Zumindest hatte er einen Verbesserungsvorschlag für seine Zeitgenossen. Aber hat seine Idee heutzutage auch noch zwischen Bonusmeilen und exorbitanten Managergehältern Bestand? Oder haben wir uns gar geleitet vom hohen Gut des Gemeinwohls bereits an die Sanierung der Krankenkassen gewagt? Ist uns Platons Maxime vielleicht auch schon so in „Gammel“-Fleisch und Blut übergegangen, dass wir „das Richtige“ schon längst erreicht haben? Sind wir glücklich und zufrieden und wissen es etwa gar nicht?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Platons politische Philosophie und die Krise
2.1 Der Versuch der Erneuerung
2.2 Der Idealstaat und die zweitbeste Lösung
3. Die heutige politische Realität
3.1 Rhetorik, Kapital und das Streben nach Macht
3.2 Der Werteverfall und das deutsche Bild der Wirklichkeit
4. Wissenschaft und Politik: Ein unvereinbarer Weg?
4.1 Totalitarismus als Gefahr
4.2 Die Grenzen des politischen Systems
5. Fazit: Zwischen Hobbes und der menschlichen Natur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz von Platons politischer Maxime – die Vereinigung von philosophischer Erkenntnis und politischer Macht – unter den Bedingungen der modernen Gesellschaft. Dabei wird analysiert, ob die menschliche Natur und die strukturellen Zwänge des heutigen politischen Systems eine solche Symbiose überhaupt zulassen oder ob sie an der Dominanz materieller Interessen scheitern muss.
- Die philosophische Fundierung politischer Ideale nach Platon
- Die Diskrepanz zwischen wissenschaftlichem Anspruch und politischer Praxis
- Der Einfluss von Machtstreben und Kapital auf demokratische Werte
- Die Analyse der menschlichen Natur als Grenze politischer Erneuerung
Auszug aus dem Buch
Die heutige politische Realität
Wenn es in der Politik das Richtige ist, Herrschaft auszuweiten, Kapital anzuhäufen und eine träge Masse, genannt das Volk, unter Kontrolle zu halten- so kann es, um Politiker zu sein durchaus genügen, eine, wenn auch zweifelhafte, politische Meinung und ein gewisses Talent für Rhetorik und Sophistik zu besitzen. Das politisch desinteressierte Volk- die Lieblinge einer solchen Gesellschaft- wird die in verständlicher Sprache zum Ausdruck gebrachten Ziele für gut befinden und sich weitaus wichtigeren Themen zuwenden. Der an Politik Interesse zeigende Teil der Gemeinschaft- die sogenannte ungeliebte Menge- wird auf ihre Nachfragen hin mit einem kunstvoll gestaltetem rhetorischen Schwall von Alliterationen, Chiasmen und Symbolismus belegt werden. Sollte dennoch ein kritisches Häufchen, welches all dies zu durchschauen, sogar zu kritisieren wagt bestehen bleiben und sich der Aufklärung der Gesellschaft widmen wollen, ja so muss es leider einfach vernichtet werden. Zum Wohle der gesamten Gemeinschaft natürlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die Aktualität von Platons Forderung, dass Politiker Wissenschaftler oder Wissenschaftler Politiker sein sollten.
2. Platons politische Philosophie und die Krise: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext der Krise im antiken Athen und Platons Entwurf eines idealen, vernunftgesteuerten Staates.
3. Die heutige politische Realität: Es wird dargelegt, wie moderne politische Machtstrukturen durch Rhetorik und materielle Interessen geprägt sind, die im Gegensatz zu Platons Idealen stehen.
4. Wissenschaft und Politik: Ein unvereinbarer Weg?: Hier wird erörtert, warum der Transfer von Wissenschaft in die Politik an der menschlichen Natur und bestehenden Interessenkonflikten scheitert.
5. Fazit: Zwischen Hobbes und der menschlichen Natur: Das Fazit resümiert, dass aktuelle Bemühungen zur Verwirklichung des Gemeinwohls an der menschlichen Natur scheitern und Politik lediglich den Rahmen zur Vermeidung des "Krieges aller gegen alle" sichern kann.
Schlüsselwörter
Platon, Philosophie, Politik, Gemeinwohl, Macht, Kapital, Gerechtigkeit, Wissenschaft, Demokratie, Rhetorik, Werteverfall, Totalitarismus, Interessenkonflikt, Menschenbild, Hobbes.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische und gegenwärtige Gültigkeit von Platons These, dass nur eine Verbindung von philosophischer Wissenschaft und politischer Macht eine gerechte Gesellschaftsordnung schaffen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind das Spannungsfeld zwischen idealistischer Philosophie und pragmatischer Politik, die Rolle von Macht und Kapital in der Moderne sowie die Unveränderlichkeit menschlicher Leidenschaften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, warum Platons Vision einer Herrschaft der "Philosophenkönige" in der heutigen Gesellschaft trotz demokratischer Errungenschaften kaum realisierbar scheint.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-analytische Methode, die historische Texte Platons in Bezug zur aktuellen politischen Realität und zu soziologischen Beobachtungen setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Platons Idealstaat, den Kontrast zum modernen politischen Handeln sowie die systemischen Hindernisse, die eine wissenschaftlich geleitete Politik behindern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Gemeinwohl, Machtstreben, Werteverfall und das Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlichem Idealismus und politischem Realismus gekennzeichnet.
Warum wird Hobbes im Fazit herangezogen?
Hobbes dient als Referenzpunkt für die pessimistische Sicht, dass der Mensch von Natur aus durch Leidenschaften getrieben wird, was die Umsetzung von Platons hehren Idealen dauerhaft verhindert.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Demokratie?
Der Autor deutet an, dass das moderne demokratische System in der Praxis häufig zur Interessenvertretung und zum Machterhalt degradiert ist, statt den hohen Anforderungen einer idealen Gemeinwohlorientierung gerecht zu werden.
- Quote paper
- Katrin Ermel (Author), 2005, „Bevor die Politiker nicht Wissenschaftler werden oder die Wissenschaftler Politiker, wird in der Politik nichts Richtiges zustande kommen!“ – Hatte Platon wohl recht?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150889