Castel del Monte

Zweck und Funktion der 'corona apulie'


Essay, 2000
14 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Castel del Monte – Die corona apulie
2.1. Der Aufbau von Castel del Monte
2.2. Funktion der Räume von Castel del Monte
2.3. Der mögliche bauliche Ursprung von Castel del Monte
2.4. Die weitere Geschichte von Castel del Monte

3. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Castel del Monte, die in Apulien gelegene Burg Kaiser Friedrichs II., fasziniert seit langer Zeit Wissenschaftler und interessierte Laien gleichermaßen. Eindrucksvoll erhebt es sich auf einer Erhöhung der Murge nahe der Stadt Andia über die Landschaft. In den 1240er Jahren errichtet, ist die Anlage in ihrer Art einzigartig.

Die Tatsache, dass über Castel del Monte wenig überliefert ist, führte zu den phantastischsten Spekulationen über seine Erbauung und Bedeutung. Selbst der ‚heilige Gral‘ und die Templer wurden mit dem Bauwerk in Verbindung gebracht, von möglichen astronomischen Hintergründen ganz zu schweigen.[1] Doch auch ohne teilweise weithergeholte Ideen ist Castel del Monte geheimnisvoll genug. War es ein Jagdschloss Kaiser Friedrichs II., wie seine Lage vermuten lässt, oder ein Wehrbau oder gar ein Symbol seiner Herrschaftsvorstellungen? Liegen seinem Bauplan orientalische Bauwerke zugrunde?

Viele Forscher haben sich in den letzten Jahren mit dem Thema ‚Castel del Monte‘ beschäftigt. Die wichtigsten im deutschsprachigen Raum waren sicherlich Carl Arnold Willemsen, Wolfgang Krönig, Cord Meckseper, Heinz Götze und Dankwart Leistikow. Auf einigen ihrer Werke beruht diese Arbeit. Auch berücksichtigt wurden die neusten Untersuchungen der Heidelberger Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von Wulf Schirmer.

In diesem kurzen Essay soll ein knapper Überblick über den Aufbau der „Krone Apuliens“, wie Carl Arnold Willemsen Castel del Monte bezeichnete, gegeben werden, bevor auf die Funktion der Räume und des Gebäudes eingegangen wird. Den Abschluss bildet ein Blick auf die weitere Geschichte der Burg.

2. Castel del Monte – Die corona apulie

2.1. Der Aufbau von Castel del Monte

Noch fast 800 Jahre nach seiner Erbauung ist Castel del Monte ein beeindruckender Anblick. Die Burg, erbaut aus bräunlichem Kalkstein, erhebt sich als gewaltiges Oktogon über die Landschaft. An den Kernbau schließen sich an allen acht Ecken wiederum oktogonale Türme an, wobei jeweils zwei Seiten der Turmoktogonale in den Wänden des Kernbaus aufgehen und die Ecken des Kerngebäudes innerhalb der Türme verborgen sind. Am Fuß der Türme, die die fünfundzwanzig Meter hohen Wände des Kernbaus um 1,30 Meter in der Höhe überragen, befinden sich kräftig vorspringende Sockelausbildungen, die bei den Außenwänden des Kernbaues fehlen. Die Seitenlängen des Kernbaus betragen 16,50 Meter, die der Turmseiten jeweils 3,10 Meter.

Um den gesamten Bau zieht sich ein wenig oberhalb des Fußbodens des Obergeschosses ein schmales Gesims, das so auch äußerlich das Gebäude in zwei Geschosse unterteilt. In den Türmen befinden sich schmale, ungleichmäßig angeordnete Lichtschlitze, während die Wandflächen jeweils ein unterschiedlich großes Fenster aufweisen – im Obergeschoss sind sie größer als im Untergeschoss.[2]

Ober- und Untergeschoss sind gleichartig aufgebaut und ausgestattet. Als Deckenkonstruktion haben sie ein Kreuzrippengewölbe, das von im Geviert vor die Außen- und Hofwände gelegten Säulen getragen wird; im Untergeschoss Halbsäulen, im Obergeschoss dreischäftige Säulenbündel. Zu beiden Seiten fügen sich Tonnengewölbe an, die die Restflächen des Trapezes schließen.[3]

In vier Türmen (III, V, VII, VIII) befinden sich Wendeltreppen, die jedoch nicht in jedem Turm vom Untergeschoss bis hinauf zum Dach führen. Nur die Treppen im Turm III bzw. V führen von unten bis zum Dach, während die anderen nur je zwei Ebenen miteinander verbinden:[4] Die Treppe im Turm VII verbindet das Untergeschoss mit dem Obergeschoss, die Treppe im Turm VIII das Obergeschoss mit dem Dach.[5] Die Treppen sind durch Verbindungsgänge mit den Haupträumen verbunden. Die Gänge bestehen aus zwei Abschnitten, einem kürzeren, der sich rechtwinkelig an den Hauptraum anschließt, und einem längeren, der abgewinkelt im Treppenhaus mündet.[6] In den Türmen I, II, IV und VI, sowie in den Türmen VIII im Untergeschoss und VII im Obergeschoss, befinden sich Nebenräume, wobei man in jeweils drei Türmen im Untergeschoss (Turm II, VI, VIII), im Obergeschoss (Turm I, IV, VI) und auf dem Dach anhand von Einbauten den Anschluss von Toiletten oder Bädern bzw. (beim Dach) von Zisternen vermuten kann.[7]

Man betritt Castel del Monte durch das Hauptportal an der Ostseite, zu dem zwei Seitentreppen hinaufführen. Das Portal, erbaut aus einem roten Stein, dem sog. ‚Breccia rossa‘, ist von einem Portikus umgeben. Sehr schmale kannelierte Pilaster mit korinthischen Kapitellen tragen einen fingierten Architrav, über dem sich ein spitzer Giebel aufbaut. Auf den Säulen finden sich die leider schlecht erhaltene Reste von Löwenskulpturen.[8] Ein schmaler Schlitz zwischen der Fassade und der inneren Portalzone wird als Durchlass für ein Fallgitter gedeutet.

Von besonderem Interesse ist der innere Aufbau von Castel del Monte, denn es weist ein ausgeklügeltes Raum- und Gangsystem auf. Die Räume waren nicht über einen Gang direkt mit einander verbunden, im Untergeschoss war es nicht möglich, aus dem Eingangsbereich weiter in die Burg zu gelangen, ohne den Innenhof zu überqueren.

Der Besucher betrat zunächst Raum 1. Das Besondere an diesem Raum ist, dass er nur einen Durchgang in der rechten Seitenwand besitzt, sowie den Zugang zu einem Nebenraum im ebenfalls rechts vom Eingang gelegenen Turm I. Aus Raum 2, den man von Raum 1 aus betritt, führt der Weg auf den wiederum oktogonalen Innenhof. Im Innenhof soll sich nach zeitgenössischen Autoren ein riesiger, gleichfalls oktogonaler Brunnen befunden haben, von dem sich aber heute keine Spuren mehr finden.[9] Nur vom Innenhof aus können die restlichen Räume des Untergeschosses betreten werden, direktem Zugang gibt es zu den Räumen 4 und 7, die allerdings ihrerseits direkten Zugang zu den jeweils neben ihnen gelegenen Räumen (3, 5, 6, 8) ermöglichen. Im Raum 5, der Westseite, befindet sich ein zweites, kleines Portal. Es ist als eine Art ‚Nebeneingang‘ zu betrachten.

[...]


[1] Siehe dazu u.a.: Rotter, Friedrich II. von Hohenstaufen, S. 136; Legler, Das Geheimnis von Castel des Monte. Kunst und Politik im Spiegel einer staufischen „Burg“, München 2007; Leistikow, Castel del Monte. Baudenkmal zwischen Spekulation und Forschung.

[2] Siehe Schirmer, Castel des Monte, S. 2.

[3] Ebd., S. 3; Krönig, Castel del Monte, S. 95.

[4] Auf die Besonderheiten von Turm III wird später eingegangen.

[5] Siehe Schirner, Castel del Monte, S. 47.

[6] Ebd., S. 50.

[7] Ebd., S. 71.

[8] Siehe Willemsen, Castel del Monte, S. 67. Fast identische Ausführungen begegnen am Brückenkastell von Capua und am Kastell von Prato.

[9] Siehe Leistikow, Castel del Monte, S. 38-39.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Castel del Monte
Untertitel
Zweck und Funktion der 'corona apulie'
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Autor
Jahr
2000
Seiten
14
Katalognummer
V150771
ISBN (eBook)
9783640619153
ISBN (Buch)
9783640618934
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Castel del Monte, Staufer, Friedrich II., Hochmittelalter, Apulien
Arbeit zitieren
M.A. Martina Kleinau (Autor), 2000, Castel del Monte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150771

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