Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Pädagogik - Allgemein

Welche Rolle spielt Organisation für die Entstehung sexualisierter Gewalt?

Eine Betrachtung am Fall der Odenwaldschule

Titel: Welche Rolle spielt Organisation für die Entstehung sexualisierter Gewalt?

Bachelorarbeit , 2016 , 50 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: M. Jehle (Autor:in)

Pädagogik - Allgemein
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit bietet einen Einblick in die Geschichte und Struktur der Odenwaldschule, eine reformpädagogische Institution, die 1910 gegründet wurde. Die Arbeit beleuchtet kritisch die pädagogischen Ansätze der Schule, wie das Kurssystem und die Idee der Schulgemeinde, sowie deren Auswirkungen auf die Entwicklung der Schüler.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Zeit zwischen 1972 und 1985, in der Gerold Ummo Becker als Schulleiter tätig war. Die Autorin untersucht die organisatorischen Strukturen der Schule und deren mögliche Rolle bei der Entstehung von Missbrauchsfällen. Dabei werden auch die Konzepte des "pädagogischen Eros" und der "totalen Institution" nach Erving Goffman diskutiert.
Die Arbeit geht über eine reine historische Darstellung hinaus und analysiert kritisch die Zusammenhänge zwischen der Organisationsform des Internats und dem Auftreten sexualisierter Gewalt. Sie bietet wertvolle Einblicke in die Präventionsmöglichkeiten und zieht Schlussfolgerungen für die pädagogische Praxis.
Für alle, die sich für Reformpädagogik, Institutionsanalyse oder den Schutz von Kindern und Jugendlichen in Bildungseinrichtungen interessieren, ist diese Arbeit eine gute Lektüre. Sie regt zum Nachdenken an und liefert wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung sicherer und förderlicher Lernumgebungen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Odenwaldschule in Ober-Hambach

2.1 Reformpädagogik und Geschichte der Odenwaldschule

2.2 Pädagogischer Eros

3 Das System Becker

3.1 Sexualisierte Gewalt

3.2 Strategien, Täter und Opfer

3.3 Bekanntwerden der Missbrauchsfälle und Auseinandersetzung

4 Geschlossene Gesellschaft Odenwaldschule

4.1 Kriterien totaler Institutionen nach Erving Goffman

4.2 Organisation in der Odenwaldschule: eine totale Institution? Erste Zusammenhänge zur sexualisierten Gewalt

5 Zusammenhänge von Organisation und sexualisierter Gewalt

6 Folgerungen für die Praxis

6.1 Strukturveränderungen in der Odenwaldschule

6.2 Allgemeine Präventionsmöglichkeiten für die Praxis

7 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Rolle der Organisationsform eines Internats bei der Entstehung sexualisierter Gewalt anhand des Fallbeispiels der Odenwaldschule, um Machtstrukturen und Entstehungsbedingungen in pädagogischen Einrichtungen zu analysieren.

  • Organisationsstrukturen von Internaten als Nährboden für Machtmissbrauch
  • Die Rolle des "pädagogischen Eros" als Instrument zur Legitimierung von Übergriffen
  • Anwendung von Erving Goffmans Theorie der totalen Institution auf die Odenwaldschule
  • Strategien zur Verheimlichung von Missbrauchsfällen innerhalb geschlossener Systeme
  • Präventionsansätze und strukturelle Anforderungen für den Schutz vor sexualisierter Gewalt

Auszug aus dem Buch

3.1 Sexualisierte Gewalt

Erziehung an sich ist ein asymmetrisches Gefüge, dem ein Hierarchiegefälle innewohnt. Der größere Mensch, der auch die Rolle des gebildeteren und erfahreneren Menschen einnimmt, trifft auf ein Gegenüber das kleiner und in Belangen des Lebens ungeübter ist. Es entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis, das zusätzlich in Emotionen eingebettet ist und somit nicht neutral sein kann. Als Kind verlässt man sich völlig auf seine Eltern, beziehungsweise seine Bezugspersonen, vertraut ihnen und ihrem Wissen. Diese wiederum kümmern sich mit voller Hingabe um ihren Nachwuchs und investieren im Normalfall viel Zeit und Liebe (vgl. Thiersch 1995, S.30f). Dieses ungleichmäßige Erziehungsverhältnis kann aber nicht nur in der privaten Familie, sondern auch in anderen pädagogischen Settings stattfinden, wie beispielsweise in Schulen oder Internaten. Dabei kann in vielerlei Hinsicht ein Machtkonstrukt entstehen, sodass jede Art der menschlichen Beziehung in irgendeiner Weise von Macht beeinflusst wird.

Es erscheint aber verständlich, dass in professionellen Erziehungssettings eine noch größere Chance für den Machtmissbrauch vorliegt, da sich die Asymmetrie aufgrund der fremden Bezugsperson noch einmal verstärkt (vgl. ebd. 1995, S.39). An dieser Stelle ist es nun aber wichtig, sich vor Augen zu halten, dass diese Überlegenheit des Erziehenden vorerst eine notwendige Voraussetzung für die Erziehung darstellt. Kinder brauchen zunächst eine Umgebung, die ihnen Orientierung für ihr eigenes Dasein bietet, sowie Stärke und Sicherheit vermittelt. Das Ziel einer jeden Erziehungsmaßnahme besteht darin, diese Ungleichheit nach und nach abzubauen und die Entwicklungsförderung des Kindes voranzutreiben. Solange die asymmetrische Grundform des Verhältnisses aber noch legitim ist, besteht die Gefahr, dass diese Interaktion zusätzlich mit Zwang angereichert wird (vgl. Wolf 2010, S.540f).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik sexualisierter Gewalt in pädagogischen Institutionen ein und begründet die Relevanz der Fragestellung anhand des Falls der Odenwaldschule.

2 Die Odenwaldschule in Ober-Hambach: Dieses Kapitel skizziert die reformpädagogische Geschichte der Schule, deren idealisiertes Konzept des „pädagogischen Eros“ und die internatsähnliche Wohnstruktur in Familien.

3 Das System Becker: Die Strukturen körperlicher und seelischer Gewalt unter der Leitung von Gerold Becker werden analysiert, inklusive der Gewinnung von Mitwissern und der Instrumentalisierung von Schülern.

4 Geschlossene Gesellschaft Odenwaldschule: Hier werden Goffmans „totale Institutionen“ theoretisch erläutert und die Odenwaldschule mit ihren internen Machtmechanismen und Abhängigkeiten kritisch auf dieses Modell bezogen.

5 Zusammenhänge von Organisation und sexualisierter Gewalt: Die Erkenntnisse über organisatorische Rahmenbedingungen und das Zusammenwirken von Macht, Nähe und mangelnder Supervision werden synthetisiert.

6 Folgerungen für die Praxis: Das Kapitel behandelt notwendige Strukturveränderungen wie das Vier-Augen-Prinzip sowie allgemeine Präventionsmöglichkeiten und Ombudsstellen gegen sexualisierte Gewalt.

7 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Kombination aus totalitärer Organisationsform, pädagogischer Ideologie und individueller Tätermotivation die Gewalt ermöglichte.

Schlüsselwörter

Odenwaldschule, sexualisierte Gewalt, Gerold Becker, pädagogischer Eros, totale Institutionen, Erving Goffman, Machtmissbrauch, Internat, Reformpädagogik, Prävention, Kinderschutz, Abhängigkeitsverhältnis, systemische Aufarbeitung, Organisationsentwicklung, Täterschutzstrukturen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss die Organisationsform eines Internats auf das Entstehen von sexualisierter Gewalt hat, insbesondere am Fallbeispiel der Odenwaldschule.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die reformpädagogische Tradition, das System der totalen Institution nach Erving Goffman, Macht- und Abhängigkeitsdynamiken sowie die Mechanismen der Missbrauchsverheimlichung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie institutionalisierte Strukturen in Internaten sexuelle Übergriffe begünstigen und welche Handlungsfolgerungen für eine effektive Prävention in der Sozialen Arbeit gezogen werden können.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine Literatur- und Theorieanalyse, die existierende Forschung, Berichte wie den Abschlussbericht zur Odenwaldschule und soziologische Theorien zu Institutionen verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Strategien der Täter, die Rolle des pädagogischen Eros als Legitimationsquelle und die strukturelle Analogie der Odenwaldschule zu Goffmans Theorie der totalen Institutionen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie "pädagogischer Eros", "totale Institution", "System Becker", "Sexualisierte Gewalt" und "Organisationsstrukturen".

Inwiefern hat der "pädagogische Eros" den Missbrauch gefördert?

Der Begriff wurde von den Tätern als einflussreiches pädagogisches Ideal instrumentalisiert, um Nähe zu Kindern als notwendigen Teil der Erziehung zu tarnen und so Übergriffe zu verschleiern.

Warum konnte das "System Becker" über Jahre bestehen bleiben?

Durch die enge Verzahnung von Machtpositionen des Schulleiters, die emotionale und materielle Abhängigkeit der Kinder sowie die Abgeschiedenheit des Internats wurde eine "Wagenburg-Mentalität" geschaffen, die Kontrollen von außen verhinderte.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der Odenwaldschule bei der Aufklärung?

Die Arbeit kritisiert das langjährige untätige Verhalten der Institution, die erst unter enormen medialen Druck und nach dem Bekanntwerden ähnlicher Skandale an anderen Schulen zu einer (halbherzigen) internen Auseinandersetzung bereit war.

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Welche Rolle spielt Organisation für die Entstehung sexualisierter Gewalt?
Untertitel
Eine Betrachtung am Fall der Odenwaldschule
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Note
1,0
Autor
M. Jehle (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
50
Katalognummer
V1508480
ISBN (PDF)
9783389074831
ISBN (Buch)
9783389074848
Sprache
Deutsch
Schlagworte
welche rolle organisation entstehung gewalt eine betrachtung fall odenwaldschule
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M. Jehle (Autor:in), 2016, Welche Rolle spielt Organisation für die Entstehung sexualisierter Gewalt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1508480
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  50  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum