Kürzlich wurden in Frankreich sieben italienische Staatsbürger verhaftet, die aufgrund ihrer Taten in den 70er-Jahren in Italien wegen Mordes oder Mittäterschaft zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Nun, nach 40 Jahren, sollen sie für die Entführung
und Ermordung von dem ehemaligen Ministerpräsidenten Aldo Moro mitverantwortlich waren, in das Gefängnis. Man sieht, dass die „bleierne Zeit“ des Terrorismus in Italien noch längst nicht vergessen wurde.
Anders sieht es in Deutschland aus. Vor Kurzem teilte der Innenminister Horst Seehofer den Zeitungen der Funke Mediengruppe mit, dass seit dem Jahr 2000 23 Terroranschläge verhindert werden konnten. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um den islamischen oder rechtsextremistischen Terror. Denn das Kapitel rund um den RAF-Terrorismus aus den 1970er-Jahren wurde weitestgehend abgeschlossen.
Die beiden Staaten hatten in den 70er-Jahren das Gleiche zu Bekämpfen. Nirgendwo anders in Europa verübten Linksextremisten so viele Anschläge und Morde wie in Italien und Deutschland. In diesen Jahren waren die Bundesrepublik und die Italienische Republik gezwungen, auf diese Anschlagsserie zu reagieren und demgemäß zu handeln. Doch welches Ausmaß hatten diese Anschläge? Welche Gegenmaßnahmen wurden von den beiden Ländern ergriffen? Und kann man in dieser Zeit aufgrund der Maßnahmen der beiden Staaten von einer Bevölkerungskontrolle reden?
Die aufgelisteten Fragen werden im weiteren Verlauf versucht zu beantworten, indem man einen Einblick in den Terrorismus in Deutschland und Italien (1969 – 1982) wirft. Dabei werden exemplarisch die Entführungen und Ermordungen Hanns Martin Schleyers (ehemaliger Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände) auf der einen Seite und dem ehemaligen Ministerpräsidenten Italiens, Aldo Moro, auf der anderen Seite näher dargestellt (2). Im Anschluss daran werden die Gegenmaßnahmen gegen den Terrorismus aufgezeigt (3), und die zu Beginn gestellten Fragen beantwortet (4).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Terrorismus in Italien und Deutschland (1969 – 1982)
3. Reaktionen der Staaten
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht vergleichend den Linksterrorismus in Deutschland und Italien im Zeitraum von 1969 bis 1982 sowie die staatlichen Gegenmaßnahmen in beiden Ländern, um der Frage nachzugehen, ob diese Maßnahmen einer Bevölkerungskontrolle gleichkamen.
- Analyse der terroristischen Dimensionen in der Bundesrepublik und Italien
- Darstellung der RAF-Offensive 1977 und der Entführungsfälle Schleyer und Moro
- Untersuchung der staatlichen Anti-Terror-Politik und Sicherheitsreformen
- Kritische Reflexion über die Verhältnismäßigkeit staatlicher Eingriffe in Grundrechte
Auszug aus dem Buch
2. Terrorismus in Italien und Deutschland (1969 – 1982)
Mit dem Ende der 1960er-Jahre gruppierten sich linksterroristische Organisationen zusammen und übten über mehrere Jahre Anschläge und Morde aus. Während es mit der Roten Armee Fraktion (RAF) in Deutschland nur eine kleine terroristische Organisation war, die wenige Unterstützer und Sympathisanten hatten, sah es in Italien ganz anders aus. Gruppierungen in Italien wie die Brigate Rosse (BR) oder Prima Linea (PL) hatten im Gegensatz zur RAF zum einen mehr Unterstützer und Sympathisanten, zum anderen haben diese Organisationen signifikant mehr Anschläge und Morde zu verantworten. Das Ausmaß des italienischen linken Terrors war viel einschlägiger und gravierender als in der Bundesrepublik. Darüber hinaus bekämpfte Italien parallel den Rechtsextremismus, die auch viele Unterstützer hatten, Anschläge geplant und ausgeübt haben.
In der Bundesrepublik war die RAF für insgesamt 23 terroristische Anschläge verantwortlich, welches verteilt in den Jahren zwischen 1969 – 1982 geplant und ausgeführt wurden. Bei diesen Angriffen kamen 38 Menschen ums Leben und mehr als 200 wurden verletzt. Ziele der Roten Armee Fraktion waren Führungskräfte in Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie amerikanische Soldaten. Mit der „Offensive 77“ erreichte der Terror der RAF ihren Höhepunkt. Neben den Ermordungen vom Generalbundesanwalt Siegfried Buback (7. April 1977) und dem Vorstandssprecher der Dresdener Bank Jürgen Ponto (30. Juli 1977), hatte die Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer (18. Oktober 1977) eine außerordentliche und enorme Wirkung auf das öffentliche und politische Bewusstsein.
Am 5. September 1977 wurde der Präsident der BDA überfallen und in Geiselhaft genommen, dabei starben neben dem Chauffeur auch die Personenschützer von Schleyer. Der Grund für diese Offensive der Terroristen war es, die verurteilten Häftlinge der ersten Generation, die 1977 zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt wurden, freizupressen. Auf die Forderungen ging die Regierung unter Helmut Schmidt nicht ein. Nach einer 44-tägigen Geiselnahme wurde Hanns Martin Schleyer am 18. Oktober erschossen. Seine Leiche wurde einen Tag später in einem Kofferraum eines Audi aufgefunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz des Themas und stellt die vergleichende Forschungsfrage zum linksterroristischen Kontext in Deutschland und Italien zwischen 1969 und 1982.
2. Terrorismus in Italien und Deutschland (1969 – 1982): Dieses Kapitel analysiert das Ausmaß und die Phasen des linken Terrors in beiden Staaten, exemplarisch verdeutlicht anhand der Entführungen von Hanns Martin Schleyer und Aldo Moro.
3. Reaktionen der Staaten: Die unterschiedlichen staatlichen Strategien zur Terrorismusbekämpfung, von deutscher Reformpolitik bis hin zu italienischen Sondergesetzen und Sicherheitsreformen, werden hier gegenübergestellt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Unterschiede im terroristischen Ausmaß zusammen und verneint die Frage, ob die staatlichen Anti-Terror-Maßnahmen als illegitime Bevölkerungskontrolle zu bewerten sind.
Schlüsselwörter
Terrorismus, Linksextremismus, RAF, Brigate Rosse, Aldo Moro, Hanns Martin Schleyer, Anti-Terror-Politik, Innere Sicherheit, Bundesrepublik Deutschland, Italien, Sicherheitskräfte, Geiselnahme, Krisenbewältigung, Grundrechte, Staatsvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einem rechtsvergleichenden historischen Rückblick auf den Linksterrorismus in Deutschland und Italien im Zeitraum von 1969 bis 1982.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder sind die Intensität und Organisation terroristischer Gruppen, die Rolle bedeutender Entführungsfälle sowie die staatlichen Gegenmaßnahmen und deren Auswirkungen auf die Rechtsordnung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das unterschiedliche Ausmaß des Terrors in beiden Ländern aufzuzeigen und kritisch zu bewerten, ob die staatlichen Gegenmaßnahmen in diesen Jahren als Bevölkerungskontrolle zu interpretieren sind.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Es handelt sich um einen komparativen (vergleichenden) Ansatz, der die historische Entwicklung in der Bundesrepublik und der Italienischen Republik gegenüberstellt.
Was ist der inhaltliche Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der terroristischen Aktivitäten und eine Gegenüberstellung der staatlichen Reaktionsmuster, inklusive der jeweils beschlossenen Gesetze und Reformen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Terrorismusvergleich, Anti-Terror-Gesetze, RAF, Brigate Rosse, Innere Sicherheit und das Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Grundrechten.
Wie unterschied sich die italienische Reaktion von der deutschen Strategie gegenüber den Terroristen?
Während die deutsche Regierung früh auf eine umfassende Reform- und Krisenbewältigungspolitik setzte, reagierte der italienische Staat in den Anfangsjahren eher ignorant und zögerlich, bevor er später mit spezifischen Sondergesetzen (Legge Moro/Cossiga) intervenierte.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der "Bevölkerungskontrolle"?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die staatlichen Maßnahmen, auch wenn sie Grundrechte einschränkten, im Kontext der Terrorbekämpfung als notwendige und verhältnismäßige Schritte zu betrachten sind und nicht als illegitime Bevölkerungskontrolle eingestuft werden können.
- Arbeit zitieren
- Enes Bag (Autor:in), 2022, Terrorismus in Deutschland und Italien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1505804