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Das Schicksal des Johannes Hus. Über einen königlichen Geleitbrief ins Verderben

Title: Das Schicksal des Johannes Hus. Über einen königlichen Geleitbrief ins Verderben

Seminar Paper , 2007 , 15 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Katrin Ermel (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

[...] Dieser Johannes Hus sollte es sein, der im Laufe seines Lebens die Kirche in ihren
Grundfesten erschütterte, so dass sie sich von ihm regelrecht bedroht sah. Was sollte aus ihm
werden? Ein Papst, ein Kardinal oder mächtiger Würdenträger? Nein, ein einfacher, frommer
Prediger mit einem unerschütterlichen Glauben an die Wahrheit Christi und einer breiten
Anhängerschaft im ganzen Land. Nach dem Besuch der Lateinschule und der Universität
wurde er im Jahr 1396 Magister der Künste. Zeitgleich studierte er Theologie und wurde 1400
zum Priester geweiht. Einige Jahre später war er bereits baccalarius formatus und stand damit
kurz vor dem theologischen Doktorgrad. Diesen jedoch sollte er nicht mehr erreichen, denn
Hus kam mit den Schriften des Engländers John Wyclif in Berührung. Dessen philosophische
und theologische Abhandlungen sorgten nicht nur in seiner Heimat, sondern auch auf dem
europäischen Kontinent für Aufruhr. Schnell wurde er als Ketzer verurteilt. Johannes Hus
aber inspirierten sie auf eigene Weise zu einer „höheren Wahrheit“, die er seiner Gemeinde
auch predigte. Reformgedanken oder reine Ketzerei? Hus sollte zum Konzil nach Konstanz
und zwar unter königlichem Geleit.
Sicher ließe sich nun fragen, weshalb Jan Hus nicht mehr in seine Heimat zurückkehren
sollte, wo er doch unter dem Schutz des Königs stand. Dieser Sachverhalt ist bereits viel
diskutiert worden und ebenso inwieweit Sigismund sein Wort gebrochen hatte oder ob es sich
um einen politischen oder einen rechtlichen Geleitbrief handelte.1 Im Folgenden sollen aber
nicht diese Punkte leitend sein, sondern vielmehr die Frage, was das Dokument für Jan Hus
darstellte. Welche Bedeutung maß er dem Geleitbrief bei und wie entscheidend war dieses
Verständnis für sein Schicksal? Wusste er von Anfang an, worauf er sich einließ? Oder
verkannte er die Lage und wog sich unter dem Schutze König Sigismunds in Sicherheit,
obwohl er direkt in sein Verderben lief? Vielleicht war er sich aber auch von vornherein
bewusst darüber, was in Konstanz geschehen würde und beschritt diesen Weg tapfer als
Märtyrer für seine großen Ideen? Kann das Dokument also für Jan Hus so dermaßen
entscheidend gewesen sein, dass man behaupten kann, dieser hätte ein anderes Schicksal
erlitten, wenn er im Vorfeld nicht über königliches Geleit verfügt hätte?
Diese Frage soll im Folgenden näher betrachtet werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Forschungsbericht

II. Der Geleitbrief

III. Historischer Hintergrund

IV. Sigismunds Einladung nach Konstanz

V. Hus in Konstanz

VI. Hus am Scheideweg?

VII. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung des königlichen Geleitbriefes für das Schicksal von Jan Hus während des Konstanzer Konzils. Dabei wird analysiert, inwieweit das Verständnis dieses Dokuments Hus' Entscheidung zur Reise nach Konstanz beeinflusste und ob seine Hoffnung auf Schutz durch König Sigismund die tragische Entwicklung seines Prozesses maßgeblich prägte.

  • Historische Einordnung der Person Jan Hus im Kontext von Reform und Ketzerei.
  • Analyse des Geleitbriefes als Handlungsurkunde und dessen Wirkung im 15. Jahrhundert.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen religiöser Überzeugung und weltlicher Machtpolitik.
  • Bewertung der Rolle von König Sigismund im Prozess gegen Jan Hus.
  • Reflektion über die Wirkung des Konstanzer Konzils auf die spätere Hussitenbewegung.

Auszug aus dem Buch

VI. Hus am Scheideweg?

In Gottlieben herrschte ein raues Klima. In Ketten schloss man Hus auf einer Turmstube an. Jeder Verkehr mit seinen Freunden wurde strikt unterbunden, er konnte nicht schreiben, auch die Kost war spärlich und die Söldner waren ihm ganz und gar nicht wohlgesinnt. Von den Ereignissen in Konstanz erfuhr er fast nichts. Wie sollte es nun weitergehen? Der König hatte Hus offensichtlich dem Konzil geopfert und sein letzter Hoffnungsschimmer, doch noch befreit zu werden, war mit der Überführung nach Gottlieben erloschen. Da er nun ganz auf sich allein gestellt war, wäre es vielleicht klüger einfach seine Lehren zu widerrufen und damit wenigstens sein Leben zu retten? Aber Jan Hus glaubte an das was er predigte und war sich seiner Wahrheit und Rechtschaffenheit gewiss.

Während er die Kerkerhaft unter neuen Erkrankungen durchlitt, versuchten seine Freunde alles, um ihm zu helfen. Sie schickten Briefe an das Konzil, bestürmten Sigismund und nachdem böhmische Adelige eine Denkschrift verfasst hatten, wurde beschlossen Hus am 5. Juni 1415 anzuhören. War dies seine große Chance, auf die er so lang warten musste? Bereits bei der ersten Anhörung kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, da Hus angeblich seinen Freunden geschrieben haben sollte, dass er, selbst wenn er widerrufe, dies nur mit dem Mund und nicht mit dem Herzen tun würde. Man will den Magister im Grunde gar nicht hören. Er soll widerrufen oder als Ketzer verurteilt werden. Das vorschnelle Urteil lag schon bereit.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung skizziert den Lebensweg von Jan Hus und führt die zentrale Fragestellung ein, welche Bedeutung der königliche Geleitbrief für sein Handeln und Schicksal in Konstanz hatte.

I. Forschungsbericht: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene historische Interpretationen von Jan Hus, die ihn vom Reformer über den Protestanten bis hin zum marxistischen Revolutionär deuten.

II. Der Geleitbrief: Es wird die historische Quelle des Geleitbriefes von 1414 untersucht, inklusive seiner inhaltlichen Zusicherung von Sicherheit und freiem Geleit für den Magister.

III. Historischer Hintergrund: Hier wird das große abendländische Schisma und die Einberufung des Konzils zu Konstanz zur Beilegung der kirchlichen und politischen Missstände beschrieben.

IV. Sigismunds Einladung nach Konstanz: Das Kapitel analysiert die politischen Motive von Sigismund sowie die Versuche von Hus, seine Rechtgläubigkeit vor dem Konzil unter dem Schutz des Königs zu beweisen.

V. Hus in Konstanz: Die Ankunft, die einsetzende Intrigenpolitik gegen Hus und seine letztliche Einkerkerung trotz des vorliegenden Geleitbriefes bilden den Kern dieses Teils.

VI. Hus am Scheideweg?: Es wird die Zeit der harten Haft in Gottlieben sowie die Anhörungen vor dem Konzil behandelt, die schließlich zur Verurteilung und zum Feuertod des Reformators führen.

VII. Zusammenfassung: Abschließend wird resümiert, dass der Geleitbrief für Hus ein Schicksalsdokument war und sein Tod die nachfolgende Hussitenbewegung nicht verhindern konnte.

Schlüsselwörter

Jan Hus, Konstanzer Konzil, Sigismund, Geleitbrief, Kirchenspaltung, Schisma, Reformation, Ketzerei, Relatio, Peter von Mladoniowitz, Böhmen, Hussitismus, Glaubensfreiheit, Gehorsamsproblem, Mittelalter

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Prozess gegen Jan Hus auf dem Konstanzer Konzil und der spezifischen Rolle, die der ihm zugesagte königliche Geleitbrief in diesem historischen Konflikt spielte.

Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?

Zentrale Themen sind die Kirchengeschichte des 15. Jahrhunderts, die politische Machtstrategie von König Sigismund, die Person Jan Hus als Reformator und die Dynamik von Ketzereiprozessen im Mittelalter.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, was das Geleitdokument für Jan Hus persönlich bedeutete, wie er es wahrnahm und inwieweit das Vertrauen auf dieses Dokument entscheidend für seinen Gang nach Konstanz und sein letztliches Scheitern war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Arbeit, die primär auf der Auswertung und Analyse zeitgenössischer Dokumente sowie einer fundierten Literaturrecherche zu verschiedenen Forschungsperspektiven auf Jan Hus basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der Epoche, die Analyse des Geleitbriefes, den Prozessverlauf in Konstanz, die Haftbedingungen in Gottlieben sowie die Standhaftigkeit des Magisters gegenüber seinen Anklägern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Schlüsselbegriffe sind Jan Hus, Konstanzer Konzil, Geleitbrief, Schisma, Ketzerei, Sigismund und Hussitenbewegung.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle von König Sigismund bei der Verhaftung?

Die Arbeit beleuchtet Sigismunds Zerrissenheit zwischen der Rolle als Beschützer und seinem machtpolitischen Interesse, das Konzil, das ihm zur Kaiserwürde verhelfen sollte, nicht durch eine konsequente Verteidigung des Ketzers zu gefährden.

Warum konnte der Geleitbrief Jan Hus am Ende nicht retten?

Der Geleitbrief verlor seine faktische Wirkung, da das Konzil das kirchliche Recht über das königliche Geleit stellte und Sigismund sich aus machtpolitischen Gründen dem kirchlichen Druck beugte und Hus den Konzilvätern überließ.

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Details

Title
Das Schicksal des Johannes Hus. Über einen königlichen Geleitbrief ins Verderben
College
Dresden Technical University  (Institut für Geschichte)
Course
Die konziliare Bewegung
Grade
1,7
Author
Katrin Ermel (Author)
Publication Year
2007
Pages
15
Catalog Number
V150892
ISBN (eBook)
9783640622429
ISBN (Book)
9783640622658
Language
German
Tags
Schicksal Johannes Geleitbrief Verderben
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katrin Ermel (Author), 2007, Das Schicksal des Johannes Hus. Über einen königlichen Geleitbrief ins Verderben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150892
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