Expertenstandards. Projekt zur Implementierung und Evaluation der Kontinenzförderung in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung


Hausarbeit, 2008

33 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Kontinenzförderung als Beitrag zur Qualitätssicherung
1.2 Darstellung des Projektfelds
1.3 Projektablauf

2 Vorprojektphase und Planung
2.1 AG-Bildung, Arbeitsauftrag
2.2 Projektplanung
2.3 Der Expertenstandard als Grundlage
2.4 Die Konsensuskonferenz

3 Realisierung
3.1 Verfahrensanweisung, Miktionsprotokoll
3.2 Mitarbeiterschulungen
3.3 Ablaufschema Kontinenzförderung
3.4 Integration

4 Evaluation
4.1 Der DNQP-Workshop
4.2 Umsetzung der Evaluation
4.2.1 Dokumentenanalyse
4.2.2 Personalbefragung
4.3 Aufbereitung, Interpretation und Präsentation der Ergebnisse

5 Schlussfolgerungen, Ausblick

Literatur

Abbildungen

1 Phasen des Projektablaufs

2 Projektstrukturplan

3 Projektablaufplan

4 Kontinenzprofil bei Aufnahme

5 Vorliegen eines Maßnahmenplans

Tabellen

1 Organisationsmodelle und ihre Merkmale

2 Vergleich von Aufnahme- und Angestrebtem Kontinenzprofil

3 Teilnahme an Schulungs-/ Fortbildungsmaßnahmen

4 Weiterer Schulungs-/ Fortbildungsbedarf

5 Maßnahmen bei Harninkontinenz

Anlagen

1 Expertenstandard Förderung der Harnkontinenz in der Pflege

2 Kontinenzprofile

1 Einleitung

Nachdem Qualitätssicherung in der Pflege bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts nur im weitesten Sinne existierte und auch dann eher intuitiv als organisiert erfolgte, sind in den letzten Jahren deutliche Tendenzen einer zunehmenden Systematisierung und Strukturierung von Qualitätsentwicklung und –sicherung zu beobachten. Ursächlich dafür ist ein Zusammenspiel von Professionalisierungsbestrebungen, Marketingnotwendigkeiten und gesetzlichen Vorgaben. Die nachholende Akademisierung der deutschen Pflege schafft die Rahmenbedingungen für einen Wissenstransfer zwischen Theorie und Praxis, der die Ansprüche und Lebenswelten von Pflegenden, aber auch zu Pflegenden grundlegend beeinflusst. Prominentestes Beispiel für eine zunehmend an wissenschaftlichen (Evidenz-)Kriterien orientierte Praxis sind die seit 2002 veröffentlichten nationalen Expertenstandards (vgl. Kap. 2.3). Sie bearbeiten zentrale praxisrelevante Themen mit spezifisch pflegerischem Zugang.

1.1 Kontinenzförderung als Beitrag zur Qualitätssicherung

Mit einem besonders defizitären Thema befasst sich der 2007 erschienene Expertenstandard Förderung der Harnkontinenz in der Pflege (Anlage 1) – muss doch der bisherige Umgang mit diesem Pflegeproblem insbesondere im Klinikalltag eher als Förderung der Inkontinenz verstanden werden. Dies obwohl die Harninkontinenz für viele Betroffene zu einem zentralen Lebensthema geworden ist, das die Lebensqualität entscheidend beeinflusst, und obwohl sich hier ein weites Feld pflegerischer Interventionen bietet, die zu überzeugenden Erfolgen führen können[1]. Der sensible Umgang mit diesem Tabuthema und das Angebot angemessener Beratung bzw. die Einleitung perspektivengebender Maßnahmen können für die subjektive Beurteilung eines Klinikaufenthalts ebenso bedeutsam oder sogar entscheidender sein als die Behandlung der bei Aufnahme im Vordergrund stehenden Erkrankung.

1.2 Darstellung des Projektfelds

Es handelt sich um ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung mit 210 Betten. Der Schwerpunkt liegt in der Gefäßmedizin. Bettenführende Fachabteilungen sind Allgemein- sowie Gefäßchirurgie, Innere Medizin und Geriatrie.

Sowohl im Leitbild als auch in der konkreten Qualitätspolitik des Hauses wird besonderer Wert auf eine permanente Fort- und Weiterbildung der Mitarbei-terInnen und eine entsprechende Orientierung der täglichen Arbeit an neuesten fachspezifischen, hier insbesondere pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen gelegt.

Auf spezielle Erfahrungen mit nationalen Expertenstandards und eine gewisse Vertrautheit der MitarbeiterInnen mit diesem Instrument konnte durch die bereits umgesetzten Standards zur Dekubitus- und Sturzprophylaxe zurückgegriffen werden.

1.3 Projektablauf

Ein Projekt ist idealtypisch in vier Phasen gegliedert:

- „Vorprojekt- oder Definitionsphase“,
- „Planungsphase“,
- „Realisierungsphase“ und
- „Abschlussphase“ (Hechler/ Zinkahn 2006, 14).

Diese Phasen sind wiederum durch sogenannte Meilensteine strukturiert. „Ein Meilenstein ist ein definiertes Arbeitsergebnis von erheblicher Bedeutung für den weiteren Projektverlauf, das zu einem festgelegten Zeitpunkt vorzuliegen hat“ (ebd., 15). Die Darstellung erfolgt im Weiteren anhand dieses Phasenmodells.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Phasen des Projektablaufs. – Quelle: Eigene Darstellung nach Hechler/ Zinkahn 2006, 15

2 Vorprojektphase und Planung

Grundlage für die Entscheidung, ein Vorhaben als Projekt anzugehen, ist „eine Aufgabenstellung, die für das fachliche Profil oder für die Arbeitsweise des Unternehmens neuartig ist und mit der Routine in der Linienorganisation nicht bearbeitet werden kann“ (Hechler/ Zinkahn, 42). Damit verbunden ist ein „hoher Schwierigkeitsgrad und hohes Risiko“ (ebd., 10). Kriterien zur Zuschreibung der Projekteigenschaft sind

- „zeitliche Begrenzung“,
- „finanzieller und personeller Rahmen“,
- „externer oder unternehmensinterner Auftraggeber“,
- „eigene Organisationsform“,
- „fachübergreifende Zusammenarbeit mehrerer Mitarbeiter oder Abteilungen“,
- „Überwachung durch Kontrollinstanzen“,
- „umfassende Problemstellung“,
- „formulierte Zielsetzung“,
- „innovatives Ziel“ (Litke/ Kunow 2006, 8).

Anhand der Art und Weise der Integration eines Projekts in die bestehenden Unternehmensstrukturen lassen sich verschiedene Organisationsmodelle unterscheiden:

Tab. 1 : Organisationsmodelle und ihre Merkmale. - Quelle: Hechler/ Zinkahn 2006, 24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In unserem Fall handelt es sich um ein Koordinationsmodell, da der Projektleiter bei begrenzten Kompetenzen auf ständige Unterstützung des Auftraggebers angewiesen ist.

2.1 AG-Bildung, Arbeitsauftrag

Die Initiative zur Bildung der AG Kontinenzförderung ging von der Pflegedirektorin aus, die im Vorfeld der Konsensuskonferenz (vgl. Kap. 2.4) den Bedarf gesehen hatte, die Umsetzung des angekündigten Expertenstandards an eine kontinuierlich arbeitende Projektgruppe zu delegieren. Über die Pflegeleitungen der einzelnen Stationen wurden Interessierte gesucht, die auch angeben sollten, ob sie sich die Leitung eines Projekt-Teams vorstellen könnten. Auf diese Weise konnte eine Gruppe von vier Pflegefachkräften aus verschiedenen Fachbereichen (Innere Medizin/ Gefäßchirurgie, Geriatrie, Intensivmedizin) mit einer Leitung und einer stellvertretenden Leitung gebildet werden.

Der Projektauftrag wurde im geplanten Gespräch mit der Pflegedirektorin vereinbart. Als Ziel des Projekts wurde die an die Gegebenheiten des Krankenhauses angepasste Umsetzung des Expertenstandards festgelegt. Dazu sollte sich inhaltlich mit den Standard-Vorgaben befasst werden, um anschließend eine Verfahrensanweisung zu entwickeln, in das betriebsinterne Qualitätshandbuch zu integrieren und durch Schulungen und Fortbildungsveranstaltungen den KollegInnen in den Stationen bekannt zu machen.

Die Expertenstandards des DNQP dürfen nicht „mit standardisierten Handlungsabläufen oder Handlungsrichtlinien verwechselt werden“ (Bartholomeyczik 2005, 2). Dennoch eignen sie sich durch ihre Struktur, Meilensteine für das Vorgehen in der Praxis festzulegen. Insbesondere für die Implementierung in den Modelleinrichtungen (vgl. Moers u.a. 2007b, 129) werden genaue Vorgaben gemacht: „Das Implementierungsprojekt umfasst vier komplexe Schritte mit unterschiedlichen inhaltlichen und organisatorischen Anforderungen an die Projektbeteiligten in den Praxiseinrichtungen. Es handelt sich um die Phasen

- Fortbildung der MitarbeiterInnen (Januar 2006)
- Anpassung des Expertenstandards an die besonderen Anforderungen der Zielgruppe/ Pflegeeinheit (Februar, März 2006)
- Einführung/ Anwendung des Expertenstandards (April, Mai 2006)
- Datenerhebung mit standardisiertem Audit-Instrument (Juni 2006)“ (DNQP 2005, 1)

Für das Projekt wurde eine an diese Phasen angelehnte Ablaufplanung vereinbart. Die straffe und verbindliche Zeitplanung, die für eine Modellimplementierung gelten muss, wurde dabei nicht übernommen. Damit wurde in Rechnung gestellt, dass es sich bei der Kontinenzförderung um ein neues Thema handelt, das einer gewissen Gewöhnungs- und Routinisierungszeit bedarf. Die angegebenen Zeiträume beziehen sich auf die tatsächlich erfolgte Umsetzung:

- Vorbereitung auf, Teilnahme an und Nachbereitung der Konsensuskonferenz (Oktober 2005)
- Erarbeitung einer Verfahrensanweisung und Abstimmung mit der Pflegedirektorin (November, Dezember 2005)
- Mitarbeiterschulungen (Januar bis Juni 2006)
- Evaluation (Februar 2008)

Diese ursprüngliche Planung wurde, wie zu zeigen sein wird, im Projektverlauf durch weitere Meilensteine ergänzt (vgl. Kap. 3.3), die den langen Abstand zur Evaluation erklären. Dies war auch durch eine von Anfang an vereinbarte enge Abstimmung der Projektgruppe mit der Pflegedirektorin möglich, die etwa durch Zusendung der Protokolle der AG-Sitzungen stets über den aktuellen Stand des Projektverlaufs informiert war und umgekehrt bei relevanten Entscheidungen jederzeit konsultiert werden konnte. Die Beteiligten waren sich einig, dass eine gründliche Verankerung des neuen Themas im betrieblichen Alltag höhere Priorität habe als ein zügiger Projektabschluss. Bei geringer Kostenintensität schien eine derartige Annäherung an begrenzte Akzeptanz- und Aufnahmefähigkeiten gerechtfertigt (vgl. Schelle 2007, 129).

2.2 Projektplanung

Den Beginn der eigentlichen Projektarbeit markierte das Kick-off-Meeting im Oktober 2005. Wesentliches Ziel einer solchen Projektstartsitzung ist die „Ausarbeitung eines zumindest groben Projektstruktur- und eines Phasenplans“ (Schelle 2007, 91), die die Grundlage für das weitere Vorgehen bilden.

Dementsprechend wurde anhand der Vorgaben des Projektauftrags eine Ablauf- und Zeitplanung vorgenommen, deren Grundlage sich als Projektstrukturplan darstellen lässt (vgl. ebd., 126f.):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Projektablaufplan. – Quelle: Eigene Darstellung nach Hechler/ Zinkahn 2006, 53

2.3 Der Expertenstandard als Grundlage

Von der Fachhochschule Osnabrück ausgehend, hat sich seit 1992 das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege DNQP konstituiert und etabliert. Dieses richtet wiederum Expertengruppen ein, die ihrerseits Expertenstandards entwickeln, die zu pflegerisch relevanten Themen das jeweils aktuelle international verfügbare Wissen zusammenfassen. „ Expertenstandards sind als ein Instrument zu verstehen, mit deren [sic] Hilfe die Qualität von Leistungen definiert, eingeführt und bewertet werden kann und das Auskunft darüber gibt, welche Verantwortung die Berufsgruppe gegenüber der Gesellschaft, den Pflegebedürftigen, dem Gesetzgeber, wie auch gegenüber ihren einzelnen Mitgliedern übernimmt“ (Schiemann/ Moers 2007, G1600/ 4).

Vor Veröffentlichung jedes Expertenstandards wird eine bundesweite Konsensuskonferenz veranstaltet, zu der die Fachöffentlichkeit eingeladen ist und auf der die einzelnen Aussagen des Standards diskutiert werden. Die Ergebnisse der Konferenz fließen dann in die endgültige Fassung des nationalen Expertenstandards ein.

[...]


[1] Vgl. dazu die referierten Studienergebnisse zu den verschiedenen aufgeführten Maßnahmen in Hayder 2007, 65ff.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Expertenstandards. Projekt zur Implementierung und Evaluation der Kontinenzförderung in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
33
Katalognummer
V150754
ISBN (eBook)
9783640622214
ISBN (Buch)
9783640621934
Dateigröße
1358 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Implementierung Expertenstandard, Kontinenzförderung
Arbeit zitieren
Martin Braun (Autor), 2008, Expertenstandards. Projekt zur Implementierung und Evaluation der Kontinenzförderung in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150754

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