Ästhetik des Grauens und romantische Ironie in den Erzählungen von Edgar Allan Poe


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ästhetik des Grauens
1.1. Edmund Burke: die Theorie des Erhabenen
1.2. Einflüsse von Edmund Burke auf die Literatur: der Schauerroman

2. Edgar Poe. Satirische Nachahmungen des Gothic
2.1. „Die Sphinx“
2.2. „Lebendig begraben“

3. Subtile Ironie in den Schauergeschichten
3.1. „Metzengerstein, eine Erzählung im deutschen Stil“
3.2. Doppelte Wirkung der Erzählungen von Edgar Poe

Schluß

Quellenverzeichnis

Einleitung

Die Entstehung des Schauerrromans im 18. Jahrhundert gilt als Anfang einer neuen Gattung der phantastischen Literatur. Die Motive des klassischen Schauerromans sind auch in der modernen Horrorliteratur zu finden. Einflußreich im Bezug auf die Entwicklung des Schauerromans, besonders auf die englische und amerikanische Gothic Novel, war das Essay von Edmund Burke A Philosophical Enquiry into the Origin of Our Ideas of the Sublime and Beautiful, die zum Basis für die Ästhetik des Grauens in der Literatur (und später auch im Film) geworden ist.

Edgar Allan Poe ist bekannt als Gründer und Klassiker der amerikanischen Schauergeschichte, ein Virtuose der Ästhetik des Grauens. Seine Werke können aber aus verschiedenen Perspektiven interpretiert werden. In der vorliegenden Hausarbeit werden die Merkmale der Ästhetik des Grauens einerseits und der romantischen Ironie anderseits in den Werken von Edgar Poe am Beispiel einiger seiner Erzählungen festgestellt. Dabei wird auch auf den Bezug zu der Theorie von Edmund Burke geachtet.

Im ersten Kapitel handelt es um die von Edmund Burke entwickelte Theorie des Erhabenen und um dessen Einfluß auf die zeitgenossische Literatur. Es werden auch allgemeine Merkmale der Gattung des Gothic Novel festgestellt.

Im zweiten Kapitel werden die satirische Nachahmung der tradierten Ästhetik des Grauens am Beispiel der zwei Erzählungen von Edgar Allan Poe und die Zusammenhänge der vom Autor benutzten Mittel mit der Theorie des Erhabenen analysiert.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Erzählung „Metzengerstein“, die durch subtile romantische Ironie gekennzeichnet ist. Diese Erzählung, von Poe als eine Parodie auf klischeehafte Schauerromane geschrieben, war von den meisten Lesern nicht als solche verstanden. In diesem Zusammenhang werden auch die Themen der doppelten Wirkung der Erzählungen von Edgar Allan Poe und der Einflüssen der deutschen Romantik auf sein Werk behandelt.

Die Ergebnisse werden am Ende im Schluß präsentiert.

1. Ästhetik des Grauens

1.1. Edmund Burke: die Theorie des Erhabenen

Das 1757 in London erschienene Essay A Philosophical Enquiry into the Origin of Our Ideas of the Sublime and Beautiful von Edmund Burke beschäftigt sich mit der empirischen Untersuchung der menschlichen Gefühlen, ihren Zusammenhängen miteinander und Ursachen, die diese Gefühle auslösen.

Nach Edmund Burke, basieren sich alle Gefühle des Menschen auf drei primären Leidenschaften: der Neugierde, die eine notwendige Bedingung des Lebens ist, dem Schmerz und dem Vergnügen. Dabei ist der Schmerz mit der Selbsterhaltung und Überleben verbunden, und das Vergnügen – mit dem gesellschaftlichen Leben und den zwischenmenschlichen Beziehungen. Da der Selbsterhaltungstrieb die hauptsächliche Vorbedingung des Daseins ist, sind die vom Schmerz und Angst ausgelösten Gefühle, die Burke Gefühle des Erhabenen nennt, die stärksten, die der Mensch empfinden kann:

„The ideas of pain, sickness, and death, fill the mind with strong emotions of horror, but life and health <> they make no such impression by the simple enjoyment. The passions therefore which are conversant about the preservation of the individual, turn chiefly on pain and danger, and they are the most powerful of all the passions.”[1]

Die Idee und das Gefühl des Grauens ist auch die einflußreichste in der Wirkung auf den menschlichen Verstand:

„No passion so effectually robs the mind of all its powers of acting and reasoning as fear. For fear being an apprehension of pain and death, it operates in a manner that ressembles actual pain.”[2]

Das Besondere am Gefühl des Erhabenen liegt in ihrem positiven Effekt: für denjenigen, der es erlebt, transformiert sich die angstauslösende Kraft in seine eigene[3], was in außerordentlichen Situationen die häufig notwendige Überwindung seiner selbst ermöglicht.

Das Gefühl des Erhabenen entsteht nicht nur bei der unmittelbaren Bedrohung, sondern auch bei der Wahrnehmung der Ereignissen und Gegenständen, die Assoziationen mit der Verletzlichkeit unseres Wesens hervorrufen. Die Sinne spielen also eine wichtige Rolle bei der Entstehung vom Gefühl des Erhabenen, es sind aber Ideen, Vorstellungen und Einbildungskraft, die eine entscheidende Bedingung dafür sind. So entsteht dieses Gefühl nicht nur bei der Betrachtung von Naturphänomenen und Katastrophen, die theoretisch einen Gefahr bedeuten, sondern auch bei der Betrachtung der Landschaften, die von der Große und Unendlichkeit bezeichnet und auf diese Weise mit der Idee des Grauens verbunden sind:

„And to things of great dimensions, if we annex an adventurous idea of terror, they become without comparison greater. A level plain of a vast extent on land, is certainly no mean idea; the prospect of such a plain may be as extensive as a prospect of the ocean; but can it ever fill the mind with any thing so great as the ocean itself?”[4]

Burke analysiert ausführlich die Faktoren von Auslösung der Angst, sowie auch die Mechanismen der Verbindung von ihrer Wahrnehmung durch die Sinne und von den Assoziationen, die dabei hervorgerufen werden. Nach Burke, gehören zu den abstrakten Auslösern des Erhabenen die Macht (die Kraft), die Schwierigkeiten, die Überraschung; die Charakteristiken, die das Erhabene hervorrufen, sind die Größe und die Unendlichkeit. Unter den unmittelbaren Ereignissen und Gegenständen werden das Schmerz, bestimmte Läute (z. B. Schreie), Geschmäcke (z.B. bitter), Naturphänomene, Landschaften, starke oder gefährliche Tiere, die schwarze Farbe, die Dunkelheit, die Einsamkeit und die Stille genannt. Disen Ereignissen und Gegenständen wird eine besondere Kraft der Beeindruckung zugeschrieben:

„Things that are terrible are always great“[5].

Burkes Theorie war nicht der erste Versuch, den Zusammenhang zwischen dem Schmerz und dem Vergnügen festzustellen. Die historische Bedeutung seines Essays liegt aber darin, dass er als erster den Begriff des Erhabenen formuliert, erklärt und verwendet hat[6].

1.2. Einflüsse von Edmund Burke auf die Literatur: der Schauerroman (Gothic)

Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung der Literatur ist der letzte Kapitel von Burkes Essay, in dem er sich mit der Wirkung der Poesie und der Sprache im Bezug auf die Gefühle des Erhabenen beschäftigt.

[...]


[1] Burke, S.

[2] Burke, S.

[3] Pena Aguado, S.

[4] Burke, S.

[5] Burke, S.

[6] Pena Aguado, S.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ästhetik des Grauens und romantische Ironie in den Erzählungen von Edgar Allan Poe
Hochschule
Αριστοτέλειο Πανεπιστήμιο Θεσσαλονίκης - Thessaloniki
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V150623
ISBN (eBook)
9783640618187
ISBN (Buch)
9783640617654
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Edgar Allan Poe, Edmund Burke, Das Erhabene, Erzählungen, Die Sphinx, Metzengerstein, Lebendig begraben, Schauerroman, Gothic Novel, Romantische Ironie, Ironie, A Philosophical Enquiry into the Origin of Our Ideas of the Sublime and Beautiful, Phantastik, Ästhetik des Grauens
Arbeit zitieren
Olga Lantukhova (Autor), 2008, Ästhetik des Grauens und romantische Ironie in den Erzählungen von Edgar Allan Poe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150623

Kommentare

  • Gast am 19.4.2013

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Titel: Ästhetik des Grauens und romantische Ironie in den Erzählungen von Edgar Allan Poe



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