Ohne Eltern geht es nicht, aber wie geht es gemeinsam? Eltern sind die Experten für ihr Kind. Elternarbeit in der Kita ist damit eine Grundlage für die pädagogische Arbeit mit den Kindern und gleichzeitig eine Herausforderung für Erzieherinnen.
Die Praxis zeigt, dass sich eine erfolgreiche Zusammenarbeit oft schwierig gestaltet, besonders mit Eltern, die unkooperativ erscheinen, deren Kinder „auffällig“ sind und deren Erziehungsansichten mit den pädagogischen Ansichten der Erzieherin opponieren. Die theoretische Auseinandersetzung mit dem lösungsorientierten Denk- und Handlungsmodell von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg und Erfahrungen aus der Praxis stellen in diesem Zusammenhang eine hervorragende Alternative zur herkömmlichen Praxis der Kommunikation und der Arbeit mit Eltern in der Kita dar. Es ist besonders interessant, da es von einer konstruktivistischen Sichtweise ausgeht und nach Ressourcen und Lösungen an Stelle von Problemen und Defiziten sucht.
In der vorliegenden Arbeit wird der lösungsorientierte Ansatz näher betrachtet und am Beispiel eines Elterngesprächs der Frage nachgegangen, ob sich dieser Ansatz eignet, eine wertschätzende und ressourcenorientierte Zusammenarbeit von Elternhaus und Kita zu ermöglichen.
Kapitel 1 stellt als Grundlage ein Praxisbeispiel dar - eine Ausgangssituation für ein Elterngespräch. Kapitel 2 beschreibt die Kernpunkte des lösungsorientierten Ansatzes und Methoden der lösungsorientierten Gesprächsführung. In Kapitel 3 wird auf Voraussetzungen zum Gelingen lösungsorientierter Gesprächsführung eingegangen und ein lösungsorientiertes Elterngespräch konstruiert. Die Schlussbetrachtung dient der Reflexion dieses fiktiven Beispiels.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Fallbeispiel – Ausgangssituation für ein Elterngespräch
2 Grundlagen der lösungsorientierten Gesprächsführung
2.1 Der lösungsorientierte Ansatz nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg
2.2 Menschenbild und Grundannahmen
2.3 Methoden der lösungsorientierten Gesprächsführung
2.3.1 Lösungsorientiertes Zuhören
2.3.2 Ressourcensuche
2.3.3 Lösungsorientierte Fragetechniken
2.3.4 Gesprächsabschluss
3 Elterngespräche lösungsorientiert geführt
3.1 Voraussetzungen der lösungsorientierten Gesprächsführung
3.2 Aufbau und Struktur eines lösungsorientierten Elterngesprächs zum Fallbeispiel
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit der lösungsorientierte Ansatz nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg als Methode in der pädagogischen Elternarbeit geeignet ist, um eine wertschätzende Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Kita zu fördern und festgefahrene Kommunikationsstrukturen aufzubrechen.
- Grundlagen des lösungsorientierten Modells und dessen konstruktivistisches Menschenbild.
- Methodische Werkzeuge wie Ressourcensuche, Wunderfrage und Skalierungsfragen.
- Anwendung lösungsorientierter Gesprächsführung in einem Praxisbeispiel.
- Reflexion über die Rolle des Pädagogen zwischen professioneller Beratung und therapeutischem Anspruch.
- Förderung der Kooperationsbereitschaft bei "unkooperativen" Eltern.
Auszug aus dem Buch
1 Fallbeispiel – Ausgangssituation für ein Elterngespräch
Julian (Name geändert) ist 5 Jahre alt und seit einem halben Jahr in unserem Kinderhaus. Seine Mutter, Frau W., hat noch 3 jüngere Kinder, lebt von Hartz 4 und ist alleinerziehend. Julian war erst in einer anderen Kita. Dort wurde Frau W. der Betreuungsvertrag gekündigt, da Essengeldschulden aufgelaufen waren, Julian oft wochenlang nicht in die Kita kam und ein aggressives Verhalten zeigte.
In unserem Kinderhaus ist er in eine altersgemischte Gruppe integriert. Frau W. ist den Erzieherinnen gegenüber verschlossen, meidet Kontakte und Gespräche weitgehend. Eine Zusammenarbeit gestaltet sich schwierig. Julian gegenüber wird sie schnell ungeduldig, schreit ihn an, wenn er sich nicht beeilt oder entwicklungstypische Verhaltensweisen zeigt. Sie bringt ihn oft sehr unregelmäßig ins Kinderhaus, manchmal tagelang überhaupt nicht oder erst gegen Mittag. Julian kann sich dadurch nur schwer in Spielgruppen integrieren oder soziale Kontakte aufbauen und hat so eine Außenseiterposition inne. Von der Erzieherin angesprochen, dass es für Julian wichtig wäre, regelmäßig und früher ins Kinderhaus zu kommen, reagierte Frau W. aggressiv - sie könne kommen, wann sie wolle und früh schliefen sie halt lange. Zu zwei vereinbarten Terminen für ein Elterngespräch erschien Frau W. nicht. An einem Dienstagnachmittag kam Frau W. dann doch zur vereinbarten Zeit mit den Worten: „Aber sie brauchen mir gar nichts zu erzählen, die in dem andern Kindergarten haben auch schon immer auf mir und meinem Kind rumgehackt.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderung einer gelingenden Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Kita und Eltern und stellt den lösungsorientierten Ansatz als Alternative zur defizitorientierten Elternarbeit vor.
1 Fallbeispiel – Ausgangssituation für ein Elterngespräch: Es wird die schwierige Ausgangslage einer Mutter und ihres Kindes in der Kita beschrieben, die als Grundlage für die spätere Anwendung des lösungsorientierten Modells dient.
2 Grundlagen der lösungsorientierten Gesprächsführung: Dieses Kapitel führt in die Ursprünge des Modells nach Shazer und Berg ein und erläutert das konstruktivistische Menschenbild sowie die methodischen Kerninstrumente.
3 Elterngespräche lösungsorientiert geführt: Hier werden die Voraussetzungen für die praktische Umsetzung definiert und anhand eines konstruierten Elterngesprächs die Anwendung der erarbeiteten Methoden aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Lösungsorientierung, Elternarbeit, Kita, Konstruktivismus, Ressourcen, Gesprächsführung, Pädagogik, Wunderfrage, Skalierungsfragen, Wertschätzung, Kommunikation, Kindeswohl, Zusammenarbeit, systemische Beratung, Erziehungspartnerschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Anwendung des lösungsorientierten Gesprächsansatzes in der pädagogischen Elternarbeit, um eine konstruktive und wertschätzende Kooperation zwischen Kita und Elternhaus zu ermöglichen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben den theoretischen Grundlagen der lösungsorientierten Kurztherapie stehen der konstruktive Umgang mit Widerständen, die Rolle des Pädagogen und die methodische Gesprächsführung im Zentrum.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob das ursprünglich therapeutische Modell der lösungsorientierten Gesprächsführung geeignet ist, um festgefahrene Kommunikationsmuster in der Kita-Elternarbeit aufzulösen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur kombiniert mit der Konstruktion eines fiktiven Fallbeispiels, um die Praxistauglichkeit der Methode zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den lösungsorientierten Ansatz, die Darstellung spezifischer Kommunikationstechniken und deren beispielhafte Anwendung in einem Elterngespräch.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Lösungsorientierung, Ressourcenorientierung, konstruktivistisches Menschenbild und die Gestaltung von Elterngesprächen als Prozess der Kompetenzerweiterung.
Warum ist das gewählte Fallbeispiel von "Frau W." so relevant für den Ansatz?
Frau W. zeigt typische Anzeichen von Widerstand und Verschlossenheit gegenüber institutionellen Erwartungen, was die Relevanz einer wertschätzenden, nicht-bewertenden Gesprächshaltung des Pädagogen unterstreicht.
Welche kritische Reflexion äußert die Autorin am Ende?
Die Autorin reflektiert kritisch über die Grenzen des Modells, insbesondere bei der Abgrenzung von der Pädagogik zur Therapie und bei der Anwendbarkeit spezieller Techniken wie der "Wunderfrage" im Kita-Alltag.
- Quote paper
- Kathleen Siebert (Author), 2009, Erfolgreiche Zusammenarbeit von Kita und Familie. Der lösungsorientierte Ansatz in der Elternarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150769