„Bevor die Politiker nicht Wissenschaftler werden oder die Wissenschaftler Politiker, wird in der Politik nichts Richtiges zustande kommen!“ – Hatte Platon wohl recht?


Essay, 2005
9 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

„ Bevor die Politiker nicht Wissenschaftler werden oder die Wissenschaftler Politiker, wird

in der Politik nichts Richtiges zustande kommen! “ - Hatte Platon wohl recht?

Zumindest hatte er einen Verbesserungsvorschlag für seine Zeitgenossen. Aber hat seine Idee heutzutage auch noch zwischen Bonusmeilen und exorbitanten Managergehältern bestand? Oder haben wir uns gar geleitet vom hohen Gut des Gemeinwohls bereits an die Sanierung der Krankenkassen gewagt? Ist uns Platons Maxime vielleicht auch schon so in „Gammel“Fleisch und Blut übergegangen, dass wir „das Richtige“ schon längst erreicht haben? Sind wir glücklich und zufrieden und wissen es etwa gar nicht?

Platon versuchte seinerzeit das schier Unmögliche. Jedoch steht am Anfang von großen Dingen immer die erste kleine Vorstellung, aus welcher sich dann die Idee formt bzw. das Ideal. Denn sind es nicht die Idealvorstellungen, welche den ersten Schritt zu einer Veränderung bedeuten? Sie trösten uns über Krisen hinweg oder helfen uns sogar aus ihnen heraus. Es sind unsere Sehnsüchte und Ideale, die uns in scheinbar aussichtslosen Situationen die Motivation schenken, nicht aufzugeben. Doch erreichen wir nicht letztendlich nur selten das angestrebte Ideal, meistens aber die Überwindung der Krise? Sind Ideale nicht die Rettungsinseln auf stürmischer See, mit welchen wir immerhin an Land treiben, auch wenn wir nicht gleich das Paradies entdecken?

Die Frage ist doch vielmehr, ob wir ohne diese Rettungsinseln überhaupt versucht hätten an Land zu kommen oder ob wir uns unserem Schicksal motivationslos ergeben und auf unseren Untergang gewartet hätten. Sicher, es gibt immer Menschen, die kämpfen und Menschen, die aufgeben und es gibt auch solche, die nicht einmal nach Idealen suchen. Dennoch sehnt sich der Kranke nach Gesundheit, der Arme nach Reichtum und der unter Kriegsbedingungen Lebende nach Frieden.

Zu Lebzeiten Platons befand sich die Politik in einer Krise. Diese betraf nicht nur Athen, sondern auch alle anderen ihm bekannten Gemeinschaften. Er musste nicht nur den Peloponnesischen Krieg beobachten, sondern auch die Hinrichtung des Sokrates erleben, die sein Vertrauen in die Politik tief erschütterte. So begann er vom Standpunkt der Philosophie aus nach Lösungen zu suchen, wie sich die politische Erneuerung des Gemeinwesens vollziehen könnte. Er versuchte sich, stark geprägt vom sokratischen Denken, dem Problem wissenschaftlich zu nähern und so die Wahrheit, das Gute zu erkennen und Gerechtigkeit und Gemeinwohl herbeizuführen. Die beste und wahre Lösung sah er in der Besetzung der Staatsämter durch die Philosophen. Diese würden dann- dank ihrer göttlichen Eigenschaften- nicht zu ihrem eigenen Vorteil agieren, sondern voll und ganz dem Gemeinwohl dienen und darin die letzte verbindliche Norm für ihr Handeln sehen. Jedoch kommen diese naturgemäß nicht an die Macht, da ihnen vermutlich keiner glauben würde, das Gute erkannt zu haben und man sie letztendlich, wie Sokrates, umbringen würde. Daher ist eine Verbindung von Philosophie und Macht wohl nur „im Himmel“ möglich. Folglich bemühte sich Platon um einen auf Erden realisierbaren Idealstaat. Die sogenannte zweitbeste Lösung: Philosophisch geschulte Politiker, welche eine Verfassung erschaffen, die auf Gesetzen basiert, orientiert am Philosophenkönigtum, geprägt durch Gerechtigkeit, Weisheit, Tapferkeit und Besonnenheit. Die politische Vernunft ersetzt hier die göttlichen Eigenschaften. Diese Idealvorstellung war Platons Ausweg aus der Krise und mit der Gründung seiner Akademie lieferte er dann auch seinen Beitrag zur Rettung der Menschheit vor sich selbst. Das Schwierige ist nur, solch einen, von Vernunft durchdrungenen, politischen Philosophen zu finden, welcher sich -um es mit Hobbes´ Worten zusagen- von den menschlichen Leidenschaften, wie Macht und Habgier, nicht beeinflussen lässt. Peter Hartz kommt also nicht mehr in die engere Auswahl. Doch können sich Menschen überhaupt ungeachtet ihrer Leidenschaften dem Wahren widmen? Vermögen dazu nicht nur gerade diese Götter im Stande zu sein? Oder sollten wir das in den mehr als 2000 Jahren nicht langsam gelernt haben? Vielleicht glauben wir auch nicht, dass überhaupt noch dieses „Richtige“ zustande kommen kann und vielleicht haben wir es deshalb modifiziert und den Anspruch daran zurückgenommen um es erreichen zu können? Brauchen wir die Kombination aus Politiker und Wissenschaftler überhaupt noch oder liegt heut eine andere, vielleicht einfacher erreichbare Idealvorstellung im Trend? Was sehen wir denn heut als „das Richtige“?

Wenn es in der Politik das Richtige ist, Herrschaft auszuweiten, Kapital anzuhäufen und eine träge Masse, genannt das Volk, unter Kontrolle zu halten- so kann es, um Politiker zu sein durchaus genügen, eine, wenn auch zweifelhafte, politische Meinung und ein gewisses Talent für Rhetorik und Sophistik zu besitzen. Das politisch desinteressierte Volk- die Lieblinge einer solchen Gesellschaft- wird die in verständlicher Sprache zum Ausdruck gebrachten Ziele für gut befinden und sich weitaus wichtigeren Themen zuwenden. Der an Politik Interesse zeigende Teil der Gemeinschaft- die sogenannte ungeliebte Menge- wird auf ihre Nachfragen hin mit einem kunstvoll gestaltetem rhetorischen Schwall von Alliterationen, Chiasmen und Symbolismus belegt werden. Sollte dennoch ein kritisches Häufchen, welches all dies zu durchschauen, sogar zu kritisieren wagt bestehen bleiben und sich der Aufklärung der Gesellschaft widmen wollen, ja so muss es leider einfach vernichtet werden. Zum Wohle der gesamten Gemeinschaft natürlich.

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Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
„Bevor die Politiker nicht Wissenschaftler werden oder die Wissenschaftler Politiker, wird in der Politik nichts Richtiges zustande kommen!“ – Hatte Platon wohl recht?
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in das Studium der politischen Systeme
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
9
Katalognummer
V150889
ISBN (eBook)
9783640632152
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politiker, Wissenschaftler, Politik, Richtiges, Hatte, Platon
Arbeit zitieren
Katrin Ermel (Autor), 2005, „Bevor die Politiker nicht Wissenschaftler werden oder die Wissenschaftler Politiker, wird in der Politik nichts Richtiges zustande kommen!“ – Hatte Platon wohl recht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150889

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