In der vorliegenden Arbeit „Theoderich der Große im Spiegel des Anonymus Valesianus“ 1 wird, wie es der Titel andeutet, das historische Bild, welches der genannte Autor von diesem Ostgotenkönig zeichnet, untersucht. Dies geschieht auf der Grundlage der Excerpta Valesiana2 in der deutschen Übersetzung von König3. Im Rahmen der Untersuchung der Quelle soll insbesondere auf die Politik und die Charakterisierung Theoderichs des Großen eingegangen werden, da die Excerpta Valesiana ein widersprüchliches Bild des ostgotischen Herrschers zeichnet. Im Zusammenhang mit der Quellenauswertung wird formal auf den Inhalt eingegangen, d.h. die historischen Handlungen und deren Wertung durch den Autor werden analysiert. Bedingt durch den Umfang einer 33-jährigen Regentschaft4 werden außenpolitische und innenpolitische Handlungen getrennt betrachtet. Die erwähnte Widersprüchlichkeit führt zudem zu der Frage der Autorenschaft. Nicht allein die Klärung wer die Excerpta Valesiana verfasst hat, sondern auch die Motive des Autors sollen untersucht werden. Dies wird abschließend betrachtet.
Die Persönlichkeit Theoderich des Großen ist wohl eine der am meisten dokumentierten der Spätantike und des frühen Mittelalters. Es gibt Zeugnisse von Prokop von Kaisareia und Malchus von Philadelphia. Darüber hinaus existieren Chronikeinträge sowie Selbstzeugnisse5. Die Quellenlage ist daher außerordentlich gut. Es mangelt zudem auch nicht an Sekundärliteratur. In den letzten beiden Jahrhunderten des vergangenen Jahrtausends entstanden durch Forschungsinteresse mannigfach Monographien6 Dieses Interesse an der Person des Ostgotenkönigs gründet sich m.E. aus der guten Quellenlage, dem Zeitpunkt der Völkerwanderung und der Leistung seiner Person: Theoderich der Große war der erste Barbar der dauerhaft in Italien regiert hatte. Abgesehen davon schafft seine für diese Zeit außergewöhnlich lange Regentschaft auch genügend Stoff zur Forschung.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoderich der Große – Seine Politik in den Schilderungen der Excerpta Valesiana
2.1 Außenpolitik
2.2 Innenpolitik
3 Widersprüchliche Charakterdarstellung Theoderich des Großen?
4 Die Person des Autors der Excerpta Valesiana
5 Zusammenfassung
5.1 Ergebnisse der Untersuchung
5.2 Der historische Wert der Excerpta Valesiana
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das historische Bild Theoderichs des Großen, wie es in den Excerpta Valesiana gezeichnet wird. Dabei liegt der Fokus darauf, wie der anonyme Autor politische Handlungen und die Persönlichkeit des Ostgotenkönigs darstellt, wobei insbesondere die auffällige Diskrepanz zwischen der positiven Schilderung seiner ersten 30 Regierungsjahre und der darauffolgenden tyrannischen Charakterisierung analysiert wird.
- Analyse der außen- und innenpolitischen Darstellung Theoderichs
- Untersuchung der widersprüchlichen Charakterzeichnung des Herrschers
- Erforschung der Identität, Bildung und Motivation des Autors
- Bewertung der Quellengüte und des historischen Erkenntniswertes
Auszug aus dem Buch
2.1 Außenpolitik
Wenn man die außenpolitischen Handlungen betrachten möchte, muss zunächst geklärt werden, welchen Herrschaftsbereich Theoderich besaß und welches Territorium seinem Schutz unterstand. Nicht die gesamte Zeit seiner 33-jährigen Regentschaft verbrachte er in Italien. Theoderich als Sohn Theodemers, König des Amaler–Stammes, wurde sicherlich in Pannonien, dem Siedlungsgebiet der Amaler geboren. Die römische Provinz Pannoniens umfasste das Gebiet zwischen Donau, Save und Alpen. Dieses Territorium konnten die Amaler jedoch nicht halten, vermutlich bedingt durch Hungersnöte und eine mangelhafte Versorgung. Bedenkt man also die „Landlosigkeit“ des jungen Theoderich, so muss bei der Betrachtung seiner Außenpolitik auf Grundlage der Excerpta Valesiana beachtet werden, welches Territorium er schützen soll. Später dagegen ist entscheidend, für welches Gebiet er Regentschaftslegitimation besitzt. Vorwegnehmend kann die Betrachtung gemacht werden, dass in der vorliegenden Quelle drei verschiedene Bereiche der Außenpolitik beschrieben werden: Kriegszüge, Heiratspolitik und das Verhältnis zu Byzanz.
Es wird eine militärische Aktion genannt und eine weitere ausführlich beschrieben. Letztere sicherlich, da sie Theoderich entscheidend zu seiner Regentschaft auf italienischen Boden verhalf. Als Zenon von 474 bis 491 n. Chr. als byzantinischer Kaiser regierte und vom ranghöchsten Senator namens Basiliscus intrigiert wurde, forderte er Theoderich auf, gegen diesen Hilfe zu leisten. Theoderich war siegreich, so dass Zeno wieder nach Konstantinopel als Kaiser zurückkehrte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert das Ziel der Arbeit, das historische Bild Theoderichs in den Excerpta Valesiana zu analysieren, und beschreibt die methodische Vorgehensweise sowie die exzellente Quellenlage.
2 Theoderich der Große – Seine Politik in den Schilderungen der Excerpta Valesiana: Dieses Kapitel unterteilt Theoderichs Regierungshandeln in Außen- und Innenpolitik und beleuchtet sein Wirken, seine Bauvorhaben und den Umgang mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
3 Widersprüchliche Charakterdarstellung Theoderich des Großen?: Hier wird aufgezeigt, wie der Autor den Charakter des Königs nach 30 Jahren grundlegend von einem weisen, toleranten Herrscher in einen tyrannischen, ungebildeten und grausamen Herrscher uminterpretiert.
4 Die Person des Autors der Excerpta Valesiana: Dieses Kapitel widmet sich der Identifizierung des Autors, wobei es ihn als gebildeten, dem Klerus nahestehenden Katholiken aus Norditalien mit Zugang zu byzantinischen Quellen charakterisiert.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bewertet den historischen Aussagewert sowie die Schwächen der Excerpta Valesiana.
Schlüsselwörter
Theoderich der Große, Excerpta Valesiana, Ostgotenkönig, Spätantike, Italien, Innenpolitik, Außenpolitik, Charakterdarstellung, Anonymus Valesianus, Byzanz, Religionspolitik, Völkerwanderung, Geschichtsschreibung, Tyrannenbild, Historiographie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Bild des Ostgotenkönigs Theoderich des Großen, wie es in der historischen Quelle der Excerpta Valesiana überliefert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf Theoderichs politische Handlungen, seine Charakterisierung durch den Autor sowie die kritische Reflexion des Autors selbst.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die widersprüchliche Darstellung Theoderichs – vom idealisierten Herrscher zum Tyrannen – zu untersuchen und die Gründe für diese Zäsur im Text zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Textanalyse, bei der Fakten von den Wertungen des Autors getrennt und in den historischen Kontext der Spätantike eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auswertung der Politik (Außen- und Innenpolitik), eine Analyse der charakterlichen Wandlung im Text und eine Untersuchung der Verfasserpersönlichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Theoderich der Große, Excerpta Valesiana, Anonymus Valesianus, Herrschaftsdarstellung und Quellenkritik geprägt.
Warum ändert der Autor nach 30 Jahren sein Bild von Theoderich so radikal?
Der Autor nutzt die letzten drei Regierungsjahre Theoderichs, um ihn durch die religiöse Brille als Tyrannen zu diskreditieren, was im Widerspruch zu der vorherigen Anerkennung seiner Stabilität und Weisheit steht.
Welchen Stellenwert nimmt die Religionspolitik in der Darstellung ein?
Die Religionspolitik dient als zentrales Element, um Theoderichs Verhalten von "gerecht" (gegenüber den Juden) bis zu "tyrannisch" (gegenüber den Katholiken) zu bewerten und ihn somit katholisch-ideologisch einzuordnen.
Was sagt die Arbeit über den Bildungsstand des Anonymus aus?
Der Autor wird als mittelmäßig gebildet, juristisch interessiert und als Angehöriger des Klerus oder eines kirchennahen Milieus eingestuft, der zudem Zugriff auf byzantinische Regesten hatte.
- Quote paper
- Jessica Wenzel (Author), 2010, Theoderich der Große im Spiegel des Anonymus Valesianus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150594