Der Topos der Gedenkrede aus sprachgeschichtlicher Sicht am Beispiel einer Gedenkrede Philipp Jenningers


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2003
24 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Gedenkrede: Aufgabe und Erwartungen

2. Die Gedenkrede vor dem “Fall Jenninger(s)“

3. Die Rede Jenningers zum Gedenktag der Reichsprogromnacht
3. 1 Geschichtlicher Hintergrund
3.2 Die Rede: rhetorische Fehlleistung oder absehbare Diffamierung
3.3 Kritik an der Rede
3.4 Die Rede Jenningers in der Sprachanalyse

Zusammenfassung

Literatur

Einleitung

Anhand der Rede des damaligen Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger zur 50. Jährung der Reichsprogromnacht soll in dieser Arbeit der Topos der Gedenkrede aus sprachgeschichtlicher Sicht betrachtet werden. Dabei sind mehrere Arbeitsschritte nötig. Zum einen soll die Rede in ihrem geschichtlichen Kontext des Jahres 1988 untersucht werden. Des Weiteren soll versucht werden zu klären, welche sprachlichen und rhetorischen Mittel in dieser verwendet wurden, um Aufschluss und Erklärungen darüber zu geben, inwieweit ihre verheerenden Folgen für den Vortragenden auf rhetorische Fehltritte zurückzuführen sind. Die Rede Jenningers eignet sich außerdem besonders um gesellschaftliche Auswirkungen von politischen Reden zu analysieren. Schließlich wird sie der des damaligen Bundespräsidenten Weizsäcker zum 40. Jahrestag des Kriegsendes im Deutschen Bundestag gegenübergestellt, um rhetorische Unterschiede herauszuarbeiten. Es ist nötig an dieser Stelle textsortenadäquat zu arbeiten da andere politische Reden, wie solche auf Wahlkampfveranstaltungen oder in Sitzungen des Bundestages eine vollkommen andere Zielsetzung haben. Diese zielen zumeist auf Identifikationsstiftung bei den Anhängern der eigenen Partei und den Wählern, wohingegen politische Gedenkreden eine Person oder ein Geschehen in Erinnerung bringen oder halten sollen.

1. Die Gedenkrede: Aufgabe und Erwartungen

Wie bereits in der Einleitung dieser Arbeit dargestellt, muss eine Erläuterung der Vorbedingungen und Wirkungen der Rede Jenningers textadäquat erfolgen, sich also mit dem Topos der Gedenkrede beschäftigen. Ich möchte an dieser Stelle einige Grundgedanken zu Inhalt, Form und Aufgabe bzw. Erwartung der Rezipienten solcher Reden darstellen. Bezüglich der Aufgabe von Gedenkreden bemerkt Girnth:

„Gedenkreden haben in der öffentlich-politischen Kommunikation die Funktion, gemeinsam geteilte Werthaltungen und Einstellungen zum Ausdruck zu bringen, sich dieser Werthaltungen und Einstellungen kollektiv zu vergewissern und kommunikativ Beziehungen zu gestalten.“[1]

Wodak fokussiert hingegen die Erwartungshaltung von Gedenkreden zur deutschen NS-Vergangenheit:

Reden zu einem Anlass wie dem Novemberpogrom-Gedenken sollen vor allem Konsens in der Ablehnung des und Distanzierung zum damals Vorgefallenen aufweisen; außerdem ist zu erwarten, dass die wichtigsten Ereignisse der damaligen Zeit beschrieben werden, jedenfalls die Opfer und möglicherweise Täter genannt werden. Außerdem ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass Appelle an Grundwerte und Moral ZuhörerInnen versichern werden, dass dies nie mehr in solcher Form auftreten kann. Tiefe moralische Empörung über die Greueltaten des 9. November 1938 dürfte - einem allgemeinen Konsens gemäß - laut werden.[2]

Offen bleibt in dieser Charakterisierung hingegen die Frage nach dem Ursprung dieses “konsensuellen Rahmens“ auf die sich Girnth wie folgt bezieht:

„Nicht die gegenstandsbezogene Darstellungsfunktion, sondern die hörerbezogene Funktion des Appells und die sprecherbezogene Funktion des Ausdrucks dominieren. [...] In der Gedenkrede fungiert der Redner gleichsam als "Sprachrohr des versammelten Publikums" dessen Einstellungen er bekundet. Die mit der Bekundung kollektiver Einstellungen verbundene Dominanz der Ausdrucksfunktion ermöglicht erst die epideiktische Erfahrung gemeinsamer Überzeugungen und Werthaltungen. [...] Heringer stellt sicherlich zu Recht fest, dass "es keine sakrosankten Definitionen" gibt, doch berücksichtigt er dabei nicht, dass die Zuhörer einer Gedenkrede bestimmte Erwartungen haben, die letztlich das Resultat von Erfahrungen sind. Wie die Analyse der in dieser Arbeit untersuchten Gedenkreden Kohls, Schmidts und Weizsäckers zeigen wird, weisen diese Merkmale auf, von denen die Jenninger-Rede in erheblichem Maße abweicht. Die oben geleistete Bestimmung der Funktion von Gedenkreden findet somit ihre empirische Bestätigung und ist nicht das Ergebnis einer normativen Festlegung. [...] Die Aufgabe des Redners besteht nun darin, bestimmte Ereignisse und Sachverhalte in W1["vergangene Welt"] aus seiner Sicht darzustellen und gleichzeitig zu bewerten, wobei es wichtig ist, dass er immer den Bezug zu seiner eigenen Welt W0herstellt.[3]

Girnth manifestiert die Erfahrungen und Erwartungen also an exemplarischen Reden Kohls, Schmidts und Weizsäckers und macht das Scheitern der Rede Jenningers am Verstoß der durch diese zuvor gesetzten Konventionen fest. In seiner Publikation „Staatsberedsamkeit“ aus dem Jahre 1980 definierte der Rechtswissenschaftler Karl-Otto Nass die Kategorie der Staatsrede zu der er auch die „Reden an Festen und Staatsfeiertagen“ zählt wie folgt:

Zwischen Fest und Rede besteht eine uralte Verbindung. Damit die Feste zu einem Ereignis der Gemeinschaft werden, muss dabei der Einzelne durch Worte anderen seine Gefühle offenbaren, wie sie ihm die ihrigen durch ihre Teilnahme an der Veranstaltung kundgeben. Diese Eindrücke, die das gemeinsame Erlebnis allen Teilnehmern vermittelt, bedürfen der direkten Verkündigung. In ihr überwindet im festlichen Schwung die Beredsamkeit die seelischen Hemmungen, die den Bürgern aus der eintönigen und kritischen Prosa des persönlichen Alltags anhaften. Der feierlichen Anlässe gibt es viele, große und kleine Gelegenheiten zu freudiger und wehmütiger Besinnung, bei denen das Wort die Herzen der Hörer mitreißt zum Erlebnis des staatlichen Ganzen. Die Abfassung von Reden aus solch volkstümlichem Anlass ist zunächst deshalb nicht immer leicht, weil der Redner dabei meist gezwungen ist, sich bestimmter herkömmlicher Wendungen zu bedienen, bei denen Form und Inhalt ineinander übergehen und deren Allgemeinüblichkeit zu dem besonderen Anlass in gewissem Gegensatz steht.[4]

Nie jedoch handelt es sich bei ihr in erster Reihe darum, die abstrakten Faktoren einer wissenschaftlichen Kausalität darzulegen und als ein Organ des reinen Geistes rational zu deduzieren. [...]. Der Staatsredner muss sich daher vor dem Fehler mancher Historiker hüten, die die geschichtlichen Tatsachen in eine Perspektive ordnen, der das geistige Auge so willig folgt, dass die geschichtlichen Ereignisse als eine Kette unausweichlicher Ursachen erscheinen. Er muss vielmehr die wichtigsten Geschehnisse in der Reihenfolge ihres zeitlichen Ablaufs darstellen. Er erfasst die Gegenwart nicht punktuell, sondern in ihrer zeitlichen Ausdehnung als Bewegung und Entwicklung. Die sachlichen Ergebnisse ihrer zeitlichen Analyse fügt seine in dem Erlebniszusammenhang eingebettete Reflexion zu einer sinnvollen Synthese zusammen.[5]

Neben der etwas pathetischen Ausdrucksweise des Verfassers enthält der Text einige interessante Aspekte wie die Funktionen des Ausdrucks von Gefühlen, das „gemeinsame Erleben“ und den Appell. Gleichzeitig enthüllt Nass die Schwierigkeiten die dem Gestalten solcher Reden immanent sind wie z.B. „Form und Inhalt ineinander übergehen“ zu lassen. Aufgabe des Staatsredners sei es außerdem nicht „die geschichtlichen Ereignisse als eine Kette unausweichlicher Ursachen“ darzustellen, sondern die zeitliche Analyse mit einer „in den Erlebniszusammenhang eingebetteten Reflexion“ zu verbinden. Wichtig ist also nicht nur der Sachbestand, sondern die durch den Referenten extrahierte Reflexion der Vergangenheit.

Die vorhergehenden Anmerkungen zum Topos der Gedenkrede machen deutlich, dass Normierungen von Form und Inhalt dieses Topos weiterhin fernab davon sind als konstitutiv bezeichnet werden zu können. Sie geben jedoch wichtige Hinweise, deren Inhalte nach meiner Überzeugung mit dem geschichtlichen Umfeld der Rede Jenningers in Verbindung gebracht werden müssen. „Geschichtliches Umfeld“ meint hier die, im Sinne Girnths, zeitnah gehaltenen Reden anderer Politiker an Gedenktagen zum Nationalsozialismus und die damals konkrete politische Situation sowie die damit verbundenen Erwartungen der Rezipienten.

2. Die Gedenkrede vor dem “Fall Jenninger(s)“

Ich möchte an dieser Stelle auf die Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eingehen, die dieser am 8. Mai 1985 im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestag der Beendigung des 2. Weltkriegs hielt. Diese Rede soll besondere Beachtung finden da sie 1. nach Meinung der Presse eine Zäsur hinsichtlich des Gedenkens an die deutsche Vergangenheit darstellte, 2. dem Redner national und international hohes Ansehen bescherte und 3. diese programmatische Rede Auswirkungen auf die Judikative hatte. Im Vorfeld war es zu einem Sturm der Entrüstung seitens der amerikanischen Presse gekommen. Bundeskanzler Helmut Kohl hatte mit seinem Gast, dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan, den Soldatenfriedhof in Bitburg besucht, obgleich sich später herausstellte, dass dort auch Angehörige der Waffen-SS begraben sind. Nach Angaben des Weizsäcker-Biographen Müller hatte sich der Bundespräsident auf die Rede am 8. Mai besonders intensiv vorbereitet. Bereits Monate zuvor hatte er begonnen mit Vertretern verschiedener Minderheitengruppen, dem Zentralrat der Juden, den Vertriebenenverbänden sowie mit Politikern aller Parteien Gespräche zu führen.[6] Im Vorfeld des Gedenktages tobte in den Feuilletons ein Streit darüber, ob das deutsche Volk am 8. Mai 1945 befreit worden sei. Schließlich, so wurde eingewandt, verbinde sich mit diesem Datum auch der Zusammenbruch des Deutschen Reiches, die Aufhebung der nationalen Einheit und neues Leid für Vertriebene, Flüchtlinge und die Menschen im sowjetisch besetzten Teil des Landes. Ich möchte nun einige Schlüsselgedanken- und Formulierungen aus der Rede des damaligen Bundespräsidenten zitieren und erläutern.

Zu Beginn seiner Rede mahnte Weizsäcker „der Wahrheit ins Auge zu sehen“ und sich dem

„Gang der Geschichte [...] verantwortlich zu stellen. So unterschiedlich die Erfahrungen des Einzelnen nach dem Kriegsende auch waren und so groß die Angst vor der Ungewissheit der Reaktionen der Siegermächte auch war: Und dennoch wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

Trotz persönlicher Schicksale dürfe die Entstehung des Krieges nicht in Vergessenheit geraten: „Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen...“ Hier knüpft der Verfasser wieder an den Punkt der Verantwortlichkeit an.

Im zweiten Teil der Rede folgt, ähnlich der Fürbitten aus der christlichen Liturgie, eine Aufzählung der Opfer des 2. Weltkriegs. Weizsäcker grenzt an dieser Stelle keine Bevölkerungsgruppe aus, Leidtragende waren Minderheiten, Andersdenkende und auch die eigenen Landsleute. Stilistisch beginnt jeder Absatz mit „Wir gedenken“ und nennt dann eine Opfergruppe. Die Aufzählung verstärkt den Eindruck des Hörers von der Vielzahl der verschiedenen Opfergruppen. Ein weiterer Aufzählungsteil folgt, der beginnt mit dem Satz „Neben dem unübersehbar großen Heer der Toten erhebt sich ein Gebirge menschlichen Leids“, an den die Aufzählungen der Leidensgründe (Tod, Verwundung, Vertreibung...) sich anschließen. Der 3. Teil der Rede beginnt mit folgendem Absatz:

„Am Anfang der Gewaltherrschaft hatte der abgrundtiefe Hass Hitlers gegen unsere jüdischen Mitmenschen gestanden. Hitler hatte ihn nie vor der Öffentlichkeit verschwiegen, sondern das ganze Volk zum Werkzeug dieses Hasses gemacht. Noch am Tag vor seinem Ende am 30. April 1945 hatte er sein sogenanntes Testament mit den Worten abgeschlossen: "Vor allem verpflichte ich die Führung der Nation und die Gefolgschaft zur peinlichen Einhaltung der Rassengesetze und zum unbarmherzigen Widerstand gegen den Weltvergifter aller Völker, das internationale Judentum."

Mehrere Elemente sind hier von Bedeutung: 1. Die Juden waren „unsere Mitmenschen“,2. das deutsche Volk ließ sich missbrauchen (Aspekt der Verantwortung), 3. die ein-eindeutige Kennzeichnung des Zitats, dessen Relevanz uns in der Rede Jenningers noch beschäftigen wird. Im Folgenden gibt Weizsäcker eine erstaunlich klare Definition von Verantwortung und Mitschuld:

„Gewiss, es gibt kaum einen Staat, der in seiner Geschichte immer frei blieb von schuldhafter Verstrickung in Krieg und Gewalt. Der Völkermord an den Juden jedoch ist beispiellos in der Geschichte.[...] Die Ausführung des Verbrechens lag in der Hand weniger. Vor den Augen der Öffentlichkeit wurde es abgeschirmt. Aber jeder Deutsche konnte miterleben, was jüdische Mitbürger erleiden mussten, von kalter Gleichgültigkeit über versteckte Intoleranz bis zu offenem Hass. [...] Als dann am Ende des Krieges die ganze unsagbare Wahrheit des Holocaust herauskam, beriefen sich allzu viele von uns darauf, nichts gewusst oder auch nur geahnt zu haben. Schuld oder Unschuld eines ganzen Volkes gibt es nicht. Schuld ist, wie Unschuld, nicht kollektiv, sondern persönlich.[...] Jeder der die Zeit mit vollem Bewusstsein erlebt hat, frage sich heute im Stillen selbst nach seiner Verstrickung.“

Es liegt also auch in der Verantwortung der Zeitzeugen des NS-Regimes Erinnerung zu erhalten denn

„Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“

Im Anschluss zitiert Weizsäcker das jüdische Sprichwort: "Das Vergessenwollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.", transportiert die Bedeutung des Wortes aber sogleich in die christliche Religion:

„Die Erinnerung ist die Erfahrung vom Wirken Gottes in der Geschichte. Sie ist die Quelle des Glaubens an die Erlösung. Diese Erfahrung schafft Hoffnung, sie schafft Glauben an Erlösung, an Wiedervereinigung des Getrennten, an Versöhnung. Wer sie vergisst, verliert den Glauben.“

So wird diese Weisheit nicht zur Erkenntnis einer religiösen Gruppe sondern wirkt einend auf Juden und Christen. Im darauf folgenden Teil seiner Rede skizziert Weizsäcker die Entstehung des Krieges und erinnert an die Untätigkeit der späteren Siegermächte:

„Und auch die europäischen Westmächte, nach Churchills Urteil "arglos, nicht schuldlos", trugen durch Schwäche zur verhängnisvollen Entwicklung bei. [...] “Der Vertrag (Nicht-Angriffs-Pakt Hitlers und Stalins vom 23. August 1939, Anm. d. Verf.) wurde geschlossen, um Hitler den Einmarsch in Polen zu ermöglichen. Das war der damaligen Führung der Sowjetunion voll bewusst. Allen politisch denkenden Menschen jener Zeit war klar, dass der deutsch-sowjetische Pakt Hitlers Einmarsch in Polen und damit den Zweiten Weltkrieg bedeutete.“

Der Verfasser möchte dies jedoch nicht als Relativierung der deutschen Schuld am Krieg verstanden wissen:

“Die Sowjetunion nahm den Krieg anderer Völker in Kauf, um sich am Ertrag zu beteiligen. Die Initiative zum Krieg aber ging von Deutschland aus, nicht von der Sowjetunion.“

Der folgende Absatz thematisiert die „Dankbarkeit für die Siegermächte:

“Wir können des 8. Mai nicht gedenken, ohne uns bewusst zu machen, welche Überwindung die Bereitschaft zur Aussöhnung den ehemaligen Feinden abverlangte. Können wir uns wirklich in die Lage von Angehörigen der Opfer des Warschauer Ghettos oder des Massakers von Lidice versetzen?“

In der Rede folgt eine Zäsur, fokussiert werden von nun an Gegenwart und Zukunftsperspektiven. Thematisiert werden zunächst Gewaltverzicht, Aussöhnung und Friedensarbeit. Wiederum bezieht sich Weizsäcker auf die Rolle der Religion, der Kirche:

„Die Versöhnungsarbeit von Kirchen fand eine tiefe Resonanz. Für die Verständigungsarbeit von jungen Menschen gibt es viele Beispiele. Ich denke an die "Aktion Sühnezeichen" mit ihrer Tätigkeit in Auschwitz und Israel.“

Weizsäcker verdeutlicht sodann die, ebenfalls am 8. Mai (1949) selbst auferlegte Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland:

„Vier Jahre nach Kriegsende, 1949, am 8. Mai, beschloss der Parlamentarische Rat unser Grundgesetz. Über Parteigrenzen hinweg gaben seine Demokraten die Antwort auf Krieg und Gewaltherrschaft im Artikel 1 unserer Verfassung: Das deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt."

Er verbindet somit das Gedenken an die Schrecken der Nachkriegszeit mit dem Gedenken an den Neuanfang und mahnt das Wissen um die Fehler der Vergangenheit in die Bemühungen um den Schutz der Menschenrechte umzusetzen. Am Ende seiner Rede bezieht sich Weizsäcker auf die schmerzliche Gegenwart in der Realität zweier deutscher Staaten. Um zu verdeutlichen, dass die schmerzliche Erfahrung in beiden deutschen Staaten lebt, zitiert er den Dresdener Bischof Hempel mit den Worten:

[...]


[1] Girnth 1993, S. 1f

[2] Wodak, S. 143

[3] Girnth, S. 50f

[4] Nass, S. 61

[5] ebd., S. 155

[6] Müller, S. 108

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der Topos der Gedenkrede aus sprachgeschichtlicher Sicht am Beispiel einer Gedenkrede Philipp Jenningers
Autor
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V150374
ISBN (eBook)
9783640618354
ISBN (Buch)
9783640618675
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jenninger, Gedenkrede, Bundespräsident, Weizsäcker, Sprachgeschichte, Analyse, Nationalsozialismus, Affäre, Skandal, Reichsprogromnacht, 50. Jahrestag, 1988, Girnth, Rede, Rhetorik, Staatsrede, Holocaust, NS-Regime, NS-Diktatur
Arbeit zitieren
MA Guido Maiwald (Autor), 2003, Der Topos der Gedenkrede aus sprachgeschichtlicher Sicht am Beispiel einer Gedenkrede Philipp Jenningers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150374

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