LICHT x MUSIK = VISUALS

Die Co-Dependenz von Licht und Musik


Seminararbeit, 2008

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Licht
2.1. Gedankensammlung zum Mysterium Licht
2.2. Goethes Farbenlehre

3. Musik
3.1. Geschichte der elektronischen Musik
3.2. Das entwickelte Erbe

4. Die Co-Dependenz von Licht und Musik: Visuals
4.1. Am Anfang war die Discokugel
4.2. Schlussfolgerung: Die Macht der Kooperation

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Themen „Licht“ und „Musik“ bilden die Basis vorliegender Arbeit, wobei der Hauptschwerpunkt in deren Zusammenspiel, beziehungsweise deren Co-Dependenz liegt, die in dieser Arbeit folgenderweise benannt wird: Visuals.

Zu Beginn soll eine kurze Einleitung Vorschau auf Struktur und Ziele der Arbeit sowie einen groben Überblick über die folgenden Kapitel geben.

In Kapitel 2 wird eine Gedankensammlung zur Bedeutung von Licht in das Thema einführen: Behandelt wird Licht als die notwendige Bedingung des Lebens, das Licht der Sonne als Bild für Sein und Vergehen, Licht durch welches Dinge erst sichtbar gemacht werden können und Licht als Ursprung und Notwendigkeit von Farben, in Anlehnung an Goethes Farbenlehre.

Im Kapitel 3 wird der Fokus auf die Musik gelegt, wobei die elektronische Musik den Schwerpunkt bildet. Im ersten Unterpunkt werden Begriffsdefinitionen, Entwicklung, sowie Ursprünge elektronischer Musik, und deren Instrumente näher erläutert. Die Entwicklungsschritte der vorangegangenen Überlegungen sind Thema des zweiten Unterpunktes.

Kapitel 4 beschäftigt sich mit der Klärung des Begriffs Visual, der die beiden großen Themengebiete Licht und Musik miteinander verbinden soll oder auf diesen Grundlagen aufbaut, wobei keiner der Einzelfaktoren dabei wegzudenken ist. Weiters werden jene Eckpunkte erklärt, die für eine Aufführungssituation notwendig sind und das Arbeitsfeld der Kunstform darstellen. Hierzu werden einige Frage geklärt, deren Antworten dann - in einen Kontext gebracht - den Versuch darstellen, der Kunst des VJing einen angemessenen Rahmen geben zu können.

Zusammengefasst und theoretischer ausgedrückt ist das Ziel der Arbeit, die Co-Dependenz der zwei ästhetischen Ebenen von Licht(A) und Musik(B) und ihre technischen Mittel aufzuzeigen, die wiederum als Resultat dieses gegenseitigen Zusammenspiels eine neue ästhetische Ebene(C) hervorbringt, welche die einzelnen Wirkungsweisen von A oder B übersteigt.

2. Licht

2.1 Gedankensammlung zum Mysterium Licht

Licht ist elementare Grundlage, Vorraussetzung für das Leben und für uns Menschen so selbstverständlich wie die Sonne selbst. Doch was ist Licht eigentlich genau? Um diese Frage zu beantworten gibt es mehrere Herangehensweisen. Man könnte Licht vom physikalischen oder chemischen Standpunkt aus betrachten, genauso aber vom physiologischen, psychologischen, philosophischen und unzähligen anderen mehr, denn kaum ein anderes Phänomen beschäftigte und beschäftigt die Menschheit schon seit Anbeginn so intensiv. Da die Behandlung dieser Fülle an Fragen den Rahmen dieser Arbeit natürlich bei weitem sprengen würde, bemüht sich folgender Absatz um eine fundamentale Annäherung an das Mysterium Licht.

Licht – egal in welcher Form - prägt unseren Alltag und somit unsere Lebensweise. Es gibt aber noch einen viel tieferen und wesentlicheren Zusammenhang: Licht ist nämlich nicht nur einfach da, sondern wir wären ohne Licht nicht da, denn das Leben auf der Erde hängt von der Sonneneinstrahlung ab. Daraus ergibt sich eine unübersehbare Existenzabhängigkeit, die trotzdem nicht so selbstverständlich ist wie der tägliche Sonnenaufgang. Ein weiterer Aspekt der die wichtige Bedeutung untermauert: Licht ist nicht nur Ursprung, denn viele Lebensprozesse - unter anderem auch die inneren Tagesrhythmen unseres Körpers, oder die Hautfarbe - haben sich in Reaktion auf die besonderen Eigenschaften des Sonnenlichts entwickelt.

Um Licht verstehen zu können bedarf es auch des Versuches einer wissenschaftlichen Erklärung.

„Licht ist eine (…) energiereiche Wellenströmung (…). Die kürzesten sichtbaren Wellenlängen rufen bei uns die Wahrnehmung von Violett, Indigo oder Blau hervor. Mittlere Wellenlängen empfinden wir als grün oder gelb, und die längsten rufen das Farbempfinden von Orange oder Rot hervor.“[1]

Ganz so einfach ist dies jedoch nicht, denn Licht kommt nicht nur in Wellen-, sondern auch in Teilchenform vor. Dies ist eine Eigenschaft, die im Gegensatz zu allen anderen Phänomenen des Alltags einzigartig ist. Die Teilchen werden auch Photonen genannt und wurden erstmals 1905 von Albert Einstein nachgewiesen und benannt. Der Welle-Teilchen-Dualismus stellt ein großes Rätsel für die Physik dar und kann als Sinnbild für das Licht an sich fungieren.[2] Dieser kann meiner Meinung nach in mehreren Bereichen entdeckt werde, beispielsweise auch in der Wertigkeit des Begriffs Licht und allem was damit in Verbindung gebracht werden kann, so wie die Sterne, der Mond, das Feuer, die Sonne, etc. Einerseits bringt man Licht mit Wörtern wie Erleuchtung, Intelligenz, Weisheit, Wärme, Lebensspender und mit Göttlichem in Verbindung, andererseits kann Licht auch genau das Gegenteil auslösen, denn zuviel Sonne bringt Tod anstatt Leben. So können dem Licht auch Begriffe wie Dürre, Hunger und Verderben zugeordnet werden. Die Sonne ermöglicht uns auch das Sehen, wenn man allerdings direkt ins Licht sieht, ist man kurzzeitig so gut wie blind. Auch bei Feuer ist dieses Paradox zu entdecken - ist man dem Feuer zu nahe, ist es nicht mehr angenehm wärmend sondern unangenehm verbrennend.

Genau diese unterschiedlichen Bedeutungen machen dieses Mysterium so interessant, denn setzt man Licht als künstlerischen Werkstoff ein, bringt dies ungeahnte Möglichkeiten mit sich. Folglich wird es im weiteren Verlauf dieser Arbeit mehr um das elektrische, künstliche Licht gehen, wobei die eingangs formulierten Gedanken genauso zutreffen.

Elektrisches Licht gibt es noch nicht einmal 150 Jahre lang und schon ist es zur Selbstverständlichkeit geworden. Dieser Umstand ist Thomas Alva Edison zu verdanken, denn er hat die Glühlampe erfunden, deren Licht durch einen elektrisch erwärmten Draht erzeugt wird. Er ebnete somit den Weg für eine vernünftige, aber auch in weiterer Folge künstlerische Nutzung des Lichts.[3]

Durch die Erfindung des elektrischen Lichts bekam es eine völlig neue Dimension, denn vom Tageslicht unabhängig zu sein brachte auch ein gewisses Gefühl der Macht mit sich. Durch die Verwendung der Elektrizität ist Licht für beinahe alle Zwecke einsetzbar, relativ leicht zu erzeugen und jederzeit in bisher nicht gekannter Intensität verwendbar. Ein Beispiel hierfür wäre der Einsatz von Licht zu Propagandazwecken in der NS-Zeit. Hier wurden perfekt organisierte Lichtspektakel inszeniert, beispielsweise die von Alfred Speer zum Reichsparteitag1934 in Nürnberg erfundenen Lichtdome. Rund um das Zeppelinfeld waren 150 Flak-Scheinwerfer aufgestellt, die bis zu 8km in die Höhe strahlten und oben wie ein Gewölbe ineinander flossen.[4]

Auf die künstlerische Nutzung von elektrischem Licht wird in Kapitel 4 genauer eingegangen, denn hier geht es um so genannte Visuals, welche alle bisher genannten Eigenschaften des Lichts in Form von Farbe und der daraus entstehenden Wirkung, widerspiegelt.

2.2 Goethes Farbenlehre

Um die Bedeutung des Lichts erfassen zu können, muss man es auch anhand von J.W. Goethes Farbtheorie untersuchen. Seine 1810 erschienene umfassende Untersuchung war zwar für die Naturwissenschaft von nicht allzu großer Bedeutung und die „Physiker vermochten aus [seiner] Lehre kaum Anregungen zu gewinnen, (…) einen bedeutenden Beitrag leistete er jedoch zu der in der Entwicklung begriffenen Wissenschaft der Physiologie der Wahrnehmung.“[5]

Zunächst betont Goethe die Verbindung von Farbe und Licht: „Die Farben sind Taten des Lichts, Taten und Leiden. In diesem Sinne können wir von denselben Aufschlüsse über das Licht erwarten.“[6] Goethe weist auf die Bedeutung des Lichts als Ursprung jeder Farbe hin, da die Lichtstrahlen bei der Brechung in ihre Spektralfarben gespalten werden:

„(…) indem man sie als eine Bedingung des Lichts ansehen kann, so kann sie auch das Licht nicht entbehren als der mitwirkenden Ursache ihrer Erscheinung, als der Unterlage ihres Erscheinens, als einer aufscheinenden und die Farbe manifestierenden Gewalt.“[7]

Der schon erwähnte Dualismus ist für Goethe das Entscheidende, er beschreibt ihn als

„(…)ein Oben und Unten, ein Zuvor und Hernach, wobei alle die Erscheinungen bedingt werden, die uns im Raum und in der Zeit entgegentreten.“[8]

Diesen Hauptaspekt wendete er auf die Farbenlehre an.

„Im Allgemeinen betrachtet entscheidet sie sich nach zwei Seiten. Sie stellt einen Gegensatz dar, den wir eine Polarität nennen und durch ein + und ein – recht gut bezeichnen können.“[9]

Davon ausgehend entwickelt Goethe eine Lehre von der Charakteristik jeder Farbe des Spektrums. Als die grundlegendsten und einfachsten Farben nannte Goethe Gelb und Blau, in Anlehnung an den uranfänglichen Gegensatz von Licht und Finsternis.

Gelb als die Farbe, die dem Licht am nächsten ist, hat eine „(…) heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft (…).“[10] Im Rotgelben nimmt die Energie zu, die Farbe „(…) gibt dem Auge das Gefühl von Wärme und Wonne (…).“[11] Der Höhepunkt ist im Gelbrot erreicht, hier birgt die Farbe jedoch schon etwas „(…) unerträglich Gewaltsames (…).“[12]

Im Gegensatz zur Farbe Gelb, die immer etwas Helles mit sich bringt, hat Blau immer etwas Dunkles an sich. Je mehr sich das Blau ins Rote neigt, kommt eine gewisse Unruhe ins Spiel, die in ihrer stärksten Ausprägung, dem Blaurot, kaum erträglich ist.[13]

Außerhalb dieses Dualismus steht laut Goethe jedoch noch eine Farbe, die bei dessen Überwindung eine besondere Bedeutung hat. Wenn man nämlich die spezifischen Gegensätze der Plus-, und Minusseite vermischt, so heben sich ihre Eigenschaften nicht auf.

[...]


[1] Perkowitz, Sidney: Eine kurze Geschichte des Lichts. 1. Aufl., München 1998, S.16

[2] vgl. Perkowitz, Sidney: Eine kurze Geschichte des Lichts. 1. Aufl., München 1998, S.17

[3] vgl. Perkowitz, Sidney: Eine kurze Geschichte des Lichts. 1. Aufl., München 1998, S.130f.

[4] vgl. Sterk, Harald: Stadtlichter. Wien 1991, S.111f.

[5] Gage, John: Kulturgeschichte der Farbe. Ravensburg 1994, S.202

[6] Goethe, Johann Wolfgang von: Gesamtausgabe der Werke und Schriften in 22 Bänden. Stuttgart 1960, S. 13

[7] ebd., S.212

[8] ebd., S. 14

[9] Goethe, Johann Wolfgang von: Gesamtausgabe der Werke und Schriften in 22 Bänden. Stuttgart 1960, S.212

[10] ebd., S.233

[11] ebd., S.236

[12] ebd., S.235

[13] vgl. ebd., S.236

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
LICHT x MUSIK = VISUALS
Untertitel
Die Co-Dependenz von Licht und Musik
Hochschule
Universität Wien  (Theater-, Film- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V150811
ISBN (eBook)
9783640625598
ISBN (Buch)
9783640625826
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Licht, Visuals, DJ, VJ, elektronische Musik, Musik, Farbenlehre, Jugendkultur
Arbeit zitieren
Barbara Friedl (Autor), 2008, LICHT x MUSIK = VISUALS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150811

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