In einer Welt wie heute, deren innergesellschaftliche Kommunikationsform auf Grund weltweiter Migration von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig geworden ist, in der es inzwischen unverzichtbar ist, nicht nur vom eigenen Kenntnisstand auszugehen, sondern mindestens genauso umfassend die Hintergründe anderer Kulturen zu erkennen und zu respektieren, sollte eine Sensibilität für `ein Dahinter` gewonnen werden: Eine Sensibilität, die sich nicht nur an Fakten orientiert, sondern mit der man sich in seine Mitmenschen einfühlen kann, mit denen man seinen Alltag teilt und die genauso wie man selbst bestimmte Beweggründe für ihr jeweiliges Handeln haben, auch wenn diese nicht immer den eigenen entsprechen.
Eine wichtige Voraussetzung, um fremde Handlungsweisen nachvollziehen zu können, ist das Interesse an anderen Kulturen sowie die Bereitschaft, diese kennen lernen zu wollen.
Indessen beginnt der Mensch meist zunächst mit Vorbehalten und Vergleichen. Er kann sein Gegenüber schlecht in dessen Eigenheit bestehen lassen, sondern er setzt sich selbst zum Anderen in Beziehung, dadurch wird er sich als eigenständige Person bewusst und kann sich in einer modernen und komplexen Welt besser orientieren. Der Mensch zieht seine Schlüsse meist aufgrund eigener Erfahrungen, und auf dieser Grundlage folgert er aus Gesprochenem oder Gesehenem. Dabei bedient er sich oft stereotyper Muster oder Vorurteile und wird seinem fremden Gegenüber in einer Kommunikation nicht gerecht, weil sich der Fremde nicht einfach in vorgefertigte Muster stecken lässt. Daraus resultieren Probleme, die Begegnungen mit anderen Mitmenschen erschweren können und im besonderen Maße bei interkulturellen Begegnungen zu Missverständnissen führen können. Deshalb ist es notwendig, den Dialog zu einem friedlichen Miteinander zu finden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
„The cultural apparatus“ (Jochen Rehbein)
`Cultural apparatus` in der Praxis
Denkstrukturen und Vorstellungsformen im Konflikt
`Cultural apparatus` als inneres Regelsystem
Mentale Prozesse (Technai)
Cultural apparatus als Schritt zu einer transkulturellen Kommunikation?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Jochen Rehbeins Konzept des `cultural apparatus` auseinander, um Möglichkeiten und Grenzen interkultureller Kommunikation zu untersuchen. Ziel ist es, den Einfluss mentaler Prozesse auf Missverständnisse aufzuzeigen und zu reflektieren, inwiefern die Anpassung eigener Vorannahmen zu einer erfolgreicheren, transkulturellen Interaktion beitragen kann.
- Analyse kultureller Missverständnisse und deren Entstehungsursachen
- Untersuchung von Vorannahmen und mentalen Prozessen (Technai)
- Evaluation der Rolle von Sprache und interkultureller Kompetenz
- Reflexion über Kommunikationsstrategien bei interkulturellen Konflikten
- Kritische Würdigung des `cultural apparatus` als Trainingsmodell
Auszug aus dem Buch
`Cultural apparatus` in der Praxis
Rehbein verdeutlicht seine Theorie an Beispielen und versucht mit einer Analyse, die Situationen auf die jeweils bestehenden Vorannahmen zurückzuführen. Verantwortlich für das folgende Missverständnis macht er unterschiedliche Begrüßungsrituale eines Telefongesprächs bei Deutschen und Amerikanern.
[(Telefon rings, Prof. Müller answers)
Prof. Müller: Müller.
American woman: Professor Müller?
Prof. Müller: Am Apparat.
Speaking. [Literally: at the apparatus]
American woman: Bitte?
Pardon?
Prof. Müller: Am Apparat.
Speaking. [Literally: at the apparatus]
American woman: Wo ist er?
Where is he?
Ich verstehe nicht.
I don`t understand.
Prof. Müller: Er spricht selbst zu Ihnen.
(smiling) He is speaking to you himself.
American woman: Bitte?
Pardon?
Prof. Müller: Er selbst spricht zu Ihnen.
(louder) He himself is speaking to you.
American woman: Sprechen Sie Englisch?
Do you speak English?
Prof. Müller: Yes.]
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik interkultureller Kommunikation und die Notwendigkeit, festgefahrene Vorstellungsmuster zu hinterfragen.
„The cultural apparatus“ (Jochen Rehbein): Vorstellung des Konzepts des kulturellen Filters und Erläuterung, wie Vorannahmen zu Missverständnissen in der Kommunikation führen.
`Cultural apparatus` in der Praxis: Fallbeispiele, darunter ein missglücktes Telefonat, verdeutlichen die Auswirkungen unterschiedlicher kultureller Höflichkeitsstandards.
Denkstrukturen und Vorstellungsformen im Konflikt: Analyse einer Tantiemen-Verhandlung, die zeigt, wie kulturell geprägte Erwartungen an Verhandlungssituationen zu Blockaden führen können.
`Cultural apparatus` als inneres Regelsystem: Erörterung der Notwendigkeit, Vorurteile zu revidieren und Kommunikationsabläufe bei auftretenden Problemen aktiv neu zu organisieren.
Mentale Prozesse (Technai): Detaillierte Untersuchung der „Technai“ (Handlungspraktiken, Denkstrukturen, Vorstellungsformen, gesellschaftliche Erfahrungen) als Einflussfaktoren auf das interkulturelle Handeln.
Cultural apparatus als Schritt zu einer transkulturellen Kommunikation?: Fazit über die Grenzen der Theorie und die Bedeutung persönlicher Reflexionsfähigkeit zur Überwindung kultureller Grenzen.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kommunikation, Cultural apparatus, Jochen Rehbein, Vorannahmen, Missverständnisse, Technai, Mentale Prozesse, Kulturstandards, Interkulturelle Kompetenz, Transkulturalität, Vorurteile, Höflichkeitsstandards, Sprachbarrieren, Reflexion, Handlungsmuster
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Konzept des `cultural apparatus` von Jochen Rehbein, um zu verstehen, wie kulturelle Unterschiede und Vorannahmen die zwischenmenschliche Kommunikation beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Untersuchung von Sprachbarrieren, die Rolle von Höflichkeitskonventionen, die Entstehung von Vorurteilen und die Bedeutung mentaler Prozesse für das soziale Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine bewusste Reflexion eigener „Technai“ und Vorannahmen eine fairere und erfolgreichere Kommunikation zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen möglich wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die Analyse authentischer interkultureller Szenarien und verknüpft diese mit theoretischen Überlegungen zur interkulturellen Kommunikation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Fallbeispiele, wie ein interkulturelles Telefonat oder eine Tantiemen-Verhandlung, und systematisiert die Einflussfaktoren wie Denkstrukturen und Handlungspraktiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Interkulturelle Kommunikation, Vorannahmen, Technai, Mentale Prozesse und der kulturelle Filter.
Warum endet das Telefonbeispiel im Buch in einer Sackgasse?
Weil beide Gesprächspartner starr an ihren jeweiligen, kulturell geprägten Höflichkeitsstandards festhalten und weder die sprachlichen noch die sozialen Vorannahmen des anderen erkennen können.
Was versteht man unter dem Begriff „Technai“?
Technai sind nach Rehbein höhere Fähigkeiten oder Techniken, die sich aus dem sozialen Erfahrungshintergrund speisen und Denkweisen, Gefühle sowie Handlungsmuster umfassen.
Ist der „Cultural apparatus“ ein Garant für eine Einigung?
Nein, die Arbeit zeigt kritisch auf, dass ein bloßes „Anpassen“ an die andere Kultur auch in ein einseitiges, monokulturelles Ergebnis münden kann, das nicht unbedingt einen fairen Kompromiss darstellt.
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- Corinna Baspinar (Author), 2008, Training zur interkulturellen Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150909