Die Enquiry concerning Human Understanding kann zu den bedeutendsten und einflussreichsten Werken der Philosophiegeschichte gezählt werden. So exponiert Kant, dem David Humes Erkenntniskritik den "dogmatischen Schlummer unterbrach" , in der Einleitung zu den Prolegomena anerkennend Humes Einfluss auf die eigene spekulative Philosophie, bewertet jedoch im gleichen Zuge dessen Folgerungen als „übereilt und unrichtig“. Hegel, der „in der Tat eine sehr subtile und tiefgreifende Kritik an Hume geübt hat“ schreibt: „Hume sieht die Notwendigkeit … ganz subjektiv in der Gewohnheit; tiefer kann man im Denken nicht herunterkommen.“ Schopenhauer hingegen lässt Hume durch folgende Bemerkung in einem ehrenwerten Licht erscheinen: „Aus jeder Seite von David Hume ist mehr zu lernen als aus Hegels, Herbarts und Schleiermachers sämtlichen philosophischen Werken zusammengenommen.“
Noch heute kann man der EHU aufgrund der Thematisierung bedeutender theoretischer und praktischer Probleme der Philosophie Aktualität und Relevanz bescheini-gen. Das Werk befasst sich mit erkenntnistheoretischen Gedanken, der Analyse der Willensfreiheit, dem Thema des Gottesbeweises und der Analyse der Vertrauenswürdigkeit von Wunderberichten.
Im Folgenden wird ein Teil des Klassikers aus Humes Oeuvre skizziert und reflektiert. Dabei wende ich mich hauptsächlich dem dreigliedrigen zwölften Abschnitt der EHU zu, in dem vor allem die Problematik des Skeptizismus behandelt wird. Das diesem Werk entnehmbare Skeptizismus-Verständnis Humes wird im Rahmen der vorliegenden Ausarbeitung nachgezeichnet und kommentiert. Außerdem wird der Frage nachgegangen, ob Hume das, was er dem extremen Skeptiker vorwirft, nicht selber praktiziert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Humes skeptische Betrachtung des Skeptizismus
Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit David Humes Auseinandersetzung mit dem Skeptizismus auseinander, wobei das Hauptaugenmerk auf dem zwölften Abschnitt der "Enquiry concerning Human Understanding" liegt, um zu untersuchen, wie Hume den Skeptizismus theoretisch einordnet und ob er selbst skeptische Positionen einnimmt.
- Analyse der verschiedenen Ausprägungen des Skeptizismus bei Hume
- Gegenüberstellung von antezedentem und konsequentem Skeptizismus
- Untersuchung der Abgrenzung Humes zum Pyrrhonismus
- Reflexion über Humes Rolle als Skeptiker und Pragmatiker
Auszug aus dem Buch
Humes skeptische Betrachtung des Skeptizismus
Das Schlusskapitel >Über die akademische oder skeptische Philosophie< der EHU eröffnet Hume mit der philosophisch vieldiskutierten Problematik des Beweises „für das Dasein einer Gottheit und die Widerlegung der Trugschlüsse der Atheisten“, um auf die Frage hinzuleiten: „Was versteht man unter einem Skeptiker? Und wie weit lassen sich diese philosophischen Prinzipien des Zweifels und der Unbestimmbarkeit treiben?“
Indem Hume den Skeptiker in Bezug auf den Atheisten als „anderen Feind der Religion“ bezeichnet, trifft er scheinbar implizit eine grundlegende Unterscheidung zwischen beiden, die man, da Hume es an dieser Stelle nicht explizit macht, im Humeschen Sinne unterstellen könnte: Der Skeptiker zweifelt an der Existenz Gottes wohingegen der Atheist von der Nicht-Existenz Gottes zweifelsfrei überzeugt ist. Hier findet also eine Abgrenzung des Skeptikers vom Atheisten statt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es erfolgt eine Hinführung zum Werk "Enquiry concerning Human Understanding" sowie die Darstellung der Forschungsfrage bezüglich Humes Verständnis und praktischer Anwendung des Skeptizismus.
Humes skeptische Betrachtung des Skeptizismus: Dieses Hauptkapitel analysiert Humes Differenzierung zwischen antezedentem und konsequentem Skeptizismus sowie seine kritische Abgrenzung gegenüber dem Pyrrhonismus im Kontext der menschlichen Entscheidungsfähigkeit.
Bibliographie: Dieses Kapitel listet die verwendeten Quellen und Forschungsliteratur auf.
Schlüsselwörter
David Hume, Skeptizismus, Enquiry concerning Human Understanding, Pyrrhonismus, Erkenntnistheorie, Antezedenter Skeptizismus, Konsequenter Skeptizismus, Zweifel, Vernunft, Urteilsfähigkeit, Pragmatismus, Philosophiegeschichte, Gottesbeweis, Wahrnehmung, Erkenntniskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die skeptische Philosophie von David Hume, insbesondere seine Analyse des Skeptizismus im zwölften Kapitel seiner Schrift "Enquiry concerning Human Understanding".
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Unterscheidung zwischen antezedentem und konsequentem Skeptizismus sowie die kritische Gegenüberstellung von Humes Position und dem radikalen Pyrrhonismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, Humes Skeptizismus-Verständnis zu kommentieren und der Frage nachzugehen, ob Hume in seiner eigenen Philosophie Elemente des extremen Skeptizismus praktiziert, die er anderen vorwirft.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine textanalytische Methode, indem er den zwölften Abschnitt der EHU skizziert, reflektiert und mit fachwissenschaftlicher Literatur (z.B. von Popkin) in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Skeptikers, der Abgrenzung zum Atheismus, der Analyse der Erkenntniskritik und der Frage, inwiefern Humes Ansatz eine pragmatische Lösung gegenüber dem selbstlähmenden Pyrrhonismus darstellt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Skeptizismus, Pyrrhonismus, Urteilsfähigkeit, Vernunftschluss, antezedenter und konsequenter Skeptizismus sowie Humes EHU.
Wie unterscheidet Hume zwischen der "vorhergehenden" und der "folgenden" Art des Skeptizismus?
Hume ordnet den antezedenten Skeptizismus als eine Form der notwendigen Vorbereitung der Forschung ein, während der konsequente Skeptizismus als Folge von Wissenschaft und Forschung entsteht und radikal das Unvermögen menschlicher Erkenntnis thematisiert.
Warum sieht Hume den Pyrrhonismus kritisch?
Hume kritisiert den Pyrrhonismus, weil dieser durch den Zweifel an jeglichen Entscheidungs- und Beurteilungsgrundlagen in die Handlungsunfähigkeit führt, während für Hume eine pragmatische Urteilsfähigkeit im Alltag essenziell ist.
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- M.A. Mathias Conrad (Author), 2008, Humes skeptische Betrachtung des Skeptizismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150511