Die Phasen von Platons Höhlengleichnis und der Ausbildungsweg eines Philosophen


Seminararbeit, 2010

15 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Platon

3 Das Höhlengleichnis
3.1 Phase 1: Beschreibung der Lage der Gefangenen
3.2 Phase 2: Die Befreiung
3.3 Phase 3: Aufstieg zum Licht
3.4 Phase 4: Abstieg zurück in die Höhle

4 Ausbildung zum Philosophen

5 Zusammenfassung

6 Anhang

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die nachfolgende Arbeit widmet sich dem Höhlengleichnis von Platon, eines der bekanntesten Gleichnisse aus der Antike. Es ist im siebten Buch seines Werkes Politeia erschienen. Der Text ist in einer Art Dialogform geschrieben, es wird somit ein Gespräch zwischen Sokrates und Glaukon nachgestellt.

„In diesem Text aus der ‚Politeia’ deutet sich in besonderem Maße wie sonst kaum in den Dialogen ein systematisches Gefüge der Lehre Platons an. Darum verlangt gerade in der heutigen Situation der Platonforschung dieser Text besondere Aufmerksamkeit.“

(Klaer, 1969, S. 3)

Um auf das Höhlengleichnis ausreichend hinzuführen, werde ich zuerst sein Leben und die bedeutendsten Werke näher darstellen. Der Lebensweg von Platon zeigt dabei deutlich wie seine philosophische Ausrichtung zustande kam.

Im Hauptteil meiner Arbeit beschreibe ich das Höhlengleichnis näher, während es in vier verschiedene Phasen aufgegliedert ist, welche ich jeweils interpretiere. Diese Phasen bestimmte Martin Heidegger in seinem Buch „Vom Wesen der Wahrheit – Zu Platons Höhlengleichnis und Theätet“ (1988). Andere Philosophen haben dagegen das Höhlengleichnis nur in drei Teile eingeteilt[1], jedoch ist die vierteilige Gliederung meiner Meinung nach effektiver und zeigt mehr Interpretationsspielraum.

Da das Höhlengleichnis den Bildungsweg eines Philosophen verdeutlicht, wende ich mich im danach folgenden Teil der, nach Platons Ansicht, bestmöglichen Ausbildung zum Philosophen zu, sowie den damit verbundenen Aufgaben.

Abschließend fasse ich meine gewonnenen Erkenntnisse zusammen.

2 Platon

Platon ist einer der bekanntesten griechischen Philosophen und ist 427 v. Chr. in Athen oder Agina geboren. Er entstammt einer reichen, adeligen Familie. (vgl. Erler, 2007, S. 41) Das Todesjahr ist jedoch nicht einheitlich überliefert, wird aber auf die Jahre 348/47 v. Chr. geschätzt.

Sein Lehrmeister und philosophisches Vorbild wurde im Alter von 20 Jahren dann Sokrates. Dieser beeinflusste ihn maßgeblich in seinem Denken, sodass in seinen Dialogen oftmals die Rolle des Sokrates zu finden ist.

Platon verließ Athen häufig und unternahm viele Reisen, welche seine Schriften vor allem im Alter beeinflussten, so wendete er sich später vermehrt der Naturphilosophie und Kosmologie zu.

Im fortgeschrittenen Alter gründete er außerdem die „Platonische Akademie“, da er es als seine Aufgabe ansah, Schüler nach einem festen Plan und philosophischen Lehrmodell zu unterrichten.

Diese konkreten Informationen über sein Leben sind in seinen Werken kaum zu finden. Sie basieren dabei eher auf historischen Überlieferungen.

„Seine Philosophie will der Weg zur Wahrheit sein und damit zugleich der Weg zum Guten im privaten und öffentlichen Leben.“ (Hirschberger, 1965, S. 73) Diese Einstellung ist in seinen Werken deutlich erkennbar und gipfelt dabei in der Politeia, in welchem auch das Höhlengleichnis geschrieben steht. Hier ist die Idee des Guten das oberste Ziel und es wird die Ausbildung von Philosophen und die Bildung eines gerechten Staates in diesem Zusammenhang erklärt. Die Politeia ist sein Hauptwerk und es wird „[...] faktisch [...] die gesamte Philosophie zur Sprache gebracht.“ (Hirschberger, 1965, S. 75) Insgesamt wurden 34 Dialoge überliefert, die der Nachwelt noch bis in die heutige Zeit philosophische Denkanstöße geben und die, wie das Höhlengleichnis, zeitlos überliefert werden können.

Doch Angaben zu seiner Person und seinen menschlichen Errungenschaften und Taten zur damaligen Zeit sollten nicht unhinterfragt aufgenommen werden. „Alle erhaltenen Viten zeichnen sich durch den Versuch aus, Platons Person zu überhöhen [...].“ (Erler, 2007, S. 37)

3 Das Höhlengleichnis

Das Höhlengleichnis, welches im siebten Buch der Politeia erschien, wird in seiner Entstehung auf das Jahr 370 v. Chr. geschätzt. Es zog eine große Entwicklung in der Erkenntnistheorie nach sich, denn es „[...] weist einen solchen Reichtum verschiedener Züge auf, dass man in ihm ein compendium Platonicum vermuten kann [...].“ (Klaer, 1969, S. 5)

Platon beschreibt wie verschiedene Menschen in einer Höhle gefesselt sitzen und auf die vor ihnen liegende Höhlenwand schauen. Sie kennen nichts anderes, da sie seit ihrer Kindheit dort festgebunden sind. Hinter ihnen befindet sich eine Mauer und dahinter brennt ein Feuer. Nun gehen Leute mit verschiedenen Gegenständen hinter der Mauer entlang und diese Gegenstände werfen Schatten auf die vor ihnen liegende Höhlenwand. Dazu kommen die Geräusche, welche die Träger von sich geben. Die Gefangenen werden diese Schattenbilder und Geräusche wohl für die wahre Welt halten, meint Platon.

Doch was würde passieren, „wenn einer entfesselt und genötigt würde, plötzlich aufzustehen, den Hals umzudrehen, herumzugehen, in das Licht zu sehen [...]?“ (Platon, nach Übersetzung von Wiegand, S. 515) Die Menschen und Gegenstände würden wohl weniger wahr erscheinen. Geht man noch weiter und zerrt einen Gefangenen an die Oberfläche und das Sonnenlicht, so wird er wohl zuerst geblendet sein, doch später erkennen, dass die Schatten eine Illusion waren. Er würde sein altes Leben nicht mehr aufnehmen und stattdessen den Gefangenen die Wahrheit berichten wollen. Er wird dann jedoch als Spinner abgetan „und wenn er sich gar erst unterstände, sie zu entfesseln und hinaufzuführen, würden sie ihn nicht ermorden [...]?“ (Platon, nach Übersetzung von Wiegand, S. 517)

Da das Höhlengleichnis sehr bildlich beschrieben wurde, entstanden in verschiedenen Epochen grafische Darstellungen um die Verständlichkeit zu erleichtern.[2] Dort sind meist drei Ebenen zu erkennen: Die Welt der Höhlenbewohner, das Feuer hinter der Mauer und die Oberfläche im Sonnenlicht. Die Ebenen spielen jedoch eher eine untergeordnete Rolle, während die Übergänge zwischen den Ebenen eine tiefergehende Betrachtung erfordern.

Ich teile dabei die Meinung das Höhlengleichnis in vier Abschnitte zu gliedern. Diese vier Phasen (nach Heidegger) werde ich nun näher beleuchten und einen Interpretationseinblick geben. Die verschiedenen Stadien zeigen, „[...] dass wissenschaftliche und vor allem philosophische Erkenntnis nicht auf einmal gewonnen wird, sondern stufenweise voranschreitet.“ (Bormann, 2001, S. 59)

3.1 Phase 1: Beschreibung der Lage der Gefangenen

Diese erste Phase beschreibt die genaue Lebenslage und zeigt, dass die Gefangenen keine Ahnung von einer existierenden Außenwelt haben. Sie müssen die Schatten für das Wahre halten. „Platon sagt uns nicht genau, wofür diese Schatten im Gleichnis stehen.“ (Klaer, 1969, S. 32) Erkennbar ist jedoch, dass die Schatten nicht für die Realität stehen, sondern ein Abbild der Realität darstellen. Es sind deshalb nur Bilder, an die sich die Höhlenbewohner „gewöhnt“ haben und für diese real scheinen.

„Was die Menschen da unverborgen vor sich haben, ist für sie kein Schein von irgendetwas anderem, sondern sie würden gar nicht zögern, ohne weiteres das vor ihnen als [...] das Seiende anzusprechen, - gesetzt nämlich, sie könnten sich untereinander über das Gegebene bereden.“

(Heidegger, 1988, S. 27)

[...]


[1] „Das Höhlengleichnis gliedert sich in drei Abschnitte .“ (Klaer, 1969, S. 5)

[2] siehe neueres Bild im Anhang S. 13 (aus dtv Atlas zur Philosophie, S. 40)

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Phasen von Platons Höhlengleichnis und der Ausbildungsweg eines Philosophen
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Politik als Kunst oder Politik als Wissenschaft?
Note
3,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V150428
ISBN (eBook)
9783640614332
ISBN (Buch)
9783640614400
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platon, Antike, Philosophie, Athen, Philosophen, Aristoteles, Sokrates, Philosophenschule, Gelehrte, Sonnengleichnis, Ausbildung, Lehrmeister, philosophisch, Politeia, Höhlengleichnis, Altertum, Gleichnis, Griechenland, Sonnengleichniis
Arbeit zitieren
Andy Kujath (Autor), 2010, Die Phasen von Platons Höhlengleichnis und der Ausbildungsweg eines Philosophen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150428

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