Die Entstehung des "Modernismo" in Lateinamerika. Modernistische Elemente in "Los heraldos negros" von Cesar Vallejo


Seminararbeit, 2009

23 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Modernismo in Lateinamerika
2.1 Politische, soziale und literarische Umbrüche
2.2 Charakteristika des Modernismo
2.3 Europäische Einflüsse auf den Modernismo

3. Modernistische Züge in César Vallejos Werk
3.1 „Los heraldos negros“
3.2 Analyse von „Retablo“
3.3 Analyse von „Pagana“
3.4 Analyse von „Nervazón de angustia“
3.5 Analyse von „Lluvia“ und „Heces“
3.5.1 „Lluvia“
3.5.2 „Heces“

4. Schlusswort

5. Bibliografie

1. Einleitung

César Vallejos Werk „Los heraldos negros“ gilt als eines der letzten modernistischen Werke überhaupt. Bei dessen Analyse wird man sich bewusst, wie sehr sich Vallejo mit der modernistischen Literaturbewegung auseinandergesetzt hat, wenn auch sehr viele persönliche Charakteristika in seinen Gedichten stecken und er vornehmlich den Tod und das Leben als Themen behandelt. In dieser Arbeit möchte ich in einem ersten Teil einen kurzen Überblick über die Entstehung des Modernismo in Lateinamerika, seine Charakteristika, sowie die europäischen Einflüsse auf den Modernismo geben. In einem zweiten Teil werde ich mich dem Werk César Vallejos zuwenden und die modernistischen Aspekte anhand der fünf Gedichte „Retablo“, „Pagana“, „Nervazón de angustia“, „Lluvia“ und „Heces“ herausarbeiten.

2. Der Modernismo in Lateinamerika

2.1 Politische, soziale und literarische Umbrüche

Die Epoche, in welcher der Modernismo in Lateinamerika entsteht, war eine Zeit der Umbrüche. Der 'neue Kontinent' emanzipierte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts politisch gesehen fast komplett von den europäischen Mutterländern. Diese politischen und sozialen Neuerungen, die neu gewonnene Freiheit und Unabhängigkeit, sollten sich auch in der Literatur niederschlagen. Rubén Darío, der später als Gründer des Modernismo gelten wird, sah schon Anfang des 20. Jahrhunderts die literarische Unabhängigkeit Lateinamerikas und erklärt in seinem Artikel „El Modernismo“, warum sich ebendieser in Lateinamerika zuerst entwickelt hatte:

„En América hemos tenido ese movimiento antes que en la España castellana, por razones clarísimas: desde luego, por nuestro inmediato comercio material y espiritual con las distintas naciones del mundo, y principalmente porque existe en la nueva generación americana un inmenso deseo de progreso y un vivo entusiasmo, que constituye su potencialidad mayor, con lo cual poco a poco va triunfando de obstáculos tradicionales, murallas de indiferencia y océanos de mediocracia. [...] Nuestro Modernismo, si es que así puede llamarse, nos va dando un puesto aparte, independiente de la literatura castellana [...]“1

Spanien kommt bei Rubén Darío, vielleicht mit Ausnahme Kataloniens, nicht wirklich gut weg. Er zitiert in seinem Artikel José María Llanas Aguilaniedo2, der die jungen spanischen Autoren als träge und unmotivierte Individuen beschreibt, die weder intellektuelle noch körperliche Anstrengungen unternehmen und nur dann - ohne Freude und Enthusiasmus - arbeiten, wenn es ihrer Pflicht entspricht. Wie auch auf der politischen und sozialen Ebene erkennt man in der lateinamerikanischen Literatur und Kunst das Bedürfnis nach einer Bewegung, die sich von Spanien distanziert. Rubén Darío ruft auf, Literatur und Poesie nicht einfach nur nach vorgegebenen Systemen zu entwickeln, sondern in sich hineinzuhorchen, und das wiederzugeben, was man fühlt:

„Hoy no se hace Modernismo - ni se ha hecho nunca - con simples juegos de palabras y de ritmos. Hoy los ritmos nuevos implican nuevas melodías que cantan en lo íntimo de cada poeta la palabra del mágico Leonardo3: Cosa bella mortal passa, e non darte [sic!].“4

„Abandono de las ordenaciones usuales, de los clisés consuetudinarios; atención a la melodía interior, que contribuye al éxito de la expresión rítmica; novedad en los adjetivos; estudio y fijeza del significado etimológico de cada vocablo; aplicación de la erudición oportuna, aristocracia léxica.“5.

2.2 Charakteristika des Modernismo

Vor allem aus letzterem Zitat geht hervor, dass es im Modernismo vornehmlich um Gefühle geht. Es wird mit Sinneswahrnehmungen gespielt und experimentiert. Durch anspruchsvolle stilistische Tricks werden Gefühle vertieft, beispielsweise in Form einer Synästhesie, die zu einer Verschmelzung der Sinneswahrnehmungen führt und diese metaphorisch ausnutzt. Gefühle werden auf neue Ebenen gehoben, miteinander verwoben und führen zu einem neuen Gefühlserlebnis. Ähnliches lässt sich in Hinsicht auf religiöse und kulturelle Werte beobachten. Beim Modernismo handelt es sich um eine rebellische und revolutionäre Literaturbewegung, allgemein herrscht im Leben der Lateinamerikaner der Wunsch nach einer kulturellen Reform vor. Laut Siebenmann handelt es sich daher bei vielen Modernisten um Idealisten, die an die Utopie einer perfekten neuen Welt glauben.6 In dem Wunsch, vor der hispanoamerikanischen Realität zu fliehen, suchen sie Zuflucht in alten und exotischen Kulturen. Die Einleitung Rubén Daríos zu seinem Werk „Prosas profanas“ zeigt diese Hochachtung gegenüber dem alten Amerika der Inka und Azteken sehr gut. Er schreibt darin: „Si hay poesía en nuestra América ella está en las cosas viejas, en Palenke y Utatlán, en el indio legendario, y el inca sensual y fino, y en el gran Moctezuma de la silla de oro.“7 Es geht um eine Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln und Werte, sowie eine Erweckung der eigenen präkolumbischen Geschichte.8 Auch José Martí, der als Vorläufer des Modernismo gilt, verlangt in seinem Essay „Nuestra América“, dass der Lateinamerikaner beginnt, zu seinen indigenen Wurzeln zu stehen. In beinahe wütend anmutendem Ton schreibt er:

„¡Estos nacidos en América, que se avergüenzan, porque llevan delantal indio, de la madre que los crió, y reniegan, ¡bribones!, de la madre enferma, y la dejan sola en el lecho de las enfermedades! Pues, ¿quién es el hombre?, ¿el que se queda con la madre, a curarle la enfermedad, o el que la pone a trabajar donde no la vean, y vive de su sustento en las tierras podridas, con el gusano de corbata, maldiciendo del seno que lo cargó, paseando el letrero de traidor en la espalda de la casaca de papel?“9

Neben dem Interesse für die alten und exotischen Kulturen besteht außerdem eine maßgebende Neugier an literarischen Bewegungen außerhalb Lateinamerikas, vor allem an den französischen. Dazu mehr im folgenden Kapitel.

Auf wesentliche Probleme suchen die Modernisten ästhetische Lösungen. Diese äußern sich zum Beispiel in Form eines rhythmischen Ausdrucks oder indem neue Adjektive eingesetzt werden, indem man sich mit der Etymologie der einzelnen Worte auseinander setzt und sich dabei des eigenen Wissens bewusst wird und dieses entsprechend einsetzt. Dies manifestiert sich zum Beispiel in einem für den Modernismo typischen Vokabular, das vornehmlich der Zoologie und Botanik, der Heraldik und Mythologie, der Mineralogie und Architektur entnommen wird, sowie in Neologismen, die auf der Basis des Lateinischen oder Griechischen gebildet werden.10 Die Modernisten begeben sich auf die Suche nach einer spirituellen Transzendenz, nach einer Verbindung zum Universum. Inbegriff des Modernismo wurde die vermehrte Verwendung von Farbadjektiven, speziell „blau“. Dessen Popularität kann auf das Werk „Azul“ von Rubén Darío zurückgeführt werden. Dieses Werk ist es auch, das dem Modernismo sein offizielles Geburtsdatum gab. Demnach fällt dessen Geburtstunde mit der Publikation von „Azul“ im Jahre 1888 zusammen.

2.3 Europäische Einflüsse auf den Modernismo

Auch wenn sich der Modernismo als eine unabhängige Stilrichtung versteht, baut er auf anderen literarischen Bewegungen auf oder wurde zumindest durch diese und deren Vertreter beeinflußt. In Abgrenzung zu Spanien richtete sich das Interesse lateinamerikanischer Lyriker vornehmlich auf Frankreich und Paris verwandelte sich infolgedessen in ein literarisches Zentrum. Als Haupteinflüsse des lateinamerikanischen Modernismo gelten vor allem der Symbolismus und als dessen Vorläufer der Dekadentismus, sowie die französische Dichtergruppe der Parnassiens. Rubén Darío schreibt 1905 im Prolog zu seinem Werk „Los raros“ folgendes:

„[...] todo lo contenido en este libro fue escrito hace doce años, en Buenos Aires, cuando en Francia estaba el simbolismo en pleno desarrollo. Me tocó dar a conocer en América este movimiento, y por ello, y por mis versos de entonces, fui atacado y calificado con la inevitable palabra 'decadente'...“11.

Der Dekadentismus, auch als Fin de siècle bekannt, gilt als Wegbereiter des Symbolismus. Der Begriff „décadence“ tritt zuerst in Frankreich auf, von wo aus er sich über ganz Europa ausbreitet. Er ist das Synonym des allgemeinen Gefühls des politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Niedergangs. Diese dekadente Stimmung tritt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderst zuerst in der Literatur sowie der Kunst allgemein auf, später geht sie auch auf andere Bereiche des Lebens über. Ursprünglich war das Wort „décadence“ negativ konnotiert, mit Charles Baudelaire hielt es aber als neues und positives Modewort Einzug in die Literatur. Dieser stellt die Ästhetik in den Mittelpunkt der Dichtung, es soll sich dabei um eine „unvergeßliche, sich einprägende und beherrschende Schönheit“12 handeln, eine künstlichen, geschaffenen und genau berechneten Zauber.

Gemein ist allen Vertretern des Dekadentismus die allgemeine Ablehnung des Naturalismus, da sie in der Natur die Quelle der Hässlichkeit sahen (man bedenke, dass im Naturalismus das Leben möglichst realitätsnah dargestellt wurde, vor allem die Verarmung und das Elend, die im Zuge der Industrialisierung ein in dieser Form neues Phänomen darstellten).

Die Symbolisten versuchen die momentane Realität in eine neue Wahrheit umzuwandeln. Sie erschaffen eine ästhetische Kunstwelt, die für sie eine neue Wirklichkeit darstellt und die über der aktuellen stehen soll. Hintergrund ist der Wunsch nach einer gesellschaftlichen und kulturellen Veränderung. Zentrales Element hierbei ist das Symbol, wobei in der Poesie jedes einzelne Wort zu einem Symbol werden kann. Das Wort scheint dann nicht mehr mit seiner üblichen Bedeutung auf, sondern entspricht einer übersinnlichen Realität, die wachrütteln will.13 Die Parnassische Schule orientiert sich hauptsächlich am Prinzip „l'art pour l'art“, deren Vertreter versuchen formal perfekte Gedichte durch das Vermeiden einer persönlichen Note in unbeteiligter Sprachhaltung zu realisieren. Sie nähern sich in ihrer Poesie älteren französischen Literaturformen, die in der Klassik verwendet wurden. In Rubén Daríos Werk „Los raros“ wird der Einfluss der Symbolisten klar deutlich. Er drückt in diesem Werk seine Bewunderung für verschiedene Dichter aus. Es handelt sich dabei vornehmlich um Poeten, die dem französischen Symbolismus und teilweise auch der Parnassischen Schule zuzurechnen sind. Vor allem Paul Verlaine hat die Poesie Rubén Daríos und somit des gesamten Modernismo nachhaltig geprägt. Über diesen schreibt Darío:

„Él ha sido el más grande de los poetas de este siglo. Su obra está esparcida sobre la faz del mundo. Suele ya ser vergonzoso para los escritores ápteros oficiales, no citar de cuando en cuando, siquiera sea para censurar sordamente, a Paul Verlaine.“14

Neben Paul Verlaine und Charles Baudelaire sollten auch Théophile Gautier (Parnassiens), Albert Samain (Symbolismus), Jules Laforgue (Symbolismus), Charles Leconte de Lisle (Parnassiens) als wichtige Einflüsse, sowie José Martí , Manuel Gutiérrez Nájera, Julián del Casal und José Asunción Silva als Vorläufer des Modernismo genannt werden.

3. Modernistische Züge in César Vallejos Werk

3.1 „Los heraldos negros“

Von César Vallejos Werk gilt lediglich sein erster Gedichtband „Los heraldos negros“ als modernistisch beeinflußt. In Literaturgeschichten wird César Vallejo im Zuge des Modernismo meist gar nicht oder wenn, dann dem Postmodernismo zugeordnet, erwähnt. Sehr klar kann man bei der Auseinandersetzung mit „Los heraldos negros“ allerdings sehen, dass er sich ausgiebig mit Rubén Daríos Werk befasst hat und in seinem Erstlingswerk einige Aspekte des Modernismo umsetzt. Größer noch, als der Einfluß Rubén Daríos auf sein Werk, war jener Julio Herrera y Reissigs, uruguayischer Poet, welcher sich nach Erscheinen der „Prosas profanas“ von Darío ebenfalls der modernistischen Poesie widmete. Zu Lebzeiten (er wurde nur 35 Jahre alt) wurden seine Gedichte lediglich in Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt. Nach seinem Tod wurde dann der Gedichtband „Los peregrinos de piedra“ posthum veröffentlicht, den er noch vor seinem Ableben zusammengestellt hatte. Signifikant in Julio Herrera y Reissigs Werk ist die Dominanz des Sonetts, eine Gedichtform, die auch César Vallejo immer wieder einsetzen sollte. Herrera y Reissig orientiert sich thematisch an der Schäferwelt der Renaissance sowie der Lyrik des Fin de siècle. Seine Gedichte geben düstere und sinnliche Inhalte wieder und sind teilweise methaphorisch überladen. Auch César Vallejo behandelt solch trübe Themen wie die Todesnähe, Verfall oder Dämmerungen. Ebenso ist der methaphorische Aspekt gegeben.

Trotz dieser Einflüsse weist „Los heraldos negros“ sehr persönliche Züge auf, sodass der Gedichtband bereits als Vorläufer des äußerst individuellen Meisterwerks „Trilce“ verstanden werden kann. Auch der Individualismus ist ein Aspekt der dem Modernismo zuzurechnen ist. Ivan A. Schulmann schreibt dazu: „Cada uno de los artistas modernistas en su afán por experimentar y ampliar las dimensiones expresivas del lenguaje literario decimonónico fueron por su propio camino.“15

Das Werk „Los heraldos negros“ besteht aus 69 Gedichten, die wiederum in sechs Kapitel unterteilt sind, jedoch keinem chronologischen System folgen. Dieser Aspekt kann ein Hinweis darauf sein, dass sich César Vallejo, wie es der Modernismo suggeriert, beim Anordnen auf seine inneren Gefühle verlassen hat. Wie schon erwähnt, sind einige der Gedichte im Stil des Sonetts verfasst, eine alte Gedichtform, die in Europa vor allem während des Barock beliebt war und im Zuge des Modernismo auf die Rückbesinnung auf alte Kunstformen verweist. Bei den restlichen Gedichten handelt es sich um strophenlose Poesie in freiem Reim, typisches Element des Modernismo, das sich gegen poetische Konventionen richtet.

3.2 Analyse von „Retablo“

„Retablo“ ist wohl das Gedicht, das am offensichtlichsten auf Rubén Darío und den Modernismo Bezug nimmt. Schon beim Titel handelt es sich um eine Sinnbild, anhand dessen Vallejo den Modernismo auf die Stufe einer Religion stellt: er will dem Modernismo ein Altarbild errichten.

Yo digo para mí: por fin escapo al ruido; nadie me ve que voy a la nave sagrada. Altas sombras acuden, y Darío que pasa con su lira enlutada.

Vallejo, "Retablo", Los heraldos negros

Er beschreibt, wie er, César Vallejo selbst, sich auf das heilige Schiff begiebt, d.h. in die Runde der Modernisten einsteigt und Teil dieser Literaturbewegung wird. Es kommen hohe Schatten herbei, jene Dichter, die bereits ihren fixen Platz unter den Modernisten haben und durch die Schatten, die sie mit ihrer Poesie werfen, andere beeinflußen. Und schließlich der „Gott des Modernismo“, Rubén Darío, der mit seiner d ü steren Musik, ein Synonym für dessen Dichtung, vorbeikommt.

Con paso innumerable sale la dulce Musa, y a ella van mis ojos, cual polluelos al grano. La acosan tules de éter y azabaches dormidos, en tanto sueña el mirlo de la vida en su mano.

Vallejo, "Retablo", Los heraldos negros

In der zweiten Strophe verweist Vallejo darauf, dass er sich auf diese Muse konzentriert, die düstere Musik Daríos die ihn inspiriert. Sie wird von ä therischem T ü ll verfolg, eine Metapher, die für die Leichtigkeit seiner Poesie stehen kann. Und Vallejo selbst, hier in Form einer Amsel, träumt von einem Leben in diesen Sphären, im Kreis des Modernismo. Dieser Strophe haftet etwas mysthisches an, gemeinsam mit der ersten Strophe wirkt die Szene wie eine religiöse Zeremonie, zu der alle hinströmen, um sich durch Daríos Poesie in einen spirituellen Zustand versetzen zu lassen.

Dios mío, eres piadoso, porque diste esta nave, donde hacen estos brujos azules sus oficios.

Darío de las Américas celestes! Tal ellos se parecen a ti! Y de tus trenzas fabrican sus cilicios.

Como ánimas que buscan entierros de oro absurdo, aquellos arciprestes vagos del corazón, se internan, y aparecen y, hablándonos de lejos, nos lloran el suicidio monótono de Dios!

Vallejo, "Retablo", Los heraldos negros

Auch in dieser Strophe hört der Lobgesang nicht auf, sondern Rubén Darío wird darin wortwörtlich mit Gott gleichgesetzt. Mit „esta nave“ meint Vallejo das Terraine des Modernismo, auf dem die blauen Zaubermeister ihren Geschäften nachgehen. In diesem Moment taucht das für den Modernismo so wichtige Farbadjektiv „blau“ auf, der Inbegriff dieser Bewegung, anhand dessen Vallejo die Modernisten als solche kennzeichnet. Vallojo verurteilt etwas, dass diese Rubén Darío nacheifern und aus seinen Haarflechten ihr B üß erhemd schneidern, d.h. dass sie Darío imitieren, um sich selbst auf dieselbe Höhe zu stellen. Als würden sie, wie er in der letzten Strophe schreibt, goldene Gr ä ber suchen, ebenso wie Darío eine goldene Krone auf ihrem Haupt wissen wollen. Vallejo stellt die Tatsache, wie Rubén Darío, d.h. Gott ähnlich sein zu wollen, als absurd dar (hier kann ein religiöser Vergleich zum Turmbau von Babel gezogen werden, wo die Menschen versuchen, näher an Gott heranzukommen). Das Gedicht gipfelt in einer dekatenten Stimmung, die mit dem monotonen Selbstmord Gottes auf den Verfall der modernistischen Literaturbewegung verweist.

Das Gedicht „Retablo“ schreibt also, wie wir gesehen haben, Rubén Darío eine Sonderstellung an der Spitze der modernistischen Bewegung zu. Vallejo setzt sich darin inhaltlich mit dem Modernismo auseinander, auf formaler Ebene verarbeitet er schließlich manche typisch modernistischen Aspekte.

[...]


1 Darío (1901), S. 35

2 José María Llanas Aguilaniedo war spanischer Schriftsteller, Journalist und Literaturkritiker, der dem spanischen Modernismo zuzuordnen ist.

3 damit ist Leonardo da Vinci gemeint, der diese Worte in einem seiner Manuskripte notierte. Sie wurden später vor allem von Vertretern des l'art pour l'art aufgegriffen.

4 Darío (1901), S. 37.

5 Zitat von Zitat, Rama (1985), S. 9.

6 Siebenmann (1997), S. 195.

7 Darío (1948), S.11.

8 vgl. auch Siebenmann (1997), S. 194.

9 Martí (1891).

10 vgl. zum modernistischen Vokabular auch Zanetti (1986), S. 1.

11 Darío (1985), S. 11.

12 Wild (2002), S. 31.

13 vgl. Tollinchi (2004), S. 191.

14 Darío (1985), S. 58.

15 Schulman (1993), S. 523.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung des "Modernismo" in Lateinamerika. Modernistische Elemente in "Los heraldos negros" von Cesar Vallejo
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Romanistik)
Note
3
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V150638
ISBN (eBook)
9783668209039
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
entstehung, modernismo, lateinamerika, modernistische, elemente, cesar, vallejo
Arbeit zitieren
Hanna Silbermayr (Autor), 2009, Die Entstehung des "Modernismo" in Lateinamerika. Modernistische Elemente in "Los heraldos negros" von Cesar Vallejo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150638

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