Gegenstand dieser Arbeit ist in erster Linie die Schrift „Brief über den Humanismus“ von Martin Heidegger. Es soll zunächst eine Übersicht über sein Gedankengebäude erstellt werden, um es anschließend mit den Grundzügen der „ästhetischen Erziehung“ nach Schiller zu vergleichen. Hierbei kann freilich nicht auf alle Aspekte eingegangen werden, daher wurden nur die wichtigsten Pfeiler der Gedankengebäude zueinander in Beziehung gesetzt. Es ist sehr auffällig, dass sich Heideggers Gedanken in vielen Punkten mit denen Schillers decken. Nur in wenigen Punkten wurden sie weiterentwickelt, verkürzt oder kritisiert. Dies soll Heidegger keineswegs zum Vorwurf gemacht werden, aber ich werde versuchen aufzuzeigen, dass, wer sich mit Heidegger beschäftigt, nicht um Schiller herum kommen und zwangsläufig mit dessen Ideen konfrontiert wird.
Die Schriften, auf die stets Bezug genommen wird, sind Schillers: „Vom Pathetischen und Erhabenen“ und „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“, sowie Heideggers: „Brief über den Humanismus“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1. Heidegger
2. Schiller
2. Abriss von Heideggers Schrift „Brief über den Humanismus“
3. Schillers Grundidee und Parallelen bei Heidegger
1. Kultur als Grundbedingung des Menschseins
2. Die Offenbarkeit der Existenz
3. Scheiternde Existenz und ihre Bedingung
4. Erschütterung des Lebens als Mittler der Kunst
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das philosophische Gedankengebäude von Martin Heideggers „Brief über den Humanismus“ darzulegen und dieses in einen vergleichenden Kontext zu Schillers ästhetischer Erziehung zu setzen, um die wechselseitigen Bezüge und Unterschiede in ihrem Menschenbild zu ergründen.
- Analyse der Heideggerschen Kehre und des Begriffs der Lichtung des Seins
- Gegenüberstellung von Schillers Idealismus und Heideggers Ontologie
- Untersuchung der Rolle der Sprache als Haus des Seins
- Vergleich der Konzepte von Existenz, Freiheit und der Erschütterung durch die Kunst
Auszug aus dem Buch
2. Abriss von Heideggers Schrift „Brief über den Humanismus“
Heidegger kritisiert in seiner Schrift die technische Interpretation des Denkens der Philosophie seit Sokrates. So seien die Vorsokratiker, die nicht in kategorischen Bestimmungssystemen dächten, die wahren Denker, und das Denken hätte seit der Aufspaltung seiner selbst in Kategorien stillgestanden. Damit lehnt er sich speziell gegen die schematische Betrachtung der modernen Wissenschaften, insbesondere gegen den Biologismus, der den Menschen durch Betrachtung als mechanische Hülle zu verstehen versucht. Dies könne aber nach Heidegger nicht funktionieren, sondern nur ein verfehltes Bild des Menschen erzeugen, da er nicht in seiner Gesamtheit betrachtet würde. Insbesondere kommt Heidegger zu dem Schluss, dass die Wissenschaften generell nicht denken, da sie rein technisch, schematisch arbeiten. Nach Heidegger muss nun diese technokratisch-anthropozentrische Herangehensweise an Problemstellungen abgelegt werden: Es soll nicht technisch gedacht, sondern das Wesen des Denkens in seiner Reinform durch reines Erfahren eines Phänomens, ohne Auslegung oder Schematisierung, also vorurteilsfrei, gewissermaßen rein, erfahren und erkannt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Es wird eine erste Übersicht über das Denken Heideggers gegeben und das Vorhaben skizziert, dieses mit den Grundzügen der ästhetischen Erziehung nach Schiller zu vergleichen.
2. Abriss von Heideggers Schrift „Brief über den Humanismus“: Dieses Kapitel kritisiert die technische Interpretation des Denkens und plädiert für eine Rückbesinnung auf das reine Erfahren des Seins jenseits von kategorischen Systemen.
3. Schillers Grundidee und Parallelen bei Heidegger: Hier werden die Konzepte von Kultur, Existenz, Scheitern und Kunst gegenübergestellt, wobei die Gemeinsamkeiten in der Konstruktion des Menschen aufgezeigt werden.
4. Resümee: Die Arbeit fasst zusammen, dass Heideggers Schrift keine radikale Neuerung darstellt, sondern eine Fortführung und Erweiterung des Denkens vorheriger Philosophen wie Kant und Schiller ist.
Schlüsselwörter
Martin Heidegger, Friedrich Schiller, Humanismus, Brief über den Humanismus, Über die ästhetische Erziehung des Menschen, Seinsgeschichte, Lichtung, Ek-sistenz, Ontologie, Idealismus, Existenz, Sprache, Phänomenologie, Denken, Metaphysik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer vergleichenden Analyse von Martin Heideggers „Brief über den Humanismus“ vor dem Hintergrund von Schillers ästhetischer Erziehung des Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Kritik am anthropozentrischen Humanismus, die Bedeutung der Sprache als Haus des Seins und die Rolle der ästhetischen Erfahrung für das menschliche Selbstverständnis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die philosophische Verwandtschaft und die Unterschiede im Menschenbild bei Heidegger und Schiller herauszuarbeiten und zu zeigen, wie beide das Wesen des Menschen neu zu bestimmen suchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literatur- und Theorieanalyse, um die Schriften beider Autoren in Bezug zueinander zu setzen und ihre philosophischen Konzepte zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen Abriss der Heideggerschen Schrift sowie vier Unterkapitel, die spezifische Parallelen zu Schiller – etwa zur Kultur als Bedingung oder der Rolle der Kunst – untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Seinsgeschichte, Ek-sistenz, Lichtung, Idealismus und die philosophische Auseinandersetzung mit der Technik geprägt.
Inwiefern unterscheidet sich Heideggers Sicht auf das „Scheitern“ von der Schillers?
Heidegger lehnt das Konzept des Scheiterns als aktive Möglichkeit, wie Schiller es konstruiert, ab, da der Mensch bei ihm in seiner Existenz stärker in das unbeeinflussbare Seinsgeschick eingebettet ist.
Welche Rolle spielt die Sprache im „Brief über den Humanismus“?
Die Sprache wird als „Haus des Seins“ betrachtet; sie ist das Medium, in dem sich das Wesen des Menschen manifestiert und durch die sich das Sein dem Menschen offenbart.
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- Jens Breidbach (Author), 2009, Abriss Heideggers Humanismusbrief vor dem Hintergrund Schillers ästhetischer Erziehung des Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150901