Begriffs- und Gattungsgeschichte der Motette im 13. Jahrhundert


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
30 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Einleitung

Die vorliegende Arbeit ist als ein Beitrag zum Seminar über den Codex Las Huelgas[1] entstanden. Viele Fragen bezüglich der Begriffs- und Gattungsgeschichte der Motette sind noch nicht hinreichend geklärt; und mit diesem Aufsatz soll der Forschungsstand skizziert und ein Einblick in die Anfänge der Form gegeben werden. Da der Codex hauptsächlich Stücke älteren Stils beinhaltet, geht es auch darum, für die Interpretation dieser Stücke relevante Erkenntnisse zusammenzutragen. Die Ausführungen folgen die­ser Gliederung:

Nach einer kurzen Bestimmung der Herkunft der Bezeichnungen, die im 13. Jahr­hundert für Motetten gebraucht wurden, folgt im zweiten Kapitel eine Beschreibung der Gattung nach drei Gesichtspunkten. Auf einen kurzen Einblick in die Entstehung und erste Entwicklung der Motette wird der Versuch unternommen, eine möglichst vollstän­dige und systematische Gliederung der Voraussetzungen, unter denen die ersten Formen der Gattung entstanden, vorzustellen. Mit Hilfe einer solchen Systematik sollte es mög­lich sein, eine detaillierte Analyse der Beziehung einzelner Merkmale der Motetten zu den Rahmenbedingungen der Gattung anzufertigen. Um die Gattung als Ganzes fassen zu können und den Einzelwerken gerecht zu werden, werden danach noch zwei Mög­lichkeiten beschrieben , sich den Stücken zu nähern: eine taxonomische Herangehens­weise, die für die Gattung viele statistische und nützliche Ergebnisse zu liefern imstande ist, und eine interpretative, mit der ein Analyseinstrument für einzelne Stücke geboten wird. Einige Bemerkungen zu den Motetten des Codex Las Huelgas schließen im dritten Kapitel die Arbeit ab.

1. Entstehung des Begriffs

Die Entstehung des Begriffs motet (frz.) bzw. motetus (lat.) mit den Nebenformen motel und motellus[2] wurde von Rolf Dammmann in gründlicher Weise für die Musikwissen­schaft untersucht.[3] Unter Zuhilfenahme des FEW[4] stellt er drei mögliche Etymologien vor, von denen er die folgende für die wahrscheinlichste hält:

muttum (lat.) ­® mot (aprov., afrz.) ® motet (aprov., afrz.) ® motetus (latinisiert).

Mot (mit den Pluralformen moz (afrz.), mos (aprov.) und mots (frz.)) entstand also aus dem lateinischen muttum (‚Muckser’, ‚Laut’) und hatte seit um 1100 die nachweisbare Bedeutung ‚Wort’ oder auch ‚Ton’.[5] Für das späte 12. Jahrhundert lässt sich eine Bedeu­tungserweiterung feststellen. Mot kann nun auch „poetisch gefasster Text der strophischen Dichtung“, d. h. ‚Vers’ oder ‚Strophe’ bedeuten. Diese moz (mos) werden mit einer erfundenen Melodie vorgetragen.[6] Das ist wohl auch die Bedeutung der latinisierten Form bei dem Satz von Walter Odington (um 1300): „Et alia quidem species [...], que Motetus dicitur, id est motus brevis cantilene.“[7] Dammann weist motet die Bedeutung einer mit Versen versehenen Melodie zu – also eine Kontiguitätsrelation zwischen ‚motet’ und ‚mot’ - und zweifelt an der Erklärung des Suffixes „-et“ als Di­minutiv (taxonomische Relation).[8] Günter Birkner hingegen greift in seinem Aufsatz „Motetus und Motette“ genau diesen Punkt auf und deutet motet eben als Diminutiv von mot.[9] Er bringt die altfranzösische Wortbildung mit den analogen Wortpaaren muttu –muttettu (in Sardisch) und motto – mottetto (in Italienisch) in Verbindung und nimmt für motet die Bedeutung ‚kurze Strophe’ an.[10] Wie Klaus Hofmann vermutet, können wir unter diesen motets (‚kurze Strophen’) jene Refrains verstehen, die um 1200 in weltli­cher wie geistlicher Dichtung häufig anzutreffen sind. Es sind Liedbruchstücke aus volkssprachlichen Liedern, die „unter dem Namen motets schon vorher existierten“[11] und als Zitate in praktisch allen vulgärsprachlichen Motetten[12] – außer solchen, die als Kontrafakta einen lateinischen Text paraphrasieren - anzutreffen sind.

Man kann annehmen, dass „motet ursprünglich diese kurzen, sentenz- oder devisen­artigen Refrains bezeichnet hat“[13] ; diese Bedeutung lässt sich auch noch um 1300, also über 100 Jahre nach der Entstehung, noch nachweisen[14].

Die für uns interessanten Bedeutungen des Terminus motet sind eng mit der Entste­hung der Gattung Motette verknüpft. So würde nach Dammanns Herleitung motet die textierte Oberstimme einer Klausel bedeuten, während erst die Annahme der Diminutiv­form die Verwandtschaft zum volkssprachlichen Lied herstellt. Leider stammen die Belege für die Bedeutung ‚Refrain’ frühestens aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhun­derts und somit aus einer Zeit, in der sich der Terminus schon etabliert hatte.[15] Dennoch kann man aus oben gesagtem eine „Stufenfolge“ der terminologischen Entwicklung „herleiten“[16]: motet bezeichnet als Terminus der Musik zuerst ein „Duplum mit motet“ (Refrainzitat) dann das ganze Stück, das eine solche Oberstimme enthält, also primär vulgärsprachliche Motetten. Nicht zuletzt die Beliebtheit und die Verbreitung französi­scher Motetten mag zu einer Übertragung ihrer Bezeichnung auf die entsprechenden lateinischen und gemischtsprachlichen Werke geführt haben.[17] Im frühen 13. Jahrhun­dert scheinen die lateinischen Motetten noch nicht die Bezeichnung der französischen übernommen zu haben, wie die Belege aus den bei Hofmann aufgezählten Handschrif­ten zeigen.[18]

Bald wird motet zur Bezeichnung der ganzen Gattung, wie die leider erst wesentlich späteren Musiktraktate zeigen. Hier wird natürlich die latinisierte Form motetus / motellus verwendet. Etwa ein halbes Jahrhundert nach der Entstehung der Gat­tung wird uns eine recht einheitliche Definition von verschiedenen Schreibern überlie­fert:

Bei Coussemakers Anonymus VII bedeutet der Terminus die neu komponierte und textierte Stimme, die zum Tenor, der ihr „fundamentum“ darstellt, hinzutritt.[19] Franco von Köln klassifiziert motetus als eine Unterart des discantus, nämlich als einen discantus mit mehre­ren Texten:

„Discantus autem aut fit cum littera, aut sine et cum littera. […] Cum diversis litteris fit discantus, ut in motetis qui habent triplum vel tenorem, quia tenor cuidam litter a e a equipollet.“[20]

Erst um 1300 bekommen wir z. B. von Johannes de Grocheio die Definition einer eigenständigen Gattung, die rückblickend auf das vergangene Jahrhundert allgemein- gültig erscheint:

„Motetus vero est cantus ex pluribus compositus, habens plura dictamina vel multimodam discretionem syllabarum, utrobique harmonaliter consonans. Dico autem ex pluribus compositus, eo quod ibi sunt tres cantus vel quattuor, plura autem dictamina, quia quilibet debet habere discretionem syllabarum tenore exepto, qui in aliquibus habet dictamen et in aliquibus non.“[21]

Die Motette ist also mehrstimmig, mehrtextig und nach den Regeln der Konsonanzen gesetzt. Sie besteht aus drei oder vier Stimmen, wobei dem Tenor ein Text zukommen kann oder auch nicht.[22] Außerdem teilt uns Grocheio auch mit, wie eine Motette kompo­niert wird[23] ; und die andere Bedeutung des Terminus gibt Grocheio ebenfalls an:

„Motetus vero est cantus ille, qui supra tenorem immediate ordinatur.“[24]

Die Bezeichnung duplum ist ihm aber geläufig. Interessant ist auch der Aufführungs­rahmen, den Grocheio der Motette zuweist:

„Et solet in eorum [litteratis et illis, qui subtilitates artium sunt quaerentes] festis decantari ad eorum decorationem ...“.[25]

Sie scheint also vor allem dem Kreis der Gebildeten zuzugehören, während das organum (ohne den Conductus) eine liturgische Gattung darstellt.

Die weitere Entwicklung der Gattungsbezeichnung ist geprägt von einer Vereinheit­lichung der Kompositionspraxis. Gab es im 13. Jahrhundert noch eine Vielzahl ver­schiedener Ausprägungen und dementsprechend wenige gemeinsame Merkmale, so kommen im 14. Jahrhundert einige formale Auflagen an die Komponisten dazu:

Aus der üblichen Rhythmisierung des Tenors in Ordines entwickeln sich solche Bau­prinzipien wie Color und Talea. Diese von Friedrich Ludwig als „isorhythmisch“ be­zeichneten Ordnungsschemata[26] werden dann auch zunehmend auf die Oberstimmen angewandt.[27] Doch die schon von Franco von Köln und späteren Autoren des 13. Jahrhun­derts genannten Merkmale – Mehrstimmigkeit, Mehrtextigkeit, harmonischer Zusammenklang, rhythmische, vom Komponisten bestimmte Anlage des Tenors und das Verfahren, dem Tenor als Fundament die anderen Stimmen darüberzusetzen – blei­ben zweihundert Jahre mit dem Begriff verbunden. Erst ab ca. 1450 „werden im Voll­zuge einer tiefgreifenden Umordnung des Satz- und Klangbildes durch die altniederlän­dischen Meister die Strukturprinzipien der spätmittelalterlichen Motette ihrem ge­schichtlichen Typus nach aufgelöst.“[28] Dadurch verändert sich natürlich auch der Termi­nus, dessen Bedeutung sich dem Wandel der Gattung jeweils anpasst.

2. Gattungsgeschichte

2.1. Zur Entstehung und frühen Entwicklung

Die Entstehung der Motette wurde im 20. Jahrhundert vielfach diskutiert. Friedrich Ludwig vertrat schon vor etwa hundert Jahren die These Wilhelm Meyers, die Motette sei durch die Textierung der Oberstimmen von Ersatzstücken, den sog. Klauseln, ent­standen.[29]

In den Organa der Notre-Dame-Praxis war es üblich, die Solopartien von Responsorialge­sängen zu deren Ausschmückung mehrstimmig auszusetzen. In den syllabischen Teilen wurden die Oberstimmen im Stil des Organum purum über die langgehaltenen Choral­töne gesetzt, stellen also freie Melodien über bordunartigen Haltetönen dar. Die melisma­tischen Abschnitte wurden im Discantus-Satz ornamentiert, d. h. ursprünglich weitgehend Note gegen Note zur rhythmisierten Choralmelodie gesetzt, und sind mit dem Namen Perotinus verknüpft, der den Magnus Liber überarbeitet und verbessert haben soll.[30] Als Verbindungsglied zwischen den verschiedenen Klängen gab es noch Teile der Copula[31], was ein Mittelding zwischen Discantus und Organum purum darstellt, mit rhythmisch dif­ferenzierten Oberstimmen über langen Cantustönen. Für die Discantus-Partien wurden zunehmend Ersatzstücke geschrieben. Da diese ihrem Text nach aber nur für ein litur­gisches Fest im Jahr bestimmt waren ist noch zu klären, ob die Klauseln anstelle der ur­sprünglichen verwendet oder aneinandergereiht nacheinander aufgeführt wurden.[32]

Schon Meyer und Ludwig betonten, die Klauseln stellten ein Tropierungsverfahren dar und sehen die ersten Motetten im Rahmen der Liturgie. Das Tropieren von Choral­melismen war nichts Neues und so erscheint auch die Idee, die Oberstimme mehrstim­miger Melismen zu textieren, naheliegend.[33] Ludwigs Forschung ergab folgendes Bild der weiteren Entstehungsgeschichte.

Besaßen die Discantus-Partien mehr als zwei Oberstimmen, so waren diese „unter sich freilich noch streng konduktusartig, d. h. Note gegen Note komponiert, da man zunächst noch nicht so weit ging, auch die Oberstimmen untereinander rhythmisch zu differen­zieren. Und so finden wir auch in den ersten Motetten die zwei oder drei Oberstimmen untereinander Note gegen Note gesetzt und nur mit dem rhythmisch anders behandelten Tenor kontrastierend.“[34]

Diese Conductus-Motetten stellen für Ludwig eine ältere Form dar, der im nächsten Schritt die zweistimmigen lateinischen, dann die drei- und vierstimmigen folgten.

Im Anschluss an diese Entwicklung „wirkte die neue Form der Motette, deren Texte nur lateinisch waren, entscheidend auf die mehrstimmige Komposition auch französischer Texte ein.“[35] Es entstand die „französische Motette, die in ihrer äußeren musikalischen Gestalt der lateinischen Motette genau gleicht.“ So „dringt [die Motette] rasch in die weltliche Kunst ein; sie verbündet sich mit den einstimmigen Trouvères-Liedern; sie fängt die überall hin und herklingenden Refrains in ihren mehrstimmigen Bau ein ...“.[36]

Wie die mehr als zweistimmigen Werke, die sogenannten Doppel- und Tripelmotetten, kommen nach Ludwig auch die französischen Stücke später als die zweistimmige latei­nische Motette.

In dieser Darstellung beginnt alles mit einer Idee – nämlich der Textierung von Er­satzteilen – und die Werke, die daraus entstehen, lösen lawinenartig eine Vielzahl von verschiedensten Kompositionen aus, die alle in irgendeiner Weise zusammengehören. Die Gesamtheit dieser Kompositionen nennen wir Motette.

Die vorgestellte Theorie der Entstehung der Motette wurde wiederholt angezweifelt. Wolf Frobenius beispielsweise hat gezeigt, dass das genetische Verhältnis zwischen Klausel und Motette durchaus auch umgekehrt sein kann.[37] Außerdem hält er die These der historischen Abfolge von lateinischer und französischer Motette für anfechtbar.[38] Eine Antwort auf all diese, die ersten Motetten betreffenden Fragen wird man bei der der­zeitigen Quellenlage nicht beantworten können. Grundsätzlich dürften daher „Ant­wor­ten bestenfalls für Einzelstücke oder einzelne Motettenfamilien möglich sein.“[39]

Und auch mit den Worten von Mark Everist:

„Writing the history of thirteenth-century music is hampered by the absence of the rank of administrative documents that one associates with the historiography of fifteenth- or sixteenth-century music. Recourse to alternative sources [...] with rare but striking exeptions, fails to illuminate the music that, for over a century, has been considered the focus of thirteenth-century endeavour: organum, clausula, motet and conductus.“[40]

An dieser Stelle ist die von Christopher Page[41] vorgestellte Theorie zu nennen. In dieser Theorie werden die gesellschaftlichen Umstände und auch die Situation derjenigen, die an der Ausführung und Schaffung von mehrstimmiger Musik um die Jahrhundertwende zum 13. Jahrhun­dert beteiligt waren – den „clerici machicoti“, bei der Erklärung der Entstehung der Gat­tung berücksichtigt.[42] Genau gegensätzlich zu Meyers und Ludwigs Theorie stellt Page sich die Motette als außerhalb des liturgischen Rahmens entstanden – und zwar zuerst volkssprachlich – vor. Wie Karl Kügle bemerkt, erscheint Pages vor­getragene These,

„die Motette habe sich in Paris um 1200 unter den an der Kathedrale Notre-Dame ge­schulten Sängern aus der Fusion der neuen, zur Ausschmückung der Liturgie ent­wickel­ten mensuralen Techniken der Mehrstimmigkeit mit dem in Paris bzw. in der Ile-de-France zirkulierenden Liedgut entwickelt, durchaus plausibel. Die Motette wäre dem­nach als weltliche, der Unterhaltung eines städtischen, sowohl Laien wie Kleriker umfas­senden Publikums dienenden volkssprachlichen Gattung entstanden.“[43]

Pages Theorie wiederspricht der herkömmlichen aber nur in dem Punkt, dass für ihn die Gattung mit der französischen Motette beginnt. Keinesfalls behauptet er, französische Duplum-Texte seien vor lateinischen entstanden.[44] Er verweist u.a. auf Sanders Mei­nung, die ältesten lateinischen Formen hätten noch keine gattungskonstituierende Wir­kung gehabt und wären als textierte Tropen angesehen worden:

„The intrusion of French language into cantus-firmus polyphony must have occured soon after the development of the modal system. It was doubtless the application of French poetic texts to the upper voices of motets that caused the duplum to be called motetus and in turn gave the genre its name, while in their earliest stage, as represented by F, these compositions must have been referred to simply as discantus or clausulae.“[45]

Das Missverständnis, die Entstehungstheorien würden sich ausschließen, rührt von der unterschiedlichen Perspektive der Forscher her. Während Page erst die französische Motette als neue, sich vom Conductus und anderen mehrstimmigen Werken emanzi­pierende Gattung sieht, ging es Meyer um die Entstehungsgeschichte der gesamten Werke, die man aus heutiger Sicht – wie auch schon die Theoretiker des 13. Jahrhun­derts – der Gattung Motette zuschreibt.

[...]


[1] Ausgaben: Anglès, Higinio (Hg.): El codex Musical de Las Huelgas, 3 Bde., Barcelona 1931 u. Anderson, Gordon A. (Hg.): The Las Huelgas Ms., 2 Bde., o.O. 1982 (CMM 79).

[2] Vgl. zu diesen Nebenformen Hofmann, Klaus: Zur Entstehungs- und Frühgeschichte des Terminus Motette, in Acta Musicologica XLII (1970), S. 138-150, S. 139 mit den Anmerkungen 7 und 8, wo er Dammanns Irrtum (Dammann, S. 348) bezüglich dieser Formen klarstellt. .

[3] Dammann, Rolf: Geschichte der Begriffsbestimmung Motette, in: Archiv für Musikwissenschaft XVI (1959), S. 337-377.

[4] Wartburg, Walter von: Art. muttum, in: Französisches Etymologisches Wörterbuch VI / 3 (1969), S. 303-305.

[5] Vgl. Dammann, S. 341.

[6] Zitat aus und Belege bei Dammann, S. 341.

[7] Coussemaker, Ch. Edmond H. de: Scriptorum de musica medii aevi nova series, 4 Bde., Paris 1864-1876, Bd. 1, S. 246a. Unterstreichung von mir.

[8] Vgl. Dammann, S. 343 f.

[9] Vgl. Birkner, Günter: Motetus und Motette, in: Archiv für Musikwissenschaft XVIII (1961), S. 183-194.

[10] Vgl. Birkner besonders S. 190 und HofmannEntstehung, S. 138 f.; es scheint nicht ganz evident zu sein, dass nördlich der Alpen eine Parallelentwicklung stattgefunden haben m u s s, zumal auch die Belege Birkners für die Wortbildung auf der Halbinsel aus späterer Zeit stammen als die Form im Altfranzösischen entstand.

[11] Birkner, S. 194.

[12] So bei Hofmann, Klaus: Untersuchungen zur Kompositionstechnik der Motette im 13. Jahrhundert durchgeführt an den Motetten mit dem Tenor IN SECULUM, Neuhausen-Stuttgart 1972 (Tübinger Beiträge zur Musikwissenschaft 2), S. 39, vgl. dagegen Frobenius, Wolf: Die Motette, in: H. Möller/R. Stephan (Hg.), Die Musik des Mittelalters, Laaber 1991(Neues Handbuch der Musikwissenschaft 2), S. 272-294, S. 280.

[13] HofmannEntstehung, S. 141, vgl. dort auch Anmerkung 17.

[14] Vgl. HofmannEntstehung, S. 146.

[15] Belege für den Terminus im Französischen z. B. bei Dammann, S. 345-347, in lateinischen Schriften des 13. Jahrhunderts S. 347-350 und in Musiksammlungen derselben Zeit z. B. bei HofmannEntstehung, S. 145-147.

[16] Nach HofmannEntstehung, S. 144.

[17] Vgl. Birkner, S. 194.

[18] Sie werden dort „tropus“ oder „prosa“ genannt. Vgl. HofmannEntstehung, S. 145 f.

[19] Vgl. Coussemaker I, S. 379b.

[20] Reaney, Gilbert / Gilles, Andrè (Hg.): Franconis de Colonia Ars cantus mensurabilis, American Institute of Musicology (o. O.) 1974 (CSM 18), S. 69.

[21] Rohloff, Ernst: Die Quellenhandschriften zum Musiktraktat des Johannes de Grocheio. Im Faksimile herausgegeben nebst Übertragung des Textes und Übersetzung ins Deutsche, dazu Bericht, Literaturschau, Tabellen und Indices, Leipzig o. J. [1970], S. 144.

[22] Bei Franco von Köln war der Tenor noch stets eine textragende Stimme.

[23] Vgl. Rohloff, S. 146 u. 148.

[24] Rohloff, S. 146. Er unterscheidet die Motetus-Stimme aber nicht von der zweiten Stimme der Conductus, die er auch organum nennt, wie aus seiner Äußerung vor der Beschreibung der Stimmen hervorgeht:

„Partes autem istorum [ motetus, organum bzw. conductus und hoquetus ] plures sunt, puta tenor, motetus, triplum, quadruplum et in hoquetis primus, secundus et ultimo eorum duplum.“

[25] Rohloff, S. 144.

[26] Vgl. Ludwig, Friedrich: Geschichte der Mensuralnotation von 1250-1460. Besprechung des gleichnamigen Buches von Joh. Wolf, in: Sammelbände der Internationalen Musikgesellschaft VI (1904/05), S. 622.

[27] Vgl. Dammann, S. 351 f.

[28] Dammann, S. 354.

[29] Meyer, Wilhelm: Der Ursprung des Motetts, in: ders., Gesammelte Abhandlungen zur mittellateinischen Rhythmik II, Berlin 1905, S. 303-341. Und z. B. Ludwig, Friedrich: Studien über die Geschichte der mehrstimmigen Musik im Mittelalter. III. Über die Entstehung und die erste Entwicklung der lateinischen und französischen Motette in musikalischer Beziehung, in: Sammelbände der Internationalen Musikgesellschaft 7 (1905/06), S. 514-528.

[30] Überliefert werden die Informationen über den Magnus Liber, Leonin und Perotin von Anonymus IV, hrsg. z. B. von Reckow, Fritz: Der Musiktraktat des Anonymus 4, 2 Bde., Wiesbaden 1967 (Beihefte zum Archiv für Musikwissenschaft, Bd. 4 u. 5).

[31] Zu den Begriffen organum, discantus und copula äußert sich z. B. Johannes de Garlandia, hrsg. bei Coussemaker I, S. 175.

[32] Es sind noch weitere Möglichkeiten in Betracht gezogen worden. Vgl. z. B. Traub, Andreas: Das Ereignis Notre-Dame, in: H. Möller/R. Stephan (Hg.), Die Musik des Mittelalters, Laaber 1991(Neues Handbuch der Musikwissenschaft 2), S. 247.

[33] Auf die Simultantropen des Saint-Martial-Repertoires wird weiter unten eingegangen. Vgl. auch Handschin, Jacques: Über den Ursprung der Motette, in: Bericht über den Musikwissenschaftlichen Kongreß in Basel 1924, Leipzig 1925, S. 189-200. Er macht auch auf die bis ins 9. Jh. zurückreichende Praxis, gleichzeitig zum Choralmelisma den tropierenden Text zu singen, aufmerksam.

[34] LudwigStudien III, S. 517.

[35] LudwigStudien III, S. 520.

[36] Ludwig, Friedrich: Die geistliche nichtliturgische und weltliche einstimmige und die mehrstimmige Musik des Mittelalters bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts, in: G. Adler (Hg.), Handbuch der Musikgeschichte. Unter Mitwirkung von Fachgenossen herausgegeben von Guido Adler, Frankfurt am Main 1924, S. 199.

[37] Vgl. Frobenius, Wolf : Zum genetischen Verhältnis zwischen Notre-Dame-Klauseln und ihren Motetten, in: Archiv für Musikwissenschaft XLIV (1987), S. 1-39, bes. S. 25-27.

[38] Vgl. auch Frobenius, Wolf: Die Motette, in: H. Möller/R. Stephan (Hg.), Die Musik des Mittelalters, Laaber 1991 (Neues Handbuch der Musikwissenschaft 2), S. 272 f.

[39] Schmid, Bernhold: Die Motette bis in das frühe 15. Jahrhundert, in H. Leuchtmann/ S. Mauser (Hg.), Messe und Motette, Laaber 1998 (Handbuch der musikalischen Gattungen, Bd. 9), S. 17.

[40] Everist, Mark: French Motets in the Thirteenth Century. Music, Poetry and Genre, Cambridge 1994, S. xii.

[41] Page, Christopher: Discarding Images. Reflections on Music and Culture in Medieval France, Oxford 1993, S. 43-64 (Kap. 2, „The Rise of the Vernacular Motet“).

[42] Vgl. Hoffmann-Axthelm, Dagmar: Musikleben und Musikanschauung, in: H. Möller/R. Stephan (Hg.), Die Musik des Mittelalters, Laaber 1991(Neues Handbuch der Musikwissenschaft 2), S. 236 f.

[43] Kügle, Karl: Artikel „Motette. B. Historische Entwicklung. I. Entstehung – II. Bis ca. 1320 – III. Bis ca.1420“, in: MGG2, Bd. 6, Kassel u.a. und Stuttgart u.a. 1997, Sp. 501.

[44] Vgl. Page, S.58. In Anlehnung an die Musiktraktate des 13. Jahrhunderts verwende ich hier Duplum als ‚erste Oberstimme’, da der Begriff Motetus bei frühen lateinischen Motetten noch unangemessener ist. Vgl. die Notizen zur Begriffsgeschichte (Kap. 1.).

[45] Sanders, Ernest H.: The Medieval Motet, in W. Arlt u.a.(Hg.), Gattungen der Musik in Einzeldarstellungen. Gedenkschrift Leo Schrade, Bern 1973, S. 530 f.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Begriffs- und Gattungsgeschichte der Motette im 13. Jahrhundert
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Musikwissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar: Der Codex Las Huelgas
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
30
Katalognummer
V15054
ISBN (eBook)
9783638202923
ISBN (Buch)
9783638643757
Dateigröße
687 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zusammenstellung der Erkenntnisse und Meinungen über die Entstehung der Gattung Motette
Schlagworte
Begriffs-, Gattungsgeschichte, Motette, Jahrhundert, Hauptseminar, Codex, Huelgas
Arbeit zitieren
Ivano Abetini (Autor), 2001, Begriffs- und Gattungsgeschichte der Motette im 13. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15054

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