Das sportwissenschaftliche Lexikon definiert Bewegung als „Ortsveränderung eines Körpers oder einzelner seiner Teile im Verhältnis zur Zeit“ und erforscht vor allem die damit
zusammenhängenden motorischen Bedingungen.(1)
Biologisch gesehen beruht aktive Bewegung auf „Energiefreisetzung durch den Stoffwechsel des Organismus“(2)
Wenn wir nun aber genauer hinsehen, stellen wir fest, dass die menschliche Bewegung nicht nur eine „Orts- und Lageveränderung“ ist, sondern sie immer auch ihren Sinn und ihre Beweggründe hat.
Hiermit nähern wir uns nun der phänomenologischen Sichtweise, die ganzheitliche Bewegungshandlungen im Sinnzusammenhang des Lebens eines Menschen beschreibt und erklärt. Die Erlebnisgehalte der Bewegung, ihre Ausdruckskraft und ihr dynamischer Ablauf
werden bei dieser Betrachtung eine größere Bedeutung beigemessen, als die physikalische Raum-Zeit-Korrelation.(3)
Bewegung ist aus dieser Sichtweise zum einen „Vermittlung zur Welt“, wir wenden uns durch das Medium Bewegung der Welt –dazu gehören Situationen, Personen, Dinge-, zu; zum anderen ist sie „Wahrnehmung der Welt“, wir erfahren, erleben und erkennen durch sie.
Hierbei liefert uns die Haut, unsere kinästhetischen Sinne, unser Orts- und Gleichgewichtssinn, unser Sehen und Hören viele Eindrücke, Informationen, Erfahrungen und auch Einsichten über unsere Umwelt und über uns selbst im Zusammenhang mit ihr.(4)
„Bewegung ist eine Art ‚Doppel-Medium‘, sie ist ein ‚Organ‘ der Erfahrung und ein ‚Instrument‘ der Gestaltung in einem; das heißt, sie ‚vermittelt‘ uns an unsere Mit- und Umwelt und diese umgekehrt an uns.“(5)
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1 Vgl. Röthig, P. „Sportwissenschaftliches Lexikon“, Schorndorf 1977
2 Vgl. Brockhaus GmbH „dtv-Lexikon“, München 1999
3 Vgl. Größing, Stefan „Bewegungskultur und Bewegungserziehung“, Schorndorf 1993, S. 82
4 Vgl. Grupe, Ommo: „Bewegung, Spiel und Leistung im Sport. Grundthemen der Sportanthropologie, Schorndorf 1982, S.72,73
5 Grupe, Ommo: „Bewegung, Spiel und Leistung im Sport. Grundthemen der Sportanthropologie, Schorndorf 1982, S.72
Inhaltsverzeichnis
1. Bewegung
1.1 Grundsätzliches zur Bewegung
1.2 Bewegung als anthropologisch begründbares Grundbedürfnis von Kindern
2. Sensomotorik
2.1 Sinne und Wahrnehmung
2.2 Entwicklung und Bedeutung der Wahrnehmung
3. Humanistisches Menschenbild
3.1 Beschreibung des der Arbeit zugrunde liegenden Menschenbildes
4. Bedeutungsaspekte der Bewegung für die Entwicklung von Kindern
4.1 Entwicklungsbegriff
4.2 Entwicklung der Persönlichkeit
4.3 Ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung
4.4 Entwicklung des Selbstkonzepts
4.5 Gesundheit und Wohlbefinden
4.5.1 Emotionales Empfinden
4.5.2 Der körperlich- gesundheitliche Aspekt
4.6 Kognitive Entwicklung
4.7 Soziale Entwicklung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Bedeutung von körperlichen und motorischen Erfahrungen für die kindliche Entwicklung aus einer anthropologischen und humanistischen Perspektive. Sie zielt darauf ab, den engen Zusammenhang zwischen Bewegung, Wahrnehmung und der kindlichen Persönlichkeitsbildung aufzuzeigen und dabei die Bedeutung einer ganzheitlichen Erziehung in der heutigen Zeit zu begründen.
- Anthropologische Grundlagen des Bewegungsbedürfnisses von Kindern
- Die Rolle der Sensomotorik und Sinneswahrnehmung
- Das humanistische Menschenbild als Basis für Bewegungserziehung
- Entwicklungspsychologische Bedeutung des Selbstkonzepts und der Identitätsbildung
- Zusammenhang zwischen Bewegung, Gesundheit und emotionalem Wohlbefinden
Auszug aus dem Buch
Die instrumentelle Bedeutung
Mit seiner Bewegung kann der Mensch etwas erreichen, herstellen, ausdrücken, darstellen und durchsetzen, aber auch erfahren, erproben und verändern. „Bewegung wird im Alltag, im Sport, im Arbeitsleben und im sozialen Umgang mit anderen funktional und instrumentell benutzt, als eine Art ‚Werkzeug‘, um etwas zu erreichen, durchzusetzen, herzustellen.“
Die instrumentelle Bedeutung ist in einem gewissen Sinne für alle anderen Bewegungsbedeutungen grundlegend.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bewegung: Dieses Kapitel definiert Bewegung als ein anthropologisches Grundbedürfnis und untersucht sie aus einer phänomenologischen Sichtweise als Medium der Weltbegegnung.
2. Sensomotorik: Hier wird die fundamentale Bedeutung der verschiedenen Sinne und deren Zusammenwirken für das Lernen und die Wahrnehmungsentwicklung bei Kindern erläutert.
3. Humanistisches Menschenbild: Das Kapitel legt die theoretische Basis der Arbeit dar, die den Menschen als aktives, selbstbestimmtes und handelndes Subjekt in den Mittelpunkt stellt.
4. Bedeutungsaspekte der Bewegung für die Entwicklung von Kindern: Dieser Hauptteil verknüpft die Konzepte von Entwicklung, Selbstkonzept und Gesundheit mit der Rolle der Bewegung, wobei der Schwerpunkt auf der ganzheitlichen Persönlichkeitsentfaltung liegt.
Schlüsselwörter
Bewegung, kindliche Entwicklung, Sensomotorik, Wahrnehmung, humanistisches Menschenbild, Selbstkonzept, Gesundheit, Wohlbefinden, Ganzheitlichkeit, Psychomotorik, Identitätsbildung, Bewegungsdrang, Selbstwirksamkeit, Entwicklungspsychologie, Körpererfahrung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die zentrale Rolle von Körper- und Bewegungserfahrungen für die gesunde Entwicklung, Reifung und Persönlichkeitsbildung von Kindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die anthropologische Bedeutung von Bewegung, die Funktion der Sensomotorik, das humanistische Menschenbild sowie spezifische Entwicklungsaspekte wie Selbstkonzept, Gesundheit und Kognition.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Bewegung weit mehr als nur körperliche Betätigung ist, sondern eine unverzichtbare Voraussetzung für die ganzheitliche Entwicklung des Kindes darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Zusammenführung wissenschaftlicher Ansätze, insbesondere aus der Sportpädagogik, Entwicklungspsychologie und der humanistischen Psychologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den verschiedenen Bedeutungsdimensionen der Bewegung, dem Aufbau des Selbstkonzepts, der kognitiven Entwicklung (unter Einbeziehung von Piagets Theorien) sowie der sozialen Entwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Ganzheitlichkeit, Körper-Ich, Selbstwirksamkeit, Bewegungsdrang und Sensomotorik bilden das inhaltliche Kerngefüge der Publikation.
Welche Rolle spielt die „Integration der Sinne“ in dieser Arbeit?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Integration der verschiedenen Sinnesreize durch körperliche Aktivitäten eine Grundvoraussetzung für die kognitive Entwicklung und die Orientierung des Kindes in seiner Umwelt ist.
Wie begründet die Autorin die Notwendigkeit von Bewegung in der Schule?
Unter Verweis auf anthropologische und pädagogische Erkenntnisse kritisiert die Autorin die Unterdrückung des natürlichen Bewegungsdranges durch zu viel sitzendes Lernen und fordert eine ganzheitliche Erziehung, die Kopf, Herz und Hand gleichermaßen anspricht.
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- Natascha Finger (Author), Gerlinde Weinzierl (Author), 2001, Die kindliche Entwicklung. Bedeutung von Körper- und Bewegungserfahrungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1505