Die vorliegende Arbeit möchte versuchen, partnerschaftliche Interaktion mit der Austauschtheorie zu erklären. Auf diesen Grundlagen dann aufbauend, soll dann auch erklärt werden, welche Gründe zu einer Trennung, speziell aber zu einer Scheidung führen. Partnerschaft ist in dieser Arbeit sowohl als eine nichteheliche Gemeinschaft zu verstehen als auch als Ehe.
Dem Thema dieser Arbeit ist das Motto „Quid pro quo“ vorangestellt, was man frei übersetzen kann mit: Wie du mir, so ich dir! Ein Prinzip, welches also nicht nur bei Rache zu unterstellen ist, sondern eben auch bei Partnerschaften, da es sich in solchen auch immer um ein Nehmen und Geben handelt. Insbesondere der Austausch von materiellen als auch immateriellen Gütern. In Partnerschaften ist ein ausgeglichener Austausch dieser Ressourcen auch ein Garant für eine stabile Gemeinschaft.
Die folgende Arbeit wird sich zunächst einmal mit den allgemeinen Grundlagen des zwischenmenschlichen Austausches beschäftigen; hier gilt es auch die Unterschiede zwischen dem ökonomischen und dem sozialem Tausch hervorzuheben, als eben auch noch einmal kurz die Ressourcentheorie nach Foa & Foa und die Grundlagen der Rational-Choice-Theorie vorzustellen, da sich die weiteren Kapitel auf dieser Basis fortführen werden.
Im dritten Kapitel gehe ich dann explizit auf Partnerschaften ein – es wird das austauschtheoretische Gefüge vorgestellt werden und auch auf die Interdependenztheorie nach Thibaut & Kelly eingegangen.
Danach werde ich dann das austauschtheoretische Grundmodell von Lewis & Spanier vorstellen, auf deren Arbeiten zur Erklärung von Stabilität und Qualität von Ehen in der Literatur immer wieder eingegangen wird. In diesem Kapitel werden die Ergebnisse von Lewis & Spanier zusammenfassend dargestellt werden.
Als Nächstes folgt ein kleiner Exkurs in die ökonomische Theorie der Partnerwahl. Diese Theorie werde ich vorstellen, um dann ökonomische Gründe der Trennung aufzulisten. Die partnerschaftliche Ökonomie hat durchaus Ähnlichkeiten mit den Theorien des Austausches bei Partnern, daher halte ich es für sinnvoll, auch dieses Thema mit in meine Arbeit einfließen zu lassen, um ein besseres und vollständigeres Bild dieses Themas zu geben.
Im letzten Kapitel möchte ich mich mit dem Thema der Trennung von Partnerschaften befassen, speziell der Scheidung von Ehen, nachdem ich einen kurzen historischen Abriss zu diesem Thema geliefert habe. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Grundlagen
2.1. Grundprinzipien der Austauschtheorie
2.2. Unterschiede zwischen ökonomischen und sozialem Tausch
2.3. Ressourcentheorie nach Foa und Foa
2.4. Grundlagen der Rational-Choice-Theorie
3. Partnerschaft als Austauschbeziehung
3.1. Austauschtheorie
3.2. Interdependenz
4. Austauschtheoretisches Grundmodell nach Lewis & Spanier
5. Exkurs: ökonomische Theorie der Partnerwahl
6. Scheidungsgründe
6.1. historischer Hintergrund
6.2. häufigste Gründe für Scheidung
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht partnerschaftliche Interaktionen und Trennungsgründe, insbesondere bei Ehescheidungen, unter Anwendung der Austauschtheorie. Ziel ist es, die Stabilität und Qualität von Partnerschaften durch die Analyse von Ressourcen, Nutzenmaximierung und Alternativen zu erklären.
- Anwendung der Austauschtheorie auf partnerschaftliche Beziehungen
- Unterscheidung zwischen ökonomischem und sozialem Tausch
- Analyse der Stabilität und Qualität von Ehen nach Lewis & Spanier
- Ökonomische Perspektiven auf die Partnerwahl und Scheidungsgründe
- Empirische Einflüsse auf das Scheidungsrisiko
Auszug aus dem Buch
3.1 Austauschtheorie
„In der Austauschtheorie wird ein subjektiv rationaler Akteur, der seine Handlungen am Prinzip der Nutzenmaximierung ausrichtet, unterstellt. Für eine Paarbeziehung bedeutet dies, das die Differenz zwischen dem aus der Beziehung erhaltenen Nutzen und den in eine Beziehung investierten Kosten in maximalem Ausmaß positiv ausfallen soll. Nach der Grundidee der Austauschtheorie lässt sich soziales Handeln als Austausch von materiellen und immateriellen Ressourcen zwischen mindestens zwei Akteuren verstehen, wobei die Akteure bestimmte Ziele verfolgen. Ein Austausch kommt dann zustande (und wird dauerhaft), wenn sich die Akteure von dem Tausch (auf Dauer) wechselseitig relative Vorteile versprechen. [...] In einer sozialen Beziehung bestehen zudem Reziprozitätserwartungen, d.h. durch den Erhalt einer Ressource fühlt sich der Empfänger zu einer entsprechenden Gegenleistung, die auch zeitlich versetzt erbracht werden kann, verpflichtet.“ (Blau 1964; Harris 1989; Nye 1982, zitiert nach Rüssmann 2006: 17f). Damit kommt es beim Austausch der Ressourcen zu einer Verflechtung auf der zeitlichen Ebene und darf somit auch als ein Garant für die Beziehung gelten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema partnerschaftlicher Interaktion aus austauschtheoretischer Perspektive ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit sowie den methodischen Aufbau.
2. Allgemeine Grundlagen: In diesem Kapitel werden zentrale soziologische Konzepte wie die Austauschtheorie, die Ressourcentheorie nach Foa & Foa und die Rational-Choice-Theorie als Basis für die weiteren Analysen vorgestellt.
3. Partnerschaft als Austauschbeziehung: Das Kapitel expliziert das austauschtheoretische Gefüge in Paarbeziehungen und führt das Konzept der Interdependenz nach Thibaut & Kelley zur Erklärung der Beziehungsstabilität ein.
4. Austauschtheoretisches Grundmodell nach Lewis & Spanier: Hier wird das Kausalmodell von Lewis & Spanier zur Untersuchung von Ehequalität und Ehestabilität vorgestellt und diskutiert.
5. Exkurs: ökonomische Theorie der Partnerwahl: Dieser Abschnitt beleuchtet die ökonomische Perspektive auf die Partnerwahl sowie die damit verbundenen Kosten und Risiken innerhalb eines Heiratsmarktes.
6. Scheidungsgründe: Dieses Kapitel analysiert sowohl historische Aspekte als auch empirische Faktoren, die zur Auflösung von Partnerschaften beitragen.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Austauschtheorie bei der Erklärung von Partnerschaften und einer kritischen Reflexion über deren Grenzen ab.
Schlüsselwörter
Austauschtheorie, Partnerwahl, Ehestabilität, Ehequalität, Nutzenmaximierung, Ressourcen, soziale Interaktion, Rational-Choice-Theorie, Scheidungsrisiko, Interdependenz, Familienökonomie, Rollenerwartungen, soziale Bindung, Partnerinteraktion, Trennungsgrund.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht partnerschaftliche Interaktionen und die Gründe für Trennungen bzw. Scheidungen unter Anwendung der soziologischen Austauschtheorie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit umfasst theoretische Grundlagen der Austauschtheorie, Modelle zur Ehequalität, ökonomische Theorien der Partnerwahl und eine Analyse empirischer Scheidungsgründe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erklären, wie partnerschaftliche Interaktionen funktionieren, warum Beziehungen stabilisiert werden und welche Faktoren zur Auflösung von Partnerschaften führen.
Welche wissenschaftlichen Theorien werden verwendet?
Hauptsächlich wird auf die Austauschtheorie, das Rational-Choice-Modell (RREEMM), die Interdependenztheorie nach Thibaut & Kelley sowie das Grundmodell von Lewis & Spanier zurückgegriffen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Grundlagen der Austauschbeziehungen, der ökonomischen Theorie der Partnerwahl und einer detaillierten Auseinandersetzung mit Scheidungsursachen im modernen gesellschaftlichen Kontext.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Austauschtheorie, Ehestabilität, Nutzenmaximierung, Partnerwahl und Scheidungsursachen.
Welche Rolle spielen ökonomische Überlegungen bei der Partnerwahl?
Die Arbeit zeigt, dass Partnerwahl auch als rationaler Prozess verstanden werden kann, bei dem Akteure Suchkosten minimieren und versuchen, ihren Nutzen durch den Vergleich von Alternativen zu maximieren.
Warum steigen die Scheidungsraten laut dem Autor?
Neben gesellschaftlichem Wandel und dem Abbau von Stigmatisierung nennt der Autor Faktoren wie unerfüllte Rollenerwartungen, Stress, mangelnde Ressourcen zur Konfliktbewältigung sowie die veränderte Bewertung von Alternativen.
Wie beeinflussen Kinder die Stabilität einer Ehe?
Voreheliche Geburten erhöhen laut den zitierten Studien das Scheidungsrisiko, während eheliche Fertilität in den ersten Jahren tendenziell stabilisierend wirken kann.
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- Ingo Jacobs (Author), 2007, Quid pro quo?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150984