Hin- und Ruckrunde wird der konditionellen Eigenschaft Ausdauer immer noch oberste Prioritat zugerechnet, allerdings sollte dem Krafttraining aus Grunden der Verletzungsprophylaxe und dem verbesserten Zweikampfverhalten eine wichtigere Rolle zugeordnet werden.

Dies wird auch durch die Aussage von STEINHOFER bestatigt: „Als Basis fur spielspezifische Kraftfahigkeiten und zur Verletzungsprophylaxe ist (...) ein Optimum an Muskelmasse unverzichtbar. Somit erhalt das Muskelaufbautraining eine zentrale Funktion im Krafttraining der Spieler.“ (STEINHOFER, 2003, S. 67) Verletzungsprophylaxe im Besonderen vor langwierigen Verletzungen der Kreuzbander (vordere Kreuzbandrupturen), Verletzungen des Kapsel- Band Apparates oder Muskelverletzungen der knie- und sprunggelenkumgebenden Muskulatur. Die detaillierte Darstellung der Verletzungshaufigkeit sowie der Verletzungsursachen wird in Kapitel 2 beschrieben.

Ein weiterer Aspekt, der in dieser wissenschaftlichen Arbeit behandelt werden soll, sind die praventiven MaBnahmen zur Fehlhaltung bzw. Verletzungsprophylaxe des Rumpfes und der Wirbelsaule.

1.2 Problemstellung

Diese Feststellungen fuhren uns nun zu den Problemen der unterklassigen AmateurfuBballvereine. Hier im speziellen die Mannschaften der Bezirksliga bis zu den Kreisklassen. Schwache der meisten dieser Vereine ist die Krafttrainingsbetreuung, was aber in Kapitel 2 noch ausfuhrlicher beschrieben werden soll.

Aufgrund der Tatsache, dass die Vereine und Betreuer kein oder nur sporadisches Krafttraining durchfuhren, kommt es demnach wohl noch haufiger zu den oben erwahnten Verletzungen. Dies musste allerdings in einer Langzeitstudie fur diese Mannschaften analysiert werden. Zudem kommt in diesen Spielklassen hinzu, dass die Spieler in der Regel berufstatig sind und durch solche Verletzungen somit auch eine Gefahr fur den Arbeitsplatz besteht.

Ein weiteres Problem, welches aber nur von den FuBballvereinen verbessert werden kann, sind die FuBballplatzverhaltnisse in diesen Klassen. In der Bezirksliga sind diese in der Regel relativ gut, zum Beispiel Kunstrasenplatze. Beobachtet man den Zustand der Spielfelder in den unteren Klassen, sieht man in den meisten Fallen jedoch einen deutlich negativen Trend beim Zustand des Spielfeldes.

Somit muss der Ansatz in der Krafttrainingsbetreuung angesehen werden und diese Arbeit soll ihren Teil dazu beitragen. Um diese Krafttrainingsbetreuung einfach und effektiv zu erarbeiten, soll diese wissenschaftliche Arbeit ein Ausgangspunkt sein, auch in den Amateurklassen ein professionell betreutes und ausgearbeitetes Krafttrainingsprogramm mit Diagnostik durchzufuhren. Allerdings wird hier auf den trainingswissenschaftlichen Faktor eingegangen und der betriebswirtschaftliche Faktor vorerst aussen vor gelassen. Dieses Problem einer effektiven und vor allem einfachen Trainingsbetreuung gilt es somit hier zu losen.

2 Zielstellung

Diese wissenschaftliche Arbeit soll zum einen den Stereotyp der FuBballer in diesen Spielklassen im Alter von 18 bis 25 Jahren anhand sportmotorischer Tests darstellen und daraufhin ein Diagnostik- und Bewegungsprogramm erstellen, welches die Periodisierung des Krafttrainings der FuBballer zeigt und Ubungen fur die kniegelenkumgebende Muskulatur bzw. fur die unteren Extremitaten beinhaltet.

Wobei nicht nur die unteren Extremitaten trainiert werden sollen, sondern es wird hierbei auch auf die Wirbelsaule und ihre stabilisierende Muskulatur Wert gelegt.

Bei der Stereotyperstellung wird demzufolge das isometrische Maximalkraftverhaltnis zwischen beugender und streckender Rumpfmuskulatur am Dr. Wolff Back- check festgestellt, um daraufhin aufzuzeigen welche Muskulatur sportartspezifisch starker trainiert ist und welche zum Ausgleich speziell auftrainiert werden sollte.

Neben dem Effekt der Verletzungsprophylaxe ist das Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit das Aufzeigen geeigneter Trainingsformen, um die Robustheit der hier dargestellten Zielgruppe (Manner im Alter von 18 bis 25 Jahre) in den Zweikampfen zu verbessern.

Eingangs soll zudem festgestellt werden, wie der momentane Stand der Krafttrainingsbetreuung der Amateurvereine ist, heiBt ob und wie das Krafttraining in diesen Spielklassen betrieben wird.

Weiteres Ziel ist es, eine Vorlage fur andere, weiterfuhrende wissenschaftliche Arbeiten zu sein, in der dann anhand des hier erstellten Diagnostik- und Bewegungsprogramms die Verletzungshaufig- und Verletzungsanfalligkeit in einer Langzeitstudie festgestellt werden kann.

Kernziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es somit ein Betreuungsprogramm speziell fur FuBballer zu erstellen, das zum einen Diagnostik beinhaltet und zum anderen die Periodisierung darstellt, wie in den einzelnen Phasen der Saison trainiert werden sollte.

Die Ziele werden hier noch einmal aufgelistet:

Hauptziel

- Verletzungsprophylaxe der unteren Extremitaten und der Wirbelsaule

Teilziele

- Feststellung der momentanen Krafttrainingsbetreuung der AmateurfuBballvereine
- Einfuhrung einer einfachen Diagnostikmethode in den FuBballsport
- Leistungsverbesserung durch hohere Robustheit

- Stereotyperstellung des AmateurfuBballers

- Anthropometrische Datenaufnahme
- Feststellung der isometrischen Maximalkraft der beugenden und streckenden Rumpfmuskulatur (Dr. Wolff Back- check)
- Feststellung der Kraftausdauer des hinteren und vorderen Oberschenkels (Kraftausdauertest nach SPRING)

3 Gegenwartiger Kenntnisstand

3.1 Verletzungshaufigkeit im Fufiball

FuBball ist in Deutschland die Volkssportart Nummer 1, allerdings steht sie auch ganz oben in der Liste, was die Verletzungshaufigkeit betrifft. „Demnach verzeichnete das Krankenhaus Rohrbach im Jahr 2007 insgesamt 668 Menschen mit einer Verletzung, die sie sich beim FuBball spielen zugezogen haben.“ (vgl. Pressemitteilung LKH Rohrbach, 11.06.2008)

MEYER stellte in diesem Zusammenhang eine Studie zur Verletzungslokalisation, Verletzungsart und Verletzungsdauer in der Bundesliga Saison 2004 / 2005 auf. Grundlage fur diese Studie waren die Informationen zu Verletzungen und Einsatzzeiten in Pflichtspielen, die in der Print- und Onlineausgabe des „kicker Sportmagazins“ veroffentlicht wurden.

MEYER kam dabei zu folgenden Ergebnissen: „392 Spieler erlitten 1187 Verletzungen, (...) 76 % dieser Verletzungen traten an den unteren Extremitaten auf, wobei Oberschenkel (N=222), Knie (N=197) und Sprunggelenk (N=166) am haufigsten betroffen waren. 144 Verletzungen (12 %) fuhrten zu einer Ausfallzeit von mehr als 4 Wochen. 45 % dieser schweren Verletzungen traten am Knie auf.“ (MEYER, 2009, S. 139)

Zu erwahnen ist dabei noch, dass insgesamt 471 Spieler in diese Datenaufnahme aufgenommen wurden. Es waren die Spieler, die in der Saison 2004 / 2005 mindestens ein Pflichtspiel fur ihren Verein absolviert hatten. Von Bedeutung ist allerdings der statistische Wert in dieser Studie zur Verletzung des Kniegelenkes, denn: „Insgesamt konnten 12 Rupturen des vorderen Kreuzbandes (VKB) beobachtet werden. Diese fuhrten zu einer durchschnittlichen Ausfallzeit von 188 Tagen pro VKB - Ruptur.“ (MEYER, 2009, S. 141)

Dies beschreibt die Tragweite und Schwere dieser Kreuzbandverletzung, da die Spieler fur ein halbes Jahr ausfallen. MEYER fordert demnach auch ein praventives Krafttraining: „Die hohe Verletzungsgefahr im ProfifuBball durfte nicht nur erwahnenswerte sportliche Konsequenzen fur einzelne Spieler oder Mannschaften haben. Bei durchschnittlich drei Spielern (12 % des Kaders), die eine komplette Saison aufgrund von Verletzungen nicht zur Verfugung stehen, fuhrt das zu entsprechenden Kosten, so dass erfolgversprechende Praventionsansatze auch aus okonomischer Sicht zu empfehlen sind.“ (MEYER, 2009, S. 142)

3.2 Verletzungsarten im Fufiball

Des Weiteren stellt MEYER in dieser Studie nicht nur die Verletzungshaufigkeit fest, sondern geht auch auf die Verletzungsarten ein. „In drei Viertel der Falle verletzten sich die Spieler an den Beinen, am haufigsten an den Oberschenkeln, den Knien und am Sprunggelenk.“ (MEYER, Online-Quelle o. J.)

Als weiteren Faktor werden in dieser Studie die klimatischen Faktoren in Betracht gezogen, im Vergleich zu den sudeuropaischen Staaten. „AuBerdem sind die Profi - FuBballer in Deutschland, Holland, Skandinavien und England viel haufiger verletzt als in den sudeuropaischen Landern. (...) Im Winter ist es bei uns kalter als in Sudeuropa, deshalb steigt vermutlich die Verletzungsgefahr.“ (MEYER, Online-Quelle o. J.)

Schon 1982 erkannte HESS in Sportverletzungen an Knie - und Sprunggelenken: „Erhohte Geschwindigkeit bedeutet aber auch erhohte kinetische Energie und damit groBere Verletzungsgefahr beim Zweikampf um den Ball. Dennoch zeigt ein Vergleich zwischen Bundesliga - und Amateurmannschaften, daB Zahl und Schwere der Verletzungen im wesentlichen gleich sind.“ (HESS, 1982, S. 54). Er stellte einen weiteren Faktor neben den klimatischen Bedingungen fest, denn „FuBball ist in den letzten Jahren im nationalen und internationalen Bereich eine athletische Sportart geworden. Auch Spieler der Amateurklassen absolvieren heute ein Programm von 6 bis z. T. 8 Trainingseinheiten pro Woche, Werte, die vor wenigen Jahren noch fur Profimannschaften Gultigkeit hatten.“ (HESS, 1982, S. 53)

HESS stellte dabei auch eine Statistik der Verletzungshaufigkeit im FuBball auf, in der 17 Millionen FuBballverletzungen in einem Zeitraum von neun Jahren erfasst wurden, lag FuBball schon mit 3,9 % an der Spitze der Unfallzahlen.

Wie HENKE, GLASER und HECK (2000, S. 147) feststellen, ist FuBball der am haufigsten betriebene Sport in Deutschland und somit auch auf der Spitzenposition der absoluten Verletzungshaufigkeit. Weiter entfallt zum einen die Unfallhaufigkeit bei Mannern nach Sportarten mit 58 % auf FuBball (vgl. Abb. 1) und die Knieverletzungen rangieren mit 18 % an zweiter Stelle hinter Sprunggelenksverletzungen mit 27 % (vgl. Abb. 2), wobei hierbei angemerkt werden muss, dass dort auch Umknicktraumen und Ahnliches hinzugerechnet werden, die ohne groBe Nachbehandlung wieder abklingen. Weiterhin sollte noch erwahnt werden, dass die taktische Position keinen Einfluss auf die Verletzungshaufigkeit hat und somit von allen Spielern auf dem Feld ausgegangen werden kann. Dies wird auch durch die Aussage von HESS und HESS bekraftigt: „Die Position des Spielers innerhalb des Feldes hat keinen diesbezuglichen Einfluss.“ (HESS / HESS, 2006, S. 519)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Eigene Darstellung der Unfallhaufigkeit nach Sportarten bei Mannern (vgl. HENKE, T. / GLASER, H. / HECK, H., S. 149)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Eigene Darstellung der verletzten Korperregionen bei Mannern ( vgl. HENKE, T. / GLASER, H. /HECK, H., S. 151)

Doch welche anatomischen Bereiche sind im Besonderen von FuBballverletzungen betroffen?

„Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem wohl kompliziertesten Gelenk zu: dem Knie.“ (MEIER, 2006, S. 12). Weiter beschreibt MEIER, welchen Belastungen das Kniegelenk im FuBball ausgesetzt ist: „Das Kniegelenk wird durch die wahrend des Trainings und des Spiels enormen Hebel - und Rotationskraften ausgesetzt, wie zum Beispiel Tacklings, Umknicken oder abruptes Abstoppen.“

In der Pressemitteilung des Landeskrankenhauses Rohrbach (2008) berichtet WINKLER, dass „von den stationar aufgenommenen PatientInnen, die operiert wurden, [stellen] gerissene Kreuzbander die haufigste Verletzungsart dar [stellen]“ (...), „dahinter rangieren Dreifachverletzungen von Kreuzband, Seitenband und Meniskus und schon an dritter Stelle folgen Unterschenkel - und Knochelbruche.“ (www.lkh- rohrbach.at, 2009)

IMHOFF und ROSE analysierten in ihrem Beitrag „Verletzungen im FuBball“ im Deutschen Arzteblatt einmal die Verletzungshaufigkeit, sowie die Verletzungsursachen (siehe Tab. 1 und 2) (vgl. ROSE,T.; IMHOFF, A. B., 2006, S. A1611)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Verletzungsarten beim ProfifuBball (Deutsches Arzteblatt, 2006)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Verletzungsursachen beim ProfifuBball (Deutsches Arzteblatt, 2006)

In diesem Artikel des Deutschen Arzteblattes bestatigen IMHOFF und ROSE die Aussage von MEYER.: „Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass die haufigsten Verletzungen beim FuBball die untere Extremitat betreffen, und dort vor allem das Sprunggelenk, das Kniegelenk sowie die Muskeln von Ober - und Unterschenkel. Dabei sind die meisten Verletzungen Umknicktraumen, Zerrungen und Prellungen.“ (ROSE, T.; IMHOFF, A. B., 2006, S. A1611)

3.3 Das Knie als verletzungsanfalligster Bereich des Fufiballers

Das Kniegelenk ist das komplizierteste und verletzungsanfalligste aller Gelenke: „Zudem ist es bei den etwa zwei Millionen registrierten Sportverletzungen pro Jahr mit bis zu 30 % eines der am haufigsten betroffenen Gelenke.“ (KRUGER - FRANKE, 2006, S. 273)

Das Kniegelenk wird aus drei Knochen gebildet:

- Femur
- Tibia und
- Patella.

Das Kniegelenk wird von vielen Bandern geschutzt, wobei hier nur auf die, fur den FuBball verletzungsrelevantesten Bander eingegangen werden soll: die Kreuzbander. Die Kreuzbander (gebildet aus hinterem und vorderem Kreuzband) bilden die zentrale Stutze des Kniegelenks. Sie sind deshalb so anfallig, weil sie wahrend sportlicher Betatigungen enormen Dreh- und Rotationskraften ausgesetzt sind, vor allem bei gebeugter Kniehaltung. Wie schon eingangs erwahnt, bedeutete in den 60er und 70er Jahren eine Kreuzbandruptur zumeist das Karriereende, doch heute konnen FuBballprofis nach etwa einem halben Jahr wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, begunstigt durch moderne klinische Mittel (Kreuzbandimplantate) und professionelle rehabilitative Therapie nach der Operation.

Der vordere Kreuzbandriss ist eine der haufigsten Verletzungen des Kniegelenks (vgl. WINKLER, W., 2008). Die haufigsten Ursachen, die zum vorderen Kreuzbandriss fuhren sind Hyperextension, Valgus- Rotationsstress oder ubermaBige Quadrizepsanspannung bei gebeugtem Kniegelenk.

Dies auBert sich in Symptomen wie Knieinstabilitat, „Givingway“- Symptomen und schmerzhaften Schwellungen.

Zumeist findet man die Kreuzbandverletzung als Kombinationsverletzung aus Innenmeniskus-, Innenband- und vorderer Kreuzbandverletzung, auch als „unhappy triade“ bezeichnet. Die isolierte vordere Kreuzbandruptur ist meist Folge eines direkten Anpralls mit dem oberen Unterschenkeldrittel bei leicht gebeugtem Kniegelenk.

3.4 Spezielle Verletzungsursachen im Fufiball

3.4.1 Ursachen der Kreuzbandverletzungen

Kommen wir nun zu den fuBballspezifischen Ursachen dieser Kreuzbandverletzungen. „Die Ruptur des vorderen Kreuzbandes ist eine klassische FuBballerverletzung.“ (HESS / HESS, 2006, S. 521) Es gibt beim FuBballerkreuzbandriss jedoch verschiedene Ursachen:

Zum einen „(...) Die Verankerung des FuBes mit den Stollen im Rasen“ (BRAUCKMANN - BERGER, 1995, S. 135) Diese Aussage wird durch die Autoren HENKE, GLASER und HECK noch einmal mit einem statistischen Wert untermauert: „Zu Knieverletzungen kommt es in hoherem MaBe als bei anderen Verletzungen auch ohne direkten EinfluB von Gegenspielern. Jeder dritte FuBballspieler gibt an, dass schlechte Platz- und Bodenverhaltnisse als Mitursache fur seine Verletzung in Frage kommen.“ (HENKE / GLASER / HECK, 2000, S. 153)

Der direkte EinfluB des Gegenspieler tragt allerdings auch zu Knieverletzungen bei, und zwar haufig in folgender Situation: die Behinderung durch den Gegenspieler bei einem Pressschlag mit der Innenseite des FuBes.

Der Pressschlag beschreibt die Spielsituation, wenn zwei Spieler gleichzeitig gegen den Ball treten. Treffen beide mit voller Wucht den Ball mit dem VorderfuB, auch als „Spann“ bezeichnet, ist das Verletzungsrisiko sehr gering, da es zu keiner Rotation des Kniegelenks kommt. Trifft einer der beiden den Ball allerdings mit der Innenseite des FuBes, kann es durch die Wucht und die Hebelverhaltnisse dazu kommen, dass das Kniegelenk in eine Rotationsbewegung kommt und dadurch im schlimmsten Fall die Kreuzbandruptur hervorruft.

3.4.2 Wirbelsaulenverletzungen im Fufiball

Weitere, in den letzten Jahren haufiger auftretende Verletzungssymptomatiken, sind die Wirbelsaulenverletzungen. Hier sei erst einmal ein prominentes Beispiel genannt: Bernd Schneider, 81- facher deutscher FuBballnationalspieler und Vizeweltmeister 2002, musste seine Karriere im Jahr 2009 wegen eines Bandscheibenvorfalles beenden. Einleitend werden jedoch erst einmal die generellen korperlichen Anforderungen der Wirbelsaule im FuBball erlautert.

Beim FuBball ist die Wirbelsaule standigen Belastungen ausgesetzt, durch abruptes Abstoppen wird sie zusammengestaucht, beim schnellen Richtungswechsel und beim Schuss (Drehschuss) mussen die Wirbelkorper entweder schnellkraftig rotieren oder werden in der Rotationshaltung maximal statisch angespannt, zum Beispiel beim Torschuss. Ein weiterer Punkt der Verletzungsanfalligkeit ist der Kopfball und die darauf einwirkende Belastung auf die Halswirbelsaule, was auch von ROSE und IMHOFF bestatigt wird: „Schwerwiegende Verletzungen beim FuBball betreffen Verletzungen der Wirbelsaule. Hierbei kann es beim Gegnerkontakt oder bei Sturzen durch Hyperflexionstraumen der Halswirbelsaule zu Bruchen am zervikothorakalen Ubergang mit entsprechenden neurologischen Ausfallen kommen. (...) Aber auch chronische Uberlastungsschaden durch wiederholte Kopfballmanover scheinen als Ursache fur eine fruhzeitige degenerative Veranderung der Halswirbelsaule verantwortlich zu sein.“ (ROSE, T., IMHOFF, A. B.: 2006, S. A1612)

Beim Zervikalsyndrom kommt es durch Stauchung und Drehbewegung zu einer Kapselbandverletzung mit Irritation der Halsnerven, die zu einer reflektorischen Verspannung der Halsmuskulatur fuhrt. Die Kopfballbewegung sollte im Idealfall jedoch nicht allein aus der Halswirbelsaule, dem Musculus trapezius erfolgen, sondern durch Anspannung des Rumpfes sollte die Kraft uber die komplette Wirbelsaule verteilt werden, und im Speziellen aus den Ruckenstreckern, den Musculi erector spinae gezogen werden. Allerdings kommt die Kraft beim Kopfball auch aus der Bauchmuskulatur, dem Musculus rectus abdominis, der den GroBteil der Flexion der Wirbelsaule ubernimmt.

Haufiger und hartnackiger sind jedoch die Probleme beim FuBballspieler im Iliosakralgelenk. „Sie werden meist durch eine muskulare Dysbalance mit einer Diskrepanz zwischen gut trainierter Beinmuskulatur (insbesondere Extensoren) und mangelhaftem Training der autochthonen Ruckenmuskulatur begunstigt.“ (HESS / HESS, 2006, S.519)

Das Iliosakralgelenk (ISG) verbindet das Kreuzbein der Wirbelsaule mit dem Darmbein des Beckenknochens. Es ist kein richtiges bewegliches Gelenk, sondern eine Verbindung, die durch starke Bander gesichert wird. Durch diese straffe Verbindung besitzt das ISG nur eine geringe Beweglichkeit, wodurch aktive Bewegungen nicht durchgefuhrt werden konnen. Verschieben sich die Gelenkflachen des Iliosakralgelenkes gegeneinander, spricht man vom Iliosakralgelenk Syndrom (kurz: ISG - Syndrom).

Dieses auBert sich durch Schmerzen im betroffenen Bereich und ist eine haufige Ursache von Ruckenbeschwerden. Durch diese ISG - Blockierung kann es allerdings auch Ausstrahlungen in andere anatomische Bereiche geben, wie zum Beispiel Schmerzen in der Leistengegend (HESS / HESS, 2006, S. 520 Tab. 54 - 1).

Dieses ISG - Syndrom kommt im FuBball durch die haufigen ruckartigen Bewegungen und die standigen Verdrehungen des Beckens zustande.

Weiterhin muss die Stabilisierung der Symphysen (Bandscheiben) in Betracht gezogen werden, denn sie sind in dieser Sportart erhohten Belastungen ausgesetzt. Hier muss man vor allem folgende Bewegung des FuBballspielers ins Auge fassen: „(...) die haufige Ausfuhrung des Gratschschrittes unter gleichzeitiger Fixierung der Huftrotation im Standbein.“ (HESS / HESS, 2006, S. 519)

Bei dieser dynamischen Bewegung wirken extreme Rotationskrafte auf die Lendenwirbelsaule, da die Muskulatur in diesem Bereich bei der Huftstabilisierung mitbeteiligt ist. Durch diese Tatsache ist der Druck auf die Bandscheiben enorm hoch, ebenso wie die Rotationskrafte. Des Weiteren kann es auch dazu kommen, dass der Spieler in eine extreme Hyperlordose fallt, bei der die Bandscheiben naturlich sehr stark nach lumbal zusammengedruckt werden.

Die Bandscheibenvorfalle sind selten direkt auf gegnerische Einwirkung zuruckzufuhren, denn sie sind meistens schon durch vorbestehende Bandscheibenschaden bedingt. (vgl. BRAUCKMANN - BERGER, 1995, S.131)

Der Bandscheibenvorfall oder auch Prolaps, bevorzugt in der Lendenwirbelsaulenregion, wird aber in den meisten Fallen durch Sturze auf den Rucken oder durch den Tritt ins Leere hervorgerufen, die eine extreme Verdrehung der Wirbelsaule verursachen.

Wirbelbruche kommen eher selten vor, konnen jedoch bei starker Gewalteinwirkung durch den Gegner eintreten (vgl. BRAUCKMANN - BERGER, 1995, S.131)

Eine gut ausgebildete Rumpfmuskulatur bringt jedoch nicht nur Vorteile im Bezug auf die Verletzungsprophylaxe, sondern tragt auch im Zweikampfverhalten um den Ball am Boden und im Kopfballduell bei, da sie die Robustheit in eben diesen Zweikampfsituationen steigert.

Dies betrifft vor allem die FuBballspieler, die, nachdem sie die Jugendmannschaften des Vereins durchlaufen haben, jetzt in den SeniorenfuBball eintreten, sprich der Altersbereich von 18 bis etwa 25 Jahre.

[...]

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Erstellung eines Bewegungsprogramms (Krafttrainingsprogramms) für Fußballer zur Verletzungsprophylaxe der unteren Extremitäten und Rumpfkraftstabilisierung
Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
60
Katalognummer
V150364
ISBN (eBook)
9783640648061
ISBN (Buch)
9783640647842
Dateigröße
3244 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erstellung, Bewegungsprogramms, Fußballer, Verletzungsprophylaxe, Extremitäten, Rumpfkraftstabilisierung
Arbeit zitieren
Patrick Bungert (Autor), 2010, Erstellung eines Bewegungsprogramms (Krafttrainingsprogramms) für Fußballer zur Verletzungsprophylaxe der unteren Extremitäten und Rumpfkraftstabilisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150364

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Erstellung eines Bewegungsprogramms (Krafttrainingsprogramms) für Fußballer zur Verletzungsprophylaxe der unteren Extremitäten und Rumpfkraftstabilisierung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden