Zusammenhang zwischen Päderastie und Krieg in der Antike


Seminararbeit, 2010
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Grundlage für die Päderastie und ihren Zusammenhang zum Krieg
2.1. Von der Liebe
2.2. Zusammenhang zwischen Liebe und Krieg

3. Päderastie und Kriegsführung
3.1. Die Knabenliebe im Krieg
3.2 . Päderastie- und Militärgrundlagen in der ersten Phase der Erziehung

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Einmal verliebt sein. Die Sterne nicht nur vom Himmel holen, sondern sie als Leuchten in das eigene Herz bannen. Eine Zeit, in der jeder Moment doch am liebsten Tage dauern soll, aber gerade weil er so schön ist, verfliegt er wie eine Feder, die von einer sommerlichen Brise ergriffen wird. Hormone jagen durch den Körper und beflügeln uns zu den hervorragendsten Taten. Wer schon einmal wirklich liebte, sagt die Wort: „Ich würde alles für dich tun.“ nicht einfach nur als leere Phrase. Er meint sie so ernst, wie seine Gefühle. Wen wundert es da, dass den Griechen in antiken Zeiten nachgesagt wird, sie hätten ihre Sitte der Knabenliebe verbunden mit ihrer Kriegsführung. Denn wer könnte denn ein besserer Soldat sein, als derjenige, der bereit ist alles zu tun für den Soldaten neben sich?!

In dieser Arbeit noch einmal das Basiswissen über die Knabenliebe zu behandeln, wie zum Beispiel die einzelnen Sitten der Werbung, wäre müßig und würde den Rahmen sprengen. Vielmehr soll hier eine Art Grundlagenforschung betrieben werden. Fragen nach ihrer Mitwirkung am Erfolg des Krieges oder nach ihrem konkreten Auftreten in verschiedenen Gesellschaften, sind sehr spezifisch und somit in nur allzu kurze Antworten zu bannen. Die Frage nach dem Zusammenhang ist hier demnach mit Absicht gewählt worden, da diese Fragestellung eigenständige Schlussfolgerungen und Deutungen der Thematik in Bezug auf die antiken Quellen zulässt, ohne einfach nur nackte Ereignisse aufzuzählen und ihre Ergebnisse ohne Wertung zu betrachten.

Da die Verbindung von Päderastie und Kriegsführung im antiken Griechenland oft aufgestellt und mindestens ebenso oft widerlegt wurde[1], soll die Arbeit einzelne Bereiche nach ihrer Wahrscheinlichkeit für diese Verknüpfung hin untersuchen, um so ein beständigeres Fundament für spätere Argumentationen zu liefern. Um dem nachzugehen, sind hier mehrere Herangehensweisen gewählt worden. Zu Beginn findet man die Konfrontation mit der reinen Logik der Päderastie. Abgesehen von dem Argument: „Ja, es gab sie!“, sollen hier Hintergründe untersucht werden, um zu belegen, dass es in der antiken Gesellschaft Platz gab für diese gleichgeschlechtliche Tradition. Dies dient als Grundlage, um im Anschluss auf das eigentliche Thema dieser Arbeit hinzuleiten, indem mit Hilfe antiker Quellen geklärt wird, wie sich die Liebe zweier Menschen in päderastischer Hinsicht verbinden lässt mit dem Gebiet der Kriegsführung. Für diese beiden Themenkomplexe dient vor allem Homers Werk „Ilias“ als maßgeblicher Beleg.

Um schließlich im weiteren Verlauf die direkte Untersuchung der Verbindung zwischen der Päderastie und der Kriegsführung durchzuführen, musste dieses weite Feld auf einen Hauptthemenkomplex reduziert werden. Es wird also für die Hauptuntersuchung das Beispiel Spartas genommen, um auf diesem Gebiet Erkenntnisse zu gewinnen. Da die Grundlagen der Päderastie bereits in der Jugend liegen, wird hierbei die Erziehung der Jünglinge betrachtet, wofür vor allem die Untersuchungen Stefan Links eine gute Grundlage bieten.

Die Forschung wird hier noch einige Aufgaben zu meistern haben, denn immerhin stützen sich viele unserer Erkenntnisse über die Antike noch auf Epen und lyrische Werke, welche nicht gerade den Anspruch erheben, die Wirklichkeit detailgetreu abzubilden. Doch der Historiker muss tun, was immer er kann, um den Nebel, der über vergangenen Zeiten liegt, zu lüften.

2. Die Grundlage für die Päderastie und ihren Zusammenhang zum Krieg

2.1. Von der Liebe

„Die einzig wahrhafte Liebe war die Liebe zum Knaben.“[2] Eine gewagte These, wenn man betrachtet, dass die Verbindung zwischen Mann und Frau doch schon immer die Grundlage menschlicher Fortpflanzung darstellt und oft mit Gefühlen für den jeweils anderen verbunden ist. Doch was bedeutet dies im Einzelfall?

Nicht zu bestreiten ist, dass es die Ehe, oder zumindest eine Form davon, in der griechischen Antike wirklich gegeben hat und zwar ausschließlich zwischen Mann und Frau.[3] Und ebenso unbestreitbar sind heterosexuelle Liebespaare, ja gar Traumpaare, wie Paris und Helena sowie die Helena als Frau, nach der sich mehr als nur ein Mann verzehrt.[4] Darüber hinaus finden sich zum Beispiel bei Homers Ilias Aussprüche des Achilleus darüber, dass er Briseis wirklich geliebt hat.[5] Das letzte Argument hier soll darstellen, dass eine zweite Heirat in der damaligen Zeit, eher die Ausnahme gebildet hat,[6] was darauf hindeutet, dass die Ehe als Entscheidung für das Leben einen gewissen Bestand hatte. Dies bestätigt sich vor allem dann, wenn man beachtet, dass sich nach Carola Reinsberg erst durch Zärtlichkeit und wirkliche Zuneigung das Ideal der Ehe erfüllt.[7]

Jedoch, Zeichen der Liebe müssen dies nicht unbedingt sein. Denn die Ehe als Definition war nie Gegenstand der Antike. Es war mehr eine Sitte, die in Kraft trat mit dem Eintritt des einen Partners in den Haushalt des anderen.[8] Die Liebespaare in der Antike haben existiert, doch kann sich bei bestimmten Beispielen diese Liebe auch nur auf den rein körperlichen Akt bezogen haben. Paris kannte Helena erst sehr kurze Zeit und die Art wie Hektor über ihn spottete und ihn verfluchte, zeigt, dass es für Paris nicht üblich war, derart große Liebe zu einer einzigen Frau zu empfinden.[9] Als „weibsüchtiger, schlauer Verführer“[10] der hätte sterben sollen, „eh‘ […] [er] um Weiber gebuhlt“[11]. Dies sind eindeutig Ausdrücke dafür, dass der junge Paris nicht nur schon mehrere Frauen hatte, sondern auch schon offenbar mehreren verfallen war, was schon öfter zu Problem geführt hat. Somit könnte auch die Liebe zu Helena nur eine durch Lust bestimmte Laune auf Zeit sein, womit generell Hektors enorme Wut über seinen Bruder erklärt wäre. Sehen wir nun auf die andere Seite der trojanischen Mauer zu Achilleus und seinen Liebesbekundungen für Briseis, so sollte man weiterlesen. Der Krieger redet davon sie im Kampf erbeutet zu haben und bezeichnet sie als seinen „Sieg[e]slohn“[12]. Darüber hinaus ist er durch Agamemnons Raub der Schönen so in seinem Stolz verletzt, dass er schmollend den Kampf abbricht, aber mit keiner Silbe erwähnt, seine „Geliebte“ zu erretten.[13] Diese Zeilen sind kein Zeugnis von Liebe. Es ist Stolz und Ehre. Briseis ist ihm nicht im Herzen wichtig, sie ist eine Trophäe. Das letzte Argument wäre die Ehe fürs Leben, zumindest im Regelfall. Nie soll behauptet werden, keine Ehe der Antike sei von Liebe. Das wäre anmaßend. Doch davon abgesehen, dass es wohl als leicht naiv angesehen werden könnte, dass beinahe alle Menschen der Antike gleich in der ersten Liebe auch die Liebe fürs Leben gefunden hätten, sind noch andere Gründe für eine geringe Trennungsrate zu finden. Die Wahrung des ungeteilten Besitzes in der nächsten Generation, die Ehe als Sicherung der Altersvorsorge in Form von Betreuung des einen Partners, wenn sein Körper ausgelaugt ist. Auch stand oft sicher der Wille der Eltern hinter einer Ehe, wie Achilleus Aussage, dass sein Vater ihn verheiraten würde, zeigt.[14] Dann bleibt noch zu erwähnen, dass ein Grund für seltene Trennungen sicher noch die Mitgift gewesen sein könnte, die „Hedna“, welche bei der Beendigung einer Ehe zurückgezahlt werden musste, was für den ein oder anderen den wirtschaftlichen Ruin bedeutet hätte.[15]

An dieser Stelle soll noch einmal ausdrücklich gesagt sein, dass dieses Kapitel nicht aussagen will, dass es keine Liebe und keine glückliche und rechtmäßige Ehe im antiken Griechenland gegeben hat. Es ist sogar sicher, dass diese Aussage völlig falsch wäre. Es sollte lediglich bewiesen werden, dass selbst in einer rein heterosexuellen und in der Regel monogamen Gesellschaft der Antike Frauen in Einzelbeispielen nur ein körperliches Lustobjekt waren und somit Platz war für die wirkliche innere Knabenliebe.

[...]


[1] Z.B. vgl. Zu Xenophons Symposium: Huss, Bernhard: Xenophons Symposium. Ein Kommentar, Stuttgart/Leipzig 1999, S. 415. & vgl. Plato: Symposium, hrsg. von Harvard University Press, übers. von Harold N. Fowler, [178d-179a] London 1925. & Link, Stefan: Der geliebte Bürger. Paideia und paidika in Sparta und auf Kreta, in: Philologus 143 (1999), Seite 3-25, S. 17.

[2] Reinsberg, Carola: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland, München 1993, S. 164.

[3] Vgl. Ebenda, S. 13.

[4] Vgl. Homer: Ilias, hrsg. von DigBib: Die freie digitale Bibliothek, übers. von Johann Heinrich Voß, Dritter Gesang, o.O. 2008, S. 40-50.

[5] Vgl. Ebenda, Neunter Gesang [342-343], S. 131.

[6] Vgl. Reinsberg, Carola: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland, München 1993, S. 17.

[7] Vgl. Ebenda, S. 14.

[8] vgl. Ebenda, S. 15-17. & Vgl. Homer: Ilias, hrsg. von DigBib: Die freie digitale Bibliothek, übers. von Johann Heinrich Voß, Neunzehnter Gesang [295-299], o.O. 2008, S. 296.

[9] Vgl. Homer: Ilias, hrsg. von DigBib: Die freie digitale Bibliothek, übers. von Johann Heinrich Voß, Dritter Gesang [38-57], o.O. 2008, S. 41.

[10] Ebenda, Dritter Gesang [39], S. 41.

[11] Ebenda, Dritter Gesang [41], S. 41.

[12] Ebenda, Neunter Gesang [343-344], S. 131.

[13] Vgl. Ebenda, Neunter Gesang [343-364], S. 131-132.

[14] Vgl. Ebenda, Neunter Gesang [394], S. 133.

[15] Vgl. Reinsberg, Carola: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland, München 1993, S. 17-18.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zusammenhang zwischen Päderastie und Krieg in der Antike
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Geschichte)
Veranstaltung
Die griechische Knabenliebe
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V150436
ISBN (eBook)
9783640618071
ISBN (Buch)
9783640617661
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Dozentin lobte die Arbeit und merkte gleichzeitig an, dass sie sehr erfrischend geschrieben sei.
Schlagworte
Griechenland, Päderastie, Knabenliebe, Krieg, Ilias, Sparta, Antike
Arbeit zitieren
Jan Seichter (Autor), 2010, Zusammenhang zwischen Päderastie und Krieg in der Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150436

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