Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das Deutsch-Amerikanertum


Seminararbeit, 2007

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Situation der Deutsch-Amerikaner vor dem Ersten Weltkrieg
2.1. Emigration aus dem Deutschen Reich in die USA
2.2. Stellung der Deutsch-Amerikaner in der amerikanischen Gesellschaft

3. Die Situation der Deutsch-Amerikaner während des Ersten Weltkriegs
3.1. Politische Maßnahmen gegen Deutsch-Amerikaner
3.2. Beziehungen der Deutsch-Amerikaner zur angloamerikanischen Bevölkerung
3.3. Reaktionen der Deutsch-Amerikaner auf den Ersten Weltkrieg

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit seinen unzähligen Opfern und dem Ende des deutschen Kaisertums bedeutete der Erste Weltkrieg für die Bevölkerung des Deutschen Reichs einen tiefen Ein­schnitt. Die hier vorliegende Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs für die deutschstämmige Bevölkerung in den USA. Im Zentrum der Betrachtung steht die Frage, ob und in wiefern es infolge des Ersten Weltkriegs zu einem Wandel im Selbstverständnis der Deutsch-Amerikaner kam. Die Unter­suchungen konzentrieren sich auf den Zeitraum der Kriegshandlungen, um die unmittelbaren Auswirkungen des Kriegs für die Situation der Deutschen in den USA deutlicher hervortreten zu lassen.

Die Bedeutung des Ersten Weltkriegs für die deutsch-amerikanische Bevölkerung der USA wurde bereits sehr umfassend von Frau Wiedemann-Citera[1] untersucht, die sich auf die Auswertung dreier New Yorker Tageszeitungen stützt. Ihre Aus­wertungen bilden die wichtigste Grundlage dieser Arbeit, da sie sich insbesondere auch mit dem ethnischen Selbstverständnis der Deutsch-Amerikaner befassen. Des Weiteren wurden neueste Überblickswerke über den Ersten Weltkrieg und die Geschichte der USA berücksichtigt.

Zu Beginn der vorliegenden Arbeit wird ein kurzer Überblick über die Entwick­lung des Deutsch-Amerikanertums in den USA gegeben. Dabei wird sowohl auf die verschiedenen Phasen der deutschen Immigration als auch auf die Stellung der Deutsch-Amerikaner in der amerikanischen Gesellschaft eingegangen. Es wird dann im zweiten Teil der Arbeit zunächst auf politische Maßnahmen der ameri­kanischen Regierung eingegangen, bevor die Beziehung der Deutsch-Amerikaner zur angloamerikanischen Bevölkerung betrachtet werden. Abschließend wird - vor dem Hintergrund der vorhergehenden Kapitel - die Reaktion der Deutsch­Amerikaner auf ihre veränderte Situation während des Kriegs interpretiert.

2. Die Situation der Deutsch-Amerikaner vor dem Ersten Weltkrieg

2.1. Emigration aus dem Deutschen Reich in die USA

Bevor der Blick auf die Stellung der Deutsch-Amerikaner in der US-Gesellschaft gerichtet wird, soll ein kurzer Überblick über die Phasen der deutschen Amerika­immigration gegeben werden. Außerdem wird auf die soziale Herkunft der Immi­granten und die Gründe ihrer Einwanderung in die USA eingegangen.

Von 1820 bis 1914 emigrierten ungefähr 5 Mio. Deutsche nach Übersee. Bereits im 17. und 18. Jahrhundert waren zehntausende Deutsche nach Nordamerika aus­gewandert. Ab den 1840er Jahren kam es dann zu einem außerordentlichen Anstieg der Emigrationen aus dem Deutschen Reich, vor allem nach Nordame­rika. Die Auswanderung im 19. Jahrhundert ging insbesondere in drei großen Wellen vor sich. Zum erstenmal stieg die Zahl der Auswanderer zwischen 1852 und 1854 deutlich an. Zwischen 1866 und 1873 gab es eine zweite Welle, die jetzt fast ausschließlich die USA als Zielland hatte. Quantitativ am bedeutendsten war die dritte Welle von 1880 bis 1893. In diesem Zeitraum verließen 1.800.000 Deut­sche ihre Heimat; ca. 90% davon in Richtung USA. Die Zahl der Einwanderer in die USA stand in Abhängigkeit zu wirtschaftlichen und politischen Ereignissen des Landes. Die Weltwirtschaftskrisen von 1857 bis 1859 und von 1873 bis 1878 führten ebenso zu einem zwischenzeitlichen Rückgang der Immigrationen wie der amerikanische Bürgerkrieg zwischen 1861 und 1864.[2] Bei Beginn des Ersten Weltkriegs bildeten die Deutsch-Amerikaner mit über 8 Mio. die zweitgrößte nationale Minderheit in den USA.[3]

Das soziale Profil der deutschen Emigranten, wie auch deren Herkunftsregionen innerhalb des Deutschen Reichs, wandelten sich im Laufe der Zeit. Im 18. Jahr­hundert und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts emigrierten v.a. selbstständige Bauern und Handwerker aus Südwestdeutschland mit ihren Familien. Danach kam es zunehmend zu Einzelwanderungen der ländlichen Unterschicht, von Land­arbeitern, Knechten und Mägden aus den ostelbischen Provinzen Preußens und aus Mecklenburg. Um 1900 kam die Auswanderung von städtischen Bevölke­rungsgruppen und Industriearbeitern hinzu. Der Schwerpunkt lag jetzt in industri­ellen oder industrienahen Regionen im Westen und Nordwesten Deutschlands.[4] Zwar machten Kleinbauern und Handwerker den Großteil der deutschen Immi­granten in Amerika aus, dennoch waren Mitglieder aller Klassen vertreten. Unter ihnen auch Intellektuelle, Radikale und Aktivisten der Arbeiterbewegung.[5] Als Gründe für die Einwanderung in die Vereinigten Staaten lassen sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in erster Linie die folgenden nennen: der Bedarf an ungelernten, billigen Arbeitskräften aufgrund der Hochindustrialisierung; die Möglichkeit wegen der zunehmenden Urbanisierung unter Gleichsprachigen billig zu wohnen; und die Verfügbarkeit von Land zu günstigen Konditionen sowie Ar­beit in der Landwirtschaft im Westen.[6]

2.2. Stellung der Deutsch-Amerikaner in der amerikanischen Gesellschaft

Von der amerikanischen Regierung wurde die sprachliche und kulturelle Einheit der in den USA ansässigen Bevölkerung angestrebt und auch aktiv gefordert. So waren z. B. rudimentäre Englischkenntnisse und die Anerkennung der politischen und soziokulturellen Grundnormen der USA zwingende Voraussetzung für den Erwerb der amerikanischen Staatsbürgerschaft nach fünf Jahren Aufenthalt im Land. Seit 1908 war in diesem Zusammenhang der Begriff melting pot geläufig geworden: die USA bzw. die amerikanische Gesellschaft als „Schmelztiegel“ der immigrierten Kulturen.[7]

Die in den 1920er Jahren aufgekommene Theorie des kulturellen Pluralismus wi­dersprach dieser Auffassung. Danach sei die amerikanische Gesellschaft seit der Kolonialzeit von einer Koexistenz der unterschiedlichen kulturellen Gruppen ge­prägt gewesen. Eine kulturelle Homogenität wurde nie erreicht und von Seiten der Einwanderer auch nicht angestrebt.[8] Kultur und Sprache der Heimat wurden wei­terhin gepflegt und waren identitätsstiftend. Erst in der dritten Generation der Im­migrantenfamilien wurde der Amerikanisierungsprozess deutlich.[9] Die Einwanderer aus dem Deutschen Reich bildeten in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Sie versuchten, ihre kulturellen Wurzeln mit allen Mitteln zu be­wahren. Ihre Aktivitäten beschränkten sich größtenteils auf die eigene ethnische Gruppe.[10] In landwirtschaftlich geprägten Gebieten der USA kam es zu zusam­menhängenden Ansiedlungen von Deutschen, die zum Teil bereits vor der Emi­gration aus Europa im gleichen Dorf gelebt oder der gleichen religiösen Gemein­de angehört hatten. Erst einmal in der neuen Heimat angekommen, besetzten sie die lokalen öffentlichen Ämter sowie führende Stellen in den städtischen Insti­tutionen und Zünften, und gründeten eigene Selbsthilfeorganisationen, Kranken­versicherungen und Sterbekassen. Zudem wurde eine Vielzahl deutschsprachiger Zeitungen ins Leben gerufen. Ab der Wende zum 20. Jahrhundert machte sich zwar allmählich ein Schwinden des sprachlichen und demographischen Funda­ments des Deutschamerikanertums bemerkbar, die letzten deutschen Sprachinseln verschwanden jedoch erst um 1930.[11]

Ein einheitliches Deutschlandbild gab es unter den Deutsch-Amerikanern nicht. Die Zusammensetzung der Gruppe war zu heterogen und beinhaltete sowohl Unterstützer als auch Gegner der deutschen Monarchie. Ohnehin waren außen­politische Belange gegenüber der innenpolitischen Lage nachrangig. So bestanden zwischen den deutsch-amerikanischen Institutionen und dem Deutschen Reich auch keinerlei Verbindungen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die poli­tische Treue der Deutsch-Amerikaner den USA gehörte.[12]

[...]


[1] Wiedemann-Citera, Barbara, Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf die Deutsch­Amerikaner im Spiegel der New Yorker Staatszeitung, der New Yorker Volkszeitung und der New York Times 1914-1926, Frankfurt am Main u.a. 1993.

[2] Ehmer, Josef, Bevölkerungsgeschichte und historische Demographie 1800-2000 (=Enzyklopä-die Deutscher Geschichte 71), München 2004, 27f.

[3] Schaffer, Ronald, America in the great war. The rise of the war welfare state, New York/ Ox-ford 1991, 20.

[4] Ehmer, Bevölkerungsgeschichte, 29.

[5] Dinnerstein, Leonard/ Nichols, Roger L./ Reimers, David M., Natives and strangers. A multi­cultural history of Americans, New York/ Oxford 42003, 72.

[6] Adams, Willi Paul, Die USA vor 1900 (=Oldenbourg Grundriss der Geschichte 28), München 2000, 115.

[7] Ders., Die USA im 20. Jahrhundert (=Oldenbourg Grundriss der Geschichte 29), München 2000, 8.

[8] Adams, Die USA im 20. Jahrhundert, 16.

[9] Gassert, Philipp/ Häberlein, Mark/ Wala, Michael, Kleine Geschichte der USA, Stuttgart 2007, 318.

[10] Dinnerstein, Natives, 72f.

[11] Adams, Die USA im 20. Jahrhundert, 23 sowie zu den gegründeten Institutionen auch Gassert, USA, 320f.

[12] Wiedemann-Citera, Deutsch-Amerikaner, 39f.

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Details

Titel
Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das Deutsch-Amerikanertum
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V150694
ISBN (eBook)
9783640620692
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erster Weltkrieg, Amerika, Deutsch-Amerikaner
Arbeit zitieren
Armin Sacher (Autor), 2007, Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das Deutsch-Amerikanertum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150694

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