1. Einleitung
„Ich will mich aus eigener Kraft bewähren, ich will das Risiko selbst tragen, will für mein Schicksal selbst verantwortlich sein. Sorge du,Staat, dafür, dass ich dazu in der Lage bin.“ (Ludwig Erhard,1957).
Diese Anforderung, wie sie Ludwig Erhard formuliert hat, stellt einen Staat vor eine große Herausforderung. Im Laufe der Zeit und insbesondere der unterschiedlichen politischen Entwicklungen und der damit verbundenen Gestaltung der Sozialversicherungen in den verschiedenen Ländern, haben sich um dieser Forderung nachzukommen, verschiedenste Systeme der sozialen Sicherung entwickelt. Je nach Zielsetzung des jeweiligen Staates können die Charakteristika eines Sozialstaats stark oder auch weniger stark ausgeprägt sein und von Land zu Land stark variieren. Die Frage die daher aufkommt ist zunächst jene nach den Möglichkeiten einer
aussagekräftigen Typisierung einzelner Wohlfahrtsstaaten, sowie auch den Ausgestaltungsmöglichkeiten der einzelnen Typen in der Realität.
In der vorliegenden Arbeit sollen daher zunächst verschiedene Sozialstaatsmodelle, wie sie der dänische Politikwissenschaftler und Soziologe, Gøsta Esping-Andersens formuliert hat, erläutert werden. Des Weiteren wird ein internationaler Vergleich zwischen Deutschland, England und Schweden bezüglich der Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung sowie der Rentenversicherung
durchgeführt.
2. Begriffsdefinition: Sozialstaat
Für den in der Literatur häufig beschriebenen Sozialstaat wird oft der Terminus „Wohlfahrtsstaat“ verwendet. Dabei handelt es sich aus international vergleichender Sicht
...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition: Sozialstaat
3. Varianten des Wohlfahrtsstaats
3.1 Hintergründe der Typisierungen nach Esping-Andersen
3.1.1 De-Kommodifizierung
3.1.2 Stratifizierung
3.2 Typologien des Wohlfahrtsstaats nach Esping-Andersen
3.2.1 Der liberale Wohlfahrtsstaat
3.2.2 Der konservative Wohlfahrtsstaat
3.2.3 Der sozialdemokratische Wohlfahrtsstaat
3.2 Reale Wohlfahrtsstaatstypen
3.2.1 Der liberale Wohlfahrtsstaat am Beispiel Englands
3.2.2 Der konservative Wohlfahrtsstaat am Beispiel Deutschlands
3.2.3 Der sozialdemokratische Wohlfahrtsstaat am Beispiel Schwedens
3.4 Der rudimentäre Wohlfahrtsstaat
4 Der Sozialstaat im internationalen Vergleich nach Bereichen
4.2 Arbeitslosenversicherung
4.3 Krankenversicherung
4.4 Rentenversicherung
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, verschiedene Modelle des Wohlfahrtsstaates auf Basis der Typologie von Gøsta Esping-Andersen theoretisch zu erläutern und anschließend einen praktischen Vergleich zwischen den Sozialsystemen Deutschlands, Englands und Schwedens durchzuführen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Ausgestaltung in den Bereichen Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung.
- Grundlagen der Wohlfahrtsstaatstypisierung nach Esping-Andersen
- Analyse der Dimensionen De-Kommodifizierung und Stratifizierung
- Internationaler Vergleich der Arbeitslosenversicherung
- Untersuchung der Systeme der Krankenversicherung
- Vergleich der Rentenversicherungssysteme (Bismarck- vs. Beveridge-Modell)
Auszug aus dem Buch
3.1.1 De-Kommodifizierung
Der Begriff der Dekommodifizierung leitet sich von der Kommodifizierung her, welche für das „zur Ware machen“ (commodity = Ware) von menschlicher Arbeit steht. Die Dekommodifizierung (Esping-Andersen, 1990, 21ff) beschreibt dann das Ausmaß, in dem der Wohlfahrtsstaat dem Einzelnen ein Leben unabhängig vom Markt und hier dann insbesondere unabhängig von Erwerbsarbeit, ermöglicht. Wobei nur die Existenz von Sozialleistungen nicht ausreicht, um von einer dekommodifizierenden Wirkung zu sprechen. Genauso wenig ist es möglich, rein am Ausgabenniveau den Grad der Dekommodifizierung zu messen. Nach Esping-Andersen sind für den Grad der Dekommodifizierung vielmehr drei Aspekte (Esping-Andersen, 1990, 47) ausschlaggebend:
1. die Regeln, nach denen Leistungen vergeben werden
2. die Höhe der Einkommensersatzleistungen
3. Umfang der sozialen Rechte
Folglich beruht ein Anstieg der dekommodifizierenden Wirkung eines Sicherungssystems auf steigender Höhe der Einkommensersatzleistungen, auf steigender Bezugsdauer von Leistungen und auf abnehmender Restriktivität des Zugangs zu Leistungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Herausforderung der sozialen Sicherung vor den Hintergrund der politischen Entwicklung und führt in das Ziel der Arbeit ein, Wohlfahrtsstaaten zu typisieren und international zu vergleichen.
2. Begriffsdefinition: Sozialstaat: Dieses Kapitel definiert den Begriff Wohlfahrtsstaat nach Harry Girvetz als institutionellen Ausdruck der gesellschaftlichen Verantwortung für das Wohlergehen der Bürger.
3. Varianten des Wohlfahrtsstaats: Hier wird der theoretische Rahmen nach Esping-Andersen entwickelt, einschließlich der zentralen Kriterien De-Kommodifizierung und Stratifizierung sowie der Abgrenzung von liberalen, konservativen und sozialdemokratischen Regimen.
4 Der Sozialstaat im internationalen Vergleich nach Bereichen: Das Kernkapitel vergleicht detailliert die Ausgestaltung der Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung in Deutschland, England und Schweden unter Berücksichtigung von Finanzierung und Leistungen.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Typisierung nach Esping-Andersen in der Realität zwar Mischformen aufweist, aber dennoch eine valide Vergleichsgrundlage bietet, wobei das schwedische Modell als leistungsstarkes Beispiel hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Sozialstaat, Wohlfahrtsstaat, Esping-Andersen, De-Kommodifizierung, Stratifizierung, Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung, Rentenversicherung, Bismarck-Modell, Beveridge-Modell, soziale Sicherung, internationaler Vergleich, Lebensstandardsicherung, Grundsicherung, Sozialpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Ausprägungen von Wohlfahrtsstaaten und vergleicht diese anhand ausgewählter nationaler Beispiele.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die theoretische Typisierung von Sozialstaaten sowie die praktische Anwendung dieser Typen auf die Systeme in Deutschland, England und Schweden.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, zu zeigen, wie unterschiedliche Wohlfahrtsstaatsmodelle soziale Risiken abdecken und wie sich diese Systeme in der Realität voneinander unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die vergleichende Analyse auf Basis der Wohlfahrtsstaatstheorie von Gøsta Esping-Andersen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Versicherungssystemen (Arbeitslosigkeit, Krankheit, Rente) der gewählten Länder und deren Finanzierungs- sowie Leistungsstrukturen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wohlfahrtsstaat, De-Kommodifizierung, soziale Sicherung, Stratifizierung und der internationale Vergleich der Renten- und Gesundheitssysteme.
Inwiefern hat die Hartz-IV-Reform die Typisierung Deutschlands verändert?
Die Arbeit stellt fest, dass durch die Einführung von Hartz IV ein Schritt weg vom konservativen Modell hin zu liberalen Charakteristika wie der einkommensunabhängigen Grundsicherung vollzogen wurde.
Wie unterscheidet sich das schwedische vom deutschen Rentensystem?
Während Deutschland stark dem beitragsfinanzierten Bismarck-Modell folgt, nutzt Schweden ein System, das durch eine Kombination aus Grund- und Zusatzrente eine stärkere Universalität und Unabhängigkeit vom Beschäftigungsverhältnis anstrebt.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Bismarck- und Beveridge-Modell eine wichtige Rolle?
Diese Unterscheidung ist zentral, um die verschiedenen Finanzierungsphilosophien (beitragsfinanziert vs. steuerfinanziert/versorgungsbasiert) der betrachteten Länder zu verstehen.
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- Kant Tatjana (Author), 2010, Typisierungen des Sozialstaats, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150447