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Transsexualität und Sozialisation

Title: Transsexualität und Sozialisation

Thesis (M.A.) , 2009 , 163 Pages

Autor:in: Franziska Hofmann (Author)

Pedagogy - Pedagogic Sociology
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Summary Excerpt Details

Kim P. ist 14 Jahre alt, sie trägt ein bauchfreies Top, bestickte Jeans und leichten Lidschatten. Sie hat lange blonde Haare und träumt davon später einmal als Modemacherin nach Paris zu gehen. Ihr Zimmer unter dem Dach ist ein Mädchenparadies in Rosa, mit Schminktischchen, Modezeitschriften und einer eigenen Schaufensterpuppe. Doch so normal und einfach, wie sich alles anhört, ist es nicht. Kim ist vor 14 Jahren als Junge zur Welt gekommen, als Tim. Ihr ganzer Körper, Chromosomen, Hormone ist alles eindeutig männlich.
Das beschriebene Beispiel ist keine Seltenheit. Laut Weltgesundheitsorganisation nennt man das, was Kim durchlebt, Transsexualität. Nach dem ICD‐10, der „Internationalen Klassifizierung von Krankheiten“, ist es eine Form der Geschlechtsidentitätsstörung und wird den sexuellen Störungen zugeordnet. Doch was ist Transsexualität eigentlich? Wen betrifft es und warum? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und welche Gesetze gelten für Betroffene?
In dieser Arbeit soll es um Transsexualität und Sozialisation gehen. Um in die Thematik einzuführen soll im ersten Teilbereich dieser Arbeit eben genannte Fragen beantwortet werden.
Wie weiter oben schon erwähnt fühlen sich Transsexuelle im falschen Körper. Sie empfinden ihr angeborenes Geschlecht als falsch und nehmen alles dafür in Kauf sich dem gewünschten Geschlecht anzugleichen. Das was bedeutet Geschlecht eigentlich und wie lernen bzw. merken wir welchem Geschlecht wir angehören? Welche Erwartungen müssen die jeweiligen Geschlechter erfüllen und wie gehen Jungen und Mädchen bzw. Männer und Frauen mit diesen Erwartungen um?
Diese Fragen sollen im zweiten Teilbereich dieser Arbeit behandelt werden.
Im dritten Teilbereich wird ein Blick in die Praxis geworfen werden. Die zentrale Frage dabei ist: Wie sozialisieren sich Transsexuelle? Um Antworten auf diese Frage zu bekommen wurde ein Fragebogen entworfen und an verschiedene Transsexuelle verteilt. Die Antworten von den Betroffenen sollen uns einen Einblick in deren Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter geben. Durch eine Analyse der Antworten soll die Frage nach den Sozialisationsprozessen von Transsexuellen beantwortet werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Phänomen Transsexualität

1.1. Geschichtliche Entwicklung

1.2. Begriffliche Entwicklung

1.3. Begriffserklärung

1.4. Begriffserklärung aus Sicht von Transsexuellen

1.5. Formen von Transsexualität

1.6. Ursachen von Transsexualität

1.7. Verlauf von Transsexualität

1.8. Behandlung

1.8.1. Diagnostik

1.8.2. Alltagstest

1.8.3. Hormonbehandlung

1.8.4. Geschlechtsangleichende Operation

1.8.5. Nachbetreuung

1.9. Psychotherapie

1.10. Das Transsexuellengesetz und die daraus resultierenden Standards für die Begutachtung

2. Identität und Sozialisation

2.1. Der Sozialisationsbegriff

2.2. Die Geschlechtsidentität

2.3. Geschlechtsspezifische Sozialisation

2.3.1. Psychoanalytische Aspekte

2.3.2. Der biologische Ansatz

2.3.3. Der kognitive Ansatz

2.3.4. Die Sozialkognitive Lerntheorie

2.3.5. Geschlechtsspezifische Sozialisation als Konstruktionsprozess

3. Interviewstudie

3.1. Fragestellung der Untersuchung und Forschungsansatz

3.2. Forschungsmethode

3.3. Vorgehensweise und Problematik bei der Auswertung der gewonnenen Daten

3.4. Vorstellung des Fragebogens

3.5. Darstellung und Ergebnisse

3.5.1. Kindheit

3.5.2. Adoleszenz und Erwachsenenalter

4. Schlussbemerkung

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

I. Interview 1: Luke

II. Interview 2: John

III. Interview 3: Jay

IV. Interview 4: Jim

V. Interview 5: Theo

VI. Interview 6: Tim

VII. Interview 7: Lea

VIII. Interview 8: Mia

VIV. Interview 9: Anna

X. Interview 10: Lara

XI. Interview 11: Ina

XII. Interview 12: Mara

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Transsexualität und Sozialisationsprozessen. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Wie sozialisieren sich Transsexuelle in einer Gesellschaft, die überwiegend von einem binären Geschlechtermodell ausgeht? Ziel ist es, durch theoretische Analysen und eine qualitative Interviewstudie Einblicke in die Kindheit, Jugend und das Erwachsenenalter betroffener Personen zu gewinnen.

  • Definition und historischer Wandel des Begriffs Transsexualität
  • Theoretische Grundlagen von Sozialisation und Geschlechtsidentität
  • Analyse von Sozialisationsfaktoren bei transsexuellen Personen
  • Bewältigungsstrategien in der Kindheit und Jugend
  • Rechtliche und medizinische Rahmenbedingungen in Deutschland

Auszug aus dem Buch

1.1. Geschichtliche Entwicklung

Das Phänomen „Transsexualität“ ist keine Erscheinung unserer modernen Gesellschaft. Im Gegenteil, sie war zu allen Zeiten und in verschiedenen Kulturen mehr oder weniger relevant. Schon aus der Antike sind uns Menschen, welche die Geschlechtsrolle wechselten, bekannt. Die Geschlechtsumwandlung galt zu der Zeit als ein Mysterium, dem Respekt und Hochachtung entgegengebracht wurde. „In der griechischen Mythologie wird zum Beispiel von dem blinden Seher Teiresias erzählt, der sich als junger Mann wie durch ein Wunder in eine Frau verwandelte und später wieder in einen Mann. So machte er die sexuellen Erfahrungen des Mannes und der Frau, was ihm zu hohem Ansehen verhalf.“ (Haeberle, E.J.: Transsexualität. In: B. Kamprad und W. Schiffels (Hrsg.): Im falschen Körper. Alles über Transsexualität. Zürich 1991. S. 12-16.)

Auch der Mythos über die Geburt der Göttin Aphrodite weist auf einen transsexuellen Hintergrund hin: nach den Schriften Hesiods um 700 v. Christus wurde Uranus (Gott des Himmels) zum Tyrann, der Gaia (Göttin der Erde) und ihre gemeinsamen Kinder umbringen wollte. Gaia schuf eine Sichel mit welcher ihr Sohn Kronos seinen Vater entmannte und die abgeschnittenen Geschlechtsteile ins Meer warf. Aus diesem Meer entstieg Aphrodite in vollkommener Weiblichkeit. (Stalla 2006: 14)

Im römischen Reich änderte sich der Umgang mit transgender Individuen. In Kunst und Philosophie verherrlichte man das Prinzip, dass Menschen die bei ihrer Geburt von der traditionellen Geschlechterteilung in Mädchen und Jungen abwichen, ein fatales Omen wären. Diese so genannten „monstra“ wurden daraufhin in einem Reinigungszeremoniell getötet. In der abendländischen Kultur galt es als oberste Priorität die zwei traditionellen Geschlechter aufrecht zu erhalten. Auf der Grundlage, dass sich das Geschlecht eines Menschen aus der körperlichen Erscheinung bzw. aus den Genitalien ermitteln ließe, wurde im 6. Jhd. ein Gesetz erlassen das im Falle einer genitalen Uneindeutigkeit bei der Geburt eine Zuordnung nach überwiegenden Merkmalen beschloss.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, stellt ein Fallbeispiel vor und erläutert die Forschungsfrage sowie den methodischen Aufbau der Arbeit.

1. Phänomen Transsexualität: Dieses Kapitel behandelt die historische Entwicklung, die medizinische Klassifikation (ICD-10/DSM-IV), Ursachenhypothesen sowie die verschiedenen Behandlungsphasen und das Transsexuellengesetz.

2. Identität und Sozialisation: Es werden die theoretischen Grundlagen der allgemeinen Sozialisation sowie die Entstehung der Geschlechtsidentität aus verschiedenen psychologischen und soziologischen Blickwinkeln diskutiert.

3. Interviewstudie: Hier wird das qualitative Vorgehen bei der Befragung transsexueller Personen erläutert, der Fragebogen vorgestellt und die Ergebnisse zu Kindheit, Adoleszenz und Erwachsenenalter analysiert.

4. Schlussbemerkung: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, betont die Bedeutung individueller Lebensgeschichten und fordert eine offenere gesellschaftliche Haltung gegenüber geschlechtlicher Vielfalt.

Schlüsselwörter

Transsexualität, Sozialisation, Geschlechtsidentität, Transidentität, Coming-Out, Geschlechtsangleichung, Transsexuellengesetz, Alltagstest, Psychoanalyse, Konstruktivismus, Geschlechterrolle, Sozialisationsprozess, Identitätsentwicklung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Transsexualität und den damit verbundenen Sozialisationsprozessen, insbesondere unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Normen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die medizinischen/rechtlichen Aspekte der Transsexualität, die theoretische Sozialisationsforschung und die empirische Auswertung von Fragebögen transsexueller Personen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es zu verstehen, wie sich transsexuelle Menschen sozialisieren, wenn die Gesellschaft von einer rigiden Zweigeschlechtlichkeit ausgeht.

Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?

Es wurde eine qualitative Forschungsmethode gewählt, bei der transsexuelle Personen durch einen schriftlichen Fragebogen zu ihrem Leben befragt wurden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriebildung zu Identität und Sozialisation sowie in die detaillierte Darstellung und Auswertung der Interviewergebnisse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Transsexualität, Sozialisation, Geschlechtsidentität, Coming-Out, Geschlechtsangleichung und das Transsexuellengesetz.

Wie gehen transsexuelle Kinder nach den Ergebnissen der Arbeit häufig mit ihrer Situation um?

Viele der Befragten berichteten von Verdrängungsmechanismen, Tagträumereien und dem Versuch, sich den Erwartungen der Umwelt anzupassen, um nicht aus dem sozialen Gefüge zu fallen.

Welche Bedeutung kommt dem Transsexuellengesetz (TSG) in der Arbeit zu?

Das TSG wird als rechtlicher Rahmen diskutiert, der zwar Vornamens- und Personenstandsänderungen ermöglicht, aber auch Hürden durch Gutachten und starre Vorgaben schafft.

Excerpt out of 163 pages  - scroll top

Details

Title
Transsexualität und Sozialisation
College
University of Leipzig
Author
Franziska Hofmann (Author)
Publication Year
2009
Pages
163
Catalog Number
V150375
ISBN (eBook)
9783640621156
ISBN (Book)
9783640621743
Language
German
Tags
Transsexualität Sozialisation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Franziska Hofmann (Author), 2009, Transsexualität und Sozialisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150375
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