Dieser Sammelband besteht aus sechs philosophischen Abhandlungen zu Arbeiten und Gedanken von Hannah Arendt, Paul K. Feyerabend, Otfried Höffe, Immanuel Kant, Hartmut Rosa und Stefan Lorenz Sorgner.
Im ersten Text interessiert die Frage nach dem von Arendt angedeuteten erweiterten Bedeutungsinhalt, der über die Funktion einer totalitären politischen Ideologie hinausgeht. Die Untersuchung setzt sich zunächst aus grundsätzlichen Erwägungen mit dem Begriff der „Politischen Religion“ und ihren Implikationen „Religion“ und „Ideologie“ auseinander, um sich dann der Säkularisierung zuzuwenden und so auf das sich anschließende Erarbeiten des erweiterten Bedeutungsinhaltes des Begriffes „Säkulare Religion“ vorzubereiten.
Als Feyerabend 1976 wider den Methodenzwang anschreibt, begründet er damit das Bild eines erkenntnistheoretischen Anarchisten. Die zweite Arbeit wird sich darauf beschränken, die diesen Geist ausmachenden Gedanken als Kern in den Mittelpunkt zu stellen, ohne sich im Detail analytisch mit ihnen auseinanderzusetzen. Es geht vor allem um die Frage der gesellschaftlichen Praxistauglichkeit seiner Gedanken am Beispiel der Covid-19-Pandemie.
Otfried Höffe hat versucht, in seinem Essay "Recht und Moral: ein kantischer Problemaufriss" eine Brücke zwischen Recht und Moral zu schlagen. Die dritte Arbeit will sein Ergebnis und dessen Entstehung kritisch analysieren und aus dem Kontext eine Antwort auf die offenen Fragen erarbeiten.
Die vierte Arbeit soll eine Antwort auf die Frage geben, in welcher Beziehung bei Kant Philosophie und Theologie beim Überwinden des Bösen zueinander stehen. Lässt sich in Zeiten der Aufklärung die scholastische Phrase „philosophia ancilla theologiae“ umkehren?
Der fünfte Text bietet eine kritische Rekonstruktion des gesellschaftstheoretischen Ansatzes der adaptiven Stabilisierung von Hartmut Rosa in "Spätmoderne in der Krise". Kritik im Sinne des Themas wird hier aus philosophischer Sicht als eine Methode verstanden, Wahrheitsansprüche mittels Vernunft auf ihre Berechtigung hin zu überprüfen.
Der sechste Text schließlich stellt die Frage, ob der Transhumanismus Stefan Lorenz Sorgners eine Zukunft hat. Dazu werden ihr in historischer Reihenfolge Überlegungen zur Zukunft des Menschen von Peter Sloterdijk und Jürgen Habermas gegenübergestellt, um daraus Prognosen über die Zukunftsfähigkeit des Sorgnerschen Transhumanismus abzuleiten.
Inhaltsverzeichnis
Säkulare Religion im erweiterten Bedeutungsinhalt bei Hannah Arendt
Einleitung
1. Religion und Ideologie vor dem Hintergrund von Transzendenz und Immanenz
1.1 Religion
1.2 Ideologie
2. Das Säkularisierungsparadigma
3. Säkulare Religion
4. Kapitalismus als Säkulare Religion
5. Politik, Gesellschaft und „Säkulare Religion im erweiterten Bedeutungsinhalt“ - Konklusive und resümierende Betrachtungen
Wissenschaftlicher Fortschritt nach Paul K. Feyerabend und dessen gesellschaftliche Bedeutung – dargestellt am Beispiel der Covid 19-Pandemie in Deutschland
Einleitung
1. Paul Feyerabend – Erkenntnistheoretischer Anarchismus
1.1 Wissenschaft und ihre Methoden
1.2 Wissenschaft in der Demokratie
2. „Anything goes“ in einer freien, demokratischen Gesellschaft
3. Gesellschaft und Politik in Zeiten der Covid 19-Pandemie
4. Rolle der Wissenschaft in Zeiten der Covid 19-Pandemie
5. Wissenschaftlicher Fortschritt nach Paul Feyerabend und die Pandemie Gesellschaft – Konklusive und resümierende Betrachtungen
Zur Beziehung von Recht und Moral - Eine Auseinandersetzung mit dem kantischen Problemaufriss von Otfried Höffe
Einleitung
1. Das Problem: Recht versus Moral – Rechtspositivismus versus Naturrecht
2. Höffes modellhafter „dritter Weg“ als Vermittlungsposition
2.1 Die Personalität und die Entpersonalisierung des sittlich Guten
2.2 Die politische Gerechtigkeit als das sittlich Gute
2.3 Erkenntnisse zu Recht und Moral aus der kantischen Rechts- und Tugendlehre
2.3.1 Moralität und Legalität
2.3.2 Recht und Moral in der Rechtslehre
2.3.3 Recht und Moral in der Tugendlehre
2.3.4 „Rechtliche Moral“ oder „moralisches Recht“?
4. Recht und Moral – eine harmonische Beziehung? – Konklusive und resümierende Betrachtungen
„Theologia ancilla philosophiae?“ – Zur Beziehung von Philosophie und Theologie beim Überwinden des Bösen in der Kantischen Religionsschrift
Einleitung
1. Das Überwinden des Bösen
2. Philosophische Implikationen
3. Theologische Implikationen
4. Beziehung zwischen Philosophie und Theologie beim Überwinden des Bösen
5. „Theologia ancilla philosophiae“? – Konklusive und resümierende Betrachtungen
Postwachstumsgesellschaft – Eine kritische Rekonstruktion des gesellschaftstheoretischen Ansatzes der adaptiven Stabilisierung von Hartmut Rosa in „Spätmoderne in der Krise“
Einleitung
1. Analyse – Dynamische Stabilisierung
1.1 Strukturelle Pathologie
1.2 Kulturelle Pathologie
1.3 Kern des Analyseergebnisses
2. Diagnose – Was folgt aus dem pathologischen Zustand?
3. Therapie – Adaptive Stabilisierung
3.1 Stabilisierungsmodus
3.2 Kapitalismus als Bremse
3.3 Gebremster Kapitalismus
3.3.1 Konsumtive und produktive Marktbeziehung
3.3.2 Dekommodifizierung nach Esping-Andersen
3.4 Bedingungsloses Grundeinkommen
3.5 Postwachstumsgesellschaft
4. Aus der Krise mit einer adaptiv-stabilisierten Postwachstumsgesellschaft? Konklusive und resümierende Betrachtungen
4.1 Kapitalismus und Arbeit
4.2 Wissenschaft, Kultur und Politik
4.3 Transformation
Hat der Transhumanismus Stefan Lorenz Sorgners eine Zukunft? – Eine Analyse unter besonderer Berücksichtigung biotechnologischer Perspektiven von Peter Sloterdijk und Jürgen Habermas
Einleitung
1. Die Zukunft der menschlichen Gattung aus philosophischer Sicht
1.1 Humanismus
1.2 Transhumanismus
1.3 Posthumanismus
2. Der Transhumanismus Stefan Lorenz Sorgners
2.1 Das Fundament
2.2 Die Bedeutung Friedrich Nietzsches
3. Peter Sloterdijk und die Anthropotechniken
4. Jürgen Habermas und die Eugenik
5. Zur Zukunft des Transhumanismus nach Stefan Lorenz Sorgner – Konklusive und resümierende Betrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht philosophische Fragestellungen in modernen Kontexten, wobei sie zentrale Denker und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen zueinander in Beziehung setzt. Ziel ist es, Konzepte wie säkulare Religion, wissenschaftlichen Anarchismus, das Verhältnis von Recht und Moral, das Theodizee-Problem sowie die Auswirkungen von Postwachstumsstrategien und Transhumanismus kritisch zu beleuchten und ihre Praxistauglichkeit zu bewerten.
- Analyse säkular-religiöser Phänomene im Kapitalismus und bei Hannah Arendt
- Untersuchung des wissenschaftstheoretischen Anarchismus von Paul K. Feyerabend in der Pandemie
- Ethische und rechtstheoretische Reflexion über das Verhältnis von Recht und Moral bei Otfried Höffe und Kant
- Kritische Rekonstruktion postwachstumsgesellschaftlicher Ansätze von Hartmut Rosa
- Philosophische Analyse biotechnologischer Optimierung im Transhumanismus und deren Kritik durch Sloterdijk und Habermas
Auszug aus dem Buch
1. Das Überwinden des Bösen
Nach Kant stehen dem Menschen eine moralische, auf das Moralgesetz bezogene, und eine nicht-moralische, sinnliche, in Selbstliebe mündende Triebfeder für seine Maximen zur Verfügung. Er kann in freier Willkür moralisch, also gut, oder nicht-moralisch, also böse, handeln. Im Rahmen einer Maxime kann er aber nicht gut und böse zugleich sein. Deshalb muss er sich für das eine oder das andere Handeln entscheiden. Das Böse entsteht durch das Umkehren der Triebfedern und damit allgemein durch das Umkehren des guten Prinzips. Der Mensch ordnet das Moralische den sinnlichen Neigungen unter. Dazu ist er wegen seines Hanges zum Bösen prädisponiert. Dieser Hang gehört a priori zur Konstitution des Menschen als Gattungswesen. Er findet Begründung und Ausdruck in Gebrechlichkeit, Unlauterkeit und Bösartigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
Säkulare Religion im erweiterten Bedeutungsinhalt bei Hannah Arendt: Diese Untersuchung thematisiert, wie säkulare Ideologien wie der Kapitalismus Funktionen religiöser Systeme übernehmen, ohne sich auf Transzendenz zu stützen.
Wissenschaftlicher Fortschritt nach Paul K. Feyerabend und dessen gesellschaftliche Bedeutung – dargestellt am Beispiel der Covid 19-Pandemie in Deutschland: Die Arbeit prüft die soziale Anwendbarkeit von Feyerabends anarchistischen Methoden im Kontext der evidenzbasierten Krisenpolitik.
Zur Beziehung von Recht und Moral - Eine Auseinandersetzung mit dem kantischen Problemaufriss von Otfried Höffe: Hier wird analysiert, wie Otfried Höffe versucht, durch eine kantisch inspirierte Gerechtigkeitstheorie das philosophische Spannungsfeld zwischen Rechtspositivismus und Naturrecht zu überbrücken.
„Theologia ancilla philosophiae?“ – Zur Beziehung von Philosophie und Theologie beim Überwinden des Bösen in der Kantischen Religionsschrift: Der Text beleuchtet die Rolle der Philosophie als Vernunftinstanz gegenüber biblischen Überlieferungen bei Kants Ansatz zur Überwindung des Bösen.
Postwachstumsgesellschaft – Eine kritische Rekonstruktion des gesellschaftstheoretischen Ansatzes der adaptiven Stabilisierung von Hartmut Rosa in „Spätmoderne in der Krise“: Es wird untersucht, wie Hartmut Rosas Diagnose über die systemimmanente Steigerungslogik der Moderne durch eine Postwachstumsstrategie therapiert werden kann.
Hat der Transhumanismus Stefan Lorenz Sorgners eine Zukunft? – Eine Analyse unter besonderer Berücksichtigung biotechnologischer Perspektiven von Peter Sloterdijk und Jürgen Habermas: Diese Analyse setzt Sorgners schwache Form des Transhumanismus kritischen biotechnologischen Entwürfen und ethischen Einwänden gegenüber.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Paul K. Feyerabend, Otfried Höffe, Immanuel Kant, Hartmut Rosa, Stefan Lorenz Sorgner, Säkulare Religion, Erkenntnistheoretischer Anarchismus, Recht und Moral, Postwachstumsgesellschaft, Transhumanismus, Kritische Theorie, Biotechnologie, Ethik, Vernunft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Publikation grundsätzlich?
Das Buch versammelt philosophische Aufsätze, die sich kritisch mit den Theorien und Gedanken bedeutender Denker wie Hannah Arendt, Paul K. Feyerabend, Immanuel Kant, Hartmut Rosa und Stefan Lorenz Sorgner auseinandersetzen.
Welche zentralen Themenfelder deckt das Werk ab?
Die Themen umfassen Religionsphilosophie, Wissenschaftstheorie, Rechtsphilosophie, Sozialtheorie zur Spätmoderne sowie aktuelle ethische Debatten über Biotechnologie und Transhumanismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die kritische Rekonstruktion philosophischer Konzepte vor dem Hintergrund moderner gesellschaftlicher Probleme, wie der Covid-19-Pandemie, der Klimakrise oder technologischer Eingriffe in die menschliche Natur.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeiten stützen sich vorwiegend auf die exegetische Aufarbeitung philosophischer Originaltexte (Rekonstruktion) verbunden mit einer kritischen Prüfung der Anwendbarkeit (Praxistauglichkeit) der Theorien auf heutige Sachverhalte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in sechs inhaltlich eigenständige Auseinandersetzungen, die jeweils einen spezifischen theoretischen Ansatz (z.B. Rosas Resonanz oder Feyerabends Anarchismus) auf aktuelle Krisen anwenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Sammlung?
Zu den zentralen Begriffen zählen unter anderem Säkularisierung, Erkenntnistheoretischer Anarchismus, Politische Gerechtigkeit, Postwachstumsgesellschaft und Transhumanismus im Sinne des Enhancements.
Wie bewertet der Autor Hartmut Rosas Theorie der Postwachstumsgesellschaft?
Der Autor rekonstruiert Rosas Ansatz der „adaptiven Stabilisierung“ kritisch und stellt fest, dass die Transformation ein tiefgreifendes kulturelles Umdenken hin zur „Kultur des Genug“ erfordert.
Wie steht der Autor zu Sorgners Transhumanismus?
Der Autor analysiert diesen kritisch im Lichte von Sloterdijks Anthropotechniken und Habermas' Euthanasie-Ethik und kommt zu dem Schluss, dass ein solcher Transhumanismus moralische Kontrollen benötigt, um nicht die menschliche Würde zu verletzen.
Lässt sich eine scholastische Formel auf moderne Philosophie anwenden?
Die Arbeit hinterfragt bei Kant, ob die scholastische Formel „Theologia ancilla philosophiae“ (Philosophie als Magd der Theologie) in der Aufklärung umgekehrt wurde und kommt hierbei zu dem Schluss, dass eine solche Umkehrung nicht in Form von reiner Überlegenheit, sondern durch eine rationale Filterung der Religion zu betrachten ist.
- Arbeit zitieren
- Karl-Heinz Steffen (Autor:in), 2024, Philosophische Texte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1508720