Das Thema der vorliegenden Hausarbeit ist der antike griechische Mythos von Phaidra und Hippolytos und seine Interpretation im Theaterstück von Sarah Kane Phaidras Liebe. Ein weiteres Aspekt ist die Deutung der Hauptfiguren des Mythos, ihrer Rollen und Eigenschaften, sowie auch die Entwicklung dieser Deutung in verschiedenen literarischen Bearbeitungen. Dabei wird besonders auf die Rezeption des Bildes von Phaidra und ihren Zusammenhang mit der allgemeinen Einstellung zu der Frau im Laufe der Zeit geachtet. Das erste Kapitel hat die Quelle, nämlich den antiken Mythos selbst, sowie auch die traditionellen Vorstellungen von den Figuren der Protagonisten zum Thema. Das zweite Kapitel schafft einen kurzen Überblick der literarischen Bearbeitungen des Mythos und der Entwicklung des Bildes von Phaidra seit der Antike bis in das 20. Jahrhundert. Im dritten Kapitel wird das Theaterstück von Sarah Kane Phaidras Liebe analysiert, vor allem die Interpretation der Bilder von Hauptfiguren und ihre Rolle am Geschehen. Die Ergebnisse werden im Schluss der Hausarbeit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.Der Mythos von Phaidra und Hippolytos.
1.1. Die Handlung
1.2. Traditionelle Vorstellung von den Hauptfiguren
2. Literarische Bearbeitungen des Mythos
3.Sarah Kane. Phaidras Liebe (1996).
3.1. Die Handlung
3.2. Rezeption des Theaterstücks
3.3. Figuren der Protagonisten
Schluss
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den antiken griechischen Mythos von Phaidra und Hippolytos sowie dessen literarische Transformationen, mit einem besonderen Fokus auf die feministisch geprägte Neuinterpretation im Theaterstück "Phaidras Liebe" von Sarah Kane.
- Analyse des antiken Mythos und der traditionellen Rollenbilder.
- Überblick über literarische Bearbeitungen von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.
- Untersuchung der radikalen Neuerzählung durch Sarah Kane.
- Dekonstruktion der traditionellen Charaktere Phaidra, Hippolytos und Theseus.
- Reflexion über Macht, Gewalt und Geschlechterrollen im zeitgenössischen Kontext.
Auszug aus dem Buch
3.3. Figuren der Protagonisten
Auf den ersten Blick scheint es, dass trotz des Titels nicht Phaidra, sondern Hippolytos im Vordergrund steht. Doch beim näheren Betrachten erweist sich, dass sein Bild auch als kontraster Hintergrund gesehen werden kann, auf dem sich Phaidras Bild entfaltet.
Der erste Eindruck, das Hippolytos auf den Zuschauer schafft, ist Ekel – wegen seines Aussehens und seiner Gewohnheiten. Auch während der Handlung kann diese Stellung nicht wesentlich verändert werden, und durch Hippolytos Aussagen, ebenso „schmutzigen“ wie sein Zimmer und seine Wäsche, wird sie nur befestigt.
Hippolytos scheint unfähig zu sein, jemanden zu lieben. Gleichgültig zu sich selbst, behauptet er, dass er alle Menschen hasst und dass er keine Leidenschaft empfinden kann. Doch seine „emotionale Behinderung“ ist eher eine bewusste Bedrückung der Gefühle als eine Geisteskrankheit. Das erweist sich in mehreren Szenen. Eine bloße Erwähnung seiner ehemaligen Freundin führt ihn zum emotionalen Aufbruch:
Hippolytos: Mich bringt keine zum Brennen.
Phaidra: Was ist mit dieser Frau?
Stille.
Hippolytos sieht sie an.
Hippolytos: Was?
Phaidra: Lena, warst du in die nicht Hippolytos: (packt Phaidra bei der Kehle)
Erwähn die nie wieder.
Nenn mir nicht ihren Namen, sprich nicht von ihr, denk nicht mal über sie nach, verstanden? Verstanden?
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Themas und der zentralen Forschungsabsicht bezüglich der Interpretation des Mythos bei Sarah Kane.
1.Der Mythos von Phaidra und Hippolytos.: Darstellung der antiken Handlung und der traditionellen, durch ein patriarchales Weltbild geprägten Rollenverteilung.
2. Literarische Bearbeitungen des Mythos: Historischer Abriss über die verschiedenen literarischen Verarbeitungen des Stoffs von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.
3.Sarah Kane. Phaidras Liebe (1996).: Analyse der radikalen Neudeutung durch Kane, inklusive der spezifischen Handlungsstruktur und Charakterdarstellung.
Schluss: Synthese der Ergebnisse, die den Mythos als Spiegel gesellschaftlicher Normen und deren Wandel über die Jahrhunderte beleuchtet.
Schlüsselwörter
Phaidra, Hippolytos, Sarah Kane, griechischer Mythos, feministische Literatur, Rollenbilder, Gewalt, Leidenschaft, patriarchale Gesellschaft, Rezeption, antike Tragödie, Theaterstück, Identität, Geschlechterrollen, Tabu-Themen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den antiken Mythos von Phaidra und Hippolytos und untersucht, wie sich die Deutung der Hauptfiguren durch die Jahrhunderte bis hin zum modernen Theaterstück von Sarah Kane gewandelt hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Rezeption von Frauenbildern, die Darstellung von Leidenschaft als destruktive oder positive Kraft sowie die Dekonstruktion von Helden- und Opferrollen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Sarah Kanes "Phaidras Liebe" durch eine feministische Neuinterpretation traditionelle Stereotype zerstört und die moralische Bewertung der Figuren herausfordert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative literaturwissenschaftliche Analyse, bei der antike Quellen mit späteren literarischen Bearbeitungen und dem spezifischen Werk von Sarah Kane verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des antiken Mythos, einen historischen Überblick über literarische Bearbeitungen und eine detaillierte Analyse der Charaktere und Rezeption von Sarah Kanes Theaterstück.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Phaidra, Hippolytos, Mythos, feministische Interpretation, Gewalt, patriarchale Gesellschaft und literarische Rezeption.
Inwiefern unterscheidet sich Kanes Phaidra von der antiken Vorlage?
Während Phaidra im antiken Mythos oft als die "schuldige" Verführerin dargestellt wird, emanzipiert sie Kane und zeichnet sie als eine echte, handelnde Heldin, deren Leidenschaft eine hohe emotionale Intensität besitzt.
Welche Rolle spielt die Figur des Hippolytos in der Arbeit?
Hippolytos wird als Kontrastfolie analysiert, dessen "emotionale Behinderung" und Nihilismus in Kanes Stück als Spiegel einer desillusionierten Gesellschaft gedeutet werden.
Wie wird das Ende der Protagonisten bei Sarah Kane bewertet?
Die Arbeit betont, dass die Protagonisten bei Kane sowohl Opfer als auch Täter sind und die extremen Gewaltszenen als Mittel dienen, um den Zuschauer zum Nachdenken über gesellschaftliche Machtstrukturen anzuregen.
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- Bachelor Olga Lantukhova (Author), 2008, Phaidra - Kann Liebe ein Verbrechen sein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150386