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Begriffs- und Gattungsgeschichte der Motette im 13. Jahrhundert

Title: Begriffs- und Gattungsgeschichte der Motette im 13. Jahrhundert

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 30 Pages , Grade: 1

Autor:in: Ivano Abetini (Author)

Musicology - Miscellaneous
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Viele Fragen bezüglich der Begriffs- und Gattungsgeschichte der
Motette sind noch nicht hinreichend geklärt; und mit diesem
Aufsatz soll der Forschungsstand skizziert und ein Einblick
in die Anfänge der Form gegeben werden.
Es geht auch darum, für die Interpretation von Motetten
aus dem 13. Jh. relevante Erkenntnisse zusammenzutragen.

Nach einer kurzen Bestimmung der Herkunft der Bezeichnungen,
die im 13. Jahrhundert für Motetten gebraucht wurden,
folgt eine Beschreibung der Gattung nach drei
Gesichtspunkten. Auf einen kurzen Einblick in die
Entstehung und erste Entwicklung der Motette
wird der Versuch unternommen, eine möglichst
vollständige und systematische Gliederung der
Voraussetzungen, unter denen die ersten Formen
der Gattung entstanden, vorzustellen. Mit Hilfe
einer solchen Systematik sollte es möglich sein,
eine detaillierte Analyse der Beziehung einzelner
Merkmale der Motetten zu den Rahmenbedingungen
der Gattung anzufertigen. Um die Gattung als
Ganzes fassen zu können und den Einzelwerken
gerecht zu werden, werden danach noch zwei
Möglichkeiten beschrieben , sich den
Stücken zu nähern: eine taxonomische Herangehensweise,
die für die Gattung viele statistische und nützliche
Ergebnisse zu liefern imstande ist, und eine interpretative,
mit der ein Analyseinstrument für einzelne Stücke
geboten wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1. ENTSTEHUNG DES BEGRIFFS

2. GATTUNGSGESCHICHTE

2.1. ZUR ENTSTEHUNG UND FRÜHEN ENTWICKLUNG

2.2. VORAUSSETZUNGEN

2.2.1. GESELLSCHAFTLICHE UMSTÄNDE

2.2.2. VORGEGEBENES MATERIAL

2.2.3. STILISTISCHE VORAUSSETZUNGEN

2.3. FORMEN

3. EINORDNUNG

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Begriffs- und Gattungsgeschichte der Motette im 13. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Codex Las Huelgas. Ziel ist es, den Forschungsstand zur Entstehung dieser Gattung kritisch aufzuarbeiten und ein Analyseinstrumentarium für die Interpretation der Stücke zu entwickeln.

  • Historische Herleitung und Etymologie des Begriffs "Motette"
  • Systematische Untersuchung der gesellschaftlichen und musikalischen Voraussetzungen
  • Taxonomische Klassifizierung der Gattung vs. interpretative Herangehensweisen
  • Analyse der Bedeutung von präexistentem Material (Matière) für die Motettenkomposition
  • Besonderheiten und Einordnung der Motetten des Codex Las Huelgas

Auszug aus dem Buch

2.2.2. Vorgegebenes Material

Motetten des 13. Jahrhunderts bestehen immer teilweise aus vorgegebenem Material. Das ist aus heutiger Sicht bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass es auch komplett neu geschaffene selbstständige mehrstimmige Formen gab, wie z. B. den Conductus. Die Untersuchung der geliehenen Teile einer Motette ist wichtig, auch wenn das Werk als Ganzes einen eigenen Ausdruck besitzt und einer eigenen künstlerischen Absicht folgt.

Alle Einzelteile einer Motette können aus präexistentem Material stammen:

a) Die Tenortöne sind immer geliehen und stammen ursprünglich aus melismatischen Choralausschnitten, die den Responsorialgesängen (Graduale und Alleluia der Messe und Responsorium des Offiziums) und Benedicamo-Dominus-Gesängen entnommen sind. Später kommen noch Kyriemelodien, Marienantiphonen und andere liturgische Quellen, sowie auch Melodien aus volkssprachlicher weltlicher Musik und Tanzsätzen hinzu. Liegt der Choral bereits rhythmisiert vor, so übernimmt der Komponist mit ihr auch die Gesamtanlage des Stückes, in die er die Oberstimmen einpassen muss. Mit dem Choralausschnitt kommt auch ein Stück Textes in die Motette, der tropiert werden oder in anderer Weise die Dichtung der Oberstimmen beeinflussen kann.

b) Die Bearbeitung von Klauseln wurde oben schon erwähnt. Bei diesen wird vom Motettenkomponisten der ganze musikalische Teil übernommen, dem er den Motetus-Text beigibt. Doch auch bei diesem Verfahren muss man verschiedene Möglichkeiten unterscheiden, z. B. wenn einer zweistimmigen Klausel ein textiertes oder untextiertes (Conductus-Motette) Triplum dazugesetzt wird oder eine dreistimmige Klausel als Vorlage für eine zweistimmige Motette dient.

c) Texte und Melodien von volkssprachlichen Refrains sind Teil jeder französischen Motette und für ihre Betrachtung ein eminent wichtiges Element. Viele Motetten mit Zitaten weisen einige satztechnische Besonderheiten auf und können als „Ausgangspunkt bei der dichterisch-musikalischen Konzeption“ der jeweiligen Stücke angesehen werden. Diese Refrains können mit oder ohne Melodie in allen Oberstimmen vorkommen und sind die wichtigsten literarischen Materialien, die in die Motette eingegangen sind – abgesehen von den meist wenigen Tenorsilben.

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Die Arbeit führt in die Begriffs- und Gattungsgeschichte der Motette ein und skizziert den Forschungsstand sowie die methodischen Zugänge.

1. ENTSTEHUNG DES BEGRIFFS: Dieses Kapitel untersucht die etymologische Herleitung des Begriffs motet sowie dessen terminologische Entwicklung im 13. Jahrhundert.

2. GATTUNGSGESCHICHTE: Hier wird die Entstehung der Motette aus verschiedenen theoretischen Perspektiven beleuchtet und die formale Entwicklung der Gattung beschrieben.

2.1. ZUR ENTSTEHUNG UND FRÜHEN ENTWICKLUNG: Ein Überblick über die historischen Entstehungstheorien, insbesondere das Verhältnis zur Notre-Dame-Praxis.

2.2. VORAUSSETZUNGEN: Eine systematische Kategorisierung der Einflüsse, die den Kompositionsprozess der frühen Motette prägten.

2.2.1. GESELLSCHAFTLICHE UMSTÄNDE: Analyse des soziokulturellen Rahmens und der Funktion der Motette für den Klerus und das städtische Publikum.

2.2.2. VORGEGEBENES MATERIAL: Untersuchung der verschiedenen Quellen wie Choralmelismen und Klauseln, die als Basis für die Motetten dienten.

2.2.3. STILISTISCHE VORAUSSETZUNGEN: Zusammenfassung der stilistischen Normen und der Einflüsse von Liedformen auf die Motettenoberstimmen.

2.3. FORMEN: Diskussion der taxonomischen Klassifizierungsansätze zur Ordnung der Motetten-Repertoires.

3. EINORDNUNG: Dieses Kapitel widmet sich der speziellen Charakterisierung und Einordnung der im Codex Las Huelgas enthaltenen Motetten.

Schlüsselwörter

Motette, 13. Jahrhundert, Codex Las Huelgas, Musikgeschichte, Gattungsgeschichte, Notre-Dame-Schule, Klausel, Tenor, Choral, Mehrstimmigkeit, Kompositionstechnik, Franconische Notation, Musiktraktate, Mittelalter, Vokalpolyphonie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der musikwissenschaftlichen Aufarbeitung der Motette im 13. Jahrhundert, wobei insbesondere die Entwicklung des Begriffs und die Entstehung der Gattung analysiert werden.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen die Etymologie, die systematischen Voraussetzungen für die Komposition, das Verhältnis von Musik und Text sowie die Einordnung der Motetten in den Kontext des Codex Las Huelgas.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel besteht darin, den Forschungsstand zur Motettenentstehung zu skizzieren und ein fundiertes Analysemodell anzubieten, das den Charakter und die Funktionsweise früher Motetten transparent macht.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Es wird eine historisch-analytische Methode verwendet, die sowohl fachspezifische Musiktraktate als auch modernere taxonomische und interpretative Ansätze der Musikwissenschaft kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine terminologische Untersuchung, eine detaillierte Aufschlüsselung der gesellschaftlichen, materiellen und stilistischen Voraussetzungen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Klassifizierung der Gattung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Motette, Codex Las Huelgas, Klausel, Choralbearbeitung und das Konzept des Experimentierfeldes geprägt.

Wie bewertet der Autor die Entstehungstheorien zur Motette?

Der Autor stellt fest, dass sich die klassischen Theorien (z.B. von Ludwig oder Page) nicht ausschließen, sondern unterschiedliche Aspekte beleuchten, wobei die Motette als Ergebnis eines "Experimentierfeldes" der Zeit verstanden werden sollte.

Welche Rolle spielt der Codex Las Huelgas für die Untersuchung?

Der Codex dient als primäre Fallstudie, um die theoretischen Gattungsmodelle auf ihre praktische Anwendung und die spezifisch spanischen oder konservativen Ausprägungen hin zu überprüfen.

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Details

Title
Begriffs- und Gattungsgeschichte der Motette im 13. Jahrhundert
College
University of Tubingen  (Musikwissenschaftliches Institut)
Course
Hauptseminar: Der Codex Las Huelgas
Grade
1
Author
Ivano Abetini (Author)
Publication Year
2001
Pages
30
Catalog Number
V15054
ISBN (eBook)
9783638202923
ISBN (Book)
9783638643757
Language
German
Tags
Begriffs- Gattungsgeschichte Motette Jahrhundert Hauptseminar Codex Huelgas
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ivano Abetini (Author), 2001, Begriffs- und Gattungsgeschichte der Motette im 13. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15054
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