Gegenstand dieser Arbeit ist die Thematik der Fremdheit in Juan Goytisolos Paisajes después de la batalla und auf welcherlei Art sich Fremdheit im Werk manifestiert. Der Begriff der Fremdheit bzw. der Fremde ist ein vielschichtiger Begriff. Zum einen bezeichnen wir in der Alltagssprache dasjenige als fremd, was wir noch nicht kennen, was wir nicht einsortieren können, wie z.B. uns unbekannte Personen. Hier kann ein Kennenlernen und eine Annäherung stattfinden. Der Begriff des
Fremden kann jedoch auch auf Gruppen, wie z.B. Personen einer
bestimmten Nationalität, Rasse oder Region im allgemeinen sowie auf uns unbekannte komplexe Phänomene, wie z.B. Kulturen oder Subkulturen, angewendet werden. Das in diesem Fall als fremd oder das Fremde Bezeichnete bleibt uns unter Umständen - trotz Annäherungsversuchen - fremd, d.h. es wird kein Zugang gefunden, da nicht aufhebbare soziale Distanzen bestehen. Das Fremde steht im Gegensatz zu Vertrautem, Bekanntem und Nahem und kann Ängste und ein Gefühl des Bedrohtseins hervorrufen. Zum anderen werden die Begriffe fremd oder Fremdheit auch verwendet, um die Einsamkeit und Isoliertheit eines Menschen auszudrücken.
Unter Berücksichtigung dieser verschiedenen semantischen Bedeutungen des Begriffs der Fremdheit, wird, im Hinblick auf die Dimension des Fremden, zunächst auf den strukturellen Aspekt von Paisajes después de la batalla eingegangen, im Weiteren werden die vielgestaltige Hauptfigur des Werkes, deren privater Raum sowie der öffentliche Raum, in dem sich die Fremdheit wohl am augenscheinlichsten manifestiert, beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. AUFBAU UND STRUKTUR DES WERKES
3. KONZEPTION DES PROTAGONISTEN
4. PRIVATER RAUM DES PROTAGONISTEN
5. ÖFFENTLICHER RAUM
6. SCHLUSS
7. BIBLIOGRAPHIE
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Darstellung der Fremdheit in Juan Goytisolos Werk "Paisajes después de la batalla". Dabei wird untersucht, wie sich das Konzept des Fremden auf struktureller Ebene, durch die Charakterisierung des Protagonisten sowie im privaten und öffentlichen Raum manifestiert und welche gesellschaftskritischen Implikationen daraus resultieren.
- Strukturelle Analyse der fragmentarischen Erzählweise
- Konzeptionelle Untersuchung der vielgestaltigen Hauptfigur
- Darstellung privater Isolierung und gesellschaftlicher Konventionsbrüche
- Analyse des öffentlichen Raums als Ort der kulturellen Konfrontation
- Thematisierung von Xenophobie und gesellschaftlichen Zerfallsprozessen
Auszug aus dem Buch
PRIVATER RAUM DES PROTAGONISTEN
Doch auch innerhalb der Figur des Chronisten spielt das Fremde eine große Rolle. Er selbst ist der Gesellschaft fremd, lebt isoliert in seinem Zimmer und hat nahezu jegliche Kommunikation mit der Außenwelt, einschließlich der Kommunikation zu seiner Frau, die sich auf das Schreiben von kurzen Nachrichten beschränkt, abgebrochen.
„El solitario vecino del Sentier no sólo ha reducido la comunicación con su mujer a una serie de notas que desliza a diario bajo la esterilla de su apartamento (...) sino que ha dejado de frecuentar a la totalidad de sus antiguos colegas y amigos (...).“
Er lehnt jegliche Konvention ab, uriniert in das Waschbecken statt in die Toilette, hört Telefongespräche ab und verhält sich auch ansonsten den gesellschaftlichen Regeln non-konform. Vor allen Dingen begrüßt er, im Gegensatz zur Mehrheit der Franzosen, die Veränderungen im Viertel. Des Weiteren hat er anders als die meisten Menschen eine Abneigung der Natur gegenüber, mit Ausnahme von Parks, in denen er Hunde sexuell befriedigt oder kleine Mädchen belästigt, die Objekt seiner sexuellen Begierde und Gegenstand seiner pädophilen Träume sind. Jedwede Tabus der westlichen Gesellschaft sind ihm fremd.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in das Werk und die Fragestellung bezüglich der Manifestation von Fremdheit bei Juan Goytisolo.
2. AUFBAU UND STRUKTUR DES WERKES: Untersuchung der fragmentarischen und nicht-linearen Erzählstruktur, die das Werk als "perpetuum mobile" charakterisiert.
3. KONZEPTION DES PROTAGONISTEN: Analyse der vielgestaltigen Hauptfigur, die durch ständige Metamorphosen eine Identifikation des Lesers gezielt verhindert.
4. PRIVATER RAUM DES PROTAGONISTEN: Beschreibung der sozialen Isolation und des bewussten Bruchs mit gesellschaftlichen Konventionen und Tabus durch den Protagonisten.
5. ÖFFENTLICHER RAUM: Darstellung des Stadtteils Sentier als Ort der kulturellen Konflikte, der sozialen Schichtung und der zunehmenden "Gegenkolonisation".
6. SCHLUSS: Zusammenfassende Einordnung des Werkes als dringlicher Appell an eine träge Konsumgesellschaft und Vergleich mit heutigen gesellschaftlichen Realitäten.
7. BIBLIOGRAPHIE: Auflistung der im Rahmen der Analyse verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Fremdheit, Juan Goytisolo, Paisajes después de la batalla, Literaturanalyse, Xenophobie, Identität, Fragmentierung, Metamorphose, kulturelle Konfrontation, Gegenkolonisation, soziale Isolation, gesellschaftliche Normen, Paris, Sentier, Konsumgesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Thema der Fremdheit in dem Roman "Paisajes después de la batalla" von Juan Goytisolo literarisch verarbeitet und strukturell umgesetzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Struktur des Werkes, die komplexe Charakterisierung des Protagonisten, den Rückzug in den privaten Raum sowie den öffentlichen Raum als Schauplatz kultureller Konflikte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, auf welche Weise sich das Phänomen der Fremdheit innerhalb des Werkes manifestiert und wie Goytisolo damit die westliche Gesellschaft kritisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer textnahen Analyse und Interpretation, wobei strukturelle Merkmale, narrative Techniken sowie inhaltliche Motive in Bezug auf die Fremdheitsthematik untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der formalen Struktur, die Analyse der Hauptfigur und deren Lebensweise sowie die Betrachtung der soziokulturellen Veränderungen im öffentlichen Raum des Viertels Sentier.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Fremdheit, Metamorphose, Fragmentierung, Identität, Xenophobie, soziale Isolation und kulturelle Gegenkolonisation.
Wie beeinflusst die Struktur des Buches das Verständnis des Lesers?
Die fragmentarische Struktur, die Goytisolo bewusst als "unendliche Spirale" anlegt, entzieht dem Leser eine chronologische Orientierung und verweigert die einfache Kategorisierung, was den Leser in eine Position der Fremdheit gegenüber dem Text selbst bringt.
Warum wirkt der Protagonist auf den Leser abstoßend?
Der Protagonist lehnt sämtliche westlichen gesellschaftlichen Normen ab, zeigt rassistische und pädophile Züge und entzieht sich durch seine ständige Metamorphose einer festen Identität, was eine Identifikation für den Leser unmöglich macht.
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- Kathrin Herz (Author), 2003, Das Fremde - Eine Analyse der Fremdheitsthematik in Juan Goytisolos 'Paisajes después de la Batalla', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15037