Die Privatsphäre im Internet ist immer wieder Gegenstand verschiedenster Diskussionen. In der Regel entzünden sich diese Diskussionen an bestimmten Entwicklungen, wie bspw. das Aufkommen der so genannten „Social Networks“ wie studiVZ oder Facebook und den damit verbundenen Fragen, ob hier die Nutzer nicht zu viel von sich preisgeben und ob solche Plattformen zu sehr in die Privatsphäre eingreifen. Eine Reaktion besteht darin, neue Gesetze
zum Schutze der Privatsphäre zu fordern, um damit auf neue Entwicklungen wie das Internet zu reagieren. Peter Schaar ruft angesichts der Überwachungsmöglichkeiten, die neue Technologien wie das Internet bieten, gar „Das Ende der Privatsphäre“ aus.
Mit dieser Schlussfolgerung, dass die Privatsphäre am Ende sei, ist Schaar nicht alleine. Diese vielzitierte Krise der Privatsphäre ist der Anknüpfungspunkt für die vorliegende
Arbeit. Zunächst geht es in dieser Arbeit darum, den Zustand der Privatsphäre im Internet zu untersuchen. Grundlage ist dabei die Theorie der Privatsphäre von Beate Rössler, auf die die Verfechter einer kritischen Sicht der Privatsphäre häufig zurückgreifen. Ferner ist es Ziel der Arbeit, nach neuen Wegen im Umgang mit der Privatsphäre im Internet zu suchen. Hierbei
geht es darum, die Diskussion um einen weiteren Standpunkt zu erweitern und neue Perspektiven aufzuzeigen, wie Privatsphäre angesichts neuer Technologien wie Social Networks und Cloud Computing gedacht werden kann.
Zu Beginn der Arbeit wird Beate Rösslers Theorie der Privatsphäre erläutert, die vor allem den Aspekt der Kontrolle über die personenbezogenen Daten als Basis der Privatsphäre betont. Ergänzend werden kritische Anmerkungen zu Rösslers Theorie erwähnt. Im anschließenden dritten Kapitel geht es um die Bedrohungen der Privatsphäre im Internet. Dabei wird vor allem dem Bereich der Technik viel Platz eingeräumt, um darzulegen ob und inwiefern technische Entwicklungen wie Datenbanken oder das Cloud Computing dazu beitragen, die Privatsphäre einzuschränken. Neben der Technik wird auch auf die Bereiche Gesellschaft, Politik und Wirtschaft eingegangen und untersucht, ob diese auf die Privatsphäre einwirken.
Besondere Aufmerksamkeit wird in allen angesprochenen Bereichen der Frage gewidmet, ob die Privatsphäre nach Rösslers Definition und unter besonderer Berücksichtigung des Aspekts der Kontrolle eingeschränkt ist oder nicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Begriffs der Privatheit
2.1 Vorbemerkungen
2.2 Rösslers Definition von Privatheit
2.2.1 Dezisionale Privatheit
2.2.2 Informationelle Privatheit
2.2.3 Lokale Privatheit
2.3 Kritische Anmerkungen zu Rösslers Theorie des Privaten
3. Einflussfaktoren auf die Privatsphäre
3.1 Technik
3.1.1 Datenbanken
3.1.2 Internet
3.1.3 Social Software
3.1.4 Cloud Computing
3.2 Gesellschaft
3.3 Wirtschaft
3.4 Politik
4. Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre
4.1 Technik
4.2 Gesellschaft, Wirtschaft und Politik
5. Konzepte
5.1 Ist Rösslers Konzept der Privatsphäre im Internet noch haltbar?
5.2 Alternative Konzepte der Privatsphäre
5.2.1 David Brins „Transparent Society“
5.2.2 Privatsphäre als Eigentum
5.2.3 Helen Nissenbaums „kontextuelle Integrität“
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den aktuellen Zustand der Privatsphäre im Internet unter Rückgriff auf Beate Rösslers Theorie. Das primäre Ziel ist es, die Auswirkungen moderner Technologien und gesellschaftlicher Trends auf die informationelle Privatheit zu analysieren und neue Perspektiven für den Umgang mit dieser Herausforderung aufzuzeigen.
- Analyse der Privatsphäre auf Basis von Beate Rösslers Theorie.
- Untersuchung technischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Einflussfaktoren.
- Kritische Beleuchtung von Schutzmaßnahmen und deren praktischer Anwendbarkeit.
- Vorstellung alternativer Konzepte zur Privatsphäre, insbesondere Nissenbaums Theorie der kontextuellen Integrität.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Internet
Der Begriff des Internets beschreibt kein von Lage und Umfang klar definiertes Netzwerk. Unter einem Netzwerk versteht man den Zusammenschluss von mindestens zwei Rechnern, die miteinander kommunizieren und Daten austauschen können. Es ist vielmehr die Gesamtheit vieler einzelner Netzwerke, die zusammen ein globales Informationsnetzwerk bilden. Der Begriff Internet leitet sich von „interconnected networks“ ab, bezeichnet also ein Gebilde aus miteinander verbundenen Netzwerken. Zudem ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass oftmals das World Wide Web (WWW) mit dem Internet gleichgesetzt wird. Das Surfen mittels Browser im WWW ist aber nur einer von vielen Diensten, die im Internet genutzt werden können. Weitere Dienste, die zum Internet zählen, sind z.B. Email oder der Datentransfer mittels File Transfer Protocol (FTP).
Die Grundlage heutiger Netzwerke ist die so genannte Paketvermittlung (auch Packet Switching genannt). Bei der Paketvermittlung werden die über das Netzwerk transferierten Daten in einzelne Pakete aufgeteilt und diese Pakete mit Empfänger- und Absenderadresse versehen. Die Pakete werden dann über Knotenpunkte durch das Netzwerk geleitet, wobei die Knoten in der Lage sind, die Pakete mit neuen Adressdaten zu versehen, sollte ein Knoten auf dem Weg unerreichbar sein. Die Idee der Paketvermittlung wurde zeitgleich Mitte der 60er-Jahre von Paul Baran in den USA und Donald Davies in Großbritannien entwickelt. Paul Baran arbeitete für die RAND Corporation, eine Denkfabrik, die u.a. für das US amerikanische Verteidigungsministerium arbeitete. Unter diesem Eindruck war Baran vor allem an ausfallsicheren Kommunikationssystemen interessiert, die auch im Falle eines Krieges eine verlässliche Kommunikation gewährleisten sollten. Donald Davies hingegen arbeitete für das National Physical Laboratory und war vor allem damit beschäftigt, Techniken zu entwickeln, die es ermöglichen, mit mehreren Personen gleichzeitig an einem Großrechner zu arbeiten und diese so effizienter zu nutzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Debatte um den Zustand der Privatsphäre im Internet ein und definiert das Ziel der Arbeit, alternative Perspektiven zum Schutz der Privatsphäre aufzuzeigen.
2. Definition des Begriffs der Privatheit: In diesem Kapitel wird Beate Rösslers Theorie der Privatsphäre als theoretische Grundlage vorgestellt, wobei der Fokus insbesondere auf dem Aspekt der Kontrolle über Informationen liegt.
3. Einflussfaktoren auf die Privatsphäre: Dieser Hauptteil analysiert, wie Technik, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik die informationelle Privatheit beeinflussen und zunehmend einschränken.
4. Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre: Hier werden technische Möglichkeiten sowie politische und gesellschaftliche Ansätze zum Schutz der Privatsphäre diskutiert, wobei die hohen Anforderungen an den Nutzer hervorgehoben werden.
5. Konzepte: Dieses Kapitel vergleicht die Ergebnisse der vorangegangenen Untersuchungen mit Rösslers Theorie und stellt alternative Konzepte wie die „Transparent Society“ und die „kontextuelle Integrität“ vor.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Rösslers Theorie im digitalen Zeitalter an Grenzen stößt und empfiehlt, das Verständnis von Privatsphäre stärker an Nissenbaums Konzept der kontextuellen Integrität auszurichten.
Schlüsselwörter
Privatsphäre, Internet, informationelle Privatheit, Beate Rössler, Kontrolle, soziale Netzwerke, Cloud Computing, Vorratsdatenspeicherung, Datenschutzrecht, kontextuelle Integrität, Online-Durchsuchung, Datenspuren, Autonomie, Datensicherheit, Überwachungsgesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den bedrohten Zustand der Privatsphäre im Internet und prüft, ob die klassische Theorie der informationellen Privatheit von Beate Rössler in einer digital vernetzten Welt noch Bestand hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die technische Überwachung durch Datenbanken und Netzwerke, die soziale Dynamik des Web 2.0, ökonomische Interessen an Daten und staatliche Eingriffe wie die Vorratsdatenspeicherung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Verlust der informationellen Kontrolle des Einzelnen aufzuzeigen und neue theoretische Perspektiven, wie etwa die kontextuelle Integrität, als zeitgemäße Konzepte einzuführen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit philosophischen Konzepten der Privatheit und deren Anwendung auf aktuelle technische und soziale Gegebenheiten im Internet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Einflussfaktoren Technik (Datenbanken, Cloud Computing, Social Software), Gesellschaft (Grenzverschiebung privat/öffentlich), Wirtschaft (Profiling, Tracking) und Politik (Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Privatsphäre, Kontrolle, informationelle Privatheit, soziale Netzwerke, Cloud Computing, Datenschutzrecht und kontextuelle Integrität.
Inwiefern beeinflusst Cloud Computing die Privatsphäre?
Durch die Auslagerung von Daten in eine verteilte Cloud verliert der Nutzer den direkten Überblick und die Kontrolle über den Speicherort und die Verarbeitung seiner persönlichen Informationen durch Drittanbieter.
Was besagt Nissenbaums Konzept der kontextuellen Integrität?
Nissenbaum argumentiert, dass Informationen immer an einen bestimmten sozialen Kontext gebunden sind; Privatsphäre ist gewahrt, solange diese kontextspezifischen Normen der Informationsverbreitung eingehalten werden.
- Quote paper
- Stephen Reygate (Author), 2009, Die Privatsphäre im Internet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150954