Nur in wenigen Segmenten des deutschen Logistikmarktes spielen große Unternehmen eine so offensichtlich untergeordnete Rolle wie im Segment des LKW-Ladungsverkehrs. Dies erscheint auf den ersten Blick überraschend, stellt er doch eines der größten Segmente des Marktes der Logistikdienstleistungen dar. Obgleich der in den vergangenen Jahren klar zu beobachtenden Tendenzen hinsichtlich Marktkonzentration und Marktkonsolidierung in vielen Bereichen der Logistikbranche, zeichnet sich der Ladungsverkehrsmarkt jedoch noch vor allem durch seine auffallend starke Fragmentierung aus.
Somit stellt sich die Frage nach der ökonomischen Effizienz dieser Dienstleister und vor allem nach noch ausschöpfbaren Wachstumspotenzialen. Denn die Rahmenbedingungen haben sich merklich verändert. Der Kostendruck ist gestiegen und die Transportdistanzen wachsen, bedingt durch die sich verstärkenden Interdependenzen der europäischen Volkswirtschaften.
Dabei zeigen jedoch große Unternehmen in den USA, dass ein beachtliches Erfolgs- und Rationalisierungspotenzial im LKW-Ladungsverkehr zu realisieren ist. Auffällig ist dabei, dass sie in der Vergangenheit die Schrittmacher eines sehr industrialisierten Geschäftsmodells waren, das sich durch große, firmeneigene LKW-Flotten sowie netzwerkartig verteilte Operationsstandorte charakterisieren lässt.
Es stellt sich aufgrund dessen die Frage: Kann das systematische Ausnutzen von Netzwerk- und Größeneffekten die Unternehmen im Bereich des LKW-Ladungsverkehrs zu größerer Effizienz führen?
Im Rahmen dieser Seminararbeit wird anhand von Auswertungen wissenschaftlicher Untersuchungen und Erkenntnissen eine Beantwortung dieser Frage angestrebt. Zunächst wird hierzu kurz auf die aktuelle Situation der deutschen, europäischen und US-amerikanischen Ladungsverkehrsmärkte eingegangen, um die Konstellationen verständlich zu machen sowie einen vergleichenden Überblick hinsichtlich der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu ermöglichen. Des Weiteren werden die Begriffe Netzwerkeffekte und Größeneffekte erläutert, da sie die untersuchten Erfolgsfaktoren darstellen. Anschließend erfolgt eine Analyse von zum Themenkomplex verfasster wissenschaftlicher Literatur. Dabei sollen die betrachteten Befunde dazu dienen, eine Lösung der zentralen Fragestellung zu ermöglichen. In einer Konklusion werden schließlich die Ergebnisse als abschließende Beantwortung nochmals zusammengefasst und ein Ausblick auf mögliche weitere Entwicklungen gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Bedeutung von Größe im LKW-Ladungsverkehr: Sind größere Unternehmen effizienter als ihre kleineren Wettbewerber?
2. Der LKW-Ladungsverkehr - vergleichender Überblick der aktuellen Situation in Deutschland, Europa und den USA
3. Netzwerkeffekte und Größeneffekte als zu betrachtende Faktoren
3.1 Netzwerkeffekte - Begriff und Erläuterung
3.2 Größeneffekte - Begriff und Erläuterung
4. Erkenntnisse wissenschaftlich relevanter Publikationen aus den USA zur Problemstellung
4.1 Wissenschaftliche Ergebnisse vor der Deregulierung
4.2 Wissenschaftliche Ergebnisse nach der Deregulierung
5. Größe - ein wichtiger Faktor sowie möglicher Vorteil im LKW Ladungsverkehr
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das systematische Ausnutzen von Netzwerk- und Größeneffekten Logistikunternehmen im Bereich des LKW-Ladungsverkehrs zu einer höheren ökonomischen Effizienz verhelfen kann, wobei insbesondere US-amerikanische Erfolgsbeispiele als Vergleichsmaßstab dienen.
- Analyse der Marktsituation im Ladungsverkehr in Deutschland, Europa und den USA
- Theoretische Definition und Abgrenzung von Netzwerkeffekten und Größeneffekten
- Auswertung wissenschaftlicher Publikationen zur ökonomischen Relevanz von Skaleneffekten
- Vergleich der Marktentwicklungen vor und nach der Deregulierung des US-Transportmarktes
- Diskussion der Übertragbarkeit von "Advanced-Truckload"-Geschäftsmodellen auf den europäischen Markt
Auszug aus dem Buch
3.1 Netzwerkeffekte - Begriff und Erläuterung
Netzwerkeffekte zählen zu den externen Effekten. Die Netzwerkeigenschaft eines Gutes bezeichnet „alle Phänomene, bei denen der Konsum eines Gutes nicht unabhängig von den anderen Konsumenten erfolgt.“ Das heißt es tritt das Phänomen der positiven Rückkopplung auf. Beobachtbar ist dies vor allem bei Gütern der Telekommunikationsindustrie. Gibt es nur eine sehr geringe Zahl an Nutzern von Mobiltelefonen, so vermag es als wenig attraktiv erscheinen selbst eines zu erwerben. Je mehr jedoch die Zahl an Handy-Besitzern zunimmt, desto nützlicher ist es, selber eines zu besitzen. Erreicht die Benutzerzahl gar einen Kulminationspunkt, so wächst die Nutzerzahl exponentiell und der Nutzen ebenso. Im Gegensatz zu diesen positiven Netzwerkeffekten soll aus Vollständigkeitsgründen jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass es auch zu negativen Netzwerkeffekten kommen kann. Dies ist dann der Fall, wenn es zu einer sogenannten Überfüllung des Netzes kommt. Im Beispiel des Mobilfunks bleibend, könnte sich das äußern in Form ganzer oder partieller Zusammenbrüche des Netzes oder Störungen im Netzempfang aufgrund von Überlastung. Abgesehen von soeben erläuterten, direkten Netzwerkeffekten, bei denen die Nutzerinteraktion zentral ist, existieren auch indirekte Netzwerkeffekte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Bedeutung von Größe im LKW-Ladungsverkehr: Sind größere Unternehmen effizienter als ihre kleineren Wettbewerber?: Das Kapitel beleuchtet die starke Fragmentierung des deutschen Ladungsverkehrsmarktes und stellt die Frage, ob die in den USA beobachtbaren Erfolgsmodelle großer Firmen auch hier Effizienzvorteile bieten könnten.
2. Der LKW-Ladungsverkehr - vergleichender Überblick der aktuellen Situation in Deutschland, Europa und den USA: Hier wird der Komplettladungsverkehr definiert und die Marktsituation in Deutschland sowie den USA gegenübergestellt, um die Relevanz der Branche und die unterschiedlichen Rahmenbedingungen aufzuzeigen.
3. Netzwerkeffekte und Größeneffekte als zu betrachtende Faktoren: Dieses Kapitel erläutert theoretisch, wie Netzwerkeffekte und Größeneffekte (Economies of Scale) funktionieren und warum sie für Logistikunternehmen signifikante Wettbewerbsvorteile oder auch Komplexitätsnachteile (Diseconomies of Scale) darstellen können.
4. Erkenntnisse wissenschaftlich relevanter Publikationen aus den USA zur Problemstellung: Basierend auf einer Literaturanalyse werden Studien aus den USA ausgewertet, um zu prüfen, ob sich Skaleneffekte empirisch belegen lassen und wie sich die Deregulierung des US-Marktes ab 1980 auf diese Zusammenhänge ausgewirkt hat.
5. Größe - ein wichtiger Faktor sowie möglicher Vorteil im LKW Ladungsverkehr: Abschließend wird resümiert, dass bei großen Unternehmen die Voraussetzung für eine höhere Kosteneffizienz durch Netzwerk- und Größeneffekte besteht, wobei für den europäischen Markt weiterführender Forschungsbedarf zur Anwendbarkeit dieser Modelle identifiziert wird.
Schlüsselwörter
Ladungsverkehr, Netzwerkeffekte, Größeneffekte, Skalenerträge, Economies of Scale, Logistik, Marktkonzentration, Deregulierung, LKW-Transport, Transportnetzwerk, Stückkosten, Effizienz, Wettbewerbsvorteil, Komplettladungsverkehr, Transportwirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob große Logistikunternehmen im Bereich des LKW-Ladungsverkehrs durch die Nutzung von Netzwerk- und Größeneffekten effizienter wirtschaften können als kleinere Wettbewerber.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die ökonomische Analyse des LKW-Ladungsverkehrs, die Definition netzwerkspezifischer Vorteile sowie eine literaturbasierte Untersuchung von Skaleneffekten im Transportsektor.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, ob das systematische Ausnutzen von Netzwerk- und Größeneffekten Unternehmen im Bereich des LKW-Ladungsverkehrs zu einer messbar größeren Effizienz führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Verfasser nutzt eine Literaturanalyse, in der wissenschaftliche Publikationen aus den USA zu Skalenerträgen und Netzwerkstrukturen im Transportmarkt systematisch ausgewertet und verglichen werden.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe Netzwerkeffekte und Größeneffekte theoretisch hergeleitet und anschließend anhand empirischer Studien aus den USA (vor und nach der Deregulierung 1980) auf ihre Praxisrelevanz geprüft.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind LKW-Ladungsverkehr, Netzwerkeffekte, Economies of Scale, Logistikeffizienz und Marktkonzentration.
Warum spielt die Deregulierung des US-Marktes eine so große Rolle für die Untersuchung?
Die US-Deregulierung des Jahres 1980 diente als natürliches Experiment, um zu beobachten, wie sich Unternehmen in einem freien Wettbewerb professionalisieren und durch Netzwerkstrategien (sogenannte "Advanced-Truckload-Netzwerke") Kostenvorteile realisieren.
Welche Rolle spielen "Diseconomies of Scale" in dieser Betrachtung?
Der Autor weist darauf hin, dass Größenvorteile nicht unbegrenzt sind, sondern bei zu großen Fuhrparks durch einen gestiegenen Koordinationsaufwand und höhere Bürokratiekosten in Komplexitätsnachteile, die sogenannten Diseconomies of Scale, umschlagen können.
Ist das Modell der US-amerikanischen Großflotten direkt auf Deutschland übertragbar?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass zwar strukturelle Ähnlichkeiten zunehmen, jedoch aufgrund der unterschiedlichen Marktbedingungen in Europa aktuell noch weiterführende Forschung notwendig ist, um die Erfolgsaussichten final zu bewerten.
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- Christian Seivert (Author), 2008, Netzwerk- und Größeneffekte im LKW-Ladungsverkehr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150647