Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem in der Gegenwartssprache wieder verstärkt auftretenden Phänomen der Doppelten Perfekt- und Plusquamperfektbildungen.
In dieser Arbeit sollen vor allem die verschiedenen Funktionen der verschiedenen Formen an Beispielen untersucht werden, sowohl in geschriebener als auch in gesprochener Sprache, um herauszufinden, ob die Doppelten Perfektbildungen wirklich nur ein Phänomen der gesprochenen Sprache sind. Dabei stellt sich auch die Frage, ob es auch in Beschreibungen der Standardsprache aufgenommen werden sollte.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 BILDUNG DOPPELTER PERFEKTFORMEN
3 FUNKTION DOPPELTER PERFEKTBILDUNGEN
3.1 DPF IN DER GESCHRIEBENEN SPRACHE
3.2 DPF IN DER GESPROCHENEN SPRACHE
3.3 HABEN UND SEIN
4 FAZIT
5 ANHANG
5.1 LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der doppelten Perfekt- und Plusquamperfektbildungen (DPF) in der deutschen Gegenwartssprache. Ziel ist es, durch eine synchrone Analyse sowohl in der geschriebenen als auch in der gesprochenen Sprache zu klären, welche Funktionen diese Formen erfüllen und ob sie über den Status eines reinen umgangssprachlichen Phänomens hinaus eine Berechtigung zur Aufnahme in normative Grammatiken besitzen.
- Semantische Funktionen und Verwendungsweisen doppelter Perfektbildungen
- Unterschiedliche Ausprägungen in geschriebener vs. gesprochener Sprache
- Die Rolle der Auxiliarverben "haben" und "sein" bei der DPF-Bildung
- Diskussion zur Einstufung als eigenständige Tempora
- Bedeutung der DPF im Bereich der indirekten Rede und des Konjunktivs
Auszug aus dem Buch
3.1 DPF in der geschriebenen Sprache
Allgemein betrachtet lässt sich zunächst feststellen, dass die doppelten Perfektbildungen in der geschriebenen Sprache differenzierter verwendet werden als in der gesprochenen Sprache. Das bedeutet, dass hier eine größere Anzahl an Funktionsweisen Verwendung finden. Am häufigsten treten indikativisches Doppelperfekt und Doppelplusquamperfekt in der deutschen Sprache auf, die konjunktivische Variante wird anschließend als eigener Unterpunkt im Bereich der Schriftsprache behandelt.
In geschriebenen Äußerungen wird in der Regel eine Interpretation der DPF im Kontextzusammenhang vorgeschlagen. Dabei werden folgende Funktionen zugrunde gelegt: a) Durch die Verwendung der DPF wird ein Referenzpunkt, d.h. ein intermediärer Zeitpunkt impliziert, der nicht lexikalisch, also durch Nennung einer Handlung, dargestellt wird. Dazu ein Beispiel: „Gleichzeitig tauchte Jadassohn wieder auf, der verschwunden gewesen war, man wußte nicht wohin.“
In diesem Beispiel geht die Handlung des Verschwindens logischerweise dem Verschwundensein voraus, das dann also „Referenzpunkt“ für die Verbalhandlung, das Auftauchen, ist. Viktor P. Litvinov zufolge muss hierfür eine DPF verwendet werden, um die Handlungsfolge ausdrücken zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das Thema der Doppelten Perfektbildungen ein, stellt verschiedene Bezeichnungen für das Phänomen vor und erläutert die Zielsetzung der synchronen Untersuchung.
2 BILDUNG DOPPELTER PERFEKTFORMEN: Dieses Kapitel definiert den Begriff der DPF als Oberbegriff für mehrere grammatische Phänomene und erläutert die strukturelle Zusammensetzung der Formen mittels Auxiliar und Partizipien.
3 FUNKTION DOPPELTER PERFEKTBILDUNGEN: Der Hauptteil analysiert die Verwendung der DPF, beleuchtet Unterschiede in der geschriebenen und gesprochenen Sprache sowie die spezifischen Funktionen von haben und sein.
3.1 DPF IN DER GESCHRIEBENEN SPRACHE: Hier wird untersucht, wie die DPF in schriftlichen Kontexten zur Markierung von Referenzpunkten, zur Vorzeitigkeit und im Konjunktiv eingesetzt wird.
3.2 DPF IN DER GESPROCHENEN SPRACHE: Dieses Kapitel behandelt die Verwendung der DPF als Mittel zur Tempusnivellierung und als spontane Gelegenheitsbildung in der gesprochenen Sprache.
3.3 HABEN UND SEIN: Dieser Abschnitt differenziert zwischen der eher resultativen Verwendung des Hilfsverbs sein und der eher subjektiven Note bei der Verwendung von haben.
4 FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Notwendigkeit der Aufnahme des Phänomens in normative Grammatiken aufgrund seiner funktionalen Lückenschließung im Tempussystem.
5 ANHANG: Enthält das Literaturverzeichnis der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Doppelte Perfektbildungen, DPF, Doppelperfekt, Plusquamperfekt II, Tempusforschung, Gegenwartssprache, Schriftsprache, gesprochene Sprache, Vorzeitigkeit, Konjunktiv, Tempusnivellierung, Grammatik, Sprachwissenschaft, Auxiliar, Partizip II
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung von sogenannten doppelten Perfekt- und Plusquamperfektbildungen in der deutschen Gegenwartssprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die grammatische Bildung dieser Formen, deren funktionale Verwendung in Texten und mündlicher Kommunikation sowie die Frage nach ihrer Anerkennung als Standardtempora.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass DPF nicht nur ein umgangssprachliches Phänomen sind, sondern wichtige Funktionen im deutschen Tempussystem erfüllen, insbesondere dort, wo einfache Tempora an ihre Grenzen stoßen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine synchrone Betrachtung, die auf der Zusammenstellung und dem Vergleich bestehender Theorien und Arbeiten sowie der Analyse konkreter Beispiele basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Funktionen der DPF in der geschriebenen und gesprochenen Sprache detailliert analysiert und die Unterschiede in der Verwendung der Hilfsverben haben und sein erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Doppelte Perfektbildungen, Vorzeitigkeit, Tempusnivellierung, Konjunktiv und die Unterscheidung von Schrift- und gesprochener Sprache.
Wie unterscheidet sich die DPF in der geschriebenen von der gesprochenen Sprache?
In der geschriebenen Sprache werden DPF meist differenzierter eingesetzt, um beispielsweise Referenzpunkte in narrativen Strukturen zu setzen, während sie im Gesprochenen oft als Ersatz für andere Vergangenheitsformen dienen.
Warum spielt der Konjunktiv eine besondere Rolle für die DPF?
Da die Formen des Konjunktivs im Deutschen nur begrenzt zeitliche Verhältnisse ausdrücken können, schließen DPF hier eine Lücke, um komplexe Vorzeitigkeitsverhältnisse in der indirekten Rede deutlich zu machen.
Welche Rolle spielen die Hilfsverben haben und sein?
Die Arbeit stellt heraus, dass sein tendenziell eine eher resultative und objektive Note besitzt, während haben häufiger die Reflexion der handelnden Person einbringt.
Sollten DPF in Grammatiken aufgenommen werden?
Die Autorin plädiert dafür, sie in Grammatiken darzustellen, da sie in bestimmten Fällen unverzichtbare Funktionen übernehmen und das deutsche Tempussystem funktional ergänzen.
- Quote paper
- Vanessa Drossel (Author), 2010, Bedeutung und Funktion der doppelten Perfektbildungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150669