Seit langer Zeit beschäftigen sich die betriebswirtschaftliche und die finanzwirtschaftliche Steuerlehre mit der Investitionsneutralität der Besteuerung und der Ausgestaltung investitionsneutraler Steuersysteme.
Definitionsgemäß liegt die Investitionsneutralität dann vor, wenn die Einführung eines Steuersystems keine Auswirkung auf die Entscheidungen der Unternehmen zwischen den ihnen zur Auswahl stehenden Investitionsalternativen hat, sodass die Unternehmen auch nach der Besteuerung denselben Investitionsprojekt wählen. Denn betriebswirtschaftlich gesehen sind für die Unternehmen nicht nur die Konsequenzen der Besteuerung für das realisierte Investitionsvolumen bedeutend. Vielmehr ist die durch die Einführung der Steuer verursachte Verzerrung der Wahl zwischen den unterschiedlichen Investitionsalternativen für die Unternehmen interessant. Wenn die Vorteilhaftigkeit der Investitionen durch die Besteuerung beeinflusst wird oder sich die Rangfolge alternativer Investitionsprojekte aufgrund der Besteuerung verändert, dann ist eine Verzerrung gegeben. Bei den Unternehmen würde die Verzerrung zu zusätzliche Kosten führen, sozusagen eine Zusatzlast („excess burden“) verursachen. Damit wird diejenige Einbuße an Wohlfahrt gemeint, die über die reine Zahllast hinausgeht und die durch die Änderung unternehmerischer Entscheidungen veranlasst wird. Demzufolge sollte ein investitionsneutrales Steuersystem die Erreichung wirtschaftlicher Effizienz der Besteuerung unterstützen, um das Auftreten von Zusatzlasten zu vermeiden.
Ein Steuersystem kann die Investitionsneutralität nur dann garantieren, wenn es bestimmten Anforderungen genügt bzw. einige Voraussetzungen erfüllt. Bei der Untersuchung theoretischer Steuersysteme auf die Investitionsneutralität sind in der Literatur insbesondere folgende Besteuerungssysteme in den Vordergrund gerückt: Besteuerung des ökonomischen Gewinns und die Cash-flow-Besteuerung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Gang der Untersuchung
2. Cash-flow-Steuer
3. Investitionsneutralität
3.1. Definition
3.2. Kapitalwert einer Investition als Entscheidungsparameter
3.3. Bedingungen an ein investitionsneutrales Steuersystem
4. Kritische Würdigung der Investitionsneutralität im Cash-flow-Modell
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die theoretischen Voraussetzungen und Bedingungen, unter denen eine Cash-flow-Steuer Investitionsneutralität gewährleisten kann, um die bei Unternehmensentscheidungen auftretenden Verzerrungen durch das Steuersystem zu vermeiden.
- Grundlagen und Definition der Investitionsneutralität
- Funktionsweise und Varianten der Cash-flow-Steuer
- Kapitalwert als entscheidungsrelevanter Parameter
- Voraussetzungen für ein investitionsneutrales Steuersystem
- Kritische Analyse der Neutralität unter verschiedenen Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
3.2. Kapitalwert einer Investition als Entscheidungsparameter
Üblicherweise haben die Unternehmen eine Vielzahl von Investitionsmöglichkeiten. Wenn von einem vollkommenen Kapitalmarkt unter Sicherheit ausgegangen wird, gilt in der Investitionstheorie der Kapitalwert als sinnvoller Parameter, um die finanzielle Vorteilhaftigkeit von verschiedenen Investitionen zu beurteilen.
Um den Kapitalwert einer Investition unter dieser Annahme darzustellen, wird eine Realinvestition betrachtet, die im Anfangszeitpunkt t=0 eine Investitionsausgabe in Höhe von I0 bewirkt und in den darauffolgenden Perioden t=1,.., T jeweils Cash-flows (Differenz zwischen Einzahlungen Et und Auszahlungen At in der jeweiligen Periode) in Höhe von CFt erzielt. Die Realinvestition ist demnach durch die Zahlungsreihe [−I0, CF1,.., CFT] beschrieben. Der Kalkulationszinsfuß ist dabei gleich dem Kapitalmarktzinssatz i, der als Verzinsung einer alternativen Finanzanlage interpretiert werden kann. Somit wird der unversteuerte Kapitalwert einer Investition folgendermaßen ermittelt: KW = −I0+ Σt=1 bis T CFt * (1+i)-t. Anders ausgedrückt wird der Kapitalwert durch Diskontierung künftiger Zahlungen auf den Planungs- bzw. Entscheidungszeitpunkt berechnet. So ist eine Investition vorteilhaft, wenn der Kapitalwert größer oder gleich Null ist. Ist der Kapitalwert positiv (KW ˃ 0), so wird das auf die Gegenwart bezogene Vermögen um den Kapitalwert maximiert. Die Investition ist dann absolut vorteilhaft. Demzufolge würde sich ein Unternehmen beim Vergleichen mehrerer Investitionsprojekte für das Projekt entscheiden, das den höchsten Kapitalwert besitzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die Problemstellung der Investitionsneutralität bei der Besteuerung ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2. Cash-flow-Steuer: Hier werden die Merkmale, Varianten und Vorteile der Cash-flow-Steuer als konsumorientiertes Steuersystem dargestellt.
3. Investitionsneutralität: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Investitionsneutralität und erarbeitet die Kapitalwertmethode als Entscheidungsgrundlage sowie notwendige Bedingungen für ein neutrales Steuersystem.
4. Kritische Würdigung der Investitionsneutralität im Cash-flow-Modell: Hier erfolgt eine tiefgehende Analyse, inwieweit die Cash-flow-Steuer die theoretischen Anforderungen an Investitionsneutralität unter verschiedenen Bedingungen tatsächlich erfüllen kann.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass die Cash-flow-Steuer unter spezifischen Voraussetzungen wie vollständigem Verlustausgleich und Zinsfreiheit investitionsneutral wirken kann.
Schlüsselwörter
Investitionsneutralität, Cash-flow-Steuer, Unternehmensbesteuerung, Kapitalwert, Steuerbemessungsgrundlage, Sofortabschreibung, Investitionsentscheidung, Steuerverzerrung, Fiskus, Steuerbelastung, Verlustausgleich, Finanzwissenschaft, Steuerlehre, Wirtschaftliche Effizienz, Neutralitätsbedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der steuerlichen Belastung von Unternehmensinvestitionen und der Frage, wie Steuersysteme ausgestaltet sein müssen, um unternehmerische Investitionsentscheidungen nicht zu verzerren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Investitionsneutralität, das Modell der Cash-flow-Steuer sowie die Methoden der betriebswirtschaftlichen Investitionsrechnung unter Steuereinfluss.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Untersuchung der Investitionsneutralität der Cash-flow-Steuer und die Identifikation der notwendigen Rahmenbedingungen für ihre Anwendung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretisch-analytische Methode angewandt, die auf der Literaturrecherche und der mathematischen Herleitung des Kapitalwertkalküls basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Definitionen der Investitionsneutralität, die Funktionsweise der Cash-flow-Steuer und deren Eignung zur Wahrung der Rangfolge von Investitionsprojekten analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Investitionsneutralität, Cash-flow-Steuer, Kapitalwert, Sofortabschreibung und steuerliche Verzerrung geprägt.
Warum ist die „Sofortabschreibung“ für die Cash-flow-Steuer relevant?
Die Sofortabschreibung dient dazu, Investitionsauszahlungen sofort steuerlich zu verrechnen, wodurch die Gleichbehandlung verschiedener Investitionsarten erreicht wird.
Spielt die Unsicherheit eine Rolle für die Investitionsneutralität?
Ja, die Arbeit thematisiert, dass die Investitionsneutralität bei Unsicherheit bezüglich der Cash-flows oder Steuersätze kritisch geprüft werden muss, da sie unter diesen Bedingungen verloren gehen kann.
Welche Rolle spielt der Fiskus bei der Cash-flow-Steuer?
Der Fiskus fungiert bei der Cash-flow-Steuer durch den sofortigen und unbegrenzten Verlustausgleich quasi als stiller Teilhaber am Investitionsprojekt, mit einem Beteiligungsanteil in Höhe des Steuersatzes.
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- Sergej Mertins (Author), 2008, Investitionsneutralität der Besteuerung in Form einer Cash-Flow-Steuer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150599