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Arno Schmidts Begriff von der Allmacht: Die Bestimmung seines Leviathans

Title: Arno Schmidts Begriff von der Allmacht: Die Bestimmung seines Leviathans

Term Paper , 2009 , 9 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Patrick Ewald (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Katastrophen, wie der Zweite Weltkrieg, erfordern neue Strategien der Verarbeitung. Verdrängung und unterschwellige Schuldzuweisungen waren zwar probate Mittel, um der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rekonstruierung nicht den Neuanfang mit dem schweren historischen Erbe zu verbauen. Für die intellektuelle junge Generation jedoch konnte sich daraus kein brauchbares Lebenskonzept ableiten. Sie stellten die Fragen, denen der Großteil der Gesellschaft auswich. Sie waren Anklage, Richter und Vollstrecker zugleich. Ihre Texte wollten radikal, innovativ und nichts verschleiernd sein. Diese Literaten standen, wie die umgebende Gesellschaft, an einem Nullpunkt, einem literarischen: die alten Normen konnten nicht übernommen werden, ideologisch verwendete Stilmittel sind obsolet geworden – kurz: was war, durfte fortan nicht mehr sein. Ohne eine literarische Tradition im Rücken und nur mit wenigen brauchbaren Vorbildern ausgestattet musste sich quasi aus den Trümmern des Vergangenen ein neues literarisches Modell entwickeln, welches weder den gängigen Mustern des Verdrängens folgte noch das Alte auf umgefärbte Weise am Überleben hielt. Es war im wahrsten Sinne eine Trümmerliteratur.
Anhand Arno Schmidts 1949 erstmals veröffentlichten Text „Leviathan oder Die beste der Welten“ soll gezeigt werden, wie eine solche literarische Auseinandersetzung aussehen konnte. Im Fokus steht dabei Schmidts Antwort auf die Frage, was das Weltgeschehen lenkt. Es ist die schon oft gestellte Frage nach dem Guten und dem Bösen. Schmidt Antwort ist die Negation des Guten und der Postulierung einer zerstörerischen Allmacht: dem Leviathan. Die genaue Bestimmung seines Leviathan-Begriffs ist Ziel dieser Hausarbeit.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schmidts Leviathan

2.1 Kurzzusammenfassung der Handlung

2.2 Textverweise und das sich daraus ergebende Bild vom Leviathan

3. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, Arno Schmidts Konzept des Leviathans im Kontext seines Werkes "Leviathan oder Die beste der Welten" präzise zu bestimmen und die darin enthaltene Antwort auf die Frage nach dem Guten, dem Bösen und den Kräften, die das Weltgeschehen lenken, zu analysieren.

  • Analyse der literarischen Auseinandersetzung mit der Nachkriegszeit
  • Interpretation des Leviathan-Begriffs als universales Prinzip
  • Untersuchung der philosophischen und naturwissenschaftlichen Beweisführung im Text
  • Darstellung des Zusammenhangs zwischen individueller Bösartigkeit und kosmischer Ordnung
  • Reflektion über das Verhältnis von Gott, Mensch und dem dämonischen Leviathan

Auszug aus dem Buch

2.2 Textverweise und das sich daraus ergebende Bild vom Leviathan

Gleich der Titel gibt Schmidts gedanklichen Weg vor: Ironisierend nimmt er Bezug auf Leibniz’ Feststellung, Gott habe die beste aller möglichen Welten geschaffen. Leibniz ging davon aus, dass Gott aus einer Vielzahl von möglichen Welten die beste, wenn auch nicht von Leid freie, Welt erwählte.

Die Handlung und die Beschreibung der Umwelt lässt nicht darauf schließen, dass Schmidt diese These teilte. Gott wird bei ihm außerdem nicht als gütige und weise handelnde Macht deutlich, sondern als ein Schuldiger, der all das erfahrene Leid zulässt. Sein Protagonist macht dies in seinen Aufzeichnungen deutlich: Ein Kind, von Splittern zerfetzt, verblutet im Schnee, während der Pfarrer die „2000 Jahre alten Kalauer“ vorbetet. Fassungslos schreibt der Protagonist:

Haben diese Leute denn nie daran gedacht, daß Gott der Schuldige sein könnte? […] Oder fassen sie's einfach nicht, und mampfen kuhselig ihren Kohl weiter durch die Jahrhunderte? Das ist der Geist, der Flußregulierungen als Mistrauensvota gegen Gott und Eingriffe in SEINE Schöpfung ablehnt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Werk im Kontext der deutschen Nachkriegsliteratur und skizziert die Fragestellung nach der Definition von Arno Schmidts Leviathan-Begriff als Antwort auf die Frage nach Gut und Böse.

2. Schmidts Leviathan: Dieses Kapitel fasst die Handlung des Werkes kurz zusammen und analysiert mittels Textverweisen die Rolle des Leviathans als universales, dämonisches Prinzip sowie dessen Verknüpfung mit physikalischen und geistigen Beweisführungen.

3. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und konstatiert, dass der Leviathan als Sinnbild für einen verlorenen Glauben an eine bessere Zukunft dient, wobei viele Fragen zur genauen Natur des Wesens aufgrund widersprüchlicher Aufzeichnungen offen bleiben.

Schlüsselwörter

Arno Schmidt, Leviathan, Nachkriegsliteratur, Trümmerliteratur, Gotteskritik, Universalprinzip, Weltgeschehen, Kontraktion, Materie, Gattungsbewusstsein, Ideologie, Weltbild, Schopenhauer, Dämonologie, Existenzphilosophie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht das literarische Werk „Leviathan oder Die beste der Welten“ von Arno Schmidt und analysiert, wie der Autor den Begriff des Leviathans verwendet, um das Weltgeschehen zu deuten.

Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?

Im Zentrum stehen die philosophische Auseinandersetzung mit Gott und dem Bösen, die Interpretation von Zeitgeschichte durch eine zerstörerische Macht sowie naturwissenschaftliche Metaphern wie Gravitation und Raumgeometrie.

Was ist das primäre Forschungsziel der Hausarbeit?

Das Ziel ist eine präzise Bestimmung des Leviathan-Begriffs bei Arno Schmidt, um zu verstehen, wie dieser als Antwort auf die Sinnfrage nach dem Zweiten Weltkrieg fungiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?

Die Untersuchung basiert auf einer textimmanenten Analyse, bei der zentrale Passagen des Primärtextes unter Einbeziehung philosophischer und mythologischer Referenzen interpretiert werden.

Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?

Der Hauptteil befasst sich mit der Handlung des Romans, der kritischen Auseinandersetzung mit Leibniz’ Theodizee-Ansatz und der Herleitung des Leviathans als pulsierendes, universales Prinzip durch den Protagonisten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Leviathan, Trümmerliteratur, Gotteskritik, Universalprinzip und die Kontraktion des Universums.

Wie unterscheidet der Autor zwischen Gott und dem Leviathan?

Obwohl der Text beide nicht deckungsgleich setzt, fungiert der Leviathan bei Schmidt als eine Art Zwischeninstanz, die für das Leid auf Erden verantwortlich gemacht wird, während Gott als ein Schuldiger wahrgenommen wird, der den Leviathan erschaffen hat.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf den Leviathan?

Der Leviathan wird als Sinnbild für einen verlorenen Glauben an die Zukunft identifiziert, wobei Kriege aus dieser Perspektive als notwendige Kontraktionsprozesse einer Ideologie verstanden werden.

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Details

Title
Arno Schmidts Begriff von der Allmacht: Die Bestimmung seines Leviathans
College
University of Potsdam  (Institut für Germanistik)
Course
Nachkriegsliteratur
Grade
1,0
Author
Patrick Ewald (Author)
Publication Year
2009
Pages
9
Catalog Number
V150398
ISBN (eBook)
9783640619009
ISBN (Book)
9783668206076
Language
German
Tags
Arno Schmidt Leviathan Germanistik Nachkriegsliteratur Philosophische Betrachtung des Weltalls
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrick Ewald (Author), 2009, Arno Schmidts Begriff von der Allmacht: Die Bestimmung seines Leviathans, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150398
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